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Vorlage - VII-Ifo-02333  

 
 
Betreff: Recherche nach neuen Quellen zum Verbleib der Gebeine aus der 1968 gesprengten Paulinerkirche
Anlass: Stadtratsbeschluss
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Informationsvorlage
Einreicher:Dezernat Allgemeine VerwaltungBezüglich:
VI-A-05875-VSP-01
Beratungsfolge:
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Information zur Kenntnis
DB OBM - Vorabstimmung
FA Allgemeine Verwaltung Information zur Kenntnis
16.02.2021    FA Allgemeine Verwaltung, abgehalten in Form einer Videokonferenz      
02.03.2021    FA Allgemeine Verwaltung, abgehalten in Form einer Videokonferenz      
FA Umwelt, Klima und Ordnung Information zur Kenntnis
16.02.2021    FA Umwelt, Klima und Ordnung      
02.03.2021    FA Umwelt, Klima und Ordnung      
FA Kultur Information zur Kenntnis
19.02.2021    FA Kultur (Videokonferenz)      
FA Kultur Information zur Kenntnis
Ratsversammlung Information zur Kenntnis

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlagen:
Beitrag Gebeine der Paulinerkirche, Friedemann Meißner

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Der Stadtrat nimmt das Rechercheergebnis zur Kenntnis.

 

Räumlicher Bezug:

Stadtbezirk Mitte

 

Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

 

Auf der Grundlage des o.g. Stadtratsbeschlusses hat das Stadtarchiv Leipzig die eigenen Bestände sowie Unterlagen anderen städtischer Einrichtungen, des Bundesarchivs und des Stasi-Unterlagenarchivs gesichtet, um neue Erkenntnisse zum Verbleib der Gebeine aus der Paulinerkirche zu gewinnen.

 

 


 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

N  Finanzielle Auswirkungen

nein

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

nein

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

nein

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

nein

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

nein

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

nein

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

nein

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

nein

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

ja

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

Ja

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:

 

 

 


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftsstruktur

Vorsorgendes Fchen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele:

 

trifft nicht zu

 

 


Klimawirkung durch den Beschluss der Vorlage

Stufe 1: Grobe Einordnung zur Klimawirkung (Klimaschutzes und zur -wandelanpassung)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eingesetzte Energieträger (Strom, Wärme, Brennstoff)

keine / Aussage nicht möglich

erneuerbar

fossil

 

Reduziert bestehenden Energie-/Ressourcenverbrauch

Aussage nicht möglich

ja

nein

 

Speichert CO2-Emissionen (u.a. Baumpflanzungen)

 

Aussage nicht möglich

ja

nein

 

Mindert die Auswirkungen des Klima­wandels (u. a. Entsiegelung, Regen­wassermanagement)

Aussage nicht möglich

ja

nein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abschätzbare Klimawirkung mit erheblicher Relevanz

ja, da Beschlussgremium RV, GVA, oder VA und mind. 5 Jahre Betriebs- und Nutzungsdauer

nein

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorlage hat keine abschätzbare Klimawirkung

ja (Prüfschema endet hier.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Stufe 2: Die Vorlage berücksichtigt die zentralen energie- und klimapolitischen Beschlüsse (s. leipzig.de)

 

                        

ja

nein (Begründung s. Abwägungsprozess)

nicht berührt (Prüfschema endet hier.)

 

 

 

 

 

 

 

 

Stufe 3: Detaillierte Darstellung zur abschätzbaren Klimawirkung nur bei erheblicher Relevanz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berechnete THG-Emissionen (in t bzw. t./a): ____________________

 

liegt vor: s. Anlage/Kapitel der Vorlage: ________________________

 

 

wird vorgelegt mit: ________________ (z. B. Planungsbeschluss, Baubeschluss, Billigungs- und Auslegungsbeschluss)

 

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschreibung des Abwägungsprozesses:

 

Nicht zutreffend.

 

 

I. Eilbedürftigkeitsbegründung

 

Nicht zutreffend.

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit

 

Nicht zutreffend.

 

III.  Strategische Ziele

 

Die Frage nach dem Verbleib der Überreste zahlreicher Bestattungen aus der Universitätskirche St. Pauli wird seit ihrer Sprengung im Jahre 1968 immer wieder gestellt und beschäftigt ebenso wie der Zerstörungsakt dieses kunst- und kulturgeschichtlich wertvollen Kirchenbaus mit Berechtigung und Vehemenz die Stadtgesellschaft. Die Auseinandersetzung mit dem Thema leistet als Teil des lebenslangen Lernens einen Beitrag zur sozialen Stabilität.


 

IV. Sachverhalt

 

1. Anlass

 

Am 16. Mai 2018 hat der Stadtrat den Antrag VI-A-05875 als Alternativvorschlag der Verwaltung beschlossen. Demnach sollte eine Überprüfung von Beständen des Stadtarchivs bis Ende 2019 erfolgen.

 

2. Ausführliche Darstellung der Information

 

Besondere Verdienste, dass der Untergang der Paulinerkirche immer wieder thematisiert wird, hat der gleichnamige Paulinerverein, der als Bürgerinitiative mit unermüdlicher Beharrlichkeit auch auf das ungelöste Problem des Verbleibs der in den Gräbern bestatteten Gebeine in Form von Vorträgen, Publikationen (Zumpe 2006, Wurlitzer 2010, Helmstedt/Stötzner 2015) und anderen Initiativen hinweist und Aufklärung fordert.

 

Durch den Umzug des Stadtarchivs (2019) konnte mit der Umsetzung des  o.g. Beschlusses der Ratsversammlung erst im Jahr 2020 begonnen werden. Wissenschaftlich unterstützt wurden die Arbeiten von dem externen Historiker Friedemann Meißner (Universität Leipzig), der alle zu diesem Thema verfügbaren Quellen ausgewertet hat. Weitergehende Recherchen im Bundesarchiv und im Landesamt für Denkmalpflege in Dresden konnten wegen Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie nicht im geplanten Umfang umgesetzt werden.

Herr Meißner hat seine Erkenntnisse am 17. September 2020 im Stadtarchiv in einem öffentlichen Vortrag vorgestellt, in dessen Anschluss es zu einer intensiven und fruchtbaren Diskussion gekommen ist, an der nicht zuletzt Vertreter des o.g. Paulinervereins beteiligt waren. Herr Meißner wird seine Ergebnisse mit wissenschaftlichen Nachweisen versehen im Jahrbuch für Leipziger Stadtgeschichte 2021 veröffentlichen.

 

Schon jetzt kann allerdings aus Sicht des Stadtarchivs festgestellt werden, dass es keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zum Verbleib der Gebeine gibt und die Recherchen den bekannten Forschungsstand bestätigt haben. Reaktionen aus der Stadtgesellschaft in Form von Zeitungsberichten, E-Mails und Briefen machen jedoch deutlich, dass ein ungebrochenes öffentliches Interesse an dem Thema besteht.

 

Die Befunde der Recherche decken sich, wie oben ausgeführt, mit den bisher veröffentlichten Untersuchungen, und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

 

Unter den Leipziger Begräbnisstätten nahm die Universitätskirche St. Pauli bis in das 18. Jhd. eine Sonderrolle ein, da sie der standesgemäße Begräbnisplatz vornehmlich für die Angehörigen der Universität, aber auch für einige Adelsfamilien und Teile der städtischen Oberschicht war. Ein Grabstellenverzeichnis aus dem Jahr 1720 listet insgesamt 230 Familien-Erbbegräbnisstellen auf. Erstmals in den 1780er Jahren werden Bemühungen greifbar, die Bestattungen in der Kirche aus gesundheitlich-hygienischen Gründen zu unterbinden. Wann genau die letzte Bestattung vorgenommen wurde, ist unklar, jedoch ist davon auszugehen, dass allerspätestens mit Beginn des 19. Jahrhundert keine Beisetzungen mehr in der Universitätskirche stattgefunden haben. 

 

Das Problem der Bestattungen in der Kirche und deren Bedeutung als Begräbnisstätte war den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung und lokalen SED-Parteileitung in vollem Umfang bewusst, weshalb sie sich gezwungen sah, dieser Frage – wenn auch viel zu spät – Beachtung zu schenken. Im März 1968 wurde ein Bergungs- und Dokumentationsplan für Kunstgegenstände sowohl von dem Vertreter der städtischen Denkmalpflege als auch von Seiten des Dresdner Instituts für Denkmalpflege gefordert, der allerdings angesichts der geringen zur Verfügung stehenden Zeit nicht zur Ausführung kam. Die im Vorfeld der Sprengung genannte Zahl von 800 Bestattungsplätzen war nur eine grobe Schätzung, die auch für die Begründung einer notwendigen systematischen und archäologisch fachgerechten Dokumentation und Bergung dienen sollte.

 

Die Aktenlage und die Zeitzeugenaussagen zum Umgang mit den Bestattungen im Zeitraum vom 23. Mai (Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Sprengung der Kirche) bis zur erfolgten Sprengung am 30. Mai 1968 lassen auch weiterhin keine eindeutigen Angaben für die Anzahl der Grabstellen zu. Zahlreiche Grüfte waren mit Bauschutt aufgefüllt, was nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass dort keine Bestattungen mehr aufzufinden gewesen wären. Neben den Gebeinen des Dichters Gellert sind diejenigen aus der Familiengruft Schmidt heute die einzigen, deren Umbettung auf den Südfriedhof nachgewiesenermaßen vollzogen worden ist. Auf Grund des enormen Zeitdrucks und Arbeitsaufwandes konnte keine systematische und umfassende Bergung von Bestattungen zum Zeitpunkt der Beräumung der Kirche am 24. und 25. Mai erfolgen.

 

Es gibt mit Winfried Krause (Jg. 1942) allerdings einen noch lebenden Zeitzeugen, dessen Beteiligung an den Räumungsarbeiten durch Aktennotiz belegt ist. Über die Vorgänge in der Kirche hatte er unter Androhung von Sanktionen lange Zeit Stillschweigen zu bewahren. Er schilderte 2003, dass an vielen Stellen der Kirche der Fußboden geöffnet worden sei und darunter Gruftgewölbe mit Bestattungen zum Vorschein gekommen wären. Er selbst habe eine dreistellige Zahl von Bestattungen aus den Grüften unter der Kirche in bereitstehende Kindersärge umgebettet, diese vernagelt und verladen. Die Särge wurden dann auf die Anhänger eines Traktors geladen und anschließend abtransportiert. Über den Zielort gibt es nur Mutmaßungen.

 

Vermutet werden kann, dass die nach der Sprengung unter der Kirche noch vorhandenen Gebeinsreste abgebaggert wurden und sich heute zusammen mit dem Bauschutt in der Etzold‘schen Sandgrube befinden. Eine Einäscherung von Bestattungen im Krematorium des Südfriedhofs ist wenig wahrscheinlich, da entsprechende Vermerke im Ofenbuch fehlen. Die Aktenlage ist nicht eindeutig. Die Ergebnisse der Einsichtnahme bestätigen das bisher in der Literatur gezeichnete Bild.

 

 

Anlage:

Aufsatzentwurf mit den Rechercheergebnissen des Historikers Friedemann Meißner.

 

 

 

 

 

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Beitrag Gebeine der Paulinerkirche, Friedemann Meißner (407 KB)    
Stammbaum:
VI-A-05875   50. Jahrestag der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli; Überprüfung des Stadtarchives nach historischen Dokumenten betreffs offener Fragen zu schriftlicher Erfassung und Verbleib der in der Kirche bestatteten Toten und deren Grabbeigaben   Geschäftsstelle der AfD-Fraktion   Antrag
VI-A-05875-VSP-01   50. Jahrestag der Sprengung der Universitätskirche St. Pauli; Überprüfung des Stadtarchives nach historischen Dokumenten betreffs offener Fragen zu schriftlicher Erfassung und Verbleib der in der Kirche bestatteten Toten und deren Grabbeigaben   10 Hauptamt   Verwaltungsstandpunkt
VII-Ifo-02333   Recherche nach neuen Quellen zum Verbleib der Gebeine aus der 1968 gesprengten Paulinerkirche   10 Hauptamt   Informationsvorlage