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Vorlage - VII-A-01920  

 
 
Betreff: Würdiges Gedenken an die deutsche Reichsgründung vor 150 Jahren
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:AfD-Fraktion
Beratungsfolge:
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
14.10.2020 
Ratsversammlung (offen)   
FA Kultur 1. Lesung
30.10.2020    FA Kultur      

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

 

Der Oberbürgermeister wird beauftragt, anlässlich des 150. Jahrestags der Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871 im Januar 2021 ein offizielles Gedenken durchzuführen. Der Stadtrat wird bis Ende 2020 über Form und Inhalt des Gedenkens informiert.

 

Begründung:

 

Die deutsche Reichsgründung am 18. Januar 1871 war ein Meilenstein der deutschen Geschichte. Die vielen zersplitterten deutschen Einzelstaaten wurden erstmals zu einem modernen Nationalstaat geeint, etwas, was die deutsche Freiheits- und Nationalbewegung schon seit Jahrzehnten erstrebt hatte.

 

Dieser neue Nationalstaat war trotz seiner Gründung „von oben“ ein moderner Rechtsstaat, dessen Verfassung zur damaligen Zeit eine der modernsten Europas darstellte. Dies betraf besonders das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht, wenn es auch zunächst nur für Männer galt. Besonders der in dieser damals noch nicht selbstverständlichen Weise gewählte Reichstag konnte sich zu einer starken demokratischen Institution entwickeln, die zwar die Reichsregierung noch nicht wählen bzw. abwählen durfte, ihr jedoch oftmals einige Kopfschmerzen bereiten konnte und somit eine effektive Kontrolle gewährleistete. Im Übrigen entfaltete die Verfassung des Deutschen Reiches eine Vorbildwirkung für die Verfassungen weiterer Staaten, wie z. B. Japan.

 

Moderne politische Ideen entstanden in dieser Zeit, untrennbar sind mit dem Deutschen Kaiserreich etwa die Namen Max Weber oder Friedrich Naumann verbunden, die fortschrittliche Aspekte in Politik und Wissenschaft einbrachten. Das Bürgerliche Gesetzbuch wurde in den 1880er und 1890er Jahren entwickelt und trat 1900 in Kraft. Alles in allem ist also unsere heutige politische und Rechtsordnung ohne die politisch-philosophischen und juristischen Erkenntnisse aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches nicht denkbar.

 

Doch auch Industrie, Handel, Bildung und Forschung erlebten im neugegründeten Deutschen Reich eine bis dahin nicht erreichte Blütezeit. Deutschland erlebte ein Klima der Innovationsfreude und war in vielen Bereichen von Wissenschaft und Technik weltweit führend. Ein Schwerpunkt war hier auch die Stadt Leipzig (Carl Heine, u.a.). Im wirtschaftlichen und sozialen Bereich war das Anwachsen eines damals nie gekannten Wohlstandes zu verzeichnen, von dem breite Bevölkerungsschichten profitierten. Dies ermöglichtes es der Regierung Bismarck, einen modernen Sozialstaat aufzubauen, der in der ganzen Welt als Vorbild galt.

 

Darüber hinaus gilt es die kulturelle Blütezeit zu würdigen. In Malerei, Musik, Literatur und Architektur wurden neue Stilformen entwickelt, die für die deutsche Geschichte prägend geworden sind. Insbesondere auch in Leipzig lassen sich die Zeugen dieser Epoche facettenreich und stadtbildprägend antreffen. Als ein herausragendes Beispiel gilt dabei unser Neues Rathaus als größter Rathausneubau im Deutschen Reich, welcher bis heute noch als der größte Profanbau dieser Art in Deutschland und weltweit gilt.

 

All die aufgezeigten Aspekte verdeutlichen, dass ein würdevolles Erinnern an die deutsche Reichsgründung am 18. Januar 1871 auch in Leipzig angemessen ist.

 

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