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Vorlage - VII-A-02056  

 
 
Betreff: Auslobung eines "Herrmann-Julius-Meyer-Preises für kostengünstigen und qualitätsvollen Wohnungsbau" und Wiederbelebung der Idee philantrophischer Wohnungsbaustiftungen nach dem Vorbild der Stiftung Meyer'sche Häuser
Anlass: Stadtratsbeschluss
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:CDU-Fraktion
Beratungsfolge:
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
11.11.2020 
Ratsversammlung (Kongreßhalle Leipzig, Pfaffendorfer Str. 31, 04105 Leipzig) vertagt     
12.11.2020 
Ratsversammlung (Fortsetzung vom 11.11.2020), Kongreßhalle Leipzig, Pfaffendorfer Str. 31, 04105 Leipzig (offen)   
FA Stadtentwicklung und Bau 1. Lesung
01.12.2020    Videokonferenz - FA Stadtentwicklung und Bau      
zeitweilig beratender Ausschuss Wohnen 1. Lesung
17.11.2020    zeitweilig beratender Ausschuss Wohnen      
zeitweilig beratender Ausschuss Wohnen 2. Lesung
26.01.2021    zeitweilig beratender Ausschuss Wohnen      
09.02.2021    zeitweilig beratender Ausschuss Wohnen      
FA Stadtentwicklung und Bau 2. Lesung
09.02.2021    FA Stadtentwicklung und Bau - Videokonferenz      
Ratsversammlung Beschlussfassung
24.02.2021 
Ratsversammlung (Videokonferenz) ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag

 

  1. Die Stadt Leipzig lobt einen „Herrmann-Julius-Meyer-Preis für kostengünstigen und qualitätsvollen Wohnungsbau“ aus. Die Stadtverwaltung legt bis 30.06.2021 ein entsprechendes Konzept vor. In dessen Erarbeitung werden die Stiftung Meyer`sche Häuser und die Leipziger Wohnungsgenossenschaften als Akteure sozial orientierten Wohnungsbaues einbezogen.

 

  1. Die Stadtverwaltung prüft gemeinsam mit der Stiftung Meyer`sche Häuser und ggf. der LEIPZIGSTIFTUNG, wie die Grundidee dieser Stiftung (Schaffung preisgünstigen Wohnraums für breite Bevölkerungsschichten durch kostengünstigen und gleichzeitig qualitätsvollen Wohnungbau) durch philantrophische Neu- und Zustiftungen wiederbelebt werden kann. Dazu gehört eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit, um dieses Modell potenziellen Stiftern vertraut zu machen. Diese könnte bis hin zu einer Bewerbung der Meyer`schen Häuser als UNESCO-Weltkulturerbe gehen.

 

Begründung

 

Herrmann Julius Meyer war ein erfolgreicher Leipziger Verleger (u.a. Meyers` Konversationslexxikon) und ein großzügiger, visionärer Pionier des sozialen Wohnungsbaues in einer Zeit, die für die ärmeren Bevölkerungsschichten von großer Wohnungsnot geprägt war.

Vor diesem Hintergrund gründete Meyer 1888 den „Verein für Erbauung billiger Wohnungen“ und stattete diesen aus seinem Vermögen mit einem Startkapital von 2 Mio. Reichsmark aus, eine für die damalige Zeit immense Summe. Der Verein wurde 1900 in die gleichnamige Stiftung umgewandelt.

Mit diesem Startkapital wurden ab 1888 schrittweise die vier Wohnanlagen in Kleinzschocher, Lindenau, Reudnitz und Eutritzsch durch Max Pommer als Hausarchitekt der Stiftung errichtet. Diese Wohnanlagen vereinen in sich hohe architektektonische Qualität, ein hochwertiges Wohnumfeld, das seiner Zeit weit voraus war, und ein günstiges, für breite Bevölkerungsschichten erschwingliches Mietniveau. Damals wurden die Mieten so kalkuliert, dass sie 15% eines üblichen Familieneinkommens nicht überschritten (heute reden wir über Belastungsgrenzen von 30%). Derzeit liegt das Nettomietniveau zwischen 4,20 und 8,00 Euro.

 

Dieses Mietniveau war die Grundidee der Stiftung von Herrmann Julius Meyer und war nur deshalb möglich, weil Max Pommer konsequent alle Potenziale zur Baukostenreduzierung ausschöpfte. Dies begann mit den Mengenvorteilen, die eine Errichtung als Gesamtensemble  mit jeweils mehreren hundert Einzelwohnungen gegenüber einer klassischen Einzelhausplanung ermöglichte, und ging bis zur Verwendung genormter Bauteile und standardisierter Grundrisse.

 

Seiner Zeit weit voraus waren die großzügigen begrünten Innenhöfe, die eine hohe Erholungsqualität bieten und u.a.  in heißen Sommern zu einem Kühlungseffekt führen. Insofern sind die Meyer`schen Häuser gut für den Klimawandel gerüstet.

Dabei ist nicht zu vergessen, dass um die vorletzte Jahrhundertwende preisgünstige Arbeiterwohnungen oft nur in engen, dunklen und verbauten Hinterhöfen verfügbar waren. Diesen wenig menschenfreundlichen Wohnverhältnissen stellten Meyer und Pommer eine fortschrittliche, sozialreformerische Alternative entgegen.

 

Die Stadt Leipzig vergibt seit vielen Jahren den allgemeinen Architekturpreis und den Hieronymus-Lotter-Preis für besondere denkmalpflegerische Leistungen. Da das Thema kostengünstiger Wohnungsbau auch in Leipzig einen immer höheren Stellenwert einnimmt, wäre ein dritter städtischer Preis speziell zu diesem Thema sinnvoll und zielführend.

 

Beide bestehenden Preise werden in der Öffentlichkeit als Qualitätssiegel anerkannt und von den Gewinnern mit Stolz präsentiert. Die gleiche Wirkung dürfte auch ein „Herrmann-Julius-Preis für kostengünstigen und qualitätsvollen Wohnungsbau“ entfalten.

Wir plädieren dafür, in die Erarbeitung des Preiskonzeptes die Stiftung Meyer`sche Häuser einzubeziehen. Als weiteren Partner sehen wir die Leipziger Wohnungsgenossenschaften mit ihrem der Stiftung durchaus ähnlichen sozialen Geschäftsmodell.

 

Neben der Förderung kostengünstigen Bauens geht es uns aber auch um die grundsätzliche Idee der philantropischen Stiftung. Die erfolgreiche Entwicklung der Meyer`schen Häuser war nur möglich, weil Hermann Julius Meyer das Startkapital von 2 Mio. Reichsmark stiftete.

 

Wir sehen angesichts dieses historischen Beispiels ein großes, bisher wenig beachtetes Potenzial, um privates Kapital für Wohnungsbau ohne Renditezwänge zu aktivieren. In Leipzig sind bereits eine Vielzahl von Stiftungen aktiv, beginnend mit der LEIPZIGSTIFTUNG, die soziale, kulturelle und andere gemeinnützige Zwecke unterstützen. Eine den Meyer`schen Häusern vergleichbare Wohnungsbaustiftung ist uns jedoch nicht bekannt. Von daher sollte es hier ein Potenzial geben, das mit Öffentlichkeitsarbeit und gezielter Ansprache potenzieller Stifter gehoben werden könnte.

 

Ein denkbarer Weg, um dieses Anliegen einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, wäre ein Antrag auf Aufnahme der vier Wohnlagen Meyer`sche Häuser in das UNESCO-Weltkulturerbe.

 

Mit ihrer architektonischen Qualität und dem sozialreformerischen Ansatz hätte sie diese Würdigung verdient. Ein solcher Antrag hätte aus unserer Sicht auch realistische Erfolgschancen: Im Jahr 2008 wurden gleich sechs Berliner Wohnsiedlungen der 20er-Jahre-Bauhausmoderne in die Welterbeliste aufgenommen (darunter z.B. die „Hufeisensiedlung“ in Neukölln-Britz).

Unsere Meyer`schen Häuser können durchaus als Vorläufer dieses sozialreformerischen Ansatzes angesehen werden.

 

Quelle: „Wachsende Stadt- Wohnen und Leben in Leipzig 2020“ art.media Verlag Leipzig

 

 

 

Stammbaum:
VII-A-02056   Auslobung eines "Herrmann-Julius-Meyer-Preises für kostengünstigen und qualitätsvollen Wohnungsbau" und Wiederbelebung der Idee philantrophischer Wohnungsbaustiftungen nach dem Vorbild der Stiftung Meyer'sche Häuser   Geschäftsstelle der CDU-Fraktion   Antrag
VII-A-02056-VSP-01   Auslobung eines "Herrmann-Julius-Meyer-Preises für kostengünstigen und qualitätsvollen Wohnungsbau" und Wiederbelebung der Idee philantrophischer Wohnungsbaustiftungen nach dem Vorbild der Stiftung Meyersche Häuser   64 Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung   Verwaltungsstandpunkt