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Vorlage - VII-A-02231  

 
 
Betreff: Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit der Gewaltschutzambulanz Leipzig
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Jugendparlament/Jugendbeirat
Beratungsfolge:
Jugendparlament Vorberatung
22.04.2021 
Jugendparlament, abgehalten in Form einer Videokonferenz      
Jugendbeirat Vorberatung
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
20.01.2021 
Ratsversammlung (offen)   
FA Soziales, Gesundheit und Vielfalt 1. Lesung
15.02.2021    FA Soziales, Gesundheit und Vielfalt - als Videokonferenz      
FA Soziales, Gesundheit und Vielfalt 2. Lesung
29.03.2021    FA Soziales und Gesundheit - als Videokonferenz      
12.04.2021    FA Soziales, Gesundheit und Vielfalt - als Videokonferenz      
26.04.2021    FA Soziales, Gesundheit und Vielfalt - als Videokonferenz      
Ratsversammlung Beschlussfassung

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Beschlussvorschlag:

 

Die Stadtverwaltung wird beauftragt bis zum Ende des II. Quartals 2021 ein Konzept vorzulegen, welches eine stärkere Wahrnehmung der Gewaltschutzambulanz und ihrer Arbeit und Angebote in der Öffentlichkeit zum Zweck hat. Ferner soll geprüft werden, ob die Einrichtung von weiteren Aufnahmeund Therapiestellen für Betroffene im übrigen Stadtgebiet sinnvoll ist.

 

 

Begründung:

 

“Ich war wie benebelt. Ich hatte furchtbare Schmerzen, konnte kaum noch laufen, ich wusste nicht wohin mit mir und wollte einfach nur noch nach Hause.” (Aus dem Bericht 1 Sexuellen Gewalt vor allem gegen Frauen und Nicht-Binäre Personen ist ein ernsthaftes und schwerwiegendes Problem in unserer Gesellschaft. Zu diesem Schluss kommt bereits 2004 eine (repräsentative) Studie im Auftrag des BMFSFJ, wonach jede siebte Frau bereits sexuelle Gewalt erlebt hat. Umgerechnet auf Leipzig ergibt das mindestens 34.000 potentielle weibliche Opfer. 3 Es ist nicht zu leugnen, dass es Strukturen geben muss, die Opfer in der von ihnen benötigten Art und Weise auffangen. Die Gewaltschutzamulanz beschreibt ihre Arbeit selbst so: “In der Gewaltopferambulanz werden im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung Befunde erhoben, die auf die vorangegangene Gewalteinwirkung zurückzuführen sind (zum Beispiel Hämatome, Schürfwunden, Schmerzen) und forensisch sicher dokumentiert. Die Dokumentation erfolgt schriftlich und/oder fotografisch bzw. als Skizze. Im begleitenden Gespräch mit der Ärztin werden die genauen Umstände der Gewalteinwirkung/Misshandlung erfragt und ebenfalls dokumentiert. Auf diese Weise kann später zu jedem Zeitpunkt ein „gerichtsfestes“ rechtsmedizinisches Gutachten über die Verletzungen erstellt werden. [...] Ferner wird die anonyme bzw. anzeigenunabhängige Spurensicherung angeboten, die besonders für Menschen, denen sexualisierte Gewalt widerfahren ist, von Bedeutung sein kann. Die Spuren z.B. einer Vergewaltigung (Spuren auf der Haut, Wäschestücke, ggf. Blut- oder Urinproben, Abstriche) werden sichergestellt und professionell verwahrt. Betroffene können nach der Spurensicherung entscheiden, ob sie eine Anzeige erstatten wollen oder nicht. Alle Daten werden vertraulich behandelt und ausschließlich mit ausdrücklicher Zustimmung (schriftliche Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht) der Betroffenen verwendet.” 4 Doch dabei gilt: “Akteurinnen und Akteure im Gesundheitswesen waren schon immer wichtige Schlüsselpersonen im Umgang mit Gewaltbetroffenen. In der aktuellen Situation kommt ihnen eine noch höhere Bedeutung zu, da viele andere Einrichtungen nur reduziert erreichbar, Besuche bei Ärztinnen und Ärzten jedoch auch während Kontaktbeschränkungen möglich sind. Sie können für Betroffene wichtige erste Ansprechpersonen sein, wenn es um die Unterstützung bei Gewalt geht.

Leider ist durch die Krise eine wichtige Versorgungsdebatte in den Hintergrund getreten. Es gibt nach wie vor nicht flächendeckend Angebote der Akutversorgung und vertraulichen Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt. Vergewaltigte Frauen finden nicht in allen Regionen adäquate medizinische und befundsichernde schnelle Hilfe [...].” 5

1) Walter Bellwald: Ich wurde fünf Stunden lang brutal vergewaltigt. In: 1815 Schweiz vom 24. März 2016.

2) Doris Hess, Dr. Angela Prussog-Wagner, Karen Marwinski, Christine Fredebeul, Reiner Gilberg, Gerd

Kästner: Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland. BMFSFJ, 2004.

3) Eigene Rechnung auf Basis der Daten von statistik.leipzig.de i.V.m. Quelle 2

4) URL: https://bellis-leipzig.de/angebote/gewaltschutzambulanz/ . Abgerufen am 23. November 2020.

5) Katja Grieger: Sie sind Schlüsselpersonen im Umgang mit Gewaltbetroffenen. In: gynäkologie + geburtshilfe. 2020; 25(3): 3.

 

 

 

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

Stammbaum:
VII-A-02231   Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit der Gewaltschutzambulanz Leipzig   01.15 Büro für Ratsangelegenheiten   Antrag
VII-A-02231-VSP-01   Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit der Gewaltschutzambulanz Leipzig   50 Sozialamt   Verwaltungsstandpunkt