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Vorlage - VII-DS-00803-ÄA-01  

 
 
Betreff: Ersatzneubau Georg-Schwarz-Brücken II/R11 und II/R12 einschließlich Umbau Am Ritterschlößchen: Errichtung der bauzeitlichen Fußgängerbrücke über die Anlagen der Deutschen Bahn als dauerhafte Stadtteilverbindung sowie Unterführung eines Radweges durch Stützweitenvergrößerung der Brücke II/R11
Anlass: Stadtratsbeschluss
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Änderungsantrag
Einreicher:Stadtbezirksbeirat AltwestBezüglich:
VII-DS-00803
Beratungsfolge:
FA Stadtentwicklung und Bau
22.09.2020    FA Stadtentwicklung und Bau      
Ratsversammlung Beschlussfassung
11.11.2020    Ratsversammlung      

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

Der Beschlussvorschlag wird wie folgt ergänzt:

 

4. Am Bahnhof Leutzsch wird als westlicher Zugang zu den Bahnsteigen eine Brücke für Rad fahrende dauerhaft gebaut.

5. Die Ausführung der Rampen zu der dauerhaften Fußgängerbrücke wird dabei so gestaltet, dass sowohl die Bahnsteige erreicht werden können als auch die städtebaulich sinnvolle Wegebeziehung zwischen Heimteichstraße <-> Lise-Meitner-Straße bzw. Robert-Koch-Straße hergestellt wird.

Begründung:

Die Errichtung einer dauerhaften Stadtteilverbindung zwischen den Stadtteilen Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg wird selbst in der Vorlage der Stadtverwaltung (VII-DB-00803) grundsätzlich positiv bewertet.

Diese Sichtweise legt auch die Machbarkeitsstudie dar, die seitens der Verwaltung dafür in Auftrag gegeben wurde.

Aus Sicht des SBB Altwest sprechen zudem die folgenden Punkte für eine dauerhafte Wegebeziehung für Rad fahrende und zu Fuß gehende:

  • Die Stadt Leipzig hat sich im Stadtentwicklungsplan Verkehr und öffentlicher Raum (VöR) für einen Modal Split von 70% für den Umweltverbund ausgesprochen. Dies wurde unter anderem mit der Ausrufung des Klimanotstandes (am 15.07.2020 durch den Stadtrat) bestätigt. Deswegen sind die Zugangswege zum ÖPNV möglichst kurz und attraktiv zu gestalten. Dies wird durch einen westlichen Zugang am Bahnhof Leutzsch erreicht. Da Fußgänger*innen Wege sensitiv sind, fällt bei ihnen ein Umweg bei der Verkehrsmittelwahl stärker ins Gewicht. Für ältere Menschen, Menschen mit Handicap oder Kinder ist aus unserer Sicht der Umweg über die neugebauten Georg-Schwarz-Brücken nicht zumutbar.

 

  • Der westliche Zugang zum Bahnhof Leutzsch ist auch aus Sicht von ÖPNV Umsteigern wichtig. Die Linie 80 aus Wahren hat bereits an der Lise-Meitner-Straße eine Haltestelle, an die die Brücke angeschlossen werden sollte. Auch in der Philipp-Reis-Straße wird perspektivisch die Linie 67 fahren und damit den Bahnhof Leutzsch bereits an der Heimteichstraße erreichen können. Diese doppelte Sicherheit für den ÖPNV-Fahrgast, den Anschluss an den SPNV (S-Bahn, RB, RE) erreichen zu können, hebt die Attraktivität des ÖPNV weiter.
  • In einer wachsenden Stadt sind die vorhandenen Naherholungsgebiete (hier beispielsweise Auwald, Auensee, Villa Hasenholz) für die Bevölkerung wichtiger denn je. Diese sollten auf attraktiven Wegen erreichbar sein, die schon vor der Haustür autofrei gestaltet sind. Die Brücke hilft auch mit der Bahnanreisenden Naturliebhabern, die über die autofreie Brücke gefahrlos(er) ihre Ziele im Grünen erreichen können.
  • Am 9.7.2020 wurde die Aufstellung des Bebauungsplan Nr. 452 "Bahnbogen Leutzsch" durch den Stadtrat beschlossen (VII-DS-00537). In dem Gebiet ist auch eine Kita bzw. ein Schulstandort vorgesehen. Sichere Wegebeziehungen zum ÖPNV ist auch für diese Bevölkerungsgruppe besonders wichtig.
  • Ein weiterer Aspekt ist die Sanierung des Alfred-Kunze-Sportparkes und der damit vom Fördermittelgeber vorgegebenen Bedingungen (vgl. VI-A-08235-NF-02-ifo-01). Dies wird zu einem erhöhten Angebot seitens der BSG Chemie für Kinder und Jugendliche führen. Diese sollten einen sicheren Zugang zu den Sportanlagen rund um den Alfred-Kunze-Sportpark erhalten.
  • Die Gästefans bei Heimspielen der BSG Chemie brauchen einen Zugang zum Gästeblock, der weniger Verkehrssperren benötigt. Derzeit kommt es bis zu 2h vor und nach dem Spiel zu kurzfristigen Verkehrssperrungen durch die Polizei, die die Gästefans am Bahnhof Leutzsch empfängt und über die Philipp-Reis-Straße bis zur Unterführung am ehemaligen Straßenbahnhof Leutzsch geleitet. Dieser Durchgang ist ungeeignet, um die bis zu 500 Gästefans sicher zu führen. Auch die Anwohner*innen in Leutzsch können entlastet werden, wenn die Gästefans über den Steg direkt zum Stadion geleitet werden anstatt durch das Wohngebiet südlich der Eisenbahn. Dies birgt zudem ein finanzielles Einsparpotential für den Ordnungsdienst von Stadt und Polizei.
  • Die Brücke wird als Umleitungsstrecke bei einer etwaige Sanierung der Unterführung am ehemaligen Straßenbahnhof Leutzsch zwischen Rathenaustraße und Gustav-Esche-Straße benötigt.

Daneben wollen wir anmerken, dass die Machbarkeitsstudie eklatante Mängel aufweist.

  • Es werden nicht alle vorhandenen (und zukünftigen) Haltestellen des ÖPNV berücksichtigt (Lise-Meitner-Straße [Bus 80], perspektivisch Heimteichstraße (in der Philipp-Reis-Straße) [Line 67])

 

  • Die Planungen der Georg-Schwarz-Brücken werden als „sehr attraktiv“ für den Umweltverbund dargestellt, was nach dem „monströsen“ (LVZ vom 14.9.2020) Ausbau zumindest bezweifelt werden darf, da die Wege länger und entlang einer sehr breiten Straße geführt werden.
  • Die Bewertungsmatrix der einzelnen Varianten (Tabelle 9 in der Machbarkeitsstudie) ist sehr willkürlich (v.a. bzgl. „Städtebauliche Belange“) und durch Anwendung des Rangverfahrens sehr grob.
  • Bei der zeitlichen Einordnung der Gesamtbaumaßnahme ist das voraussichtliche Ende der Nutzungsdauer von BW II R11 nach Aussage des zuständigen Mitarbeiter im SBB Altwest in der Sitzung vom 2.9.2020 falsch und kann wohl ohne weiteres durch entsprechende Sicherungsmaßnahmen auf mindestens Ende 2026 verlängert werden.
  • Die „optimale Lage zu den weiterführenden Radwegen“ wurde nur unter der Annahme, dass die Rampenanlage im Zickzack ausgeführt wird untersucht. Alternative Rampenanlagen (wie bei den Tunnelvarianten) wurden bei den Brücken nicht untersucht und bewertet.
  • Eine Betrachtung der verkehrlichen Leistungsfähigkeit der bestehenden Zugänge zum Bahnhof Leutzsch bei Massenveranstaltungen (beispielsweise Fußballspiele bei der BSG Chemie Leipzig im Alfred-Kunze-Sportpark) fand nicht statt. Auch bereits bekannte zukünftige Entwicklungen blieben in der Machbarkeitsstudie unberücksichtigt (s. oben).

Daneben sind folgende Falschaussagen in der Machbarkeitsstudie enthalten:

  • Es werden Behauptungen über fehlende Radverkehrsverbindungen bezgl. der Relation Georg-Schwarz-Straße – Rathenaustraße aufgestellt, die nicht gedeckt sind. In Wohngebieten (Tempo 30 Zonen) wird der Radverkehr grundsätzlich auf der Straße geführt und bedarf keiner eigenen Radverkehrsanlage.
  • Im Bahnverkehr werden fälschlicherweise Bahnlinien genannt, die (noch) nicht am Bahnhof Leutzsch halten (S4, RE20).

Vor diesem Hintergrund sehen wir auf Grundlage der vorliegenden Machbarkeitsstudie kein Hinderungsgrund für den städtebaulich notwendigen Lückenschluss im Fuß und Radwegenetz in Leipzig-Altwest zwischen Leutzsch und Böhlitz-Ehrenberg.

Bei der Ausführung der Rampen sehen wir zudem keine Notwendigkeit diese mit 180 Grad Wenden auszuführen. Dies verkleinert lediglich das Baufeld, verkürzt aber nicht die Wegelänge. Insofern sind auch Brückenstandorte möglich, die sowohl den Zugang zu den Bahnsteigen ermöglichen als auch die Anbindung an die städtebaulich sinnvolle Wegebeziehung (Heimteichstraße <-> Lise-Meitner-Straße bzw. Robert-Koch-Straße) herstellen.

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Stammbaum:
VII-DS-00803   Ersatzneubau Georg-Schwarz-Brücken II/R11 und II/R12 einschließlich Umbau Am Ritterschlößchen: Errichtung der bauzeitlichen Fußgängerbrücke über die Anlagen der Deutschen Bahn als dauerhafte Stadtteilverbindung sowie Unterführung eines Radweges durchStützweitenvergrößerung der Brücke II/R11   66 Verkehrs- und Tiefbauamt   Beschlussvorlage
VII-DS-00803-ÄA-01   Ersatzneubau Georg-Schwarz-Brücken II/R11 und II/R12 einschließlich Umbau Am Ritterschlößchen: Errichtung der bauzeitlichen Fußgängerbrücke über die Anlagen der Deutschen Bahn als dauerhafte Stadtteilverbindung sowie Unterführung eines Radweges durchStützweitenvergrößerung der Brücke II/R11   01.15 Büro für Ratsangelegenheiten   Änderungsantrag