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Vorlage - VII-DS-02458  

 
 
Betreff: Planungsbeschluss Neubau einer Stadtteilbibliothek am Otto-Runki-Platz
Anlass: Stadtratsbeschluss
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Beschlussvorlage
Einreicher:Dezernat Kultur
Beratungsfolge:
DB OBM - Vorabstimmung Vorberatung
23.04.2021    DB OBM - Vorabstimmung - als Videokonferenz      
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Beschlussfassung
FA Kultur Information zur Kenntnis
11.06.2021    FA Kultur - 2. Lesung Fördermittel (Videokonferenz)      
SBB Ost Information zur Kenntnis
07.07.2021    SBB Ost      
FA Finanzen Information zur Kenntnis
14.06.2021    FA Finanzen      
FA Stadtentwicklung und Bau Information zur Kenntnis
15.06.2021    FA Stadtentwicklung und Bau      

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlagen:
Lageplan_

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Beschluss des Oberbürgermeisters vom 04.05.2021:

 

1.Der Planungsbeschluss zum Neubau einer Stadtteilbibliothek am Otto-Runki-Platz wird

   gefasst.

 

2.Der Bürgermeister und Beigeordnete für Stadtentwicklung und Bau wird ermächtigt, mit der

   Bestätigung der Vorlage in der DB OBM die LP 1-3 zu beauftragen.

   Die Planungskosten bis zur Vorlage des Baubeschlusses (Leistungsphase 3 HOAI)

   betragen    340.000 €. Die Mittel werden aus den zentralen Planungsmitteln (gemäß

   Beschlussvorlage VII-DS-01404-NF-01, IA: 109861200001, Sachkonto: 4271 9120) bereitgestellt und dem PSP-Element 7.0002268.700 zugeordnet.

 

 

Räumlicher Bezug:

 

Leipzig Ost, Neustadt-Neuschönefeld und Volkmarsdorf, Otto-Runki-Platz / 04315 Leipzig

 

 

Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

Der Neubau einer Bibliothek ergänzt gemäß Beschlusslage den Schwimmhallenneubau am Otto-Runki-Platz und etabliert eine zweite Nutzung auf dem verfügbaren Baufeld (VI-DS 03746, VI-DS 04076, VI-DS-05531), nachdem andere ergänzende Nutzungen verworfen wurden (VI-DS-08224).

Aus fachlicher Sicht setzt das Vorhaben wichtige Ziele der Fachplanungen um (VI-DS-02215, VII-DS-01413), die aktuelle unzureichende Bibliotheksstruktur im Leipziger Osten zu verbessern

 

 

 


 

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Finanzielle Auswirkungen

nein

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

nein

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

nein

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

nein

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

2021

2022

340.000

7.0002268.700

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

nein

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

nein

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

nein

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

nein

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

ja

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

Ja

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:

 

 

 


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftsstruktur

Vorsorgendes Flächen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele: >beim Ausfüllen bitte überschreiben: max. 60 Zeichen ohne Leerzeichen

 

trifft nicht zu

 

 


Klimawirkung durch den Beschluss der Vorlage

Stufe 1: Grobe Einordnung zur Klimawirkung (Klimaschutzes und zur -wandelanpassung)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eingesetzte Energieträger (Strom, Wärme, Brennstoff)

keine / Aussage nicht möglich

erneuerbar

fossil

 

Reduziert bestehenden Energie-/Ressourcenverbrauch

Aussage nicht möglich

ja

nein

 

Speichert CO2-Emissionen (u.a. Baumpflanzungen)

 

Aussage nicht möglich

ja

nein

 

Mindert die Auswirkungen des Klima­wandels (u. a. Entsiegelung, Regen­wassermanagement)

Aussage nicht möglich

ja

nein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschätzbare Klimawirkung mit erheblicher Relevanz

ja, da Beschlussgremium RV, GVA, oder VA und mind. 5 Jahre Betriebs- und Nutzungsdauer

nein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorlage hat keine abschätzbare Klimawirkung

ja (Prüfschema endet hier.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Stufe 2: Die Vorlage berücksichtigt die zentralen energie- und klimapolitischen Beschlüsse (s. leipzig.de)

 

                        

ja

nein (Begründung s. Abwägungsprozess)

nicht berührt (Prüfschema endet hier.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Stufe 3: Detaillierte Darstellung zur abschätzbaren Klimawirkung nur bei erheblicher Relevanz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berechnete THG-Emissionen (in t bzw. t./a): ____________________

 

liegt vor: s. Anlage/Kapitel der Vorlage: ________________________

 

 

wird vorgelegt mit: Baubeschluss (z. B. Planungsbeschluss, Baubeschluss, Billigungs- und Auslegungsbeschluss)

 

 

 

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I. Eilbedürftigkeitsbegründung

 

Nicht erforderlich

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit

 

Nicht erforderlich

 

III.  Strategische Ziele

 

Die Maßnahme unterstützt im besonderen Maße die Zielkomplexe der Lebensqualität und der sozialen Stabilität. Das Medien- und Informationsangebot, die Programmarbeit für Kitas und Schulen und Angebote der kulturellen Bildung und Freizeitgestaltung der geplanten Bibliothek am Otto Runki-Platz werden ausgerichtet auf den Stadtteil. Damit stützt die Stadtteilbibliothek die INSEK-Ziele Leipzig setzt auf Lebensqualität durch quartiersnahe Kultur- und Freiraumangebote. Insbesondere die Bereitstellung von Informationen, die Vermittlung von Kompetenzen, die Schaffung von Rahmenbedingungen für Eigenbetätigung der Bürger/innen, die Serviceleistungen für Menschen mit Mobilitätseinschränkung und mit besonderen Förderbedarfen sowie die umfangreiche Programmarbeit für KiTas und Schulen tragen zur Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt und zum lebenslangen Lernen bei.

 


IV. Sachverhalt

1. Anlass

 

Mit der Vorlage VI-DS 03746 wurde 2017 der Beschluss zum Bau einer Schwimmhalle am Otto-Runki-Platz, inkl. der Prüfung eines ergänzenden zweiten Nutzungszusammenhangs gefasst. Dieser Beschluss basiert auf der Vorgabe, kommunale Infrastruktur und städtische Gebäude mehreren Nutzungskontexten zuzuführen (VI-DS 04076). 2018 wurde diese Beschlusslage durch die Vorlage VI-DS-05531 dahingehend konkretisiert, dass die seit 2017 realisierten Prüfungen zur multifunktionalen Bauweise und Nutzung ergeben haben, dass der Bau einer Stadtteilbibliothek (STB) zukünftig weiterverfolgt werden soll.

Mit der Vorlage VI-DS-08224 wurde schließlich 2019 die Prüfung, ob ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) als ergänzende Nutzung im bzw. am Schwimmhallenneubau errichtet werden kann, verworfen. Als Alternative wurde auch in diesem Beschluss der Bau einer STB festgeschrieben. Auch in der Informationsvorlage VII-Ifo-00545 wurde die Errichtung der STB erneut vorgeschlagen. Mit dem Verwaltungsstandpunkt VII-A-00679-VSP-01 vom September 2020 wurde der Bibliotheksneubau als Auftrag für die Stadtverwaltung formuliert.

Im fachlichen Kontext ist die Bibliotheksentwicklungskonzeption (BEK) 2015 – 2020 (VI-DS-02215) beschlossene Grundlage, welche die Etablierung einer neuen großen STB im Leipziger Osten als wichtiges Entwicklungsziel festgelegt hat. Dieses Ziel wurde 2020 in der neuen BEK (VII-DS-01413) erneut dargelegt, fachlich sowie strategisch begründet und durch Ratsbeschluss bestätigt.

Die Leipziger Städtischen Bibliotheken (LSB) sind ein wichtiger Teil der Leipziger Kultur- und Bildungslandschaft sowie Zentren für Kommunikation und Information, Leseförderung und Bildung. Die zentralen Aufgaben der LSB sind der Aufbau, die Strukturierung, die Bereitstellung sowie die Vermittlung von Wissen und Informationen. Entsprechend stellen die LSB Medien sowie Beratungs- und Informationsdienste für alle Bürgerinnen und Bürger, die Gäste Leipzigs, für die Kultur-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen der Stadt sowie für Einrichtungen in freier Trägerschaft, Gruppen und Initiativen kultureller Stadtteilarbeit zur Verfügung. Sie unterstützen lebenslanges Lernen für die nachhaltige Teilhabe an der Wissensgesellschaft, betreiben Leseförderung und vermitteln Informations- und Medienkompetenz.

Mit einer leistungsstarken Zentralbibliothek, einem die Peripherien der Stadt erschließenden Bücherbus und einem dezentralen Netz aus STB sind die LSB jene Kultur- und Bildungseinrichtung Leipzigs, die im gesamten Stadtgebiet vertreten sind. Die STB sind dezentrale Informations- und Begegnungszentren mit hoher Identifikationskraft für die Bevölkerung im jeweiligen Einzugsgebiet.

Die neue Stadtteilbibliothek (STB) am Otto-Runki-Platz soll den Bibliotheksstandort am Torgauer Platz ersetzen und zugleich die Funktion einer großen Stadtteilbibliothek für den Leipziger Osten übernehmen. Angesichts der Größe des Einzugsgebiets, der zentralen Lage des Otto-Runki-Platzes und seiner ausgezeichneten ÖPNV-Anbindung einerseits sowie der Entwicklungsfähigkeit und der Anbindung bestehender Stadtteilbibliotheken andererseits ist diese strukturelle Verlagerung folgerichtig, erforderlich und nachhaltig. Mit rund 50.000 € Jahresmiete einschließlich Verbrauchskosten zählt die mit rund 300 qm recht kleine Stadtteilbibliothek am Torgauer Platz zudem zu den teuersten Standorten der Leipziger Städtischen Bibliotheken (LSB).

Das unmittelbare Einzugsgebiet der neuen, großen STB bilden die beiden Ortsteile Volkmarsdorf und Neustadt-Neuschönefeld. Rund 26.000 Menschen leben in unmittelbarer Nähe des Otto-Runki-Platzes. Zusätzlich sind Anger-Crottendorf, das Zentrum-Ost, Sellerhausen-Stünz und Reudnitz-Thonberg als erweitertes Quartier zu verstehen, welches von mehr als 47.000 Menschen bewohnt wird. Ein vergleichbares Einzugsgebiet hat zum Beispiel die STB Südvorstadt, die ebenfalls als große Bibliothek erbaut wurde und betrieben wird.

Die zentralen soziodemographischen Merkmale im Kerneinzugsgebiet sind ein deutlich unterdurchschnittliches Alter der Bevölkerung, eine geringe Alten- und eine moderate Jugendquote. Der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund liegt deutlich über den Werten der Gesamtstadt und prägt das Einzugsgebiet mit kultureller und sozialer Vielfalt. Der Anteil von Menschen, die auf Transferleistungen angewiesen sind, sinkt zwar in den letzten Jahren stetig, dennoch bestreiten doppelt so viele Einwohnerinnen und Einwohner ihren Lebensunterhalt mit Sozialleistungen als im gesamtstädtischen Vergleich. Entsprechend unterdurchschnittlich ist das Haushaltseinkommen im Kerneinzugsgebiet.

In Volkmarsdorf und Neustadt-Neuschönefeld liegen insgesamt vier allgemeinbildende Schulen, wobei mit der QS Ihmelsstraße ein neuer großer Schulkomplex im Entstehen ist. Es bestehen ferner in fußläufiger Entfernung fünf Kindertageseinrichtungen. Darüber hinaus entwickelt sich das Einzugsgebiet in der jüngeren Vergangenheit besonders dynamisch, bietet vergleichsweise günstigen Wohnraum und ist somit gerade für junge Erwachsene zur Heimstätte geworden. Entsprechend viele informelle soziale Zusammenschlüsse sowie Initiativen prägen das Bild und den Alltag im Kiez.

 

 

2. Beschreibung der Maßnahme

 

Im Rahmen eines VgV-Verfahrens wird nach erfolgter Beschlussfassung die Erarbeitung einer konkreten baulichen Konzeptidee realisiert.

 

Vor Beginn des VgV-Verfahrens sind zwingend grundlegende aufgabenstellungsrelevante Punkte zu klären. Das Projekt bringt einen hohen Klärungsbedarf aufgrund der Schnittstellen zum Projekt Neubau Schwimmhalle auf dem Otto-Runki-Platz (u.a. Reihenfolge Bauabschnitte, Grundstücksteilung, Freianlagenplanung).

 

 

Basiskonzepte für die Bibliothek - Vier Räume, offene Flächen und Open-Library

 

Um den sich wandelnden Erwartungen und Anforderungen an eine Öffentliche Bibliothek adäquat begegnen zu können, müssen Bibliotheksflächen neu gedacht und geplant werden. Mit dem aus Skandinavien stammenden sog. Four Spaces-Modell (Vier Räume-/Vier Funktionen-Modell)[1]  liegt ein integrativer Ansatz vor, der für das Neubauvorhaben am Otto-Runki-Platz angewandt werden soll.

Im Konzept der Vier Räume (Lernraum, Treffpunkt, Raum für Anregungen und Raum für Aktivitäten), werden Funktionen zeitgemäßer Bibliotheken in Flächen verortet bzw. durch diese und deren Zusammenwirken institutionalisiert. Die Funktionen sind im Einzelnen Beteiligung, Erlebnis/Erfahrung, Befähigung und Innovation. Mit diesen zentralen Aussagen des Bibliotheksmodells ist der Rahmen für die räumliche Gestaltung der Flächen abgesteckt. Entsprechend sind Bereiche zu planen, welche Kreativität und freie Entfaltung, soziale Treffen und Teilhabe, Information und Lernen sowie Inspiration ermöglichen. Das Zusammenspiel der Funktionen und das Zusammenwirken der Flächen werden am konkreten Umfeld und den dort angesiedelten Ansprüchen sowie Interessen konkretisiert.

Zugleich folgt das Bibliothekskonzept dem Ansatz der Offenen Flächen (Open Plan). In dieser fachlichen Perspektive auf die Bibliotheksräume kommt zum Ausdruck, dass moderne Bibliotheksgebäude und -flächen mit größtmöglicher Flexibilität zu planen und zu konstruieren sind. Feststehende Strukturen, die die Nutzung dauerhaft determinieren, sind entsprechend zu minimieren. Zugleich sind Installationen flexibel und intelligent anzuordnen, um in möglichst allen Zonen das gesamte Spektrum der Infrastruktur sowie Dienstleistungen variabel nutzen und gestalten zu können.

Die Bibliothek soll ausgedehnte Öffnungszeiten anbieten, die sowohl durch Fachpersonal vor Ort abgesichert und realisiert sowie durch servicefreie Zeiten ergänzt werden, in denen zwar die Basisfunktionen der Bibliothek (Ausleihe, Aufenthalt) verfügbar sind, diese aber nicht personell unterstützt werden - also z.B. Recherche oder Beratung nicht angeboten wird (sog. Open-Library-Konzept).

 


Konkretisierung für den Stadtteil und Entsprechungen im Raumprogramm

 

Das neue Haus soll, gemäß der Ziele des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes und den daraus abgeleiteten Zielen der Bibliotheksentwicklungskonzeption den Leitgedanken der umfassenden Offenheit, der Selbstverwirklichung durch Befähigung und der Beteiligung sowie der Begegnung folgen. Die Bibliothek wird als sozialer sowie interkultureller Treffpunkt und zugleich als hochwertiger Aufenthaltsort für Familien, junge Erwachsene sowie die vielfältigen Gruppen und Initiativen im Quartier konzipiert. Dieser barrierefreie, niedrigschwellige und kommerzfreie Dritte Ort bietet umfassende Chancen, Möglichkeiten und Zugänge für die Menschen im Einzugsgebiet.

Als Ort der Information und durch technische Infrastruktur unterbreitet die neue Bibliothek als Institution des lebenslangen Lernens zahlreiche informelle Angebote an die Bevölkerung, wobei die Dienstleistungen und Angebote auf die gesamte Bevölkerungsstruktur im Leipziger Osten ausgerichtet sein werden. Gemeinsam und selbstbestimmt mit den vielfältigen, vorhandenen Möglichkeiten kreativ, kommunikativ, aktiv und produktiv tätig zu werden, ist als wichtige Bereicherung des Kultur- und Bildungslebens im Leipziger Osten und der gesamten Stadt zu verstehen.

Das Raumprogramm geht von einer Bruttogeschossfläche von 1.300 qm aus. Aus diesem planerischen Wert resultiert eine Nettofläche von mehr als 1.000 qm, wobei rund 70 qm Technikflächen, 140 qm Verkehrsfläche und 850 qm Programmfläche resultieren. Überschneidungen zwischen Programm- und Verkehrsfläche sind zu erwarten und explizit erwünscht.

Grundlegend wird sich der neu entstehende Standort in die genannten vier Räume / four spaces gliedern. Es wird von einem zweigeschossigen Bau ausgegangen, die Programm-, Verkehrs- und Technikflächen werden räumlich-konzeptionell auf zwei Etagen verteilt. In der Anwendung des Modells wird für den Otto-Runki-Platz von einer Fokussierung auf jeweils zwei dieser Flächen pro Etage ausgegangen. Alle Flächen erfüllen aber stets auch Teilaspekte der weiteren Funktionen.

 

Erdgeschoss: Raum für Erlebnis, Erfahrung und soziale Teilhabe: Im Erdgeschoss sind Teilflächen zu erstellen, die einen Begegnungs-, Aufenthalts- und Lesebereich sowie die großzügige Familienbibliothek realisieren. Der ebenerdige Eingangsbereich, der zur Medienausleihe und -rückgabe, zur Information über Angebote der Bibliothek, zur Orientierung oder zum kurzen Aufenthalt bzw. Warten vor Ort dienen wird, ist als offenes Foyer einzuplanen. Räumlich nah müssen dort auch Funktionsräume zur Medienanlieferung und -abholung bzw. zur Sortierung von Medien angeordnet werden. Die Anlieferung ist so einzuplanen, dass Publikumsbereiche möglichst nicht gekreuzt werden und damit interne Abläufe nichtöffentlich bleiben.

Der auch außerhalb der Öffnungszeiten zu nutzende Quartiersraum ist zwingend im Erdgeschoss zu etablieren. Diese sogenannte Stadtteilkomponente ist elementarer Bestandteil des Bibliothekskonzeptes und der vorliegenden Beschlusslage.

In der Begegnungsfläche werden informelle und organisierte Treffen der Bevölkerung ermöglicht. Diese Fläche öffnet sich durch eine transparente Fassade direkt in den Stadtteil. Somit sind Einblicke möglich, die eine dauerhafte Einladung zur Nutzung der Angebote, Dienste und Möglichkeiten an das Quartier aussprechen. Den hohen Aufenthaltswert sichern bequeme und ansprechende Sitz- sowie Anlesemöglichkeiten, die vielseitig für Veranstaltungen (z.B. Podien, Diskussionen, Lesungen etc.) und auch informelle Treffen (z.B. Senioren- und Kulturcafés, Mütter- und Stadtteiltreffs) nutzbar sein werden. Aktuelle Medienpräsentationen und Stadtteilinformationen sind verfügbar.

Die Familienbibliothek als Erlebnis- und Entdeckungsbereich mit rund 5.000 vielfältigen Medien prägt die weitere Programmfläche im EG. Die Programmarbeit für KiTas und Grundschulen sowie weitere Veranstaltungsformate speziell für Kinder und Familien werden in dieser flexibel möblierten Fläche umgesetzt und profitiert von der verfügbaren modernen Präsentationstechnik sowie dem Raumangebot. Analoges und digitales Spielen, spielerisches Lernen durch die Erlebniswelt der LSB mit ihren MINT-Themen und eine Spiellandschaft unter der Treppe gehören auch zum Angebot. Eine gute räumliche Anbindung an die Funktionsräume der Etage komplettiert die Infrastruktur.

Der Quartiersraum, der zugleich auch als Veranstaltungsraum der Bibliothek genutzt werden kann, verfügt über einen separaten Außenzugang. Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Initiativen können in diesem Raum eigene Formate gestalten, Ideen teilen oder Partner für eigene Projekte finden. Kommunikations- und Veranstaltungstechnik sowie ein Tresen (bzw. ein kleiner, offener Küchenbereich) ermöglichen zahlreiche Anwendungen.

Das Lager im EG eröffnet die Chancen, ganz unmittelbar erforderliche Technik und Ausstattung bereitzustellen.

Da die Nutzungskontexte des Begegnungsbereichs mit denen der Familienbibliothek kollidieren können, ist auf eine akustische Separierung zu achten. Durch den intelligenten und sparsamen Einsatz raumtrennender Elemente sind die beiden Erdgeschosszonen so anzulegen, dass gute Einsehbarkeit ermöglicht wird. Damit können insbesondere Familien die Begegnungszone und die Familienbibliothek gleichzeitig und effektiv nutzen. Eine als Sitzoption verwendbare Freitreppe leitet in das Obergeschoss und erschließt die dortigen Teilzonen. Bei allen drei Bereichen des Erdgeschosses ist es angedacht, die spätere Nutzerschaft zu einzelnen Aspekten der Gestaltung zu beteiligen.

 

Obergeschoss: Raum für Befähigung, Innovation, Erlebnis und Erfahrung: Der Publikumsbereich im Obergeschoss lässt sich als Lern- sowie als Kreativzone beschreiben. Er verschreibt sich damit den Funktionen Befähigung und Erlebnis. Befähigung bedeutet in besonderem Maße die Bereitstellung von Medien und Infrastruktur, die lebenslanges Lernen ermöglichen. Einzelne und Gruppen können vor Ort Informationen sammeln, aufbereiten und damit Wissen sowie Kompetenzen aufbauen und erweitern. Arbeitsplätze zur Arbeit mit eigener Technik sowie mit PCs und Technikausstattung der Bibliothek sind vorzusehen. Zwischen 8.000 und 10.000 Bücher und Medien werden auf diesen Flächen aufgestellt und durch bequeme Anleseplätze in einem Bereich geringer Lautstärke ergänzt.

Neben dieser auf Lern- und Arbeitsatmosphäre ausgerichteten Raumstruktur werden mit der Kreativ- und Innovationsfläche offene und flexible Arbeitsbereiche umgesetzt. Diese sind stärker auf Formen kooperativer und gestaltender Tätigkeiten ausgelegt. Workshops, Arbeitskreise, Sprachkurse, Handarbeitstreffs oder auch Do-it-yourself-Werkstattformate werden in dieser Zone mit multifunktionaler Möblierung angeboten. Licht, Strom und Dateninfrastruktur sollen pragmatisch und justierbar vorgesehen werden. Verfügbar ist auch Kommunikations- und Präsentationstechnik. Ein zweites Lager, das saisonale Bestände und Kreativmaterialien bereithält, ist räumlich nah vorzusehen. Die Informationsvermittlung und Auskunftstätigkeit des Personals findet an kleinen Informationstischen und/oder mit mobiler Technik statt.

Zudem sind interne Arbeitszonen einzuplanen, die den Anforderungen des Arbeitsschutzes genügen und eine intelligente sowie flexible Nutzung durch bis zu fünf Mitarbeitende vor Ort ermöglichen. Die genaue Lage der Büros und Sozialflächen kann der räumlichen Realisierung der anderen Zonen untergeordnet werden.

 

3. Realisierungs- / Zeithorizont

 

Die Umsetzung der Gesamtmaßnahme könnte gemäß nachfolgendem Zeitplan erfolgen:

 

Planungsbeschluss

06/2021

VgV-Verfahren bis

03/2022

Planung LP1-3 bis

01/2023

Baubeschluss bis

05/2023

Planung LP4 / Bauantrag bis

07/2023

Baubeginn

02/2025

Baufertigstellung

11/2026

Nutzungsbeginn

12/2026

 


4. Finanzielle Auswirkungen

4.1. Investitionsaufwand

Die Planungskosten für die Vorbereitung und Durchführung VgV-Verfahren, Planungen bis zur LP 3 einschließlich planungsbegleitender Gutachten betragen für die Maßnahme Neubau Bibliothek 340.000 EUR. Die prognostizierten Gesamtkosten setzen sich wie folgt zusammen:

 

 

Kostenermittlungsstufe: Kostenrahmen nach DIN 276 in EUR Brutto (Stand 02/2021)

Kostenrahmen nach DIN 276 – Kosten in EUR brutto

KG

Kostengruppe

Kosten Bibliothek

100

Grundstück

-

200

Herrichten und Erschließen

140.000

300

Bauwerk-Baukonstruktion

2.838.000

400

Bauwerk- Technische Anlagen

950.000

500

Außenanlagen

370.000

600

Einrichtung und Ausstattung*

Einschließlich 56.820€  Kunst am Bau

590.000

700

Baunebenkosten  

1.212.000

Summe

6.100.000

*Die Kosten der Kostengruppe 600 umfassen sowohl Kosten im Ergebnis- als auch im Finanzhaushalt. Die               konkrete Aufschlüsselung und Zuordnung der Kostenanteile zum Finanz- und Ergebnishaushalt kann erst mit fortgeschrittener Planung erfolgen.

Bezüglich KG 600 ist anzumerken, dass die Kosten für Kunst am Bau 1,5% der KG 300 und KG 400 (s. Vorlage VII-DS-00232, Punkt 3.1 der Richtlinie) betragen und damit auf 56.820 € festgeschrieben werden. Die ermittelten Kosten enthalten sowohl Herstellungs- als auch Honorarkosten und werden zunächst der KG 600 vollständig zugeordnet. Eine Präzisierung der Unterteilung in die entsprechenden KG erfolgt mit dem Baubeschluss.

 

Die Ermittlung des Kostenrahmens bezieht sich auf die Hochrechnung der zu bemessenen Flächenannahmen gemäß Raumprogramm und Kostenkennwerte des BKI Baukosten Gebäude 2019 für Bibliotheken.

Mit Erstellung des Baubeschlusses werden die oben aufgezeigten Kosten auf Grundlage der Entwurfsplanung (LP 3) präzisiert.

 

4.2. Finanzierungsplan

Neustand-Neuschönefeld liegt im Fördergebiet Soziale Stadt, kann als Neubauvorhaben aber keine Förderung erfahren. Weitere Fördermöglichkeiten werden in Zusammenarbeit mit dem Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung geprüft.

Für das geplante Vorhaben stehen keine fachlichen Förderprogramme zur Verfügung.

 

 


4.3. Einordnung in die mittelfristige Haushaltsplanung

Zum Zeitpunkt des Planungsbeschlusses sind nur die Planungsmittel in Höhe von 340 T€ im Haushalt eingestellt, die wie folgt auf die Jahre 2021 und 2022 aufgeteilt werden sollen:

 

Jahr

2021

2022

2023

2024

2025

2026

gesamt

Auszahlungen

50.000

290.000

 

 

 

 

340.000

Einzahlungen

 

 

 

 

 

 

 

Eigenanteil

50.000

290.000

 

 

 

 

340.000

VE kw

 

290.000

 

 

 

 

290.000

 

Die Mittel werden aus den zentralen Planungsmitteln (gemäß Beschlussvorlage VII-DS

01404-NF-01, IA: 109861200001, Sachkonto: 4271 9120) bereitgestellt und dem PSP

Element 7.0002268.700 zugeordnet.

 

Der folgende Finanzierungsplan stellt lediglich einen Ausblick auf die derzeitig eingeschätzten Gesamtkosten des Bauvorhabens dar. Die Aufstellung einer mittelfristigen Haushaltsplanung erfolgt nach Kostenermittlung im Planungsverlauf und wird bei der Haushaltsplanung 2023 ff. entsprechend berücksichtigt.
 

Jahr

2021

2022

2023

2024

2025

2026

gesamt

Auszahlungen

50.000

290.000

100.000

650.000

3.300.000

1.710.000

6.100.000

Einzahlungen

 

 

 

 

 

 

 

Eigenanteil

50.000

290.000

100.000

650.000

3.300.000

1.710.000

6.100.000

VE kw

 

290.000

 

400.000

3.000.000

1.700.000

5.390.000

 

4.4. Folgekosten

Die Höhe der Folgekosten kann erst in der Vorlage Baubeschluss eingeschätzt werden. Erst

dann liegt eine Entwurfsplanung vor, die die Grundlage für die Erstellung des

Energiebedarfsausweises und die Ermittlung der Betriebs- und Folgekosten bildet.

 

5. Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Die Vorlage hat keine Auswirkungen auf den Stellenplan

 

6. Bürgerbeteiligung

 

bereits erfolgt    geplant    nicht nötig

 

Die Bürger/innen und späteren Nutzer/innen der Bibliothek werden im Rahmen der frühen Planungsphasen eingebunden; die Vorbereitung und Durchführung soll in das VgV-Verfahrens einfließen. Entsprechende Absprachen wurden bereits zwischen dem Amt für Wohnungsbau und Stadtentwicklung sowie den LSB getroffen.

 

7. Besonderheiten

 

Das gesamte Vorhaben ist nach §34 BauGB zu planen. Für die Errichtung der neuen Schwimmhalle Ost, mit der sich dieses Vorhaben ein Baufeld teilt, liegt eine Baugenehmigung vor.


8. Folgen bei Nichtbeschluss

 

Erfolgt keine Beschlussfassung, kann die gewünschte Weiterentwicklung des Standortes Otto-Runki-Platz nicht erfolgen. 

 

Anlage:

Anlage 1 - Lageplan

 

 


[1] Jochumsen: The four spaces – a new model for the public library. In: New Library World, Vol. 113 (2012), 11/12. S. 586-597.

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Lageplan_ (2569 KB)