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Vorlage - VII-A-01512-VSP-01  

 
 
Betreff: Leipziger Kolonialgeschichte in die Erinnerungskultur aufnehmen
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Verwaltungsstandpunkt
Einreicher:Dezernat KulturBezüglich:
VII-A-01512
Beratungsfolge:
DB OBM - Vorabstimmung Vorberatung
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
FA Kultur Vorberatung
18.09.2020    FA Kultur - Videokonferenz      
02.10.2020    FA Kultur      
SBB Mitte Vorberatung
01.10.2020 
SBB Mitte      
Migrantenbeirat Vorberatung
08.10.2020    Migrantenbeirat - Ort: Werk II, Kochstraße 132, 04277 Leipzig      
Ratsversammlung Beschlussfassung
14.10.2020    Ratsversammlung      

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

Rechtliche Konsequenzen

Der gemäß Ursprungsantrag gefasste Beschluss wäre

Rechtswidrig und/oder

Nachteilig für die Stadt Leipzig.

 

 

Zustimmung

Ablehnung

Zustimmung mit Ergänzung

Sachverhalt bereits berücksichtigt

Alternativvorschlag

Sachstandsbericht

 

 

Beschlussvorschlag:

 

  1. Eine historisch gesicherte Erforschung der Kolonialgeschichte Leipzigs und eine wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung wird von der Stadtverwaltung begrüßt.
  2. Das Stadtgeschichtliche Museum wird beauftragt, gemeinsam mit Partnern im GRASSI Museum für Völkerkunde, zu dem Thema eine zivilgesellschaftliche Diskussion anzustoßen. Die Kolonialgeschichte soll als Thema in die Arbeit der Museen integriert werden.
  3. Die Erkenntnisse und Forschungsergebnisse werden veröffentlicht und fließen in die Erarbeitung des Konzeptes zur Erinnerungskultur der Stadt Leipzig ein.

Zusammenfassung:

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges: Antrag

Mit dem Antrag soll die Stadtverwaltung beauftragt werden, Vorschläge zu unterbreiten, wie die Kolonialgeschichte Leipzigs in die Erinnerungskultur der Stadt kritisch verankert werden kann. Dazu sollen Maßnahmen, wie Einbeziehung in die Themenjahre, Organisation einer Themenwoche, Hinweisschilder im Stadtraum, Aufarbeitung und Darstellung auf der Homepage der Stadt und Darstellung der Aufarbeitung auf der Ausstellungsfläche des Leipziger Zoos, umgesetzt werden.

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

Finanzielle Auswirkungen

x

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

x

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

x

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

x

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

x

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

x

nein

 

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

x

nein

 

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

x

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

x

ja

 

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Ja

x

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:

 

 

 


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftsstruktur

Vorsorgendes Fchen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

X Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele: >beim Ausfüllen bitte überschreiben: max. 60 Zeichen ohne Leerzeichen

 

trifft nicht zu

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

Beschreibung des Abwägungsprozesses:    entfällt

 

I. Eilbedürftigkeitsbegründung   entfällt

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit  entfällt

 

III.  Strategische Ziele

 

Die Etablierung eines bewussten und verantwortlichen Umgangs mit der kolonialen Vergangenheit Leipzigs ist von großer Bedeutung für eine weltoffene Stadt. Grundlage dafür muss eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema sein, die das Agieren von Persönlichkeiten und Firmen in der Stadtgeschichte kritisch hinterfragt und die Wirkung der Kolonialgeschichte des Deutschen Reiches in die Leipziger Stadtgesellschaft untersucht. Dabei sind die Dimensionen, in denen Kolonialgeschichte in Leipzig geschrieben wurde kritisch darzustellen, aber auch der Vergleich zu anderen Kommunen in Deutschland nötig.

 

Hierfür ist es zwingend notwendig das Thema in die Denk- und Arbeitsweisen der Museen und forschenden Einrichtungen zu etablieren. Nur so ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und Austausch zwischen Initiativen, Institutionen, Universität und Museen, im Sinne der Erforschung der Stadtgeschichte Leipzigs möglich.

IV. Sachverhalt

1. Begründung

 

Aus postkolonialer Perspektive ist es notwendig, den deutschen Kolonialismus in seinen Wirkungen während, aber auch vor und nach den Zeiten formaler Kolonialherrschaft von 1884 bis 1919 zu untersuchen und seine Spuren und Nachwirkungen bis in die Gegenwart zu verfolgen. Dies umfasst erinnerungspolitisch auch eine Auseinandersetzung mit den Fragen von Schuld und Wiedergutmachung.
 

Das Zeitalter der kolonialen Expansion des Deutschen Reiches und sein Niederschlag in der Geschichtskultur und dem kolonialen Erbe gehören in der Tat zu den noch keineswegs ausreichend erforschten Themen auch der Leipziger Geschichte. Eine umfassendere Auseinandersetzung mit den problematischen Aspekten der kolonialen Aneignungsweise und ihren teils langwirkenden Einflüssen auf die Mentalitätsgeschichte ist daher auch für Leipzig und seine Erinnerungskultur angezeigt und wird von der Stadtverwaltung Leipzig begrüßt. Erste Ansätze dazu sind in der Arbeit der Leipziger Museen und Initiativen bereits erkennbar und sollte durch die Stadt befördert werden.

 

Die gegenwärtig seitens des Dezernats Kultur sowie des Stadtgeschichtlichen Museums für 2022 in Planung befindlichen Aktivitäten zur Erinnerung an die 1897 in Leipzig abgehaltene „Sächsisch-Thüringische Industrie- und Gewerbe-Ausstellung“ (STIGA), schließen bereits proaktiv eine kritische Auseinandersetzung mit den kolonialen Aspekten von Ausstellungsteilen der STIGA (z.B. Völkerschau, Deutsch-Ostafrika-Ausstellung) ein.

 

Erste Gespräche mit dem Grassi-Museum für Völkerkunde, der Initiative „Leipzig Postkolonial“, dem Zoo Leipzig und weiteren Projektpartnern haben dazu stattgefunden. Geplant ist eine entsprechende Tagung sowie eine noch zu beschreibende kritische auch künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Völkerschauen“.

 

Ziel des Projektes ist es, das Thema Kolonialismus nicht als isoliertes Phänomen einer belasteten Vergangenheit zu behandeln, sondern es mit gewolltem Aktualitätsbezug und im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang von Wirtschaftsstruktur, Konsumentenverhalten und Stadtentwicklung zu betrachten. Um ein breites Interesse an einer Kolonialgeschichte in der heutigen Stadtgesellschaft zu befördern ist eine objektive Betrachtung von Gegenwart und Vergangenheit zwingend, die sich in geeigneten Formen der Aufbereitung, Darstellung und Kommunikation niederschlägt.

 

Die wesentlich entlang dieser Fragestellung entwickelte Neugestaltung des Grassi-Museums für Völkerkunde wird dazu für die Leipziger Museen vorbildhafte Impulse setzen.

Die nähere Erforschung des Themas und seiner Relevanz für Leipzig wäre auch die Voraussetzung, um daraus konkrete Vorschläge und Maßnahmen für die Erinnerungskultur abzuleiten.

2. Realisierungs- / Zeithorizont

 

Der gesetzte Zeitraum bis zum 2. Quartal 2021 ist realistisch, um eine erste Aufbereitung des Themas zu realisieren. Die Ergebnisse werden ggf. in die Erarbeitung des Konzeptes zur Erinnerungskultur der Stadt Leipzig einfließen.

Stammbaum:
VII-A-01512   Leipziger Kolonialgeschichte in die Erinnerungskultur aufnehmen   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Antrag
VII-A-01512-VSP-01   Leipziger Kolonialgeschichte in die Erinnerungskultur aufnehmen   41 Kulturamt   Verwaltungsstandpunkt