Ratsinformationssystem

Vorlage - VII-DS-02261  

 
 
Betreff: Neuer Betreiber für das Gohliser Schlösschen ab dem Jahr 2021
Anlass: Verwaltungshandeln
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Beschlussvorlage
Einreicher:Dezernat Kultur
Beratungsfolge:
Grundstücksverkehrsausschuss
01.03.2021 
Grundstücksverkehrsausschuss      
15.03.2021 
Grundstücksverkehrsausschuss      
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
DB OBM - Vorabstimmung
SBB Nord
04.03.2021 
SBB Nord ungeändert beschlossen   
FA Kultur 1. Lesung
05.03.2021    FA Kultur (Videokonferenz)      
FA Kultur 2. Lesung
19.03.2021    FA Kultur (Videokonferenz)      
FA Finanzen Vorberatung
08.03.2021    FA Finanzen      
22.03.2021    FA Finanzen      
Ratsversammlung Beschlussfassung
24.03.2021 
Ratsversammlung (Videokonferenz) vertagt   
25.03.2021 
Ratsversammlung (Fortsetzung) - Videokonferenz ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlagen:
VII-DS-02261_anlage 1_neu
VII-DS-02261_anlage 2
VII-DS-02261_anlage 3
VII-DS-02261_anlage 4_neu

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

 

  1. Die Ratsversammlung stimmt der Betreibung des Gohliser Schlösschens durch die Gohliser Schlösschen | Musenhof am Rosental gGmbH nach Maßgabe des Pachtvertrages (Entwurf als Anlage 1) ab dem 01.04.2021 zu.
  2. Zur Betreibung des Gohliser Schlösschens erhält die Gohliser Schlösschen | Musenhof am Rosental gGmbH zweckgebunden einen Zuschuss in Höhe von 171.400 Euro im Jahr 2021 und ein Zuschuss in Höhe von 174.000 Euro im Jahr 2022 in Form einer institutionellen Förderung nach Fachförderrichtlinie der Stadt Leipzig über die Förderung freier kultureller und künstlerischer Projekte und Einrichtungen. Die Mittel werden im PSP-Element 1.100.25.4.0.01.01.01 sonstige Sparten- und religionsübergreifende Förderung planmäßig zur Verfügung gestellt.
  3. Über die weitere Förderung wird im Rahmen des jährlichen Förderverfahrens beraten und entschieden.
  4. Betreibung und Förderung werden nach vier Jahren evaluiert. Das Ergebnis der Evaluierung ist dem Fachausschuss Kultur vorzustellen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Räumlicher Bezug:

 

Stadtbezirk:  Nord

Ortsteile:  Gohlis-Süd, angrenzende Ortsteile und gesamte Stadt

 

Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

Der Pachtvertrag mit dem bisherigen Betreiber des Gohliser Schlösschens, dem Freundeskreis Gohliser Schlösschen e.V., ist am 30.09.2020 ausgelaufen. Die Stadt Leipzig/Kulturamt hat die kulturell-künstlerische Betreibung des Gohliser Schlösschens ab 2021 neu ausgeschrieben. Grundlage der Ausschreibung bildete eine Potenzialanalyse zum künftigen Betrieb des Gohliser Schlösschens. Zum Bewerbungsschluss am 31.07.2020 sind beim Kulturamt vier Bewerbungen eingegangen. Die Auswahl der künftigen Betreibergemeinschaft erfolgte in einem mehrstufigen Verfahren, an dem eine externe Jury, ein externer Gutachter und der Fachausschuss Kultur beteiligt waren. Im Ergebnis schlägt die Verwaltung dem Stadtrat für die künftige Betreibung des Gohliser Schlösschens die Gohliser Schlösschen | Musenhof am Rosental gGmbH vor. Für den Abschluss des Pachtvertrags nach § 14 Abs. 6 Ziff. 1 und 2 der Hauptsatzung ist der Grundstücksverkehrsausschuss zuständig. Aufgrund der freiwilligen Institutionellen Förderung gemäß Beschlusspunkt 2. wird jedoch die Zuständigkeit der RV begründet.

 


 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Finanzielle Auswirkungen

nein

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

nein

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

nein

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

nein

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

2021

2022

 

171.400

174.000

1.100.25.4.0.01.01.01

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

nein

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

nein

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

nein

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

nein

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

ja

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

Ja

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:

 

 

 


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftsstruktur

Vorsorgendes Flächen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele: >beim Ausfüllen bitte überschreiben: max. 60 Zeichen ohne Leerzeichen

 

trifft nicht zu

 

 


Klimawirkung durch den Beschluss der Vorlage

Stufe 1: Grobe Einordnung zur Klimawirkung (Klimaschutzes und zur -wandelanpassung)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eingesetzte Energieträger (Strom, Wärme, Brennstoff)

keine / Aussage nicht möglich

erneuerbar

fossil

 

Reduziert bestehenden Energie-/Ressourcenverbrauch

Aussage nicht möglich

ja

nein

 

Speichert CO2-Emissionen (u.a. Baumpflanzungen)

 

Aussage nicht möglich

ja

nein

 

Mindert die Auswirkungen des Klima­wandels (u. a. Entsiegelung, Regen­wassermanagement)

Aussage nicht möglich

ja

nein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschätzbare Klimawirkung mit erheblicher Relevanz

ja, da Beschlussgremium RV, GVA, oder VA und mind. 5 Jahre Betriebs- und Nutzungsdauer

nein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorlage hat keine abschätzbare Klimawirkung

ja (Prüfschema endet hier.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Stufe 2: Die Vorlage berücksichtigt die zentralen energie- und klimapolitischen Beschlüsse (s. leipzig.de)

 

                        

ja

nein (Begründung s. Abwägungsprozess)

nicht berührt (Prüfschema endet hier.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Stufe 3: Detaillierte Darstellung zur abschätzbaren Klimawirkung nur bei erheblicher Relevanz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berechnete THG-Emissionen (in t bzw. t./a): ____________________

 

liegt vor: s. Anlage/Kapitel der Vorlage: ________________________

 

 

wird vorgelegt mit: ________________ (z. B. Planungsbeschluss, Baubeschluss, Billigungs- und Auslegungsbeschluss)

 

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Beschreibung des Abwägungsprozesses:     entfällt


I. Eilbedürftigkeitsbegründung    entfällt

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit     entfällt

 

III.  Strategische Ziele

 

Übergreifendes Ziel ist es, das Gohliser Schlösschen als kulturell-künstlerische Einrichtung in freier Trägerschaft zu betreiben. Die Aufgabe besteht darin, die kulturhistorische Bedeutung und die bauliche Substanz zeitgemäß zu interpretieren sowie die verschiedenen Nutzungen und Veranstaltungen aus der Geschichte des Hauses und den aktuellen Bedarfen heraus zu entwickeln und passend miteinander zu verzahnen. Dabei müssen die Bedarfe der angrenzenden Quartiere, der Zielgruppen, der Nutzer/-innen sowie die Angebotsstruktur im Umfeld bzw. der gesamten Stadt berücksichtigt werden.

 

Vor diesem Hintergrund trägt die künftige Betreibung des Gohliser Schlösschens zu den in der Zielrose markierten INSEK-Zielen „Leipzig setzt auf Lebensqualität: Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraumangebote“ sowie „Leipzig stärkt seine Internationalität: Vielfältige Kultur- und Sportlandschaft sowie „Leipzig stärkt seine Internationalität Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort“ bei.

 

IV. Sachverhalt

 

1. Anlass

 

Das Gohliser Schlösschen zählt zu den Höhepunkten der Rokokobaukunst in Sachsen. Von allen großbürgerlichen Schloss- und Gutsanlagen im Leipzig des 18./19. Jahrhunderts, ist das Gohliser Schlösschen das letzte noch heute erhaltene. Ab dem Jahr 2005 lag die kulturelle Betreibung in der Hand des Freundeskreises Gohliser Schlösschen e.V. Geregelt wurde die Betreibung durch einen Pachtvertrag zwischen der Stadt Leipzig und dem Verein. Zudem wurde der Verein jährlich im Rahmen der institutionellen Förderung freier Kunst und Kultur durch die Stadt unterstützt. Die Fördermittel wurden jährlich per Zuwendungsbescheid bewilligt und ausgereicht. Diese waren zweckgebunden für Miete und Betriebskosten sowie für die inhaltliche Arbeit einzusetzen. Der Pachtvertrag endete am 31.12.2019 und war befristet bis zum 30.09.2020 verlängert worden.

 

Mit Blick auf das Auslaufen des Pachtvertrags mit dem Freundeskreis Gohliser Schlösschen e.V. entschloss sich das Kulturamt in Abstimmung mit dem Fachausschuss Kultur, den Betrieb des Gohliser Schlösschen einer Potenzialanalyse zu unterziehen, um auf dieser Grundlage den Betrieb des Hauses neu aufzustellen und in diesem Zuge neu auszuschreiben.

 

Die Durchführung der Potenzialanalyse zum künftigen Betrieb des Gohliser Schlösschens wurde vom Kulturamt ausgeschrieben und der Auftrag ging am Ende des Auswahlverfahrens an die projekt2508 GmbH (Bonn/Berlin). Die Analyse wurde zwischen Oktober 2019 und Mai 2020 in mehreren Schritten und unter Beteiligung des Stadtgeschichtlichen Museums sowie der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH umgesetzt. Verschiedene Partnerinnen und Partner aus dem Kulturbetrieb der Stadt Leipzig, wichtige Akteure/-innen aus dem Stadtteil und die interessierte Bürgerschaft sind über ein sog. SchlösschenCamp (29.01.2020) in den Prozess der Potenzialanalyse mit einbezogen worden. Die Ergebnisse der Potenzialanalyse (siehe Anlage 1) sind dem Fachausschuss Kultur am 15.05.2020 vorgestellt worden. Die interessierte Öffentlichkeit konnte in einer Online-Veranstaltung am 17.06.2020 Einblick in die Resultate erhalten, diese diskutieren und durch Anregungen ergänzen.


 

2. Beschreibung der Maßnahme

 

2.1  Ausschreibung des Interessenbekundungsverfahrens

 

Auf der Grundlage der Ergebnisse der Potenzialanalyse hat das Kulturamt die Ausschreibung zum Interessenbekundungsverfahren für die künftige Betreibung des Gohliser Schlösschens erarbeitet (siehe Anlage 2). Die Veröffentlichung der Ausschreibung erfolgte am 20.06.2020. Bewerbungsschluss war der 31.07.2020.

 

Allen potenziellen Bewerbern/-innen wurden auf Anfrage neben dem ausführlichen Ausschreibungstext folgende weitere Unterlagen zur Verfügung gestellt:

-          Raumaufstellung

-          Miet- und Betriebskostenaufstellung

-          Pläne (Grundstück und Gebäudegrundrisse)

-          Zusammenfassung der Potenzialanalyse.

 

Außerdem bestand am 22.07.2020 für alle Interessenten die Möglichkeit, die Anlage und die Räumlichkeiten im Rahmen eines Ortstermins persönlich zu besichtigen. Bis zum Bewerbungsschluss waren beim Kulturamt vier Bewerbungen eingegangen.

 

In der Ausschreibung zum Interessenbekundungsverfahren für die künftige Betreibung des Gohliser Schlösschens hat das Kulturamt Prämissen und Ziele der Betreibung definiert, Bausteine der künftigen Nutzung, Anforderungen an die Gastronomie und den künftigen Betreiber/die künftige Betreiberin.

 

Folgende wichtige Eckpunkte sollten dabei Berücksichtigung finden:

 

-          Entwicklung und Umsetzung eines variablen Gesamtangebots dessen Kern ein Kunst- und Kulturprogramm mit klarem Profil bildet, das verschiedene Zielgruppen anspricht. Es sollen stimmige Kombinationsangebote zwischen Kunst- und Kulturbetrieb, Schloss-Erlebnis, Informationsvermittlung sowie Vermietung und Gastronomie entwickelt und umgesetzt werden.

-          Identität und Netzwerke stiften, Synergien nutzen sowie Partizipation organisieren: Demnach soll das Gohliser Schlösschen zu einem Partnerschaftslabor werden, dem es gelingt, die Bürgerinnen und Bürger kontinuierlich einzubinden und wesentliche Partner/-innen in der Stadt für (dauerhafte) Kooperationen zu gewinnen.

-          Das Gohliser Schlösschen soll als Fixpunkt im Freizeitverhalten (Ausflugsort sowie Ort für Kunst & Kultur) der Bürgerinnen und Bürger der Stadt verankert werden.

-          Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Betriebs: Es sollen neue Zielgruppen erschlossen, die Verweildauer erhöht und durch Gastronomie, Shops, Vermietungen sowie Drittmittel/Sponsoring zusätzliche Einnahmen erzielt werden.

-          Spürbare Belebung des Standorts: Mit der künftigen Betreibung werden regelmäßige Öffnungszeiten gewährleistet, Angebote für Individualbesucher/-innen sowie ein Konzept für Fremdveranstaltungen (Kunst & Kultur, Tagungen, private Anlässe) erarbeitet und umgesetzt sowie die Vermittlung von Informationen im Außen- und Innenbereich deutlich ausgebaut (betrifft u. a. die Zuwegung, räumliche Orientierung, Informationen zur Geschichte sowie zu aktuellen Vor-Ort-Angeboten).

-          Erarbeitung und Umsetzung eines passenden Raumnutzungskonzepts unter Beachtung von Denkmalschutz, den besonderen konservatorischen Bedingungen sowie der eingeschränkten Barrierefreiheit.

 

 

Im Ergebnis haben sich vier Bewerbergemeinschaften an dem Interessenbekundungsverfahren beteiligt.

 

 

 

2.2  Auswahl des Betreibers

 

Die Bewerbungen wurden in Bezug auf die in der Ausschreibung gestellten Anforderungen geprüft. Dabei waren mit der Ausschreibung folgende Bewertungskriterien vorgeben worden:

 

-          inhaltliche Qualität des Gesamtbetriebskonzepts (30%)

-          Schlüssigkeit des vorgeschlagenen Betreibermodells (25%)

-          Schlüssigkeit Finanzierung & Wirtschaftlichkeit des Gesamtbetriebskonzepts (25%)

-          Vorerfahrungen mit Betrieb vergleichbarer Einrichtungen (inkl. Gastronomie) (10%)

-          Kenntnis/Vernetzung in der freien Kunst- und Kulturlandschaft in Leipzig (10%)

 

Das Auswahlverfahren umfasst folgende Schritte:

 

-          Schritt 1: Prüfung der Bewerbungen durch die Verwaltung

 

-          Schritt 2: Jury Sitzung am 03.09.2020

    Alle vier Bewerbergemeinschaften hatten die Möglichkeit, ihre Konzepte der Jury[1] vorzustellen

    Auswahl von zwei Bewerbergemeinschaften für das weitere Auswahlverfahren

 

-          Schritt 3: Begutachtung der beiden verbliebenen Bewerbungen/Betriebskonzepte (Stärken-Schwächen-Analyse) durch die projekt2508 GmbH

 

-          Schritt 4: Vorstellung und Beratung im Fachausschuss Kultur

    Vorstellung der Konzepte im Fachausschuss Kultur am 16.10.2020 durch die zwei verbliebenen Bewerbergemeinschaften

    vertiefende Diskussion der Konzepte durch die Mitglieder des Fachausschusses Kultur in der Sondersitzung am 06.11.2020

    Auftrag an die Verwaltung, dem Stadtrat einen Vorschlag zur künftigen Betreibung des Gohliser Schlösschens zu unterbreiten.

 

-          Schritt 5: Vertiefende Gespräche zu offenen Fragen und Kritikpunkten zwischen Kulturamt und den beiden verbliebenen Bewerbergemeinschaften am 20.11.2020 bzw. 25.11.2020, insbesondere zu Veranstaltungsbetrieb, Museumskonzept, Personaleinsatz/Verantwortlichkeiten, Gastronomie, Finanzierung/Wirtschaftlichkeit

 

Im Ergebnis des umfangreichen Auswahlprozesses kommt das Kulturamt zu der Entscheidung, dem Stadtrat die Gohliser Schlösschen | Musenhof am Rosental gGmbH für die künftige Betreibung des Gohliser Schlösschens vorzuschlagen.

 

-          Schritt 6: Information des Fachausschusses Kultur am 27.11.2020 über die Entscheidung.

 

2.3  Begründung auf Grundlage der Bewertungskriterien

 

a) inhaltliche Qualität des Gesamtbetriebskonzepts

 

Das Konzept entspricht den mit der Ausschreibung bekannt gegebenen Prämissen und Zielstellungen für die künftige Betreibung des Gohliser Schlösschens. Daraus lässt sich ein klares Profil für den künftigen Betrieb des Gohliser Schlösschens ablesen.

 

Eckpunkte sind ein vielseitiges, zeitgenössisches Kunst- und Kulturprogramm, Bildung und Vermittlung, Bürgerbeteiligung und Ehrenamt sowie eine allumfassende Gastlichkeit/Willkommenskultur. Der Hauptschwerpunkt der Betreibung soll auf dem kulturell-künstlerischen Veranstaltungsbetrieb liegen, der sich jeweils zur Hälfte aus Eigenveranstaltungen und Veranstaltungen Dritter zusammensetzen soll.

 

Dabei wird angestrebt, mit Partnern/-innen Neues zu entwickeln und bereits erfolgreich etablierte Formate fortzuführen. Ein weiteres Ziel ist, das Haus auch für überregional agierende Partner/-innen sowie für eine Einbindung in Großveranstaltungen (Bachfest, Buchmesse, Jazztage) interessant zu machen. Gleichermaßen soll das Gohliser Schlösschen auch zu einem Gesellschafts- und Bürgerhaus werden, sodass sich die Bürgerinnen und Bürger sowie weitere Akteure/-innen aus dem Stadtteil an der Entwicklung des Hauses beteiligen und zugleich von dessen Potenzialen und der vorhandenen Infrastruktur profitieren können. Seitens der künftigen Betreiber besteht bereits eine klare Vorstellung darüber, welche Ziel- und Nutzer/-innengruppen angesprochen und eingebunden werden sollen.

 

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Bereich Bildung und Vermittlung. Im Obergeschoss des Hauses soll in Kooperation mit dem Stadtgeschichtlichen Museum und unter dem Thema „Lebensgefühl Rokoko“ eine neue Dauerausstellung entstehen. In den Westarkaden des Hauses sollen wechselnde Sonderausstellungen gezeigt werden. Zudem ist vorgesehen, in Kooperation mit Leipziger Schulen und Hochschulen regelmäßig verschiedene Bildungsprojekte zu entwickeln und umzusetzen werden.

 

Das gastronomische Konzept passt zum angestrebten Gesamtprofil. Entstehen soll ein Kulturcafé, das eng in den Veranstaltungsbetrieb mit eingebunden wird. Der Betrieb des Cafés wird von der Betreibergesellschaft selbst übernommen und soll mit Blick auf Angebot und Personaleinsatz, orientiert am Bedarf (Tages- und Saisonzeiten, Veranstaltungsbetrieb), flexibel gestaltet werden. Ergänzt wird das gastronomische Angebot durch einen Museumsshop sowie einen Pop-Up-Store, die neben dem Museumsbetrieb (Dauerausstellung & Sonderausstellungen) die Attraktivität des Hauses und die Verweildauer von Tagesgästen erhöhen sollen.

 

Die Aufteilung der Räumlichkeiten ist in den Plänen gut dargestellt und erscheint sinnvoll. Regelmäßige Öffnungszeiten werden gewährleistet sein. Neben der Gastronomie sollen auch ein aufgewerteter Garten, Ausstellungen sowie ein Museumsshop den Ort beleben.

 

b) Schlüssigkeit des vorgeschlagenen Betreibermodells

 

Das vorgeschlagene Betreibermodell ist sowohl strukturell als auch hinsichtlich der definierten Aufgabenbereiche gut nachvollziehbar. Der Betrieb des Hauses (Veranstaltungen, Kulturcafé, Museum etc.) soll aus einer Hand erfolgen. Es soll eine personenunabhängige, funktionale Struktur entstehen, die den Betrieb des Hauses langfristig trägt. Der zukünftige Geschäftsführer (einer der beiden Gesellschafter) ist bereits benannt. Er wird neben seinen administrativen Aufgaben auch inhaltliche und operative Tätigkeiten übernehmen. Der zweite Gesellschafter wird sein Netzwerk in die künftige Betreibung mit einbringen und sich an der programmatischen Entwicklung des Hauses maßgeblich beteiligen. Zudem wird er die Geschäftsführung im Bedarfsfall vertreten.

 

Das vorliegende Betriebskonzept beschreibt, vor dem Hintergrund eines für die Anfangszeit vergleichsweise defensiv kalkulierten Wirtschaftsplans, das absolute Mindestmaß an Personal. Deshalb soll der Personaleinsatz, je nach Bedarf und wachsendem Veranstaltungsbetrieb, ausgebaut werden. Für den Veranstaltungs- und Vermittlungsbereich sind perspektivisch zwei Mitarbeiter/-innen in Vollzeit denkbar. Beide Gesellschafter haben sehr viel Erfahrung bei Personaleinsatz und -führung.

 

Das Ehrenamt soll fester Bestandteil des Hausbetriebs sein, wobei konsequent darauf geachtet wird, dass die Ehrenamtlichen durch das festangestellte Personal stets angemessen begleitet werden. Eine Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Gohliser Schlösschen e.V. bzw. den Vereinsmitgliedern wird angestrebt. Zudem gibt es bereits ein Konzept, wie neue Bürgerinnen und Bürger für eine ehrenamtliche Mitarbeit gewonnen werden können.

 

Neben dem Ehrenamt sind die Einrichtung eines Programmbeirats sowie die konsequente Einbeziehung wichtiger Partner/-innen aus dem Kunst- und Kulturbereich Leipzigs feste Bestandteile des Betriebsmodells.

 

c) Schlüssigkeit von Finanzierung und Wirtschaftlichkeit

 

Die Entwicklung des Hauses soll schrittweise erfolgen, dementsprechend entwickelt sich auch der Wirtschaftsplan. Dieser ist schlüssig und bezüglich der Einnahmen und Ausgaben realistisch geplant. Zu diesem Ergebnis kommt auch die Begutachtung durch die projekt2508 GmbH. Die größte Kostenposition sind neben den Gebäudekosten die Aufwendungen für das Personal. Um das eingereichte Konzept umsetzen zu können, ist dies so erforderlich und nachvollziehbar. Die Betreibergemeinschaft hat in dem vertiefenden Auswahlgespräch deutlich gemacht, dass die Einnahmen aus Drittmitteln im Wirtschaftsplan bewusst defensiv kalkuliert worden sind. Ziel ist es jedoch, mittelfristig deutlich mehr Drittmittel und Sponsorengelder einzuwerben. Die Expertise dafür und entsprechende Ideen sind auf Seiten der künftigen Betreiber nachweislich vorhanden. Weitere Säulen der Finanzierung sind die Erlöse aus dem Café- und Shopbetrieb sowie den Veranstaltungen. Der jährliche Förderbedarf durch die Stadt liegt bis 2023 in dem Bereich, in dem auch der bisherige Betreiber des Hauses unterstützt worden ist.

 

d) Vorerfahrungen mit dem Betrieb vergleichbarer Einrichtungen

 

Die beiden Gesellschafter bringen die notwendige Expertise für den Betrieb einer kulturell-künstlerischen Veranstaltungsstätte in Kombination mit Museums-/Ausstellungseinheit, Gastronomie und Tagungsbetrieb mit. Die Betreibergemeinschaft hat besondere Stärken in den Bereichen kultureller Veranstaltungsbetrieb, Zielgruppenverständnis/-gewinnung, Vernetzung und Kooperationen, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, Controlling, Personalmanagement sowie Gastronomie (im Rahmen eines Kulturbetriebs).

 

e) Kenntnis und Vernetzung in der freien Kunst- und Kulturlandschaft in Leipzig

 

Die Gesellschafter leben und arbeiten seit vielen Jahren in Leipzig, sind in der Leipziger Kunst- und Kulturlandschaft sehr gut vernetzt und kennen den Stadtteil Gohlis. Zugleich verfügen sie auch über einen breiten Überblick über die Kunst- und Kulturlandschaft in Mitteldeutschland und können damit auch auf ein überregionales Netzwerk zurückgreifen.

 

2.4  Betreibung des Gohliser Schlösschens

 

Die künftige Betreibung des Gohliser Schlösschens sollen durch einen Pachtvertrag (Anlage 1) sowie einen Zuwendungsvertrag (Anlage 4) zwischen der Stadt Leipzig und dem neuen Betreiber geregelt werden. Darin wird die Nutzung der Liegenschaft entsprechend dem vorgelegten Konzept und den geltenden Rahmenbedingungen festgeschrieben. Der neue Betreiber wird zudem in die institutionelle Förderung im Bereich der freien Kunst und Kultur aufgenommen. Für das Jahr 2021 ist eine Förderung von bis zu 171.400 EUR in Aussicht gestellt. Dieser Betrag entspricht der Summe, mit der der bisherige Betreiber im Jahr 2020 für eine Betreibungsdauer von neun Monaten gefördert worden ist. Die Förderung kann sowohl für laufende Betriebs- und Personalkosten als auch für die inhaltliche Arbeit eingesetzt werden. Das Kulturamt wird die neue Betreibergemeinschaft begleiten. Nach vier Jahren soll der Betrieb des Hauses evaluiert werden.

 

 

3. Realisierungs- / Zeithorizont

 

Nach dem Stadtratsbeschluss soll der Pachtvertrag mit der Gohliser Schlösschen | Musenhof am Rosental gGmbH geschlossen und die Immobilie zum 01.04.2021 zur Betreibung übergeben werden. Seitens des Betreibers wird der Betrieb schrittweise – auch in Abhängigkeit vom aktuellen Pandemiegeschehen - aufgenommen.

 

4. Finanzielle Auswirkungen

Die künftige Betreibergemeinschaft wird in die institutionelle Förderung für Einrichtungen der freien Kunst und Kultur beim Kulturamt aufgenommen. Für 2021 soll eine Förderung von bis zu 171.400 EUR erfolgen, in 2022 in Höhe von 174.000 Euro, jeweils in Form einer institutionellen Förderung nach der Fachförderrichtlinie der Stadt Leipzig über die Förderung freier kultureller und künstlerischer Projekte und Einrichtungen. Die Mittel werden im PSP-Element 1.100.25.4.0.01.01.01 sonstige Sparten- und religionsübergreifende Förderung planmäßig zur Verfügung gestellt.

 

5. Auswirkungen auf den Stellenplan  keine

 

6. Bürgerbeteiligung

 

bereits erfolgt    geplant    nicht nötig

 

Die interessierte Bürgerschaft hatte die Möglichkeit, sich im Rahmen des SchlösschenCamps am 29.01.2020 an der Potenzialanalyse zu beteiligen. Die Ergebnisse der Potenzialanalyse wurden der Öffentlichkeit am 17.06.2020 vorgestellt. Hier bestand die Möglichkeit, Fragen zu stellen sowie Hinweise und Anregungen einzubringen. Am Auswahlverfahren waren als Jurymitglieder Vertreter des Stadtbezirksbeirats Nord und des Bürgervereins Gohlis e.V. beteiligt.

 

7. Besonderheiten      keine

 

8. Folgen bei Nichtbeschluss

 

Bei Nichtbeschluss müsste die Betreibung des Gohliser Schlösschens erneut ausgeschrieben werden. Das Gohliser Schlösschen würde voraussichtlich im gesamten Jahr 2021 geschlossen bleiben. Der Beginn des Neubetriebs würde sich deutlich nach hinten verschieben. Das Kulturamt müsste sich selbst um die Instandhaltung von Haus und Gartenanlage kümmern und die damit verbundenen Kosten tragen.

 

 

Anlagen:

 

Anlage 1: Pachtvertrag mit Gohliser Schlösschen | Musenhof am Rosental gGmbH (ohne dazugehörige Anlagen)

Anlage 2: Ausschreibung Interessenbekundungsverfahren

Anlage 3: Zusammenfassung Potenzialanalyse Gohliser Schlösschen projekt2508 GmbH

Anlage 4: Zuwendungsvertrag mit Gohliser Schlösschen | Musenhof am Rosental gGmbH (ohne dazugehörige Anlagen)

 

 


[1] Die Jury gehörten an: Vertreter/-in Stadtgeschichtliches Museum, Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, Kreatives Leipzig, Fachausschuss Kultur, Stadtbezirksbeirat Nord, und Bürgerverein Gohlis e.V.

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 VII-DS-02261_anlage 1_neu (472 KB)    
Anlage 2 2 VII-DS-02261_anlage 2 (234 KB)    
Anlage 3 3 VII-DS-02261_anlage 3 (10500 KB)    
Anlage 4 4 VII-DS-02261_anlage 4_neu (427 KB)