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Vorlage - VII-A-02436  

 
 
Betreff: Jüdisches Museum an authentischen Orten jüdischen Lebens in Mitteldeutschland
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Fachausschuss Kultur
Beratungsfolge:
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
24.02.2021 
Ratsversammlung (Videokonferenz) (offen)     

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

 

Stadtrat und Oberbürgermeister setzen sich gemeinsam für ein Museum zur Kultur und Geschichte des jüdischen Lebens mit Standort Leipzig ein. Dieses Museum soll eine überregionale Institution werden, deren Wirkung über Leipzig hinausgeht. Die Trägerschaft dieses Museums soll an eine geeignete Institution übertragen werden.

Der Oberbürgermeister wird beauftragt, sich hierzu gegenüber allen relevanten Gremien, insbesondere dem Sächsischen Landtag und der Staatsregierung, für den Standort Leipzig zu verwenden.

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Begründung:

 

Leipzig war bis zur Zeit des Nationalsozialismus eine der wichtigsten und pulsierendsten jüdischen Gemeinden Deutschlands. Leipzig kann auf über 700 Jahre jüdisches Leben zurückblicken; auf eine Geschichte, die auch im Vergleich zu anderen Städten in Ostdeutschland, einzigartig ist. Die Stadt war ein Zentrum der jüdischen Emanzipation und Bildung im 19. und 20. Jahrhundert. Auch sind wichtige Themenstränge der Leipziger und sächsischen Kultur- und Wirtschaftsentwicklung (etwa in der Musik und Verlagsgeschichte) ohne das Wirken jüdischer Frauen und Männer nicht vorstellbar.

Verwiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf die außergewöhnliche Rolle Leipzigs als Messestadt; Leipzig konnte selbst in Zeiten ansonsten nicht zugelassener Daueransiedlung von Jüdinnen und Juden in Sachsen eine regelmäßige temporäre Anwesenheit jüdischer Händler und Kaufleute aus anderen Teilen Europas aufweisen. Nicht zuletzt haben sich auch daraus Ansätze dauerhafter Präsenz in der Stadt und Region entwickelt.

Ein Museum, das die Geschichte jüdischen Lebens und jüdischer Kultur in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen präsentieren soll, braucht einen überzeugenden, in Hinblick auf die Kultur jüdischen Lebens möglichst authentischen Standort. Leipzig ist aus Sicht der Antragsteller nicht nur aufgrund seiner zentralen Lage in Mitteldeutschland, sondern auch aufgrund der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft jüdischen Lebens ein geeigneter Standort für solch eine museale Einrichtung.

In einer Zeit, in der antisemitische Äußerungen auch in deutschen Parlamenten wieder laut werden, ist es eine Aufgabe aller Demokratinnen und Demokraten für Freiheit, Toleranz und ein friedliches Miteinander einzutreten. Dabei leisten Museen einen wichtigen Beitrag zur aktiven Erinnerungskultur.