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Vorlage - VII-A-02867  

 
 
Betreff: Kultur divers gestalten
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Migrantenbeirat
Beratungsfolge:
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
FA Kultur 1. Lesung
BA Kulturstätten Vorberatung
FA Soziales, Gesundheit und Vielfalt 1. Lesung

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Beschlussvorschlag:

 

1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, bis August 2021 eine Pilotstudie zur Rolle von Diversität in den städtischen Eigenbetrieben sowie den öffentlich geförderten Kultureinrichtungen der Stadt Leipzig in Auftrag zu geben. In einer wissenschaftlichen Bestandsaufnahme sollen alle von der Stadt Leipzig geförderte Kulturinstitutionen zur Relevanz und Umsetzung von Diversität, zu Potenzialen und Hindernissen befragt und bis Ende Dezember 2021 die Ergebnisse vorgelegt werden.

 

2. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, bis März 2022 ein umfassendes Konzept für die interkulturelle Öffnung der Kultureinrichtungen zu erarbeiten.

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Begründung:

Unsere Stadtgesellschaft ist vielfältig – aber wie steht es um die Diversität und Öffnung der Kulturinstitutionen in Leipzig? Rund 15 Prozent der Leipziger/-innen haben eine familiäre Migrationsgeschichte in ihrer Biographie. Diese Facette der Diversität spiegelt sich jedoch kaum wider, wenn es um die Gestaltung der Kultur geht.

 

Die Vielfalt unserer Stadtgesellschaft ist keine Ausnahme, sondern eine Normalität. Die Menschen, für die Kultur gemacht wird, sind nicht gleich, sondern vielfältig. Heterogene, unterschiedliche soziale Gruppen, mit Migrationsbezug, als Angehörige von Minderheiten, als Menschen mit Behinderungen. Im Grunde genommen geht es um die Anerkennung der Gesellschaft mitsamt ihrer Pluralität der Lebensformen.

 

Außerdem ist es wichtig, dass wir auf gesellschaftliche Transformationen reagieren und diese als öffentliche Institution mitgestalten. Es soll unser gemeinsames Ziel sein, die Vielfalt der Leipziger Gesellschaft besser im Programm abzubilden, ein diverseres Publikum anzusprechen und neue Formen der gemeinschaftlichen Kuration zu verankern. Um zukünftig auch diejenigen Menschen zu erreichen, die sich noch nicht angesprochen fühlen, soll an einem attraktiven Kulturangebot für eine vielfältige (Stadt)-Gesellschaft gearbeitet werden. 

 

Für Leipzig gibt es darüber bisher kein Wissen auf Grundlage einer vergleichenden Gesamtschau, wie hoch der Anteil an Kultureinrichtungen ist, die sich aktiv für Diversität engagieren und darüber wie Leiter/-innen von Theatern, Museen, Bibliotheken und anderen öffentlich geför­derten Kulturorten zu dem Thema Diversität stehen.

 

Um den Einrichtungen in ihrer Vielfalt von Sparten, Größen und Finanzkraft und gleich­zeitig der Dringlichkeit des Themas gerecht zu werden, sind Fakten notwendig: über das Stimmungsbild, die Handlungsbereitschaft, ­-fähigkeit und das Ausmaß an gelebter Diversität.

 

Diese angestrebte Studie soll den folgenden Fragen nachgehen:
 

-          Unsere Gesellschaft ist vielfältig, doch warum spiegelt sich diese Diversität so wenig in den Kulturinstitutionen wider?

-          Wie kann eine diversitätsorientierte und diskriminierungskritische Kunst- und Kulturpraxis gelingen?

-          Welche Strategien und Maßnahmen entwickeln Kultureinrichtungen in Programm, Personal und Publikum, um sich zu öffnen?

 

Außerdem soll in der Studie herausgefunden werden, was Entscheider/-innen in Kultur­institutionen kritisch betrachten, wenn es um diversitätsbezogene Öffnungsprozesse geht. Und welche Art der Unterstützung Ein­richtungen sich für ihre Arbeit insbesondere in Bezug auf eine weitere Öffnung in die Gesellschaft wünschen.

 

Die Ergebnisse der Studie sollen in dem neuen zu erarbeitenden Konzept einfließen und das Engagement für Diversität zu vertiefen, muss im Zentrum des Konzeptes stehen.

 

Beispiele:

a) Damit sich die Vielfalt der Berliner Stadtgesellschaft stärker im Kulturbetrieb widerspiegelt, hat die dortige Senatsverwaltung eine Konzeptions- und Beratungsstelle für Diversitätsentwicklung eingerichtet: Diversity Arts Culture wurde im April 2017 mit dem Ziel gegründet, einen diversitätsorientierten Strukturwandel im Berliner Kulturbetrieb anzuregen und zu fördern.

 

b) Die Stadt Basel machte sich ab März 2021 mit vier Baseler Kulturinstitutionen auf den Weg, Kultur divers zu gestalten. Erstmals wird die Öffnung von Kulturbetrieben umfassend angegangen. Ziel ist es, die vielfältige Baseler Stadtgesellschaft auf der Ebene der Gestaltung von Kultur besser abzubilden.