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Vorlage - VII-DS-01442  

 
 
Betreff: Gründach-Förderrichtlinie der Stadt Leipzig in Umsetzung der städtischen Klimaschutzziele
Anlass: Stadtratsbeschluss
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Beschlussvorlage
Einreicher:Dezernat Umwelt, Ordnung, Sport
Beratungsfolge:
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
DB OBM - Vorabstimmung
FA Umwelt, Klima und Ordnung 1. Lesung
15.09.2020    FA Umwelt und Ordnung      
Ratsversammlung Beschlussfassung
16.09.2020 
Ratsversammlung, Kongreßhalle Leipzig, Pfaffendorfer Str. 31, 04105 Leipzig ungeändert beschlossen     

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlagen:
Gründach-Förderrichtlinie der Stadt Leipzig

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Beschlussvorschlag:

 

  1. Die Gründach-Förderrichtlinie wird beschlossen (siehe Anlage 1: Gründach-Förderrichtlinie der Stadt Leipzig).

 

  1. Von den mit Beschluss VI-HP-07236 „Gründachstrategie - kommunales Fördermittelprogramm auflegenfür das Haushaltsjahr bereitgestellten Finanzmitteln in Höhe von 500.000 € werden 2020 420.035,80 € für die Ausreichung von Fördermitteln verwendet.

 

  1. Entsprechend des Förderzweckes – die Errichtung von Gründächern – werden 2020 aufgrund des kurzen verbleibenden Förderzeitraumes die anderen 79.964,20 € für die zusätzliche Begrünung von städtischen Gebäuden verwendet. Vorgesehen ist die Dachbegrünung von Objekten der Schule in der Arthur-Nagel-Straße und dem Schulkomplex in der Karl-Heine-Str. 22 b.

 

Räumlicher Bezug:

 

Klimatische Sanierungsbereiche und Ergänzungsbereiche in der Stadt Leipzig

 


Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

 

  • Beschluss „Gründachstrategie für Leipzig als Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel entwickeln!“ (VI-A-01841)
  • Haushaltsbeschluss (VI-HP-07236) „Gründachstrategie - kommunales Fördermittelprogramm auflegen (Neufassung der Anträge A57 und A158) (A 0248 19/20)“ Die Förderrichtlinie fördert in Leipzig den Bau von Gründächern in stadtklimatischen Sanierungsbereichen (stark und sehr stark betroffen) mit 50% und in den Ergänzungsbereichen (mittlere Betroffenheit) mit 25%, im restlichen Stadtgebiet mit 10%

 


 

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Finanzielle Auswirkungen

 

nein

X

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

x

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

x

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

2020

 

420.035,80

 

PSP: 1.100.56.1.0.01

SK: 43180000

 

50.000

PSP: wird im Zuge der Ämtervereinbarung bekannt

 

29. 964,20

PSP: wird im Zuge der Ämtervereinbarung bekannt

 

2021ff.

 

500.000

PSP: 1.100.56.1.0.01

SK: 43180000

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

X

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

X

nein

 

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

 

ja

 

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Ja

X

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftsstruktur

Vorsorgendes Flächen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele: >beim Ausfüllen bitte überschreiben: max. 60 Zeichen ohne Leerzeichen

 

trifft nicht zu

 

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Beschreibung des Abwägungsprozesses:

 

-          entfällt -

 

 

I. Begründung Nichtöffentlichkeit

 

-          entfällt -


II.  Strategische Ziele

 

Die Förderrichtlinie bedient im Integrierten Stadtentwicklungskonzept Leipzig 2030 (INSEK) das Ziel „Leipzig setzt auf Lebensqualität“ mit drei Handlungsschwerpunkten: „Balance zwischen Verdichtung und Freiraum“, „Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur“ und „Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität“.  Das Fachkonzept Freiraum und Umwelt enthält das Ziel „Nutzung der Potenziale der grün-blauen Infrastruktur zur Anpassung an den Klimawandel und Minderung der städtischen Umweltbelastungen“ (Z 3). Dieses Ziel wird durch das Maßnahmenbündel 3.3: Minderung der städtischen Überwärmung insbesondere in der Innenstadt, den Gründerzeitvierteln und nachverdichteten Stadtquartieren“ untersetzt. In diesem findet sich die Erarbeitung einer Gründach-Förderrichtlinie als eigenständige Maßnahme.

 

Die Gründach-Förderrichtlinie ist als Maßnahme 21 „Grüne Dächer für Leipzig (Gründach-Förderrichtlinie)“ auch ein Bestandteil des „Sofortmaßnahmenprogramm zum Klimanotstand 2020“ im Handlungsfeld Klimawandelanpassung.

 

 

III. Sachverhalt

 

1. Anlass

 

Seit Beginn der Industriellen Revolution werden fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas verbrannt. Dadurch ist der Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre um 40 % gestiegen. Auch der Gehalt anderer Treibhausgase wie Methan und Lachgas nahm seitdem zu. Entsprechend stieg die durchschnittliche Erdtemperatur bis zum Jahr 2017  um 1 °C.[1]

Der 2. Teilbericht des 5. Sachstandberichtes des Weltklimarates zeigt die tiefgreifenden Folgen dieses fortschreitenden Klimawandels für die Menschen und die Natur auf. Der Klimawandel stellt als weltweites Problem die zentrale Herausforderung für die Menschheit dar und hat, direkt oder auch indirekt, Auswirkungen auf nahezu alle Lebensbereiche.

Um die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen, haben bei der Klimakonferenz in Paris, im Dezember 2015 alle 195 anwesenden Staaten u. a. vereinbart, die mittlere Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C, möglichst sogar unter 1,5 °C zu begrenzen.

 

Die durch den Klimawandel hervorgerufenen Veränderungen treten in Art und Weise und in ihrem Ausmaß regional unterschiedlich auf. Für Sachsen haben umfangreiche Untersuchungen u. a. ergeben, dass der Klimawandel mit dem Risiko einer Zunahme witterungsbedingter Extreme einhergeht.  Dazu zählen ausgeprägte Trockenperioden, Stürme sowie Starkregenereignisse und daraus folgend ein erhöhtes Hochwasserrisiko. All diese Effekte waren in den zurückliegenden Jahren bereits zu beobachten.

 

Städte sind wärmer und trockener als ihre Umgebung. Dies wird vor allem an den verhältnismäßig höheren Nachttemperaturen deutlich, denn am Tag heizt sich die Stadt stärker auf und kühlt in der Nacht weniger ab. Dieser Effekt wird auch als städtische Ausbildung einer Wärmeinsel bezeichnet. Gründe hierfür sind die dichte Bebauung, die großen Baumassen, die hohe Versiegelung und ggf. der durch die Bebauung eingeschränkte Kaltluftaustausch mit der Umgebung. Ein höherer Energieverbrauch sowie fehlende Grün- und Verdunstungsflächen tragen ebenso dazu bei.

 

Abbildung 1: Besonderheiten des Stadtklimas - Ausprägung von Wärmeinseln, Quelle: DWD[2]

 

Die Menschen in Städten sind wegen des Wärmeinseleffektes bei Hitzewellen, vor allem, wenn sie im Frühjahr auftreten, wenn noch keine Anpassung an höhere Lufttemperaturen möglich war, stärker gefährdet als die Menschen auf dem Land. Diese Hitzebelastung, auch Hitzestress genannt, kann zu gesundheitlichen Folgen führen.

Im Rahmen des Klimawandels wird sich die Intensität der städtischen Wärmeinseln erhöhen. Insgesamt kommt es zu Temperaturerhöhungen, im Besonderen zu einer Zunahme der Sommer- und Hitzetage sowie der Tropennächte.

Die hohe Bevölkerungsdichte und die komplexe Infrastruktur machen Städte zusätzlich verwundbar, da hier bei Auftreten von Starkregen- oder Sturmereignissen sowohl der ökonomische Schaden, als auch die Zahl der davon Betroffenen, höher ist, als im Umland. Neben einer Verschärfung der Situation durch die Folgen des Klimawandels trägt auch eine weitere Verdichtung des städtischen Raumes zur einer Erhöhung des Konfliktpotenzials bei.

Leipzig verzeichnet bereits seit Jahren einen positiven Wanderungssaldo. Zusätzlich ist seit 2014 ein Geburtenüberschuss zu verzeichnen. Gemäß Bevölkerungsvorausschätzung für 2030 wird eine Einwohnerzahl von rund 644.000 Einwohner für Leipzig (Hauptvariante) erwartet. Im Ergebnis müssen zahlreiche Kindergärten, Schulen und jährlich ca. 4.500 Wohnungen neu gebaut werden.

Um diesem Bedarf an Wohnflächen sowie sozialer und anderer Infrastruktur gerecht werden zu können, müssen Flächen in Anspruch genommen werden. Da aus verschiedenen Gründen der Nachhaltigkeit (Stadt der kurzen Wege, Innenentwicklung vor Außenentwicklung) die Entstehung von Siedlungsflächen an der Peripherie vermieden werden soll, findet diese Flächeninanspruchnahme vornehmlich im innerstädtischen Bereich statt. Der Klimawandel und die daraus resultierende Verschärfung der stadtklimatischen Probleme erfordern wie dargelegt u. a. die Neuanlage, den Erhalt und die Entwicklung von Brach-, Grün- und Freiflächen besonders in den problematischen innerstädtischen Bereichen. Diese Flächenkonkurrenz versucht das INSEK der Stadt Leipzig auf verträgliche Weise zu lösen. Dazu gehört u. a. der Grundsatz der doppelten Innenentwicklung.

 

Das Leitbild der doppelten Innenentwicklung verfolgt das Ziel, Flächenreserven im Bestand baulich sinnvoll zu nutzen, gleichzeitig aber auch urbanes Grün zu entwickeln, zu vernetzen und qualitativ aufzuwerten. Die Begrünung von Dächern bietet Potenziale und wird deshalb im FK Freiraum und Umwelt als Maßnahme für mehr Lebensqualität benannt.

 

Um die Folgen des Klimawandels abzumildern, wurden eine Anpassungsstrategie und erste Umsetzungsmaßnahmen entwickelt, um Schäden und Risiken für die Menschen, Infrastruktur, Wirtschaft oder Natur zu verringern.

 

Mit einer Vielzahl weiterer Konzepte und Strategien möchte die Verwaltung dem Verlust von Grünstrukturen durch Nachverdichtung und zunehmender Hitzebelastung begegnen. Bereits 2016 wurde die Vorlage „Klimawandel - Anpassungsstrategien für Leipzig“ (VI-DS-03029) in der Dienstberatung des Oberbürgermeisters bestätigt. Zusätzlich wurde mit dem 2019 verfassten Verwaltungsstandpunkt zum Antrag "10-Punkte-Programm gegen Hitze im Stadtgebiet“ (VI-A-06783-VSP-01) die Förderung der Umsetzung von Dachbegrünung als Instrument gegen Hitze in der sich verdichtenden Stadt bestätigt.

 

Seit gut einem Jahr erarbeitet die Stadt außerdem den Masterplan Grün Leipzig 2030. Das Stadtgrün und die Gewässer in Leipzig sollen auch in Zukunft den Anforderungen zum Erhalt der Lebensgrundlagen gerecht werden und weiterhin für eine hohe Lebensqualität in der Stadt sorgen. Wie das gelingen kann, auf welche konkreten Freiräume und Flächen es dabei in Leipzig besonders ankommt und wie diese in Zukunft gesichert und gemanagt werden müssen, darauf soll der Masterplan Grün Leipzig 2030 Antworten finden. Als gesamtstädtisches Konzept zur Sicherung und Entwicklung der grün-blauen Freiräume und ihrer Funktions- und Leistungsfähigkeit soll der Masterplan Grün Leipzig 2030 zur politisch und gesellschaftlich akzeptierten und anwendungsorientierten Handlungsgrundlage für anstehende Entscheidungen zur räumlichen Entwicklung der Stadt werden.

 

Mit der Gründach-Förderrichtlinie, die den Ratsbeschluss zum Auflegen eines kommunalen Förderprogrammes (Vorlage - VI-HP-07236) von 2019 umsetzt, sollen Bürgerinnen und Bürger zu Akteuren und mit Ihnen zusammen das Leipziger Grün vermehrt werden. Mit der vorliegenden Gründach-Förderrichtlinie können unter bestimmten Voraussetzungen (siehe Kap. Zuwendungsvoraussetzungen) Gründächer gefördert und damit eine zentrale Maßnahme der strategischen Überlegungen umgesetzt werden.

Die Stadt Leipzig ist bereits seit Jahren in vier strategischen Handlungsfeldern aktiv, um eine Anpassung an den Klimawandel zu leisten und in einer sich verdichtenden Stadt zu mehr begrünten Dächern zu gelangen. Die einzelnen Handlungsfelder stellen sich wie folgt dar:

 

Abbildung 2: Die 4 Säulen der Gründachstrategie Leipzig

 

         Rot markiert ist der Teil der Gründachstrategie, dem die Förderrichtlinie zuzuordnen ist.

 

Vorbildfunktion

Vorbild sein meint die Bemühungen der Stadt Leipzig, auf eigenen städtischen Flächen Gründächer zu schaffen. Auf vielen kommunalen Neubauten ist eine Dachbegrünung bereits vorgesehen.

 

So sind auf dem Gerda-Taro-Gymnasium oder der Kurt-Masur-Grundschule bereits mehrere tausend Quadratmeter begrünt. Auf neuen Kitas wie z. B. der Kita in der Tarostraße werden Gründächer eingeplant. Dort ist unter der extensiven Begrünung mit 10 cm Substrat ein 10 cm hoher Retentionsraum geplant. Anfallendes Regenwasser soll darin teilweise gespeichert werden und den Pflanzen zur Bewässerung zur Verfügung stehen. Bei Starkregenereignissen wird der Wasserablauf in die Kanalisation stark verzögert und soll so das Überflutungsrisiko verringern. Der tatsächliche Abfluss, der kühlende Effekt der Begrünung für das Haus und dessen Umgebung, einfallende und ausgehende Strahlung sowie Umwandlungsprozesse durch die Pflanzen sollen untersucht werden.

 

Um die Flächen von kommunalen Gebäuden zukünftig optimal zu nutzen, sollen zur Erzeugung von Strom aus regenerativen Quellen die Dächer bei entsprechender Eignung zusätzlich mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden. Die Kita in der Liliensteinstraße, deren Baustart unmittelbar bevorsteht, ist ein Beispiel für solch ein Vorgehen.

 

Steuerungsfunktion

Steuern meint Dachbegrünungen verstärkt in stadtklimatisch problematischen Bereichen durch eine konsequente Nutzung der zur Verfügung stehenden rechtlichen Instrumente, wie z. B. dem Baugesetzbuch, der Sächsischen Bauordnung oder bei Grundstücksverkäufen, entstehen zu lassen.

 

Information

Informieren meint interne und externe Kommunikation bzw. Öffentlichkeitsarbeit. Die Kommunikation erfolgt intern in der Stadtverwaltung und gegenüber den Eigenbetrieben der Stadt Leipzig und extern gegenüber Hauseigentümern und Hauseigentümerinnen. Dabei sollen Vorteile und Praxisbeispiele vermittelt werden und Gründachexkursionen zu Vorzeigedächern stattfinden.

Im Umweltinformationszentrum finden sich diverse Informationsmöglichkeiten, wie z. B. Praxisratgeber zur Dachbegrünung.

Im Sinne eines Monitorings wurden Gründach-Standorte und Fotos der bereits umgesetzten Gründächer gesammelt und veröffentlicht. Um die Realisierung von Gründächern mit Praxisbeispielen in Leipzig positiv zu bestärken, fanden 2017 und 2018 die ersten Gründach-Fotowettbewerbe statt und mündeten jeweils in einer Ausstellung.

 

Förderung

Fördern meint z. B. die hiermit vorliegende Gründach-Förderrichtlinie. Damit werden Bauvorhaben von Gründächern unter bestimmten Voraussetzungen finanziell unterstützt.

Ein weiterer Baustein der Säule ist die seit 2017 verfügbare Leipziger Gründachmischung, welche mit dem Ziel einer hohen Artenvielfalt in Flora und Fauna auf dem Dach in Zusammenarbeit mit dem „Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig“ (iDiv) speziell für Leipzig zusammengestellt wurde und im Umweltinformationszentrum der Stadt Leipzig erhältlich ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

2. Beschreibung der Maßnahme

 

Mit der Förderrichtlinie soll in Leipzig der Bau von Gründächern in stadtklimatischen Sanierungsbereichen mit 50% und in Ergänzungsbereichen mit 25% gefördert werden, im restlichen Stadtgebiet mit 10%. In den Sanierungsbereichen liegt in der Regel eine starke oder sehr starke, in den Ergänzungsbereichen eine mittlere Betroffenheit von Menschen, insbesondere hohen Alters, vor, die von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.

 

Es ist nicht sichergestellt, dass die mit Beschluss VI-HP-07236 für das Jahr 2020 bereitgestellten Haushaltsmittel nach Beschluss der Gründach-Förderrichtlinie noch komplett an interessierte Bürgerinnen und Bürger ausgereicht werden können. Deshalb wurde die Vorkehrung getroffen, ca. 80.000 Euro für die Etablierung oder Verbesserung von Dachbegrünungen auf städtischen Liegenschaften einzusetzen.

 

Von den insgesamt 500.000 Euro werden 2020 an den Objekten der Schule in der Arthur-Nagel-Straße und dem Schulkomplex in der Karl-Heine-Str. 22 b zusätzliche Begrünungsmaßnahmen vorgesehen. Dadurch wird sichergestellt, dass bereits sehr kurzfristig eine stadtklimatische Entlastungsfunktion sowie eine Vorbildfunktion seitens der Kommune erreicht wird.

Grundsätzlich soll durch die Gründach-Förderrichtlinie das privatwirtschaftliche Engagement zur Errichtung von Gründächern in der Stadt Leipzig gestärkt werden. Im Ergebnis kann damit den Auswirkungen des Klimawandels begegnet werden und aufgrund der zahlreichen positiven Effekte von Gründächern die Lebensqualität in unserer Stadt erheblich gesteigert werden. Beispielhaft seien folgende positiven Effekte genannt:

 

  •                  Stadtklimatische Ausgleichsfunktion
  •                  Ästhetik/visuelle Wirkung
  • Freiraumnutzung bei begehbaren Gründächern (es muss sich zeigen, ob dieser Effekt aufgrund der Kostendeckelung erreicht werden kann)
  •                  Sauerstoffproduktion
  •                  Staubbindung/Luftreinhaltung
  •                  Höhere Luftfeuchtigkeit
  •                  Schallschutz
  •                  Wärmedämmung Energie-Einsparung/Klimaschutz
  •                  Höherer Wirkungsgrad von Photovoltaik-Anlagen
  •                  Längere Haltbarkeit der Dachhaut
  • Regenwasserrückhalt/ Wasserspeicherung Entlastung der Kanalisation (bei Starkregenereignissen führt dies zu geringerer Überschwemmungsgefahr)
  •                  Lebensraumfunktion, z.B. Nahrungshabitate für Insekten (eingeschränkt)

 

 

3. Realisierungs- / Zeithorizont

 

Die Förderung soll direkt nach erfolgtem Beschluss durch die Ratsversammlung und Veröffentlichung beginnen.

 

 

4. Finanzielle Auswirkungen

 

Im Rahmend der HH-Planung wurde dem Antrag VI-HP-07236 zugestimmt.

Zur Umsetzung der Gründachstrategie und zum Auflegen eines kommunalen Förderprogramms werden in den Doppelhaushalt 2019/2020 für das Jahr 2019 50.000 € und für das Jahr 2020 500.000 € eingestellt. Dieser Planansatz ist die Grundlage zur Umsetzung dieser Förderrichtlinie und ist jährlich fortzuschreiben.

 

 

5. Bürgerbeteiligung

 

bereits erfolgt    geplant    nicht nötig

 

Eine Bürgerbeteiligung wird nicht als notwendig erachtet, da die Vorlage verwaltungstechnische Abläufe initialisiert, auf die Bürger und Bürgerinnen keinen Einfluss haben.

 

6. Folgen bei Nichtbeschluss

 

Bei Nichtbeschluss der Vorlage können konkret die mit Beschluss VI-HP-07236 für 2020 in den Haushalt eingestellten 500.000 Euro nicht mehr als Fördermittel ausgegeben werden. In den nächsten Jahren kann keine Förderung erfolgen.

 

 

 

Anlage:

 

  • Gründach-Förderrichtlinie der Stadt Leipzig

 

 

 

 

 


[1] IPCC, 2018: Summary for Policymakers. In: Global warming of 1.5°C. An IPCC Special Report on the impacts of global warming of 1.5°C above pre-industrial levels and related global greenhouse gas emission pathways, in the context of strengthening the global response to the threat of climate change, sustainable development, and efforts to eradicate poverty [V. Masson-Delmotte, P. Zhai, H. O. Pörtner, D. Roberts, J. Skea, P. R. Shukla, A. Pirani, W. Moufouma-Okia, C. Péan, R. Pidcock, S. Connors, J. B. R. Matthews, Y. Chen, X. Zhou, M. I. Gomis, E. Lonnoy, T. Maycock, M. Tignor, T. Waterfield (eds.)]. World Meteorological Organization, Geneva, Switzerland, 32 pp., S. 6, URL: https://report.ipcc.ch/sr15/pdf/sr15_spm_final.pdf, zuletzt abgerufen am 29.04.2020.

[2] Deutscher Wetterdienst, 2020: Stadtklima - die städtische Wärmeinsel, URL: https://www.dwd.de/DE/klimaumwelt/klimaforschung/klimawirk/stadtpl/projekt_waermeinseln/projekt_waermeinseln_node.html, zuletzt abgerufen am: 28.04.2020

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Gründach-Förderrichtlinie der Stadt Leipzig (1421 KB)