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Vorlage - VII-DS-01721  

 
 
Betreff: Darstellung der Einführung der Entgeltfreiheit für die Dauerausstellungen der Leipziger städtischen Museen
Anlass: Stadtratsbeschluss
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Beschlussvorlage
Einreicher:Dezernat Kultur
Beratungsfolge:
DB OBM - Vorabstimmung Vorberatung
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
FA Finanzen 1. Lesung
23.11.2020    FA Finanzen      
FA Kultur 1. Lesung
27.11.2020    FA Kultur (Videokonferenz)      
FA Finanzen 2. Lesung
07.12.2020    FA Finanzen      
FA Kultur 2. Lesung
Ratsversammlung Beschlussfassung
16.12.2020    Ratsversammlung (Kongreßhalle, Pfaffendorfer Straße 31, 04105 Leipzig)      

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlagen:
Anlage_1_SGM
Anlage_1_NKM
Anlage_1_MdbK
Anlage_1_MAK

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Beschlussvorschlag:

 

  1. Der Stadtrat nimmt die Darstellung der Auswirkungen der geplanten Einführung der Entgeltfreiheit für Besucher und Besucherinnen für die Dauerausstellungen der Leipziger städtischen Museen ab dem HH-Jahr 2023/2024 zur Kenntnis.

 

  1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die Kosten für die Einführung der Entgeltfreiheit für die Dauerausstellungen weiterhin zu präzisieren sowie detailliert  weiteren Instrumenten zur Öffnung der städtischen Museen und verbesserten Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten gegenüberzustellen (z.B.: Ausbau der Bildungs- und Vermittlungsarbeit, Verbesserung der Aufenthaltsqualität, Ausbau der Digitalisierung, Ausbau Marketing).

 

  1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt zu prüfen, ob die Kosten zur weiteren Öffnung der städtischen Museen und verbesserten Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten (Entgeltfreiheit und/oder alternative Instrumente) in die Planungen für den Doppelhaushalt 2023/2024 aufgenommen werden können.

 

Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

 

Mit Beschluss der „Museumskonzeption 2030“ durch den Stadtrat am 26.02.2020 wurde im Beschlusspunkt 3 festgelegt, dass die angestrebte Einführung der Entgeltfreiheit für die Dauerausstellungen in den Leipziger städtischen Museen finanziell darzustellen ist.

Die Kostendarstellung soll die direkten Einnahmeausfälle, mögliche Mehraufwendungen in den Bereichen Vermittlung, Marketing, Bewachung, Reinigung, Personal etc. sowie die Maßnahmen der Häuser zur Generierung von Mehreinnahmen z.B. durch Merchandising und anderes, umfassen.

 

Durch die Corona-Krise und deren Auswirkungen in diesem Frühjahr schlägt die Verwaltung dem Stadtrat vor, die Entgeltfreiheit für die Dauerausstellung erst ab dem Jahr 2023 einzuführen (siehe Vorlage VII-DS-01682 Überprüfung der Stadtratsbeschlüsse und Haushaltsanträge 2017/18 sowie 2019/20 mit finanziellen Auswirkungen auf den Ergebnishaushalt 2021/2022 unter Berücksichtigung der finanziellen Auswirkungen aufgrund der Corona-Pandemie in der Stadt Leipzig)

 

Die Darstellung der Kosten für die Einführung der Entgeltfreiheit stellt neben der Finanzierung auch den als zentral herausgearbeiteten Gedanken der Teilhabe und Partizipation in den Mittelpunkt. Ziel ist es, mit der Entgeltfreiheit die städtischen Sammlungen für alle Besuchergruppen zu öffnen.

 


 

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Finanzielle Auswirkungen

x

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

x

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

x

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

x

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

 

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

 

nein

 

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

 

ja

 

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Ja

x

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:

 


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftsstruktur

Vorsorgendes Flächen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele:

 

trifft nicht zu

 

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Beschreibung des Abwägungsprozesses  

 

In den Abwägungsprozess flossen ein:

 

-          Darstellung von Besucherzahlen in den Leipziger städtischen Museen mit den verbundenen Erlösen aus Eintritten,

 

-          Information über bereits gewährte Ermäßigungen und kostenfreien Zugangsmöglichkeiten zu den relevanten Häusern,

 

-          Vergleiche mit Städten und Ländern, in denen Museen bereits entgeltfrei besucht werden können,

 

-          Darstellung von Vor- und Nachteilen der Entgeltfreiheit,

 

-          Ermittlung der Kosten der Einführung der Entgeltfreiheit (einmalig und jährlicher Aufwand).

I. Eilbedürftigkeitsbegründung   entfällt

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit    entfällt

 

III.  Strategische Ziele

 

Die Einführung des freien Eintritts in die Dauerausstellungen der Leipziger städtischen Museen für alle Besuchergruppen ist vorrangig auf zwei strategische Zielbilder ausgerichtet:

 

Leipzig schafft soziale Stabilität. Die Museen der Stadt richten ihre Bildungs- und Vermittlungsarbeit auf eine zunehmend diverse, kulturell mehrstimmige Stadtgesellschaft aus. Es gilt, eine möglichst umfassende Teilhabe aller Bürger/-innen an den Angeboten des Stadtgeschichtlichen Museums, des Naturkundemuseums, des GRASSI Museums für Angewandte Kunst und des Museums der bildenden Künste sicherzustellen. Respektvolle, inklusive und zielgruppenorientierte Bildungs- und Erlebnisangebote sind zu einer neuen qualitativen Herausforderung für die Museen geworden. Der Anspruch ist es, der gesamten Stadtgesellschaft die Museen zugänglich zu machen, das heißt, attraktiv zu sein, auch für Menschen mit Einschränkungen, verschiedenen kulturellen Prägungen und Bildungserfahrungen. Diese engagierte kulturelle Bildungsarbeit muss gestärkt und ausgebaut werden, um die Ausstellungshäuser zu Begegnungs- und Erlebnisorten aller Bürger/-innen werden zu lassen. Mit der Einführung der Entgeltfreiheit werden die Voraussetzungen geschaffen, um die Museen zu „Dritten Orten“ (Third Places) zu entwickeln. Nur so können die Museen zu offenen Orten der Begegnung werden, an denen   unterschiedliche Positionen ausgetauscht und ausgehandelt werden, um sich auf gemeinsam geteilte Werte zu verständigen und den sozialen Zusammenhalt zu stärken.  

 

Leipzig stärkt seine Internationalität. Leipzig steigert mit dieser Maßnahme seine internationale Strahlkraft und festigt den Ruf als lebendige und weltoffenen Kulturstadt. Die Einführung der Entgeltfreiheit in die Dauerausstellungen der städtischen Museen führt zu einer deutlichen Steigerung der Bedeutung der Einrichtungen für den städtischen Kulturtourismus. Vor dem Hintergrund der aktuellen Krisensituation – der Covid19-Pandemie – erweisen Museen eine recht hohe Resilienz. Sie konnten mit klugen Hygienekonzepten zügig zu einem regulären Betrieb zurückkehren. Sie gelten gegenwärtig als „sichere“ Veranstaltungsorte, die weniger von Veranstaltungsabsagen betroffen sind. Diese Resilienz wird auch in den kommenden Jahren eine hohe Relevanz besitzen. Die Leipziger Museumslandschaft bietet ein qualitativ hochwertiges, zuverlässiges und planbares touristisches Angebot. Die Entgeltfreiheit in Daueraustellungen erhöht die Attraktivität dieses Angebotes zusätzlich erheblich. 

 

 

IV. Sachverhalt

 

1.                             Anlass

 

Der Leipziger Stadtrat hat mit seinem Beschluss zur „Museumskonzeption 2030“ (VII-DS-00236-NF-02) den Oberbürgermeister beauftragt, bis zum IV. Quartal 2020 die Kosten für die angestrebte Entgeltfreiheit für die Dauerausstellungen in den Leipziger städtischen Museen darzustellen. Die Kostendarstellung soll dabei die aus der Entgeltfreiheit resultierenden direkten Einnahmeausfälle, mögliche Mehraufwendungen in den Bereichen Vermittlung, Marketing, Bewachung, Reinigung, Personal etc. sowie die Maßnahmen der Häuser zur Generierung von Mehreinnahmen z.B. durch Merchandising und anderes umfassen.

 

Ursprünglich war angedacht, zusammen mit den zu aktualisierenden Entgeltordnungen für die Leipziger Städtischen Museen – Stadtgeschichtliches Museum Leipzig (SGM), Museum für Angewandte Kunst im Grassi (MAK), Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) und Naturkundemuseum Leipzig (NKM) – die Einführung der Entgeltfreiheit für die Dauerausstellungen in den Häusern mit Beschluss zum Doppelhaushalt 2021/22 zu beschließen.

 

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit verbundenen wirtschaftlichen und finanziellen Folgen für die Stadt Leipzig insgesamt, aber auch für die kommunale Museumslandschaft, kann aktuell die Einführung der Entgeltfreiheit nicht verantwortet werden. Vielmehr gilt es, neben der monetären Betrachtung des Themas auch mögliche gesellschaftspolitische Perspektiven zu untersuchen. In einer Zeit, in der durch die Corona-Pandemie sowohl die soziale Vereinzelung zunimmt als auch verstärkt (gegensätzliche) Positionen konfrontativ ausgetragen werden, sind Modelle für Begegnung und Aushandlung gefragter denn je. Doch wo können diese erprobt werden? Wo können sich verschiedene gesellschaftliche Gruppen der Stadtgesellschaft begegnen, um unterschiedliche Modelle des gesellschaftlichen Miteinanders zu diskutieren? 

 

Öffentliche Kultur- und Bildungseinrichtungen übernehmen hier eine Schlüsselfunktion. Es bietet sich die Chance, dass die Leipziger städtischen Museen noch stärker zu offenen Orten der Begegnung – zu sogenannten „Dritten Orten“[1] (Ray Oldenburg) – entwickelt werden, an denen unterschiedliche Positionen ausgetauscht werden können. Sie werden so zu Experimentierräumen demokratischer Prozesse. Die Leipziger städtischen Museen können verstärkt zu Orten der Verständigung über das „kulturelle Gedächtnis“ der Stadt werden, indem Sammlungen und ggf. auch die Depots kostenfrei zugänglich sind. Begegnung, Austausch und Verständigung auf gemeinsam geteilte Werte – dies ist das große Potential, das frei zugängliche Museen (bzw. Dauerausstellungen) bieten.

 

Mit der Einführung der Entgeltfreiheit für die Dauerausstellungen der Leipziger städtischen Museen könnten die Häuser in besonderer Weise ihre Türen öffnen, neue Freiräume schaffen und einen modellhaften Beitrag zu einer gelingenden Demokratie leisten. Die Stadt Leipzig würde Forderungen nach gesellschaftlicher Teilhabe und Partizipation in herausragender Weise einlösen und die Kommune ihrem Innovationspotential gerecht werden. Leipzig wäre die erste Stadt im Osten Deutschlands, die die Entgeltfreiheit für Dauerausstellungen in kommunalen Museen einführt. 

 

 

2. Beschreibung der Maßnahme

 

2.1 Ausgangslage

 

Bei der Entscheidung über die Entgeltfreiheit in den Leipziger städtischen Museen (Dauerausstellungen) dürfen aktuelle Besucherzahlen, Eintrittspreise und Ermäßigungsangebote nicht außeracht gelassen werden. Die dazu folgenden Aussagen in dieser Vorlage sind ohne die noch nicht zu bestimmenden Auswirkungen der Corona-Pandemie zu werten.

 

2.2 Geltungsbereich

 

In die Entgeltfreiheit für Dauerausstellungen sollen folgende Museen der Stadt Leipzig einbezogen werden

 

 Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK)

 Naturkundemuseum Leipzig (NKM)

 GRASSI Museum für Angewandte Kunst (MAK)

 Stadtgeschichtliches Museum Leipzig (SGM), mit den Einrichtungen

o  Altes Rathaus

o  Böttchergässchen

o  Museum im Arabischen Coffebaum (derzeit geschlossen)

o  Schillerhaus

 

Nicht von der Entgeltfreiheit erfasst werden das Völkerschlachtdenkmal und das Forum 1813.

 

2.3 Begriffsabgrenzung

 

Die Entgeltfreiheit soll sich auf alle Sammlungen und Dauerausstellungen in den relevanten Einrichtungen beziehen. Für Sonderausstellungen und Veranstaltungen wird weiterhin ein Entgelt erhoben. Um deutlich zu machen, was der Unterschied zwischen einer Dauerausstellung und Sonderausstellung ist, wurde folgende Definition erstellt.

 

Als Sonderausstellungen in den städtischen Museen gelten große Präsentationen, die

 überregionale Strahlkraft und Bedeutung haben;

 zeitlich begrenzt angelegt sind;

 sich einem klar abgegrenzten Thema widmen;

 eine intensive Vorplanung, internationale Recherchen und hohen Aufwand bei der
 wissenschaftlichen Erarbeitung (Budget) und Gestaltung erforderlich machen;

 eine Vielzahl aufwendiger Leihgaben präsentieren;

 von einem überregional ausgerichteten Marketing begleitet werden.

 

 

2.4 Besucherzahlen und Besuchshäufigkeit in den Leipziger städtischen Museen

 

Die Besucherzahlen in den zu betrachtenden Häusern haben sich in den letzten Jahren positiv entwickelt. Dabei ist zu beachten, dass Einrichtungen teilweise aufgrund von Baumaßnahmen oder Schließungen nicht mit ihrem vollständigen Angebot den Besuchern zur Verfügung standen. Insgesamt besuchten im Jahr 2019 450.996 Leipziger und Leipzigerinnen sowie Gäste die Museen, 2015 waren es noch 373.218.

 

 

 

 

Quelle: Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig
SGM ohne Völkerschlachtdenkmal und Forum 1813

 

 

In einer durch das Kulturdezernat der Stadt Leipzig in Auftrag gegebenen Befragung aus dem Jahr 2018 gaben 50% aller Befragten in Leipzig an, mindestens 1 Mal pro Jahr ein Museum in dieser Stadt zu besuchen[2]. Eine einrichtungskonkrete personenbezogene Besuchshäufigkeit von Museen kann aufgrund von fehlender Datenlage nicht wiedergegeben werden.

 

 

2.5 Aktuelle Eintrittsangebote und Ermäßigungen

 

Die aktuellen Eintrittspreise in den relevanten Museen haben eine Spannbreite von 2 € (NKM) bis 8 € (MdbK). Die Preise unterscheiden dabei in den meisten Häusern nicht nach Sonder- oder Dauerausstellungen. Mit dieser Preisspanne liegen die Leipziger städtischen Museen auf dem Niveau anderer (kommunaler und staatlicher) Museen in Sachsen und unter dem der Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden (SKD).

 

Maximale Eintrittspreise ausgewählter Museen im Freistaat Sachsen

(Vollzahler)

 

  • Gemäldegalerie Alte Meister Dresden (SKD)   14 €
  • Stiftung Deutsches Hygiene-Museum Dresden  9 €
  • Horch Museum Zwickau     9 €
  • Kunstsammlungen Chemnitz / Museum Gunzenhauser 8 €
  • Völkerschlachtdenkmal Leipzig (Stiftung)   8 €
  • Sächsisches Industriemuseum Chemnitz   8 €
  • SMAC Chemnitz       7 €
  • Stadtmuseum Dresden     5 €
  • Senkenberg Museum für Naturkunde Görlitz   5 €

 

Die Entgeltordnungen der Leipziger städtischen Museen gewähren gemäß Stadtratsbeschluss eine Vielzahl von Ermäßigungen, die hier nicht im Detail wiedergegeben werden sollen. Als zentrales Ermäßigungsinstrument, um den einkommensschwachen Bevölkerungsschichten den Zugang zum „Kulturgut“ zu ermöglichen, ist der Leipzig-Pass (Inhaber Stand 31.12.2019: 54.140[3]) zu nennen, der 50% Preisnachlass beim Erwerb einer Eintrittskarte gewährt.

 

Ein zentrales Merkmal und hohes Gut der Preisgestaltungen in den Leipziger städtischen Museen ist, dass Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 19. Lebensjahr kostenfreien Zugang zu den Häusern gewährt wird. Mit Stand vom 30.06.2020 gehörten 100.125 Menschen in der Stadt Leipzig diesen Altersgruppen an, also ca. 16% der Leipziger Bevölkerung.[4]

 

NKM, MAK, SGM und MdbK gewähren zudem an einem bestimmten Tag im Monat allen Besucher/-innen kostenfreien Zugang zu ihren Ausstellungen (NKM jeden letzten Sonntag im Monat, die anderen Einrichtungen jeden 1. Mittwoch im Monat). Zudem sind viele Eröffnungen zu Sonderausstellungen zwar einer begrenzten Besucherzahl aber dennoch kostenfrei bei Interesse von Jedermann mitzuerleben.

 

Das durch Ratsbeschluss im Jahr 2017 initiierte Pilotprojekt „Zahle, so viel du willst“ brachte das Ergebnis, dass mit der Durchführung in den Museen zwar Einnahmeausfälle zu verzeichnen waren, aber nur ein kleiner Teil der Besucherschaft bewusst auf die (damals freiwillige) Entrichtung eines Eintrittsgeldes verzichtete. Das Projekt wurde insgesamt positiv aufgenommen, überdurchschnittliche Besucherzahlen konnten im Ergebnis jedoch nicht festgestellt werden.

 

Die relevanten Museen erzielten im Jahr 2019 folgende Erlöse aus Dauerausstellungen, Sonderausstellungen und Museumspädagogik bzw. Kunstvermittlung.

 

 

Museum

Erlöse 2019

Besucherin/ Besucher gesamt 2019[5]

SGM (ohne VDM, Forum 1813)

158.500

94.629

MdbK

805.215

195.750

MAK

249.851

90.369

NKM

   43.437

70.248

 

In Relation zu den vorab angezeigten Besucherzahlen (2019: 450.996) betrug der durchschnittliche Erlös über alle Museen 2,79 € pro Besuch. Dies lässt im Vergleich zu den Ticketpreisen für Vollzahler in den Häusern die These zu, dass viele der Besuchenden ermäßigte Eintritte in Anspruch nahmen bzw. Kinder und Jugendliche waren oder gar keinen Eintritt (kostenfreier Museumstag) entrichteten. 

 

2.6 Erfahrungen zur Entgeltfreiheit in anderen Kommunen und Ländern

 

2.6.1   Das Museum Folkwang in Essen[6]  

 

Das Museum Folkwang verzichtet seit 2015 auf Eintrittspreise beim Besuch der Dauerausstellung. Dies wurde möglich, da die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung das Modellprojekt über fünf Jahre mit insgesamt 1 Mio. Euro fördert.

 

Das Museum Folkwang konnte seine Besuchszahlen seit der Einführung der Maßnahme für die Dauerausstellung im Juni 2015 verdreifachen und gilt daher in Deutschland als beispielhaft für den Erfolg des freien Eintritts. Wurden im Jahr 2015 noch 37.000 Besuche gezählt, so waren es im Jahr 2018 rund 106.000 Besuche.  

 

Eine Besucherstudie aus dem Jahr 2017 zeigt, dass die Effekte auf die Besucherstruktur differenziert zu betrachten sind: Der überwiegende Teil des Zuwachses ist auf die gesteigerte Besuchsintensität von Stammbesuchern zurückzuführen. Außerdem steigerten sich die Zahlen der Erstbesucher. Besonders junge Erwachsene (16 bis 34 Jahre) nahmen das Angebot sehr gut an (Steigerung um 87%). So konnte die Besucherstruktur des Museums deutlich verjüngt werden. Dennoch bleibt das eher ältere Publikum dominant – 69% aller Besucher sind älter als 50 Jahre.

 

Der Versuch, mit eintrittsfreien Dauerausstellungen auch neue ‚museumsferne‘ Schichten zu erschließen, gelang allerdings nicht. Die sozioökonomische Struktur der Museumsbesucher (bildungsbürgerlicher Hintergrund) änderte sich bei freiem Eintritt nicht. Nach wie vor dominiert das eher ältere und zu über 80% akademisch gebildete Publikum die Museumsbesuche.

 

 

 

 

2.6.2  Die Nationalmuseen in Großbritannien[7]  

 

In verschiedenen europäischen Ländern wurden Versuche unternommen, freien Eintritt in Museen zu etablieren. In der Regel handelt es sich dabei um weitgehend zentralistisch organisierte Staaten und deren sog. „Nationalmuseen“, d.h. Institutionen in nationaler Trägerschaft, die nicht zuletzt eine hohe touristische Bedeutung aufweisen. Durchgesetzt hat sich die Maßnahme vor allem in Großbritannien, wo etwa 50 Häuser freien Eintritt in ihre Dauerausstellungen anbieten. Sie befinden sich zum großen Teil in London und gehören zu den am häufigsten besuchten Touristenattraktionen der Stadt. Die Londoner Museen werden entsprechend in der britischen Tourismusstrategie an die Spitze gesetzt; London gilt als eine Museumsstadt „par excellence“.  

 

Seit 2001 bieten alle britischen „Nationalmuseen“ freien Eintritt in Dauerausstellungen an. Die Einführung des freien Eintritts wurde stufenweise vorgenommen, zunächst für Kinder (ab 1999), dann für Rentner (ab 2000), und schließlich für die Allgemeinheit. Stabile Zuwächse der Besuchszahlen konnten erst allmählich, ab dem Jahr 2006/2007 beobachtet werden. Sie erreichten ihren bisherigen Höhepunkt in den Jahren 2014/2015 (Steigerung von 33 Mio. in 2001 auf knapp 55 Mio. in 2014/2015). Danach stagnierten die Zahlen bzw. waren leicht rückläufig.

 

Die weiteren Effekte entsprechen weitgehend den oben genannten (vgl. Museum Folkwang in Essen) – mehr junges Publikum, viele Erstbesuche, geringe Wirkung auf sozial benachteiligte Bevölkerungskreise.

 

Das Paket zur Einführung des freien Eintritts in die Nationalmuseen in Großbritannien umfasste darüber hinaus weitere Maßnahmen (Investitionen, Ausbau der Digitalisierung, Ausbau der Vermittlungsarbeit). Ob der Zuwachs der Besuchszahlen nur mit dem freien Eintritt oder auch mit den flankierenden Maßnahmen begründet werden kann, ist nicht genau erforscht.

 

2.7 Abwägungsprozess

 

Im Ergebnis einen umfänglichen und verschiedenen Aspekt betrachtenden Abwägungsprozesses sowie der Berücksichtigung der individuellen Situationen in den Häusern stellen sich die folgenden Argumente „pro und contra“ gegenüber.

 

2.7.1 Argumente für die Entgeltfreiheit in Dauerausstellungen

 

Gesellschafts-politische Dimension 

  • Mit der Einführung der Entgeltfreiheit können sich die Leipziger städtischen Museen noch stärker zu offenen Orten der Begegnung und des Austauschs – zu sogenannten „Dritten Orten“ (Ray Oldenburg) – entwickeln; sie werden zu öffentlichen Treffpunkten, die gesellschaftliche Teilhabe und demokratische Meinungsbildung ermöglichen. In einer Gesellschaft, in der sowohl soziale Vereinzelung als auch scheinbar unüberwindbare Gegensätze und Konfrontationen zunehmen, gewinnen Begegnungs- und Aushandlungsräume an Bedeutung. So können die kommunalen Museen auch über Leipzig hinaus modellhaft wirken und zu Laboratorien und Experimentierräumen einer demokratischen Stadtgesellschaft werden.

 

  • Die Leipziger Sammlungen beruhen größtenteils auf Schenkungen und Vermächtnissen, d.h. auf bürgerschaftlichem Engagement; die bürgerschaftlich entstandenen Sammlungen können bei freiem Eintritt der Öffentlichkeit zurückgegeben werden, so dass sich diese noch stärker mit dem „kulturellen Gedächtnis“ der Stadt (verankert in Dauerausstellungen und Depots) identifizieren kann.

 

  • Mit der Entgeltfreiheit in Dauerausstellungen habitualisiert sich der Museumsbesuch, die emotionale Bindung an Museen wird gestärkt. Dies ist ein wichtiger Teil der Zukunftssicherung der Museen.

 

Kulturtourismus

  • Wie am britischen Beispiel deutlich geworden, kann die Einführung der Entgeltfreiheit in Dauerausstellungen zu einer deutlichen Steigerung der Bedeutung der Museen für den städtischen Kulturtourismus führen. Nicht zuletzt sei erwähnt, dass Museen in Krisenzeiten – wie aktuell die Covid19-Pandemie – eine recht hohe Resilienz erweisen und mit klugen Hygienekonzepten zügig zu einem regulären Betrieb zurückkehren konnten. Sie gelten gegenwärtig als „sichere“ Veranstaltungsorte, die weniger von Veranstaltungsabsagen betroffen sind.

 

Besucherzahlen

  • Studien zeigen, dass der freie Eintritt kurzfristig mehrheitlich steigende Besuchszahlen erreicht; langfristige Effekte des freien Eintritts sind bisher kaum analysiert.

 

  • Bei freiem Eintritt steigt die Besuchsintensität des Stammpublikums; d.h. das bestehende Publikum kommt öfter in die Museen; der freie Eintritt ermöglicht darüber hinaus Kurzbesuche und spontane Besuche.

 

  • Der freie Eintritt ist eine Möglichkeit, der Konkurrenz anderer eintrittsfreier Museen zu begegnen (z.B. Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Deutsches Buch- und Schriftmuseum der Deutschen Nationalbibliothek Leipzig).

 

Besucherstruktur

  • Die Entgeltfreiheit ermöglicht eine größere Gleichbehandlung der Besucher/-innen.

 

  • Studien zeigen, dass bei freiem Eintritt mehr junge Menschen bzw. junge Erwachsene in die Museen kommen, entsprechend steigt der Anteil dieses Besuchersegments (Personen bis Mitte 30).

 

  • Weiterhin belegen Studien, dass bei freiem Eintritt mehr Geringverdiener, seltene Museumsgänger oder Erstbesucher in die Museen kommen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.7.2 Argumente gegen die Entgeltfreiheit in Dauerausstellungen

 

Vorhandene Angebote

  • Die Leipziger städtischen Museen verfügen bereits über zahlreiche Angebote für freien oder ermäßigten Eintritt.

 

Besucherzahlen

  • Studien zeigen, dass sich bei der Einführung von freiem Eintritt die Besucherzahlen unterschiedlich entwickeln, so ist z.B. eine schnelle Steigerung nach der Einführung deutlich; längerfristig allerdings stagnieren die Besucherzahlen oder können auch rückläufig sein (aussagefähige langfristige Analysen fehlen jedoch).

 

Besucherstrukturen

  • Eine positive Wirkung auf eine Veränderung der Besucherstrukturen, d.h. beispielsweise eine Ansprache von sozial Benachteiligten/Bildungsfernen, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

 

  • Neue Gruppen von Besuchern werden nur teilweise durch freien Eintritt erreicht; es ist davon auszugehen, dass der freie Eintritt v.a. bereits grundsätzlich Interessierte anspricht.

 

Finanzielle Auswirkungen

  • Mindereinnahmen durch fehlende Ticketeinnahmen; Mehrausgaben durch Bewachung, Reinigung, Vermittlung und Marketing; kaum Kompensation durch Einnahmen aus Sonderausstellungen, Gastronomie/Shops oder Sponsoring/Spenden etc.

 

  • Es kann vermutet werden, dass die Entgeltfreiheit für Dauerausstellungen ggf. eine negative Auswirkung auf die Zahlungsbereitschaft für Sonderausstellungen hat.

 

 

 

2.7.3 Haltungen der Leipziger Museen zur Entgeltfreiheit für Dauerausstellungen

 

Naturkundemuseum Leipzig:

„Das Naturkundemuseum Leipzig begibt sich nach 115 Jahren in einen Prozess der Erneuerung, wächst an neuem Standort, zusammen mit seinen Aufgaben und Herausforderungen, zu einem zukunftsweisenden Ort. (…) Das neue Museum möchte sich öffnen und zusammen mit den anderen städtischen Museen Leipzig neue Orte gesellschaftlichen Miteinanders schaffen.“

 

Museum der bildenden Künste Leipzig:

„Die Entgeltfreiheit in die Sammlung unterstützt unseren in den vergangenen Jahren verstärkt in den Fokus gerückten Ansatz, offen für alle Bevölkerungsschichten zu sein. Das MdbK kann somit als Zukunftshaus und third-place geöffnet, etabliert und der Stadtgesellschaft nähergebracht werden.“

 

GRASSI Museum für Angewandte Kunst:

„Das Ziel muss es sein, möglichst vielen Menschen eine Teilhabe an kulturellen Schätzen und kultureller Bildung zu ermöglichen. Es macht einen großen Unterschied, ob man eine Einzelkarte durch einen mehrstündigen Museumsbesuch quasi „abarbeitet“ oder ob man sich vielleicht in einer Mittagspause nur einen oder zwei Säle anschaut, dafür aber häufiger wiederkehrt.“

 

Stadtgeschichtliches Museum Leipzig:

"Die Einführung der Entgeltfreiheit bedeutet für das SGM eine riesige Chance, die bereits begonnene Neuprofilierung als nahbares und partizipativ geöffnetes Bürgermuseum sowie als attraktiver Partner für Stadtgesellschaft, Stadtmarketing und Tourismus entschlossen voranzutreiben."

 

 

2.7.4 Positionspapier der Kultusministerkonferenz vom 13.03.2020

 

Das jüngst beschlossene Positionspapier der Kultusministerkonferenz „Eintrittspolitik in Museen“ plädiert für eine stark differenzierte Sicht auf das Instrument finanzieller Anreize zur Erhöhung gesellschaftlicher Teilhabe an Museen und stellt u.a. fest[8]:

 

  •    Freier Eintritt allein ist kein probates Mittel für nachhaltig erhöhte Besucherzahlen und eine erhöhte Teilhabe breiter Besucher-Schichten; zusätzliche Vermittlungsangebote sind unerlässlich.

 

  •    Mögliche Kompensationszahlungen der öffentlichen Hand für entfallene Eintrittsgelder sind kein geeigntes Mittel zur Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe. Erforderlich sind vielmehr zusätzliche Mittel für Vermittlungsangebote und die Verbesserung der Sichtbarkeit.

 

  •    Wesentliche Voraussetzung für eine größere gesellschaftliche Teilhabe an Museen ist eine stärkere Berücksichtigung von Museen als außerschulische Lernorte im Bildungssystem.

 

 

3. Realisierungs- / Zeithorizont

 

Die Entgeltordnungen der Museen mit Entgeltfreiheit für die Dauerausstellungen soll zum 01.01.2023 in Kraft treten und bis zum Inkrafttreten einer neuen Entgeltordnung auf Beschluss des Stadtrates gültig sein.

 

 

4. Finanzielle Auswirkungen

 

Die Darstellung der finanziellen Auswirkungen der Einführung der Entgeltfreiheit umfassen:

 

  • Wegfall der Eintrittspreise zu den Dauerausstellungen stehen den Museen nicht mehr in ihrem Budget zur Verfügung, sind aber für andere Aufgaben der Häuser essentiell

 

  • jährliche Maßnahmen zur Kompensierung der Minderaufwendungen aus Eintritten

 

  • einmalige Maßnahmen zur Kompensierung der Minderaufwendungen aus Eintritten

 

  • optionale Investitionen

 

  • Mehrerträge durch Sonderausstellungen

 

Die nachfolgende Übersicht stellt die vorab genannten Positionen über alle vier Einrichtungen (SGM, NKM, MdbK, MAK) dar.

 

 

 

 

 

 

Position

 

 

Betrag in €

 

jährliche Mindererträge durch Wegfall der Eintritte in die Dauerausstellungen

 

 

464.500

 

jährliche Mehraufwendungen durch die Einführung der Entgeltfreiheit

 

 

1.070.740

 

einmalige Mehraufwendungen durch die Einführung der Entgeltfreiheit

 

 

164.000

 

Optional: einmalige bauliche Veränderungen

 

 

170.000

 

 

Mehraufwand Einführung Entgeltfreiheit Dauerausstellungen gesamt

 

 

1.869.240

 

jährliche Mehrerträge durch Kompensationsmaßnahmen

 

 

710.000

 

erhöhter Zuschussbedarf aus dem kommunalem Haushalt gesamt

(einmalig bei der Einführung im Jahr 2023)

 

 

1.159.240

 

 

Nach Abzug der einmalig anfallenden Kosten (164 TSD €) und der einmaligen baulichen Veränderungen (170 TSD) €) für die Einführung der Entgeltfreiheit in den Dauerausstellungen beläuft sich der jährliche erhöhte Zuschussbedarf für die vier Häuser unter Einbeziehung der zu verzeichnenden Mindereinnahmen aus Eintritten (464,5 TSD €) und angestrebten jährlichen Mehreinnahmen (710 TSD €) auf 825.240 pro Jahr ab 2024.

 

Diese zusätzlichen Aufwendungen müssten durch den Gesamthaushalt gedeckt werden (Pflichtaufgabe ohne Weisung).

 


Nachfolgende Übersicht stellt die finanziellen Auswirkungen der Einführung der Entgeltfreiheit in den Häusern dar.

 

 

Begründungen der Einrichtungen zu den einzelnen Positionen liefert Anlage 1 der Vorlage.

 

Eine auch nur ansatzweise Kompensation aus dem Wegfall der Eintritte für die Dauerausstellungen durch die Häuser ist nicht möglich. Um gegebenenfalls weitere noch publikumsstärkere kostenpflichtige Sonderausstellungen (NKM nur am neuen Standort möglich) zu präsentieren, sind Erhöhungen im Ausstellungsbudget zwingend notwendig. Zudem ist eine entsprechende Marketingkampagne nötig, um die Entgeltfreiheit in die Stadtgesellschaft hinein und darüber hinaus zu kommunizieren.

 

Die Einführung der Entgeltfreiheit in Dauerausstellungen müsste – so die Einschätzung der Museen – von weiteren Maßnahmen flankiert werden, um die Besuchszahlen dauerhaft zu erhöhen –  etwa durch besondere Angebote im Bereich Bildung und Vermittlung, durch Investitionen, um die Aufenthaltsqualität in den Museen zu verbessern, oder durch eine Stärkung der Outreach-Aktivitäten, um neue Publikumsschichten zu erschließen. Die angestrebten höheren Besucherzahlen sowohl bei den Sonderausstellungen als auch bei den Dauerausstellungen gehen einher mit steigenden Aufwendungen bei Bewachung- und Reinigungsleistungen.

 

Die vorab vorgenommene Darstellung bildet die Situation im Status quo ab und lässt nur bedingt eine genaue Kalkulation für den Zeitraum ab 2023 zu. Zudem kann im Moment nicht eingeschätzt werden, ob und wie sich die Corona-Pandemie auf die Museen in den kommenden Jahren auswirkt.

 

Abzüglich der optionalen baulichen Veränderungen und der einmaligen Mehraufwendungen bleibt ein jährlicher Zuschussbedarf für den kommunalen Haushalt in Höhe von rd. 825.000 €. Diese Mittel müssten als Mehrbedarf in den Haushalt der Stadt Leipzig ab dem Jahr 2023 eingestellt werden.

 

 

5. Auswirkungen auf den Stellenplan 

 

keine

 

 

6. Bürgerbeteiligung

 

bereits erfolgt    geplant    nicht nötig

 

 

7. Besonderheiten     keine

 

 

8. Folgen bei Nichtbeschluss

 

Bei Nichtbeschluss der Einführung der Entgeltfreiheit für die Dauerausstellungen der städtischen Museen wird der Ratsbeschluss zur Vorlage VII-DS-00236-NF-02 „Museumskonzeption 2030 der städtischen Museen Leipzig“ nicht umgesetzt. Der Handlungsempfehlung, in der sich die Museen zueinander bekannt und verpflichtet haben, und damit die Weichen für eine erfolgreiche museale Arbeit im 21. Jahrhundert gestellt haben, wird nicht gefolgt, die breite Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an den Sammlungen der Stadt wird nicht ermöglicht.

 

Anlage:

 

ANLAGE 1- Absehbare und optionale Aufwendungen bei Einführung der Entgeltfreiheit für die relevanten Museen

 

 

 

 

 


[1] Vgl. Ray Oldenburg, The Great Good Place, New York 1999 (Erstausgabe 1989).

[3] Quelle: Dezernat Jugend / Soziales / Gesundheit und Schule

[4] Quelle: Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig

[5] Quelle: Amt für Statistik und Wahlen der Stadt Leipzig

[6] Folgende Ausführungen vergleiche: Evaluation des freien Eintritts in Dauerausstellungen für die baden-württembergischen Landesmuseen und das ZKM – Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Juni 2019, S. 56 ff, URL <https://mwk.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mwk/intern/dateien/Anlagen_PM/2019/Evaluationsbericht-freier-Eintritt-Landesmuseen_MWK-BW-2019.pdf> (22.09.2020)

[7] Folgende Ausführungen vergleiche, Ibid., S. 58 ff.

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage_1_SGM (58 KB)    
Anlage 2 2 Anlage_1_NKM (57 KB)    
Anlage 3 3 Anlage_1_MdbK (51 KB)    
Anlage 4 4 Anlage_1_MAK (49 KB)