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Vorlage - VI-A-06365-NF-02-Ifo-01  

 
 
Betreff: Personalentwicklungskonzept zur Qualifizierung von Beschäftigten aus arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen
Anlass: Stadtratsbeschluss
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Informationsvorlage
Einreicher:1. Dezernat Allgemeine Verwaltung
2. Dezernat Wirtschaft, Arbeit und Digitales
Bezüglich:
VI-A-06365-NF-02
Beratungsfolge:
DB OBM - Vorabstimmung Vorberatung
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
FA Allgemeine Verwaltung
28.04.2020    Videokonferenz - FA Allgemeine Verwaltung      
12.05.2020    Videokonferenz FA Allgemeine Verwaltung      
FA Wirtschaft, Arbeit und Digitales
21.04.2020    FA Wirtschaft, Arbeit und Digitales - Telefonkonferenz      
Ratsversammlung Information zur Kenntnis
20.05.2020 
Ratsversammlung, Kongreßhalle Leipzig, Pfaffendorfer Str. 31, 04105 Leipzig      
BA Eigenbetrieb Engelsdorf
FA Jugend und Schule Information zur Kenntnis
14.05.2020    FA Jugend und Schule      

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Die Informationen zur Umsetzung des Ratsbeschlusses „VI-A-06365-02“ werden zur Kenntnis genommen.

 

 

Räumlicher Bezug:

 

Die Maßnahmen betreffen die Stadtverwaltung Leipzig und einzelne Eigenbetriebe.

 

Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

 

Mit dem Ratsbeschluss „VI-A-06365-02“ hat der Stadtrat die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Personalentwicklungskonzeptes zur Qualifizierung von Beschäftigten in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen beauftragt.

 

 

 

 

 

 

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

 

 

Finanzielle Auswirkungen

x

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

 

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

x

nein

 

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

x

nein

 

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

x

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

x

ja

 

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Ja

x

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:

 

 

 


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultur

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftsstruktur

Vorsorgendes Fchen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele: >beim Ausfüllen bitte überschreiben: max. 60 Zeichen ohne Leerzeichen

 

trifft nicht zu

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschreibung des Abwägungsprozesses:

 

Die Konzeption zur Umsetzung des Ratsbeschlusses wurde von Personalamt, Referat für Beschäftigungspolitik und dem Kommunalen Eigenbetrieb Leipzig/Engelsdorf gemeinsam erarbeitet.

 

 

I. Eilbedürftigkeitsbegründung

 

entfällt

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit

 

entfällt

 

 

 

 

III.  Strategische Ziele

 

Die Maßnahme dient dem Ziel, Beschäftigte in einer öffentlich geförderten Beschäftigung für eine bessere Integration in den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Sie zielt damit auf die Schaffung von Chancengerechtigkeit.  

 

IV. Sachverhalt

 

1. Anlass

 

Mit dem Personalentwicklungskonzept wird der Ratsbeschluss „VI-A-06365-02“ umgesetzt.

 

2.   Beschreibung der Maßnahme

2.1.  Chancen öffentlich geförderter Beschäftigung

Der Begriff öffentlich geförderter Beschäftigung ist weit gefasst und beschreibt in der Regel die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen, welche ohne finanzielle Förderung der öffentlichen Hand keinen Bestand hätten. Deutlicher wird dieser Begriff durch die Betrachtung konkreter Programme der aktiven Arbeitsmarktpolitik, welche, ausgerichtet auf die aktuelle Entwicklung des Arbeitsmarktes, Zielgruppen und Förderhöhe definieren. Dem Gedanken folgend, dass gesellschaftliche Teilhabe idealerweise durch die Teilhabe am Arbeitsmarkt ermöglicht wird, beteiligte sich die Stadt Leipzig an den Programmen Kommunalkombi, Bürgerarbeit sowie Soziale Teilhabe und kofinanziert Maßnahmen nach den Regelinstrumenten Förderung von Arbeitsverhältnissen sowie Teilhabe am Arbeitsmarkt. Auch das Instrument der Arbeitsgelegenheit (AGH) ist eine öffentlich geförderte Tätigkeit. Die AGH ist jedoch im Unterschied zu den großen Bundesprogrammen nicht sozialversicherungspflichtig und hat nicht die direkte Arbeitsmarktintegration zum Ziel[1].

Rückblickend wurden so für die gesamte Stadt im Zeitraum von 2008 bis 2020 über 2.864 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen:

Abb. 1: Öffentlich geförderte Beschäftigung in der Stadt Leipzig von 2008 2020

Abb

Die anhaltend gute Entwicklung des Leipziger Arbeitsmarktes ist neben den Qualifizierungsmaßnahmen nicht zuletzt der steten Weiterentwicklung öffentlich geförderter Beschäftigung zu verdanken.

In der Vergangenheit galten für die öffentlich geförderte Beschäftigung drei Prämissen:

  • Wettbewerbsneutralität,
  • Zusätzlichkeit,
  • die Arbeiten liegen im öffentlichen Interesse.

Mit Verankerung des neuen Instruments der Teilhabe am Arbeitsmarkt im § 16 i SGB II sind diese Kriterien nicht mehr Bestandteil der gesetzlichen Vorschriften.

Wie oben beschrieben engagierte sich die Stadtverwaltung selbst sehr stark in der Einrichtung von öffentlich geförderten Arbeitsplätzen, um den Zugang für die Menschen zu erhöhen, deren Chancen am Arbeitsmarkt deutlich gemindert sind. Hier nimmt der Kommunale Eigenbetrieb Leipzig/Engelsdorf (KEE) gemeinsam mit dem Referat für Beschäftigungspolitik eine zentrale, steuernde Funktion ein. Mit den neuen Möglichkeiten aus dem § 16 i SGB II stellt sich die Stadtverwaltung Leipzig ihrer Verantwortung, soziale Ausgrenzung zu vermeiden und gleichzeitig einen aktiven Beitrag zur Fachkräftesicherung in und außerhalb der Verwaltung zu leisten. Dass die Teilnehmenden der öffentlich geförderten Beschäftigung zu Fachkräften in Wirtschaft und Verwaltung ausgebildet werden können, zeigen beispielhaft folgende Integrationserfolge:

  • Im Bundesprogramm „Bürgerarbeit“ haben von 842 Personen im Anschluss an die Förderung 25,4 % eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt aufgenommen.
  • Im Bundesprogramm „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ lagen allein beim KEE die Vermittlungserfolge bei knapp 30 Prozent.

Agentur für Arbeit, Jobcenter und die Stadt Leipzig beschlossen daher gemeinsam die Einrichtung von 450 Arbeitsplätzen „Teilhabe am Arbeitsmarkt“. Leipzig war die erste Kommune, die dieses Programm deutschlandweit startete. Für die 174 kommunalen Arbeitsplätze, lag 2019 der Besetzungsstand im Jahresdurchschnitt bei 100 Prozent. Im Februar 2020 waren von den 174 Arbeitsplätzen 164 besetzt. 10 Stellen werden aufgrund von Beschäftigungsabbrüchen und drei Integrationen in eine ungeförderte Tätigkeit nachbesetzt.

Die Stadtverwaltung hat Beschäftigungsverhältnisse in folgenden Einsatzgebieten Arbeitsplätze den Entgeltgruppen E 1 bis E 3/ S3 geschaffen.

Tab. 1: Stellenübersicht 2020 § 16 i SGB II in der Stadt Leipzig/Eigenbetriebe (Stand: 31.12.2019)

OE

Übersicht Stellen 2019 § 16 i

Anzahl Stellen

besetzte Stellen

offene Stellen

Entgelt

ASG

Arbeiter/-in ASG

4

4

0

E2

SRL

Arbeiter/in Grünanlagen

11

10

1

E2

SRL

Arbeiter/-in Müllfeuerwehr (SR)

13

8

5

E2

SRL

Arbeiter/-in Straßenreinigung

11

10

1

E2

EB SEB

Assistent/in Wohnstätten

5

5

0

E2

St. Georg

Assistent/in SBB

3

3

0

E1

VKKJ

Hauswirtschafter/-in VKKJ

5

5

0

E3

KEE

Koordinator/-in

5

5

0

E3

AfStW

Mitarbeiter/in - Digitalisierung (Hausnummernaktenarchiv)

2

2

0

E3

Standesamt

Mitarbeiter/in - Digitalisierung (Personenstandsverzeichnis)

2

2

0

E2

Lpz. Städt. Bibliotheken

Mitarbeiter/in "LSB kreativ"

6

6

0

S2

Lpz. Städt. Bibliotheken

Mitarbeiter/in "LSB mobil"

2

2

0

E2

ASG

Mitarbeiter/in Baumpaten

2

2

0

E3

OA

Mitarbeiter/in Lotsendienst in der Ausländerbehörde

1

1

0

E2

OA

Mitarbeiter/in Lotsendienst in der KFZ-Zulassungsstelle

1

1

0

E2

Naturkunde-museum

Mitarbeiter/in Naturkundemuseum

1

1

0

E3

AfJFB

Mitarbeiter/in Registratur und Information

1

1

0

E3

AfJFB

Mitarbeiter/in Schulmuseum

4

4

0

E2

AfJFB

Mitarbeiter/-in zur Integrationsunterstützung

19

18

1

E3

KEE

Sachbearbeiter/in I KEE

1

1

0

E2

KEE

Sachbearbeiter/in II KEE

1

1

0

E2

SRL

Sachbearbeiter/in Müllfeuerwehr (SR) KEE

1

1

0

E2

 

Mitarbeiter/in Leseraum/Schulbibliothek

73

71

2

E3

 

Gesamtergebnis

174

164

10

 

2.2   Auswahl und Zuweisung der Teilnehmer

Um vom Jobcenter zugewiesen werden zu können, müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mindesten 25 Jahre alt sein, innerhalb der letzten sieben Jahre mindestens sechs Jahre Leistungen zum Lebensunterhalt nach dem SGB II erhalten haben und während dieser Zeit nicht oder nur kurzzeitig sozialversicherungspflichtig beschäftigt, selbständig oder in einem Minijob gewesen sein.[2] Das Jobcenter ist Bewilligungsbehörde und entscheidet darüber, ob das Instrument für den jeweiligen Kunden für eine Arbeitsmarktintegration geeignet ist.

2.3  Pflichten des Jobcenters

Dem Jobcenter als Bewilligungsbehörde obliegen zur ordnungsgemäßen Programm­durchführung und Sicherung des Integrationserfolges folgende Pflichten:

  • Prüfung der Fördervoraussetzungen, Zuweisung und Bewilligung
  • Festlegung des Umfanges des ganzheitlichen Coachings zur Stabilisierung
  • Durchführung und Dokumentation der verpflichtenden beschäftigungsbegleitenden Betreuung in Eigenleistung oder durch einen Dritten
  • Regelmäßige Kontaktaufnahme zum Beschäftigten
  • Integrationsverantwortung
  • Entscheidung zur individuellen Qualifizierung

1

 


2.4  Qualifikationsprofil der Beschäftigten im Bereich § 16 i SGB II

Grundsätzlich kann man bei der überwiegenden Zahl der Beschäftigten von einer hohen Motivationslage ausgehen. Die über das Berufsleben erworbenen (beruflichen) Kompetenzen und formalen Abschlüsse entsprechen jedoch nicht immer den Anforderungen des Arbeitsmarktes. Ausbildung und Berufserfahrung liegen oftmals viele Jahre zurück. Eine Auffrischung oder gar eine neue Ausbildung sind oftmals die einzige Möglichkeit, um wieder attraktiv für den Arbeitsmarkt zu werden.

 

Tab. 2: Letzte sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (mit Arbeitslosen­versicherung)

letzte sv-pflichtige Beschäftigung

Anzahl

Prozente

vor 7 bis 10 Jahren

13

8%

vor 11 bis 15 Jahren

52

32%

vor 16 bis 20 Jahren

45

27%

vor über 21 Jahren

35

21%

noch nie sv-pflichtig beschäftigt

19

12%

Ergebnis

164

100%

 

Aus datenschutzrechtlichen Gründen lassen sich die Qualifizierungsprofile der Beschäftigten nicht im Detail darstellen, jedoch gibt folgende Übersicht einen exemplarischen Überblick:

Tab. 3: Branchenbezogene Übersicht der Berufs- und Studienabschlüsse (Stand: 31.12.2019)

Beruf- und Studienabschlüsse nach Branchen

Anzahl

Prozente

Handel

18

11%

Gastronomie

5

3%

Büro/Verwaltung/kfm. Berufe

29

17,5%

EDV/IT, Technische Berufe

7

4%

Lager/Transport/Verkehr

10

6%

Handwerk

41

25%

Reinigung/sonstige Dienstleitungen

4

3%

medizinische/soziale Berufe

6

4%

Natur- und Geisteswissenschaftliche Berufe

15

9%

Ohne Abschluss

29

17,5%

Ergebnis

164

100%

 

1

 


Die Einstellung der Beschäftigten erfolgte mit dem Ziel, Fachkräfte für Verwaltung, Eigenbetriebe und die freie Wirtschaft zu entwickeln. Das bedeutet, dass der Einsatz momentan nicht auf konkreten Stellen der Verwaltung erfolgt, sondern die Beschäftigten, unterstützt durch ganzheitliches Coaching und gezielte Qualifizierung, auf eine ungeförderte Tätigkeit in Verwaltung, Eigenbetrieben oder freier Wirtschaft vorbereitet werden. Der aktuelle berufliche Einsatz der Beschäftigten ist in der Regel nicht mit dem Zielarbeitsplatz nach Auslaufen der Förderung identisch.

Voraussetzung für die Besetzung des Zielarbeitsplatzes ist einerseits die Motivation des Beschäftigten an einer aktiven Beteiligung im Coaching- und Qualifizierungsprozess. Andererseits müssen arbeitgeberseitig geeignete Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Gleichfalls ist die Bereitschaft des Arbeitgebers zur Einstellung notwendig.

 

Abb. 2: Personalentwicklungskonzept für Teilnehmende in öffentlich geförderter Beschäftigung

Abb

2.5  Personalentwicklungskonzept von Mitarbeitenden in beschäftigungs­politischen Maßnahmen

Im Hinblick auf die Verbesserung von Chancen der in geförderten Maßnahmen Beschäftigten werden folgende Ziele verfolgt:

 

Beschäftigungsfähigkeit stabilisieren

In den ersten zwei Jahren werden die Teilnehmenden durch ein beschäftigungsbegleitendes Coaching in ihrer Arbeitsfähigkeit stabilisiert. Das Coaching wird in der Regel durch einen Bildungsdienstleister erbracht. Die fachliche Begleitung und Anleitung wird durch die jeweils zuständigen Fachämter und Eigenbetriebe sichergestellt. Die Mitarbeitenden im KEE erstellen eine individuelle Integrationsplanung.

 

Erarbeitung von Qualifizierungs- und Personalentwicklungsplänen

Mit den Beschäftigten wird ein Qualifizierungs- und Personalentwicklungsplan erarbeitet und übergreifend mit den Anforderungen der Ämter und Eigenbetriebe abgeglichen. Im Einvernehmen mit dem Jobcenter Leipzig werden durch den KEE Anbieter von fachspezifischen Weiterbildungen für eine Umsetzung beauftragt. 

 

Vermittlung in die freie Wirtschaft

Sofern kein Zielarbeitsplatz innerhalb der Kernverwaltung oder den Eigenbetrieben identifiziert werden kann, richten sich die weiteren Bemühungen auf die Kommunalen Beteiligungsunternehmen oder die freie Wirtschaft. Eine eng abgestimmte Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Leipzig spielt dabei eine wichtige Rolle.

 

Übergänge von älteren Mitarbeitenden bis zum Eintritt in die Regelaltersrente aktiv gestalten

Die Altersstruktur der Beschäftigten liegt durchschnittlich bei 52 Jahren. 15,2 % der derzeit Beschäftigten waren bereits bei der Einstellung 60 Jahre und älter. Hier ist ein Qualifizierungs- und Personalentwicklungsplan gesondert nach den Bedarfen der Teilnehmenden zu prüfen.

 

Auch wenn die Integrationsverantwortung ausschließlich beim Jobcenter Leipzig liegt, so ist sich die Stadt Leipzig ihrer beschäftigungs- und arbeitsmarktpolitischen Verantwortung bewusst und prüft über die Aktivitäten des Jobcenters hinaus nachfolgende Maßnahmen bzw. setzt diese um:

 

1) Die Stellen, die aufgrund ihrer Anforderungen als „Zielarbeitsplatz“ in Verbindung mit der Durchführung einer Qualifizierungsmaßnahme geeignet sind, werden gesichtet. Es handelt sich hierbei insbesondere um Stellen im einfachen und mittleren Dienst (i. d. R. bis EG 5, da sich die möglichen Qualifizierungen in diesem Rahmen bewegen), welche in den kommenden 5 Jahren durch Altersabgänge vakant werden bzw. bei denen erfahrungsgemäß fortlaufend Bedarf für Nachbesetzungen besteht. Nach derzeitigen Erkenntnissen kommen insbesondere folgende Berufsgruppen bzw. Tätigkeiten in Betracht: Hallen- und Platzwarte, Schreib- und Verwaltungskräfte, Betriebshandwerker, Hausmeister, Arbeiter Bauhof, Gartenarbeiter.

 

2) Das Gesetz bietet verschiedene Möglichkeiten, die je nach Stellenprofil und persönlicher Eignung zur Anwendung kommen, um die Beschäftigten zielgerichtet zu qualifizieren. Erforderliche Weiterbildungen oder betriebliche Erprobungen können in angemessenem zeitlichem Umfang ohne Unterbrechung der Förderung während der Arbeitszeit erfolgen (maximal acht Wochen je betrieblicher Erprobung). Während der Durchführung von Weiterbildungen und Erprobungen wird der Lohnkostenzuschuss weiterhin gezahlt, wenn die Beschäftigten vom Arbeitgeber unter Fortzahlung des Arbeitsentgelts hierfür freigestellt werden. 

Es werden alle Arten von Qualifizierungen gefördert. Damit können auch betriebsinterne Qualifizierungen für einen konkreten Arbeitsplatz gefördert werden. Der Arbeitgeber, hier der KEE, erhält für die entstehenden Weiterbildungskosten insgesamt bis zu 3.000 Euro je Teilnehmenden bezuschusst. Die Zuständigkeit für die Weiterbildungsförderung liegt auch bei entfallender Hilfebedürftigkeit beim Jobcenter.

 Die geförderten Beschäftigten können auch aus dem § 16i-geförderten Arbeitsverhältnis abberufen werden, um an einer dauerhaften beruflichen Weiterbildung zum Erwerb eines Berufsabschlusses teilzunehmen.

 

3) Für Stellen, die gemäß Punkt 1) identifiziert sind und zur Besetzung mit Beschäftigten in geförderten Maßnahmen in Betracht kommen, wird ein zweistufiges Ausschreibungsverfahren durchgeführt. Zunächst erfolgt nur eine interne Ausschreibung, die sich auch an die geförderten Beschäftigten richtet. Erst wenn die Stelle in diesem ersten Schritt nicht besetzt werden kann, wird sie extern ausgeschrieben.

 

4) Bei Anträgen auf Neueinrichtung von Stellen (entweder unterjährig oder auch im Rahmen der Stellenplanung 2021/2022) wird geprüft, inwieweit die Aufgaben bisher mit öffentlich geförderter Beschäftigung erfüllt wurden. In diesem Fall werden mit dem betreffenden Fachamt Möglichkeiten zu Einsatz und Qualifizierung von Mitarbeitern in beschäftigungspolitischen Maßnahmen geprüft.

 

5) Künftig ist vorgesehen, bei der Erarbeitung bzw. auch Überarbeitung von Stellenanforderungen im einfachen und mittleren Dienst solche Qualifizierungen, die geförderte Beschäftigte in Umsetzung des vorliegenden Konzeptes erwerben, bezüglich der Befähigung für die betreffende Stelle mit abzuprüfen. Es geht darum, überhöhte Qualifikationsanforderungen, die sich nicht aus den Stelleninhalten ergeben, zu vermeiden. Hier ist die Balance zu finden zwischen den legitimen Anforderungen der Fachämter nach gut qualifizierten Mitarbeitern und dem öffentlichen Interesse, Beschäftigte in geförderten Maßnahmen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. 

 

6) Im Zusammenhang mit den anstehenden zentralen Vorhaben der Verwaltungsdigitalisierung in der Stadtverwaltung besteht die Überlegung, künftig anfallende einfache Tätigkeiten in Stellen zu bündeln. Damit könnte einerseits eine Entlastung der Fachkräfte von Hilfstätigkeiten erreicht und die Effektivität von Arbeitsabläufen erhöht. Zum anderen entstehen Tätigkeitsfelder für geringer qualifizierte Mitarbeiter/-innen, zu denen die Beschäftigten in geförderten Maßnahmen bei entsprechender Eignung Zugang haben. Als Beispiel wären Registratur-und Datenerfassungsaufgaben zu nennen.

 Zu diesem Zweck wird die Einrichtung eines Stellenpools von 15 Stellen „Digitalisierungshelfer“ zur Flankierung von Digitalisierungsvorhaben der Ämter und Entlastung von standardmäßig anfallenden Hilfstätigkeiten in den Haushaltsplanungsprozess 2021/2022 eingebracht werden.

 

7) Mit dem Ratsbeschluss VI-P-05931-DS-03 hat der Stadtrat beschlossen, eine schrittweise Übernahme schulbibliothekarischen Personals aus arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen in eine Festanstellung bei der Stadt zu ermöglichen, wenn die fachliche und persönliche Eignung während des Maßnahmezeitraums nachgewiesen werden konnte. Für die dort eingesetzten geförderten Beschäftigten kommt insofern ebenfalls die Einbindung in vorliegendes Personalentwicklungskonzept in Betracht, um sie auch für mögliche andere Aufgabenbereiche zu qualifizieren.  

 

Neben diesen Maßnahmen, die insbesondere die Stadtverwaltung betreffen, laufen Gespräche mit den Eigenbetrieben, um dortige Möglichkeiten zur Verbesserung der Integrationschancen auf dem 1. Arbeitsmarkt für die Beschäftigten in den 16i-Maßnahmen zu prüfen. Beispielhaft ist hier die Selbstverpflichtung des Eigenbetriebes Stadtreinigung zu erwähnen, wonach ebenfalls die Erarbeitung eines Personal- und Qualifizierungskonzeptes für die bei der Stadtreinigung eingesetzten Teilnehmenden in der ersten Hälfte des Jahres 2020 erfolgen soll.

 

3. Realisierungs- / Zeithorizont

 

Laufend

 

4. Finanzielle Auswirkungen

 

Keine

 

5. Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Keine

 

6. Bürgerbeteiligung

 

bereits erfolgt    geplant    nicht nötig

 

 

7. Besonderheiten

 

Keine.

 

 

Anlagen

 

Keine.

 

 

 

 

 

1

 


[1] Nachrichtlich hat das JC Leipzig in den Jahren 2018-2020 durchschnittlich ca. 1.389 Plätze pro Jahr zur Verfügung gestellt, die Stadt Leipzig hat hiervon im gleichen Betrachtungszeitraum durchschnittlich 411 Plätze pro Jahr umgesetzt

[2]  § 16 i SGB II.

Stammbaum:
VI-A-06365   Schrittweise Übernahme von Beschäftigten aus arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen   Geschäftsstelle der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen   Antrag
VI-A-06365-VSP-01   Schrittweise Übernahme von Beschäftigten aus arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen   11 Personalamt   Verwaltungsstandpunkt
VI-A-06365-NF-02   Schrittweise Übernahme von Beschäftigten aus arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen   Geschäftsstelle der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen   Neufassung
VI-A-06365-NF-02-Ifo-01   Personalentwicklungskonzept zur Qualifizierung von Beschäftigten aus arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen   11 Personalamt   Informationsvorlage