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Vorlage - VII-F-01095-AW-01  

 
 
Betreff: Kostenlose ÖPNV-Nutzung an den Adventssamstagen
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:schriftliche Antwort zur Anfrage
Einreicher:Dezernat Stadtentwicklung und BauBezüglich:
VII-F-01095
Beratungsfolge:
Ratsversammlung schriftliche Beantwortung

Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2
  1. Wie steht die Stadtverwaltung bzw. die LVB zu einem solchen Angebot? Welche Gründe - neben den Kosten - sprechen dafür bzw. dagegen?

 

Die Stadt Leipzig, die LVB sowie der MDV greifen regelmäßig Initiativen der Leipziger Bevölkerung, der Kunden und Politik zur Stärkung des ÖPNV auf. In diesem Zusammenhang ist die in der Anfrage thematisierte kostenlose ÖPNV-Nutzung an den Adventssamstagen eine von vielen interessanten Ideen, die für eine zukünftige Umsetzung erwogen werden können. Aus aktuellem Anlass sei bereits darauf hingewiesen, dass die LVB im Zusammenhang mit dem COVID-19-Virus und der gesunkenen Fahrgastzahlen erhebliche Einnahmeausfälle zu verzeichnen haben. Zusätzlich zu kompensierende Einnahmeausfälle können daher erst nach Betrachtung und Abwägung der Auswirkungen auf das Gesamtsystem ÖPNV sowie in Abhängigkeit der wirtschaftlichen Gesamtsituation und der finanziellen Leistungsfähigkeit der L-Gruppe bewertet werden. Sie sind für dieses Jahr mit Sicherheit keine Option.

 

Vorteile eines solchen Angebotes bestehen insbesondere in der Erhöhung der Fahrgastzahlen mit gleichzeitig positiver Imagewirkung, was im Idealfall dazu führt, dass dauerhaft neue Kunden gewonnen werden können und mehr Personen auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen. Sofern durch das Angebot eine nennenswerte Reduzierung des Pkw-Verkehrs herbeigeführt werden kann, besteht die Chance, den Motorisierten Individualverkehr in der Innenstadt zu reduzieren und Parksuchverkehre sowie ggf. Staus zu vermeiden. Davon kann auch der ÖPNV profitieren, wenn sich Betriebsabläufe dadurch flüssiger gestalten lassen. Auch das Einkaufen und die Freizeitgestaltung innerhalb des Stadtgebietes wird mit dieser Maßnahme gefördert. Jedoch ist auch anzunehmen, dass ein solches Angebot zu Fahrgastwanderungen von anderen Wochentagen, insbesondere dem Freitag, auf den Samstag führt. Dies könnte sich wiederum negativ auswirken, wenn zusammen mit dem (beabsichtigten) Neuverkehr im ÖPNV die Kapazitätsgrenzen des Angebotes am Samstag überschritten werden (vgl. auch Frage 3). Die kostenseitigen Auswirkungen sind in der Antwort zur Frage 4 dargestellt.

 

 

  1. Wie viele Fahrgäste zählt die LVB im Durchschnitt an einem Adventssamstag? Wie viele Nutzer an den Adventssamstagen sind im Durchschnitt Abo- und Jahreskartennutzer, die sowieso keinen Extra-Fahrschein erwerben müssen?

 

An einem Adventssamstag befördert die LVB im Gesamtnetz durchschnittlich 400.000 Fahrgäste. Dies entspricht etwa 80 % des Nachfrageniveaus an einem Normalwerktag. Zu beachten ist aber, dass der Anteil auf innenstadtbezogenen Relationen, welche durch die vorgeschlagene Maßnahme in erster Linie adressiert werden (Weihnachtsmarkt, Vielzahl von Geschäften), z. T. deutlich darüber liegt. Die Querschnittsbelegungen der einzelnen Straßenbahnlinien im Zulauf zur Innenstadt liegen bei ca. 85-90 % der Werktage. Es bestehen daher nur begrenzte Spielräume für die Beförderung zusätzlicher Fahrgäste von und in die Innenstadt.

 

Der Anteil von Fahrgästen, die nicht bereits mit Zeitkarten, ABOs und Kombitickets ausgestattet sind, beträgt im Jahresschnitt ca. 10 %. An Adventssamstagen mit einem hohen Anteil an Gelegenheitsverkehr sowie ohne Schulwege und weniger Berufspendlern beträgt der Anteil 25 %.

 

 

  1. Welche zusätzlichen Fahrleistungen seitens der LVB wären mit einem solchen Angebot verbunden? Stehen dafür genügend Fahrzeuge und Fahrer/innen bei der LVB zur Verfügung?

 

Für Angebotserweiterungen an Adventssamstagen gibt es kaum noch Spielräume. Sämtliche Straßenbahnlinien (bis auf die Linie 14) verkehren samstags bereits im 10-Minuten-Takt und damit genauso häufig wie montags bis freitags. Aktuell werden samstags 140 Kurse eingesetzt, Montag bis Freitag sind es 145. Zusätzlich werden an Adventssamstagen auf einigen Linien größere Züge eingesetzt als an normalen Samstagen. Damit sind an Adventssamstagen nahezu alle verfügbaren Platzkapazitäten im Einsatz. Die wenigen Reserven werden unter anderem für Großveranstaltungen benötigt (in der Adventszeit 2019 fanden an zwei Samstagen Heimspiele von RB Leipzig statt).

 

Somit sind aufgrund des bereits sehr attraktiven Grundangebots keine nennenswerten Angebotserweiterungen an den Adventssamstagen möglich. Eine ggf. erhöhte Nachfrage müsste also größtenteils über die Inkaufnahme einer höheren Auslastung kompensiert werden. Auch hier sind die Spielräume jedoch begrenzt (vgl. Antwort zur Frage 2).

 

 

  1. Mit welchen Einnahmeausfällen muss bei den LVB gerechnet werden, wenn die Fahrgäste kein Entgelt entrichten müssten?

 

Der 25 %-ige Anteil an Fahrgästen ohne Zeitkarten kauft einen Mix aus Einzelfahrausweisen (2,70 €), Kurzstrecke (1,90 €) und Tageskarten (7,60), zum Teil als Kinderfahrausweis und auch für mehrere Tarifzonen. Der Erlöseffekt beläuft sich entsprechend auf ca. 175.000 € pro Adventssamstag. Bei vier Samstagen summiert sich der Einnahmeausfall auf ca. 700.000 €.

 

Bei solchen Tarifmaßnahmen ist grundsätzlich auch der MDV einzubinden und entsprechende Abstimmungen mit den MDV-Gesellschaftern zu führen, da bei entsprechenden Aktionen bspw. auch eine erhöhte S-Bahn Nutzung zu erwarten ist. Somit kann sich der Einnahmeausfall im MDV allein für die Tarifzone Leipzig auf ca. 200.000 € (inkl. S-Bahn) pro Adventssamstag bzw. 800.000 für vier Adventssamstage in einem Jahr belaufen und sich darüber hinaus erhöhen, wenn zusätzliche Tarifzonen im Umland einbezogen werden.

 

 

Stammbaum:
VII-F-01095   Kostenlose ÖPNV-Nutzung an den Adventssamstagen   Geschäftsstelle der SPD-Fraktion   Anfrage
VII-F-01095-AW-01   Kostenlose ÖPNV-Nutzung an den Adventssamstagen   66 Verkehrs- und Tiefbauamt   schriftliche Antwort zur Anfrage