Ratsinformationssystem

Vorlage - VII-P-01516-VSP-01  

 
 
Betreff: Umwidmung des Völkerschlachtdenkmals in EU-Ehrenmal
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Verwaltungsstandpunkt zur Petition
Einreicher:Dezernat KulturBezüglich:
VII-P-01516
Beratungsfolge:
DB OBM - Vorabstimmung
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
Petitionsausschuss Vorberatung
04.09.2020    Petitionsausschuss      
Ratsversammlung Beschlussfassung
14.10.2020    Ratsversammlung      

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Zustimmung und Abhilfe

Alternativvorschlag

Berücksichtigung

Erledigt

Ablehnung

 

 

 

 

Beschlussvorschlag:

 

Die Petition wird abgelehnt.

Es wird auf die Arbeitsschwerpunkte und den Satzungszweck der Stiftung Völkerschlachtdenkmal Leipzig verwiesen.

Der Zweck ist:

-          die denkmalgerechte Modernisierung, Instandsetzung und Unterhaltung des Völkerschlachtdenkmals mit seinen Außenanlagen,

-          die Erhaltung und Präsentation des Völkerschlachtdenkmals als Gedenkstätte für die Gefallenen der Völkerschlacht und als Denkmal nationaler Einheit und Selbstbestimmung,

-          die Profilierung des Denkmals zu einem zeitgemäßen Symbol für Frieden, Freiheit und Versöhnung in Europa.

 

Zusammenfassung:

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

Die Petition verlangt die Umwidmung des Völkerschlachtdenkmals in ein EU-Ehrenmal durch Einbau neuer Fenster in der Ruhmeshalle des Denkmals.

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

 

I.            Eilbedürftigkeitsbegründung  entfällt

II.     Begründung Nichtöffentlichkeit  entfällt

III.    Strategische Ziele   entfällt

 

IV.    Sachverhalt

 

1. Begründung

 

Die Petition wird abgelehnt, da die von ihr vertretenen Anliegen bereits seit vielen Jahren von den Verantwortlichen der Stiftung und des Museums gelebt und umgesetzt werden und das vorgeschlagene Projekt sowohl aus Denkmalschutzerwägungen wie aus Verfahrensgründen heraus nicht realisierbar bzw. begründet ist.

Sowohl die Stiftung als auch die im Museum Verantwortlichen haben seit Ende der 1990er Jahre konsequent den Weg beschritten, sich mit dem sperrigen Erbe Völkerschlachtdenkmal konstruktiv, kritisch und diskursiv auseinanderzusetzen. Es ist einschließlich der mit seiner Errichtung verbundenen undemokratischen und nationalistischen Ideen Teil unserer Vergangenheit, der es sich zu stellen gilt. Diese kritische Haltung zum Denkmal wird im tagtäglichen Wirken des Teams sowie in den Publikationen und der Öffentlichkeitsarbeit der Institution wirksam vertreten und auch im Gebäude selbst vielfach deutlich gemacht (etwa durch einen Einführungsfilm eine neue Ausstellung im Fundamentbereich, Symposien, Schülerprojekte etc.) Wir erkennen heute im Völkerschlachtdenkmal einen Markstein der Vergangenheit auf unserem Weg in eine friedliche Zukunft in einem vereinten Europa. In diesem Sinne soll das Monument auch aus der Erkenntnis zurückliegender Irrwege friedenstiftend wirken und zur Entwicklung einer gemeinsamen europäischen Identität beitragen. Dieser Weg wurde mehrfach mit internationalen und nationalen Fachwissenschaftlern im Rahmen von gemeinsamen Tagungen diskutiert und als einzig sinnvolle Positionierung des einstigen nationalen Sinnzeichens im 21. Jahrhundert erkannt. Insofern folgt die Arbeit des Völkerschlachtdenkmals strikt dem Auftrag, den der Stadtrat mit seiner Deklaration zum Völkerschlachtdenkmal (Beschluss der Leipziger Ratsversammlung vom 14.07. 1999, Beschluss Nr. 1671/99) erteilt hat. Der durch Herrn Krause seitdem immer wieder vorgetragenen Idee einer Fensterumgestaltung steht somit kein inhaltliches oder Vermittlungsdesiderat gegenüber, dem es Abhilfe zu schaffen gälte.

Zudem sind die Fenster in der Ruhmeshalle ein grundlegender Bestandteil des Gesamtkunstwerks Völkerschlachtdenkmal. Sie wurden im Rahmen der Generalsanierung des Bauwerks originalgetreu rekonstruiert und anstelle der Interimsverglasung eingebaut, die 1945 die zerstörten Originalfenster ersetzte. Die Stiftung Völkerschlachtdenkmal folgte damit der vor Beginn der Generalsanierung im Konsens aller maßgeblichen Gremien und Institutionen getroffenen Entscheidung, das Bauwerk in keiner Weise „umzubauen“ oder zu „aktualisieren“. Förmliche „Umwidmungen“ des Denkmals hat es in dessen Geschichte zuvor immer wieder gegeben (etwa als Zeichen der Siegeszuversicht im Ersten Weltkrieg, der Wiedererlangung nationaler Größe, der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft, der ostdeutschen Wiederbewaffnung, der deutsch-russischen Waffenbrüderschaft oder im Sinne des progressivsten Teils der deutschen Nation). Eine zeitgemäße Positionierung des Monuments kann nach all dem heute sehr viel besser durch die transparente und kritische Art und Weise geschehen, wie wir es für die Öffentlichkeit aufbereiten und präsentieren.

Alle relevanten Argumente zur Geschichte und Bildsprache des Denkmals wurden überdies bereits 2018 bei der Behandlung der vorangegangenen vergleichbaren Petition VI-P-05436 von Dieter Krause ausführlich abgewogen. Zudem ist aufgrund der Verantwortlichkeit der Stiftung für das Denkmal die Ratsversammlung für eine Umbenennung formell nicht zuständig.

Stammbaum:
VII-P-01516   Umwidmung des Völkerschlachtdenkmals in EU-Ehrenmal   01.15 Büro für Ratsangelegenheiten   Petition
VII-P-01516-VSP-01   Umwidmung des Völkerschlachtdenkmals in EU-Ehrenmal   41 Kulturamt   Verwaltungsstandpunkt zur Petition