Ratsinformationssystem

Vorlage - VII-P-01877-VSP-01  

 
 
Betreff: Benennung des Platzes an der Wendeschleife der Straßenbahnlinie 14 in "Platz der Oratorianer"
Anlass: Verwaltungshandeln
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Verwaltungsstandpunkt zur Petition
Einreicher:Dezernat Allgemeine VerwaltungBezüglich:
VII-P-01877
Beratungsfolge:
DB OBM - Vorabstimmung
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
Petitionsausschuss Vorberatung
27.11.2020    Petitionsausschuss (Videokonferenz)      
Ratsversammlung Beschlussfassung
16.12.2020 
Ratsversammlung (Kongreßhalle, Pfaffendorfer Straße 31, 04105 Leipzig)      

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Zustimmung und Abhilfe

Alternativvorschlag

Berücksichtigung

Erledigt

Ablehnung

 

 

 

 

Beschlussvorschlag:

 

Der Platz an der Wendeschleife der Straßenbahnlinie 14 wird vorerst nicht als "Platz der Oratorianer" benannt, sondern in der AG Straßenbenennung für die Aufnahme in den Namensvorrat beraten. Eine Benennung kann je nach Entscheidung der AG Straßenbenennung über eine zukünftige Vorlage zur Straßenbenennung erfolgen.

 

Räumlicher Bezug:

 

Stadt Leipzig, Stadtbezirk Südwest

 

 

Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

 

 

 

Beschreibung des Abwägungsprozesses:

 

nicht relevant

 

 

I. Eilbedürftigkeitsbegründung

 

nicht relevant

 

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit

 

nicht relevant

 

 

III.  Strategische Ziele

 

nicht relevant

 

 

IV. Sachverhalt

 

1. Anlass

 

Anlass des Verwaltungsstandpunktes ist die Petition VII-P-01877.

 

2. Beschreibung der Maßnahme

 

Die Petition fordert die Benennung des Platzes an der Wendeschleife der Straßenbahnlinie 14 in Plagwitz als „Platz der Oratorianer“. Diese Wendeschleife liegt an der Engertstraße in unmittelbarer Nähe zum S-Bahnhof Plagwitz.

 

Die Oratorianer sind eine apostolische Gemeinschaft päpstlichen Rechts von Priestern und Laien, die seit 90 Jahren im Leipziger Westen als Seelsorger tätig sind. Die Oratorianer haben sich 1930 mit der Errichtung des Oratoriums des heiligen Philipp Neri in Leipzig niedergelassen. Sie hatten sich den Leipziger Westen als Wirkungsstätte ausgesucht, da sie vor allem in sozial schwächeren Gebieten ihren Dienst tun wollten. Das Oratorium war zudem darauf ausgerichtet, die Liturgie zu erneuern, sodass diese von allen Teilnehmern leicht nachvollzogen werden konnte.

 

In ihrer Wirkungszeit konnten die Oratorianer im Leipziger Westen viel Gutes bewirken.

In der Zeit des Dritten Reichs gaben die Oratorianer Menschen jüdischer Abstammung zunächst eine Anstellung in der katholischen Pfarrei, als diese ihre Berufe nicht weiter ausüben durften, und gewährten oder vermittelten ihnen im späteren Verlauf eine sichere Unterkunft. Nach dem Zweiten Weltkrieg retteten die Oratorianer zudem Wolgadeutsche vor der Deportation nach Russland, indem sie ihnen 1949 zur Flucht nach Westberlin verhalfen (vgl. https://archiv.tag-des-herrn.de/archiv_1996_bis_2007/artikel/2035.php#gsc.tab=0 ).

 

Nun geben die Oratorianer zum Ende des Kirchenjahres 2020 ihre Verantwortung als Pfarreiseelsorge ab und verlassen auch das Pfarrhaus der Pfarrei St. Philipp Neri Leipzig in Leipzig-Lindenau. Hierfür werden von den zuständigen Pfarrern der Pfarrei Philipp Neri verschiedene Gründe angegeben. Thematisiert wurde hierbei auch, dass der Schutz von Kindern vor sexualisierter Gewalt nicht angemessen umgesetzt wurde, wobei auch Versäumnisse der Oratorianer thematisiert wurden (siehe u.a. https://www.tag-des-herrn.de/leipziger-oratorianer-entschuldigen-sich-bei-glaeubigen-fuer-fehler )

 .

 

Bei der Namensgebung wird üblicherweise darauf geachtet, dass sich der Namensgeber in den Namenskomplex des Gebietes einfügen soll und ein räumlicher Bezug vorhanden ist. In diesem Fall ist ein räumlicher Bezug vorhanden, da die Verantwortungs-gemeinschaft Philipp Neri Leipzig-West direkt auf der anderen Straßenseite der Wendeschleife liegt.

Zudem sind im umliegenden Gebiet einige Straßen nach direkten Merkmalen in ihrer Umgebung benannt, weshalb der Platzname sich an der Stelle auch in den Namenskomplex einfügen würde.

 

Im Fall der Benennung als „Platz der Oratorianer“ müsste kein Platz bzw. Straße umbenannt werden. Weiterhin würden an dem Platz, da es sich um eine Straßenbahnwendeschleife handelt, keine Adressen vergeben werden, da es hier keine Anlieger gibt. Aus technischen Gründen steht der Benennung demnach nichts entgegen.
Insgesamt fordert die Petition damit auch keine Benennung an einem prominenten, öffentlichkeitswirksamen Ort, sondern in einem räumlich sehr begrenztem Bereich mit ausschließlich verkehrstechnischer Nutzung.

 

Bei einer Entscheidung über die Platzbenennung einerseits die vorbildliche Leistung der Oratorianer im Dienste für das Gemeinwohl und beim Schutz von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Glaubensrichtungen unter Inkaufnahme persönlicher Risiken zu verschiedenen Zeiten gewürdigt werden. Andererseits könnte eine Benennung im Kontext von Versäumnissen im Umgang mit dem Schutzerfordernis von Kindern vor sexuellen Übergriffen in jüngerer Zeit auf öffentlichen Widerspruch stoßen. In Abwägung dieser Kriterien wird zunächst eine Ablehnung der Petition im Lichte der jüngeren Vergangenheit empfohlen. Längerfristig sollte eine Auseinandersetzung der Gesamtleistung der Oratorianer in Leipzig erfolgen. Zu diesem Zwecke wird eine Aufnahme in den Straßennamensvorrat empfohlen sowie eine perspektivische Prüfung der Würdigung in Abwägung von beachtlichen Leistungen der Vereinigung ebenso wie deren Versäumnissen. 

 

 

 

 

 

 

 

Stammbaum:
VII-P-01877   Benennung des Platzes an der Wendeschleife der Straßenbahnlinie 14 in "Platz der Oratorianer"   01.15 Büro für Ratsangelegenheiten   Petition
VII-P-01877-VSP-01   Benennung des Platzes an der Wendeschleife der Straßenbahnlinie 14 in "Platz der Oratorianer"   12 Amt für Statistik und Wahlen   Verwaltungsstandpunkt zur Petition
VII-P-01877-DS-02   Benennung des Platzes an der Wendeschleife der Straßenbahnlinie 14 in "Platz der Oratorianer"   01.15 Büro für Ratsangelegenheiten   Beschlussvorlage