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Vorlage - VII-F-00857  

 
 
Betreff: Berücksichtigung der Orte von Zwangsarbeit in der NS-Diktatur im Erinnerungs- und Gedenkkonzept der Stadt Leipzig"
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Anfrage
Einreicher:Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Beratungsfolge:
Ratsversammlung mündliche Beantwortung
26.02.2020 
Ratsversammlung zur Kenntnis genommen     

Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Mit der historischen Aufarbeitung der Zwangsarbeiteranwerbung und -verschleppung im 2. Weltkrieg und deren Lebenssituation während ihrer Zwangsarbeitszeit und auch noch anschließend, mit ihrer Rückkehr in die Heimat, werden die jeweiligen lokalen Zusammenhänge bekannt. Zu Leipzig in der NS-Zeit ist bekannt, dass 60.000 Frauen und Männer Zwangsarbeit leisten mussten. Etliche von ihnen überlebten die Strapazen nicht.
 

Auszug aus dem Flyer der Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig:

"Leipzig war während des Zweiten Weltkriegs ein bedeutender Rüstungs- und Wirtschaftsstandort. Hier arbeiteten mindestens 60.000 Frauen und Männer unter Zwang. Sie wurden in allen Wirtschaftszweigen eingesetzt, u.a. als Haushaltshilfen, bei den Stadtwerken, den städtischen Verkehrsbetrieben oder in privaten Firmen. Ein Großteil wurde in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Überall in der Stadt entstanden für sie Barackenlager und Gemeinschaftsunterkünfte. Im Stadtgebiet existierten mindestens 400 Sammelunterkünfte. Auch KZ-Häftlinge sollten den stetig steigenden Arbeitskräftebedarf der Rüstungsbetriebe decken. Daher wurden ab 1944 in und um Leipzig sechs Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald errichtet."


Jährlich am 27. Januar erinnert sich Leipzig an die Außenstelle des KZ Buchenwald in Leipzig in Abtnaundorf. Inwiefern aber ist bekannt wo sie die Monate und Jahre ihrer Zwangsarbeit leben mussten und wo die anderen KZ-Außenlager und Betriebe waren, in denen sie u.a. Rüstungsteile herstellen mussten? Wir sehen es als unsere Aufgabe, dieses Unrecht im allgemeinen Bewusstsein zu verankern und erwarten deswegen das angekündigte Erinnerungskonzept der Stadt Leipzig.

 

Wir fragen an:

 

  1. In welcher Form und welche Experten (Wissenschaft/ Bürger*innenschaft/ Gedenkinitiativen/ Pädagog*innen etc.) sollen bzw. werden bei der Konzepterstellung beteiligt?
  2. Wie wird die Konzepterarbeitung mit der Stiftung Sächsische Gedenkstätten abgestimmt und welche Aspekte soll das Konzept in diesem Zusammenhang berücksichtigen?
  3. Inwiefern ist geplant, ein Erinnerungs- und Bildungskonzept spezifisch für die nächsten Generationen bereitzustellen und auf welche Zielgruppe(n) wird sich das Konzept unter Einbezug welcher gedenkstättenpädagogischen Methoden und Maßnahmen ausrichten?
  4. Wann wird die Stadtverwaltung das Erinnerungskonzept dem Stadtrat vorlegen?