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Vorlage - VII-A-02363  

 
 
Betreff: Aufarbeitung der historischen Bedeutung des Leipziger Zoos
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Jugendparlament/Jugendbeirat
Beratungsfolge:
FA Kultur Vorberatung
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
24.02.2021 
Ratsversammlung (Videokonferenz) (offen)     

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

 

Die Stadtverwaltung wird beauftragt, der von ihr gehaltenen Zoo Leipzig gGmbH den Auftrag zu erteilen, ihre Bedeutung im Kolonialsystem des Kaiserreichs (u.a. “Völkerschauen”, Genozid der Herero und Forschung in Afrika) sowie in der Zeit bis zum Ende des 2. Weltkrieges im städtischen, regionalen, nationalen und europäischen Kontext von einer unabhängigen Historiker*innen-Kommission untersuchen zu lassen sowie die dafür nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen. Es soll insbesondere beleuchtet werden, ob und in welcher Weise der Zoo mittelbar oder unmittelbar Rassismus, Antisemitismus und Sexismus in der städtischen Gesellschaft und in der städtebaulichen Entwicklung und Erinnerungskultur verankert hat. Die Ergebnisse der Kommission sollen perspektivisch in einer zu erstellenden Ausstellung des Zoos über seine Geschichte veranschaulicht werden.

 

Begründung:

 

“Vorangestellt sei festzuhalten, dass sich der Zoo Leipzig intensiv mit seiner Geschichte beschäftigt hat und sich des Kapitels der Völkerschauen als Bestandteil seiner Historie bewusst ist” beginnt die Antwort auf eine Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Stadtrat aus dem Jahr 2019 (s. VI-F-06825-AW-01).

Die kurzen Antworten in der Anfrage lassen bereits nichts Gutes erahnen und wer die Antworten gelesen hat, stellt fest: Eine sachliche, externe, ausführliche und in allen Teilen zugängliche Aufarbeitung der Zoo-Geschichte fehlt bis heute und das obwohl sich die Stadtverwaltung der Bedeutung Leipzigs im Kolonialsystem zumindest teilweise bewusst ist (vgl. VII-A-01512-VSP-01). Die eingangs genannte Anfrage spitzt sich in der Beantwortung der Fragen 3-5 zu: Das “Teilergebnis” der bisherigen Forschung ist ein zwischen 20 und 30 Euro teures Sachbuch. Das war’s. Mal abgesehen davon, dass man das Buch nicht als “Teilergebnis” bezeichnen sollte, wenn scheinbar keine anderen Ergebnisse erzeugt wurden, ist es auch weder sachdienlich, noch besonders geschichtsbewusst, wenn das Buch durch eine finanzielle Hürde nicht der breiten Masse zur Verfügung gestellt wird. Insbesondere Zoo-Besucher*innen sollten durch eine Ausstellung die Möglichkeit haben, sich mit der problematischen Geschichte des Zoos ebenbürtig auseinanderzusetzen.

Die Zeichen für historische Auseinandersetzung stehen gut und die Uhr tickt:

 

 

 

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat 2019 die Aufarbeitung und den Umgang mit dem Kolonialismus eine erhöhte Priorität zugewiesen (s. https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/PresseUndAktuelles/2019/Erste_Eckpunkte_final.pdf , Zuletzt abgerufen: 03.01.2021) und auch die mediale Aufmerksamkeit richtet sich derzeit auf diesen Aspekt deutscher Geschichte

(vgl. https://www.mdr.de/zeitreise/kolonialismus-in-leipzig-100.html und

https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/zdf-magazin-royale-108.html , Beide zuletzt abgerufen: 03.01.2021). Doch wie so oft drängt die Zeit in der Geschichtswissenschaft: Zeugnisse vergangener Zeit verfallen oder werden unabsichtlich oder absichtlich vernichtet. Auch der Interpretationsspielraum wird aus der zeitlichen Distanz immer größer. Viele bundesweite Initiativen und auch die lokale AG Leipzig postkolonial des Engagierte Wissenschaft e.V. machen auf diese Situation aufmerksam. Die Stadt kann und sollte in diesem eigenen Verantwortungsbereich eine Vorbildfunktion einnehmen, aber die bisherige Aufklärung ist barrierereich, unvollständig und schwer zu finden.

 

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