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Vorlage - VII-A-01512  

 
 
Betreff: Leipziger Kolonialgeschichte in die Erinnerungskultur aufnehmen
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Fraktion DIE LINKE
Beratungsfolge:
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
08.07.2020 
Ratsversammlung, Kongreßhalle Leipzig, Pfaffendorfer Str. 31, 04105 Leipzig (offen)   
FA Kultur 1. Lesung
04.09.2020    FA Kultur      
FA Kultur 2. Lesung
18.09.2020    FA Kultur - Videokonferenz      
SBB Mitte Anhörung
         
Migrantenbeirat Vorberatung
08.10.2020 
Migrantenbeirat - Ort: Werk II, Halle A, Kochstraße 132, 04277 Leipzig (offen)     
Ratsversammlung Beschlussfassung

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

 

Der Oberbürgermeister wird beauftragt, dem Stadtrat bis zum 2. Quartal 2021 Vorschläge zu unterbreiten, wie die Leipziger Kolonialgeschichte in der Erinnerungskultur der Stadt kritisch verankert werden kann. Dazu sind nachfolgende Maßnahmen in Erwägung zu ziehen und zu überprüfen.

 

In die Erarbeitung der Vorschläge sollen außerdem zivilgesellschaftliche Initiativen wie die AG Leipzig Postkolonial, die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland, Leipzig sowie Historiker*innen und zum Thema arbeitende wissenschaftliche Expert*innen und schließlich die einschlägigen Museen (GRASSI Museum für Völkerkunde, Naturkundemuseum, Stadtgeschichtliches Museum) einbezogen werden. Diese sind auch dazu aufgerufen, weitere Vorschläge zu unterbreiten.

 

  1. Einbeziehung in die Themenjahre der Stadt Leipzig oder eigenes Themenjahr
  2. Organisation einer Themenwoche mit Veranstaltungen und einer entsprechenden Öffentlichkeitsarbeit
  3. auffällige und aussagekräftige Hinweisschilder an Straßennamen und Orten mit relevantem Bezug zur Kolonialgeschichte
  4. Aufarbeitung der Leipziger Kolonialgeschichte auf der Homepage zur Stadt
  5. Aufarbeitung und geeignete Darstellung der eigenen Kolonialgeschichte im Programm und auf der Ausstellungsfläche des Leipziger Zoos.

 

Begründung:

 

Der europäische und deutsche Kolonialismus haben wie kaum eine andere Epoche die Stadt Leipzig geprägt, über einen Zeitraum von annähernd 200 Jahren, jedoch kaum von der Öffentlichkeit thematisiert. Dabei wirkten auch Leipziger Akteur*innen (Ethnographen, Geographen, Missionare, „Forschungsreisende“, Kaufleute, Händler etc. aktiv  an der kolonialen Erschließung der Welt mit. Dieses System war von Gewalt, Ausbeutung, Unterdrückung, Raub und Mord und Entmenschlichung der kolonisierten Menschen geprägt. Auch in Leipzig finden sich auf vielfältigen Ebenen sichtbare und z. T. unsichtbare Spuren durch Einzelpersonen und Institutionen. Diese reichen von dem Leipziger Verlagswesen und dem Wissenschaftsstandort Leipzig (einschließlich der Universitäten und Museen), dem Leipziger Missionswerk über Messen bis hin zu konkreten Praxen wie den über 50 Jahre veranstalteten "Völkerschauen" im Leipziger Zoo und auf dem Gelände des heutigen Clara-Zetkin-Parks. Die Aufarbeitung dieser Kolonialgeschichte, deren Spuren bis in die Gegenwart reichen, ist heute angesichts aktueller Ereignisse dringlicher denn je. Sie hat etwas mit historischer Verantwortung zu tun. Aufarbeitung ist keine Last, sondern bietet vor allem eine Chance zur Förderung und Anerkennung von Vielfalt, Toleranz und Humanismus und leistet somit einen Beitrag im Kampf für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft. Erst durch die Einbeziehung von Akteur*innen aus der Stadtgesellschaft sowie Leipziger Institutionen kann eine umfassende Aufarbeitung dieser vielschichtigen, komplexen Epoche gelingen sowie eine öffentliche Auseinandersetzung mit diesem historischen Erbe in seiner heutigen Relevanz befördert werden.

 

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Stammbaum:
VII-A-01512   Leipziger Kolonialgeschichte in die Erinnerungskultur aufnehmen   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Antrag
VII-A-01512-VSP-01   Leipziger Kolonialgeschichte in die Erinnerungskultur aufnehmen   41 Kulturamt   Verwaltungsstandpunkt
VII-A-01512-NF-02   Leipziger Kolonialgeschichte in die Erinnerungskultur aufnehmen   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Neufassung