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Vorlage - VII-A-02742  

 
 
Betreff: Die Stadt Leipzig und die städtischen Eigenbetriebe als vorbildliche und inklusive Arbeitgeber weiterentwickeln
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Beratungsfolge:
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
19.05.2021 
Ratsversammlung, Kongreßhalle Leipzig, Pfaffendorfer Str. 31, 04105 Leipzig (offen)   
FA Allgemeine Verwaltung 1. Lesung
25.05.2021    FA Allgemeine Verwaltung (Videokonferenz)      
BA Kulturstätten 1. Lesung
03.06.2021 
BA Kulturstätten      
BA Eigenbetrieb Engelsdorf 1. Lesung
Behindertenbeirat Vorberatung
14.06.2021 
Behindertenbeirat      
BA Stadtreinigung 1. Lesung
BA Jugend, Soziales, Gesundheit 1. Lesung

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

 

 

Der Oberbürgermeister wird bis Ende 3. Quartals 2021 beauftragt

 

  1. eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Leipzig und dem Berufsförderungswerk Leipzig und dem Berufsbildungswerk Leipzig zur Übernahme von Personen mit Behinderungen oder Gleichstellung in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bei der Stadtverwaltung abzuschließen. Die Kooperation soll gezielt versuchen, dass ein Teil von diesen Personen zu Verwaltungsfachangestellten (um-)geschult bzw. ausgebildet werden, um so im Anschluss die Möglichkeit zu erhalten, in der Stadtverwaltung beschäftigt zu werden. Die Stadt Leipzig und ihre Eigenbetriebe bzw. Beteiligungsunternehmen bieten außerdem gezielt die Möglichkeit von Praktika und verzahnten Aus- und Weiterbildungsformen mit beiden Kooperationspartner*innen an.
  2. Weiterhin sollen aufgrund der Kooperationsvereinbarung, welche ausdrücklich auch die Eigenbetriebe der Stadt Leipzig und Beteiligungsunternehmen einschließt, mit dem Berufsförderungswerk bzw. dem Berufsbildungswerk weitere Arbeitsmöglichkeiten für weitere Personen mit Behinderungen oder Gleichstellung in weiteren geeigneten Berufsbereichen erschlossen werden. So bildet das Berufsförderungswerk im Bereich der technischen Berufe Menschen mit verschiedenen körperlichen Behinderungen aus. Das Berufsbildungswerk bildet u.a. in gewerblich-technischen Berufen überwiegend kommunikationsbeeinträchtigte sowie junge Menschen mit seelischen und psychischen Erkrankungen aus, aber auch in agrartechnischen Berufen oder in den Berufsbereichen Ernährung und Hauswirtschaft.
  3. Vertreter*innen des Berufsförderungswerkes Leipzig und des Berufsbildungswerkes Leipzig sollen in den Koordinierungskreis Berufs- und Studienorientierung mit als Mitglieder aufgenommen werden.

 

Begründung:

Mit diesen Maßnahmen wollen wir, dass die Stadt Leipzig als vorbildlicher Arbeitgeber wirkt. „Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt“ ist im strategischen Ziel „Leipzig schafft soziale Stabilität“ formuliert. Dies beinhaltet die Förderung von inklusiven Denken und Handeln. Als öffentlicher Arbeitgeber soll Leipzig gezielt darauf hinarbeiten, Menschen mit Behinderungen den Zugang zu Bildung sowie zu qualifizierter und sozialversicherter Erwerbsarbeit ermöglichen. Die Eigenbetriebe und unsere Verwaltung haben hier schon viele und gute Erfahrungen gesammelt. Innovatives Denken, Kooperationen und gute Vernetzungen sind auch hier immens wichtig für den Erfolg.

 

Laut Sozialreport 2020 hatten im Jahr 2019 in Leipzig 99.149 Menschen eine Behinderung mit einem Grad ab 20. Dies entsprach einem Anteil von 16,5 % der Leipziger Bevölkerung. Seit dem Jahr 2010 hat sich die Zahl der Menschen mit Behinderung um 21.496 erhöht. Das entspricht einem Anstieg von 27,7 %. 52.864 Personen hatten einen gültigen Schwerbehindertenausweis. Darüber hinaus gab es weitere 9.687 Personen mit einer Schwerbehinderung, die keinen Ausweis beantragt haben.

 

Für Menschen mit Behinderung gibt es zwei verschiedene Felder des Arbeitsmarktes: den allgemeinen Arbeitsmarkt und Werkstätten für behinderte Menschen. Berufsorientierung und Ausbildungsangebote für Menschen mit Behinderung bereiten auf diese beiden Arbeitsbereiche vor. Für Menschen mit einer geistigen Behinderung ist der allgemeine Arbeitsmarkt weitgehend verschlossen. Die Arbeitsmöglichkeiten werden mit steigenden Anforderungen der Arbeitswelt und durch den Abbau von einfach strukturierten Tätigkeiten weiter eingeschränkt.

 

Im Jahr 2018 beschäftigten Leipziger Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten insgesamt 4.650 Menschen mit Behinderung, davon waren 1.671 Personen bei öffentlich-rechtlichen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern und 3.109 bei privatrechtlichen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern angestellt. Im Jahr 2019 gab es in sieben Inklusionsunternehmen 81 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung. Die Zahl erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um zwölf Arbeitsplätze. Die Zahl der Außenarbeitsplätze in den sechs Leipziger Werkstätten für Menschen mit Behinderung verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 13 Plätze auf 207 Plätze. Dies entspricht 13,7 % der Plätze im Arbeitsbereich der Werkstätten

 

Die Arbeitslosenquote schwerbehinderter (und ihnen gleichgestellter) Menschen lag 2018 in Deutschland bei 11,2 %. Sie ist deutlich höher als eine entsprechend berechnete personengruppenübergreifende Referenzquote (2018: 6,5 %).

 

Mit der Arbeitslosenzahl wird ein Großteil der Personen abgebildet, die beschäftigungslos sind, Arbeit suchen und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Andere beschäftigungslose, arbeitsuchende Personen oder Personen, die schon einen Weg in subventionierte Beschäftigung gefunden haben, werden ergänzend im gestuften Konzept der Unterbeschäftigung ausgewiesen. Personen, die nah am Arbeitslosenstatus sind: Berufliche Weiterbildung inklusive Förderung von Menschen mit Behinderungen.

 

Am Jahresende 2019 waren insgesamt 29.921 Personen in der Stadt Leipzig von Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) betroffen. Das waren 161 Personen mehr als im Vorjahr. Die größte Gruppe der Unterbeschäftigten bilden die 18.637 Arbeitslosen. Weitere 6.951 Leipziger/- innen waren zum Jahresende 2019 nah am Arbeitslosenstatus, wurden aber nicht als arbeitslos gezählt. Dazu gehören hauptsächlich 2.535 Personen in Fremdförderung, 2.160 Personen in beruflicher Weiterbildung (einschließlich der Förderung von Menschen mit Behinderung) und 991 Personen in Arbeitsgelegenheiten.

 

Seltsamerweise wiesen Im Jahr 2017 57 % der behinderten Menschen eine Ausbildung oder ein Praktikum auf. Bei den nicht-behinderten Menschen waren es 48 %. Wie aus den oben genannten Daten ersichtlich ist, gibt es noch sehr viele Potentiale, um Menschen mit Behinderung besser in den Arbeitsmarkt mit qualifizierter und sozialversicherter Arbeit zu integrieren. Die Stadt Leipzig und deren Eigenbetriebe sollen dank dieses Antrages als Vorbild dienen, um die Situation auch in anderen Branchen mittelfristig stetig zu verbessern.

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2