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Vorlage - VII-Ifo-00510  

 
 
Betreff: Ganztagsangebote an Leipziger Schulen in den Schuljahren 2018/19 und 2019/2020
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Informationsvorlage
Einreicher:Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule
Beratungsfolge:
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Information zur Kenntnis
DB OBM - Vorabstimmung
FA Jugend und Schule Information zur Kenntnis
09.01.2020    FA Jugend und Schule      
Ratsversammlung Information zur Kenntnis
22.01.2020 
Ratsversammlung      

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

 

Die Information wird zur Kenntnis genommen.

 

 

Räumlicher Bezug:

 

Die in der Vorlage enthaltenen Informationen beziehen sich auf die allgemeinbildenden Schulen in Trägerschaft der Stadt Leipzig aller Stadtteile.

 

Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

 

Die Vorlage informiert zur quantitativen und qualitativen Entwicklung der Leipziger Schulen mit Ganztagsangeboten in den Schuljahren 2018/19 und 2019/2020, zu veränderten Rechtsgrundlagen, zu verschiedenen Qualitätsmerkmalen im Ganztag und zu unterstützenden Maßnahmen des Schulträgers in Kooperation mit anderen Bildungsakteuren. Die Stadt Leipzig trägt in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Schule und Bildung am Standort Leipzig und den Schulfördervereinen dafür Sorge, dass die Schulen Ganztagsangebote in guter Qualität umsetzen können und folgt damit den im Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2030 und im Konzept Integrierten Kinder- und Jugendhilfeplanung festgelegten Handlungsschwerpunkten zu den strategischen Zielen „Leipzig setzt auf Lebensqualität“ und „Leipzig schafft soziale Stabilität“.

 

 

 

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Finanzielle Auswirkungen

x

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

 

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

 

nein

 

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

 

ja

 

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Ja

x

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:

 

 

 


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultu

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftskultur

Vorsorgendes Flächen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele: >beim Ausfüllen bitte überschreiben: max. 60 Zeichen ohne Leerzeichen

 

trifft nicht zu

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschreibung des Abwägungsprozesses:

 

Nicht erforderlich.

 

 


I. Eilbedürftigkeitsbegründung

 

Nicht erforderlich.

 

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit

 

Die Vorlag ist öffentlich.

 

 

III.  Strategische Ziele

 

Ganztagsangebote (GTA) sind ein wesentliches Qualitätsmerkmal für Schulentwicklung. Sie erweitern das Spektrum an Möglichkeiten, den schulischen Erziehungs- und Bildungsauftrag ganzheitlich umzusetzen und tragen zu mehr Chancengerechtigkeit und Bildungserfolg sowie zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei. Sie unterstützen den Ausbau von Stärken und helfen Defizite und sozial bedingte Ungleichheiten abzubauen (vgl. Fachempfehlung GTA, 2019, S. 3). In diesem Zusammenhang werden professionelle außerunterrichtliche Koope­rationspartner wie Sport-, Kultur- und Jugendvereine, Musikschulen, freischaffende Künstler und andere in den ganztägig strukturierten Schulalltag involviert und Kooperationen geschlossen. Ganztagsangebote haben durch die Vielfalt an Fördermaßnahmen, Projekten, außerunterrichtlichen Freizeitangeboten und Kooperationen mit Bildungspartnern Einfluss auf die Schule als Lern- und Lebensort und auf die Qualität schulischer Bildung. Sie zielen auf „Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt“, „Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote“ sowie „quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraumangebote“ in den Handlungsschwerpunkten „Leipzig schafft soziale Stabilität“ und „Leipzig setzt auf Lebensqualität“ des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes 2030. Sie unterstützen zudem das im Fachkonzept Kommunale Bildungslandschaft (C 2.4) festgeschriebene Ziel der konzeptionellen Öffnung von Bildungs­einrichtungen, Vernetzung im Sozialraum und Kopplung mit non-formalen Bildungsangeboten.[1]

 

IV. Sachverhalt

 

1. Anlass

 

Die Vorlage versteht sich als weiterführende Information zu den Vorlagen VI-DS-03157 und VI-DS-05827. Sie informiert zum Stand von Ganztagsangeboten (GTA) in den Schuljahren 2018/19 und 2019/20, insbesondere an den Leipziger Schulen, die über den Schulträger, das Amt für Jugend, Familie und Bildung, ihren Antrag auf Zuweisung finanzieller Mittel stellten. Die nächste Berichterstattung gegenüber dem Stadtrat ist 2021 für die Schuljahre 2020/21 und 2021/2022 vorgesehen.

 

2. Ausführliche Darstellung der Information

 

2.1 Rechtliche Grundlagen und Qualitätsrahmen

 

Mit Ablauf des 31. Juli 2019 trat das Sächsische Ganztagsangebotsgesetz (SächsGTAG) außer Kraft. Gleiches galt für die Sächsische Ganztagsangebotsverordnung (SächsGTAVO) vom 17. Januar 2017. Die Ermächtigungsgrundlage für den Erlass oder die Änderung der SächsGTAVO ist seit 1. August 2018 § 16a Abs. 3 des Sächsischen Schulgesetzes (SächsSchulG). Vor diesem Hintergrund wurde die Sächsische Ganztagsangebotsverordnung vom 17. Januar 2017 inhaltlich modifiziert. Sie trat rückwirkend zum 9. Januar 2019 unbefristet in Kraft. Die SächsGTAVO vom Januar 2019 enthält folgende Veränderungen:

Paragraf 1 – Zweckbestimmung

Vorgesehen ist die verpflichtende Gewährung zweckgebundener Zuweisungen für allgemeinbildende Schulen mit GTA. Neu ist die stärkere Verzahnung von Fachunterricht und Ganztagsangeboten. Die Förderung der Lebenskompetenz der Schüler/-innen durch GTA soll vor allem über Sport, Musik und Kunst erfolgen.

Paragraf 2 – Mindestanforderungen

Wurden bisher insbesondere die Arbeitsgemeinschaften und Förderangebote als unterrichtsergänzende Maßnahmen im Ganztag verstanden, so definiert die neue Verordnung Ganztagsangebote als unterrichtsergänzende Maßnahmen, insbesondere zusätzliche Bildungs- und Förderangebote sowie Arbeitsgemeinschaften. Damit einher geht eine veränderte Wichtung der zu fördernden Maßnahmen zugunsten zusätzlicher Bildungs- und Förderangebote.

Paragraf 5 – Berechnung der Zuweisung  

Ab dem Schuljahr 2019/20 wird der Sockelbetrag für allgemeinbildende Schulen (Grund- und Oberschulen, Gymnasien) auf 4.000 € und für Förderschulen auf 6.000 € angehoben. Für im Aufbau befindliche Schulen ist wie bei den bereits bestehenden Schulen die Schülerzahl die Berechnungsgrundlage für die Zuweisung. Allerdings wird die Schülerzahl bei den im Aufbau befindlichen Schulen mit „2“ multipliziert.

Ab dem Schuljahr 2019/20 beträgt die Schulklubpauschale bis zu 10.000 € je Schuljahr (in den vorangegangenen Schuljahren waren es 6.000 €), wobei die Erklärung des Antragsstellers erforderlich ist, dass eine finanzielle Beteiligung in Höhe von mindestens 50 % der gewährten Schulklubpauschale erfolgt.

Mit dem „Qualitätsrahmen Ganztagsangebote“[2] veröffentlichte das Sächsische Staatsministerium für Kultus (SMK) Anfang 2019 ein für die Schulen wichtiges Instrument zur Qualitätsentwicklung und zur Umsetzung der Fachempfehlung „Ganztagsangebote an Sächsischen Schulen“. Es basiert auf langjährigen Erfahrungen sächsischer Schulen und wissenschaftlicher Begleitforschung, enthält Maßstäbe für gute Qualität im Ganztag und gibt Hinweise zur Ausgestaltung der GTA, zur Ermittlung des Ist-Standes bzw. zur Fortschreibung der Ganztagskonzeption. Das Landesamt für Schule und Bildung berät die Schulen bei der Umsetzung des Qualitätsrahmens.

 

2.2 Quantitative Entwicklung

 

Im Schuljahr 2018/19 führten von 126 antragsberechtigten Schulen 117 Schulen (93 %) Ganztagsangebote durch. Vier weitere Schulen kamen im Vergleich zum Schuljahr 2017/18 hinzu: die 9. Schule, Grundschule der Stadt Leipzig und drei im Aufbau befindliche Schulen: die Schule Bernhard-Göring-Straße, Grundschule der Stadt Leipzig, die Schule Diderotstraße, Oberschule der Stadt Leipzig und die Schule Ratzelstraße, Oberschule der Stadt Leipzig. Nach einjähriger Pause kam die Wladimir-Filatow-Schule, Förderzentrum für Blinde und Sehbehinderte, wieder hinzu. Betrachtet man die zahlenmäßige Entwicklung der Schulen mit GTA insgesamt (vgl. Abb. 1) und beginnend ab dem Jahr 2004, so hat sich ihre Zahl von 9 % im Jahr 2004 auf 95 % im Schuljahr 2019/20 erhöht. Damit gibt es in allen Stadtteilen und insbesondere den im INSEK ausgewiesenen Schwerpunktgebieten der Stadtentwicklung[3] nahezu flächendeckend Schulen mit Ganztagsangeboten.

Abbildung 1: Anzahl der Schulen mit GTA 2004 bis 2019/20

Im laufenden Schuljahr 2019/20 gibt es in Leipzig von 128 antragsberechtigten Schulen 122 Schulen mit Ganztagsangeboten (95 %). Fünf weitere Schulen sind hinzugekommen: die Schule Ihmelstraße, Oberschule der Stadt Leipzig, die Hans-Christian-Andersen-Schule, Grundschule der Stadt Leipzig, die Kurt-Biedermann-Schule, Förderzentrum für Erziehungshilfe, die Schule Karl-Heine-Straße, Gymnasium der Stadt Leipzig und die 46. Grundschule (Wiedereinsteiger). Lediglich sechs Leipziger Grundschulen haben bislang bzw. temporär keine Ganztagsangebote.

Um von der GTA-Zuweisung zu profitieren, haben die Schulen die Möglichkeit, ihren Antrag entweder über den Schulförderverein (so vorhanden) oder über den Schulträger, das Amt für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig, zu stellen.

Sowohl bei den Anträgen über die Schulfördervereine als auch über den Schulträger sind in den letzten Jahren Zuwächse zu verzeichnen, wobei in den letzten Jahren vermehrt Schulen über den Schulträger einen Antrag auf Zuweisung gestellt haben (vgl. Abb. 2).

Abbildung 2: Zahl der GTA-Anträge über die Schulfördervereine und den Schulträger als Antragsteller

 

2.3 Fördermittelvolumen

 

Seit der Einführung von Ganztagsangeboten bis zum laufenden Schuljahr 2019/20 haben die Schulen in Trägerschaft der Stadt Leipzig rund 37,3 Mio € Fördermittel/Zuweisungen (vgl. Abb. 3) erhalten. Im Schuljahr 2018/2019 erhielten 117 Schulen 3,13 Mio € und im Schuljahr 2019/20 sind es für 122 Schulen ~ 5,4 Mio €, was einer Steigerung um 72 % entspricht.

Von den insgesamt 5,4 Mio € im Schuljahr 2019/20 entfällt auf den Schulträger eine Zuweisung in Höhe von 2,43 Mio € für 58 allgemeinbildende Schulen. 2,97 Mio € Zuweisungen erhalten die Schulfördervereine als Antragsteller für 64 allgemeinbildende Leipziger Schulen.

 

Hintergründe für diese Steigerungen sind zum einen die Entstehung neuer Schulen in Leipzig und damit einhergehende steigende Schülerzahlen. Zum anderen hat der Freistaat Sachsen in der SächsGTAVO vom 9. Januar 2019 die Schülerpauschale, den Sockelbetrage und die Schulklubpauschale deutlich erhöht.

 

Abbildung 3: Entwicklung des GTA-Fördermittelvolumens bzw. der GTA-Zuweisung in €

 

 

2.4 Organisationsformen

 

Hinsichtlich der Organisationsform (Teilnahmeverbindlichkeit für die Schüler/-innen) bevorzugten knapp 69 % aller Schulen, die über den Schulträger den Antrag auf Zuweisung gestellt haben, im vergangenen Schuljahr eine offene Organisationsform. Diese Form stellt den Familien die Entscheidung über die Teilnahme an Ganztagsangeboten frei. Die Schulen können hierbei flexibel auf die Bedürfnisse der Schüler/-innen reagieren. Im Vergleich zum vorangegangenen Schuljahr ist die offene Organisationsform (72 %) leicht rückläufig. Dafür ist ein leichter Zuwachs (um 3 %) ist bei den teil- bzw. vollgebundenen Organisationsformen zu verzeichnen. Als verpflichtende Teilnahme eines Teils der Schüler/-innen an den Ganztagsangeboten stellen diese Organisationsformen qualifizierte Anforderungen an eine Verknüpfung des Schulprogramms mit dem pädagogischen Konzept im Ganztagsbereich. Das betrifft insbesondere die Tagesstruktur, die ausgewogene Balance zwischen Unterricht, Förder- und Freizeitangeboten, den zweckmäßigen Einsatz von personellen und zeitlichen Ressourcen und den Grad der Vernetzung mit externen Partnern. Im Schuljahr 2018/19 bevorzugten 31 % der Schulen die teil- bzw. vollgebundene Organisationsform.

2.5 Schülerteilnahme

 

Zu Beginn des Jahres 2019 veranlasste der Schulträger erstmals eine Abfrage zur Schülerbeteiligung an den Ganztagsangeboten im Schuljahr 2018/19. Die Befragung richtete sich auch an die Schulen, die über die Schulfördervereine die Zuweisung beantragten. Von insgesamt 117 Schulen sendeten 75 den Fragebogen ausgefüllt zurück, was einem prozentualen Anteil von ca. 65 % entspricht. Ermittelt wurden Zahlen zur Teilnahme der Schüler/-innen an den einzelnen Angeboten, hierbei jedoch keine individuellen schülerbezogenen Daten. Statistisch gesehen nahm jede/-r Schüler/-in der Schule an zwei bis drei Ganztagsangeboten pro Woche teil. Die Beteiligung der Schüler/-innen an den Ganztagsangeboten an den Grund-, Ober- und Förderschulen ist insgesamt höher als an den Gymnasien. Geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich der Teilnahme an den Angeboten im Ganztag wurden nicht festgestellt.

 

2.6 Inhaltliche Schwerpunkte

 

Jede Schule entscheidet eigenverantwortlich und bedarfsgerecht über die inhaltliche Ausgestaltung ihres Ganztagsangebotes. Die Aufteilung der zugewiesenen GTA-Mittel wird in der Schulkonferenz diskutiert und beschlossen. Die Ganztagsangebote reichen von leistungsdifferenzierten Lernangeboten über freizeitpädagogische Angebote bis hin zu offenen niederschwelligen Angeboten im Schulklub. Gemäß dem erwähnten „Qualitätsrahmen Ganztagsangebote“ sind insbesondere die Angebote zur individuellen Förderung aller Schüler/-innen ein wichtiges Qualitätsmerkmal ganztägiger Schulentwicklung[4]

2.6.1 Leistungsdifferenzierte Förderung und Forderung

Der leistungsdifferenzierten Förderung und Forderung kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie einen wichtigen Beitrag zum Kerngeschäft von Schule, zur leistungsdifferenzierten und schülerorientierten Vermittlung von Lerninhalten leistet. Förder- und Forderangebote werden an allen Schulen durchgeführt, wobei die Anzahl stark variiert. An manchen Schulen finden sich weniger als drei Angebote zur leistungsdifferenzierten Förderung und Forderung, an anderen bis zu zehn. Neben der Gesamtschülerzahl der jeweiligen Schule spielt hier auch die Lage im Stadtgebiet eine Rolle.

Angebote zur leistungsdifferenzierten Förderung und Forderung richten sich sowohl an lernschwache als auch an lernstarke Schüler/-innen, befördern den Abbau von individuellen Defiziten (Dyskalkulie, LRS) unterstützen die Entwicklung der Lesekompetenz, der Konzentration und sozialer Kompetenzen, schließen die Hausaufgabenbetreuung ein und helfen dabei, die Übergänge zu weiterführenden Schularten zu erleichtern.

Im Schuljahr 2018/19 wurden an den 55 Schulen, die über den Schulträger GTA beantragten, insgesamt 983 verschiedene Ganztagsangebote durchgeführt. Davon waren 181 Angebote Kurse zur leistungsdifferenzierten Förderung und Forderung, was einem prozentualen Anteil von 18 % entspricht. Auffällig ist, dass an den 29 Grundschulen, die über den Schulträger den Antrag auf Zuweisung stellten, mehr als die Hälfte aller unterbreiteten Angebote leistungsdifferenzierte Angebote zur Förderung und Forderung sind. An den 5 Gymnasien liegt der prozentuale Anteil nur noch bei 8 %. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt.

Abbildung 4: Leistungsdifferenzierte Förderung und Forderung nach Schularten; Schuljahr 2018/19

 

2.6.2 Freizeitpädagogische Angebote

Freizeitpädagogische Angebote werden als ein weiteres Merkmal im Ganztag definiert und unterstützen die Schaffung kinder-, jugend- und familienfreundlicher Lebensbedingungen gemäß der Integrierten Kinder- und Jugendhilfeplanung 2019 bis 2024.

Freizeitpädagogische Angebote sind überaus vielfältig und unterstützen Schüler/-innen bei der Herausbildung und Entwicklung von Interessen, Talenten und Neigungen. Gemäß der Fachempfehlung „Ganztagsangebote an sächsischen Schulen“[5] können sie folgende Themenbereiche abdecken und sollten über einen längeren Zeitraum (mind. ein halbes Schuljahr) angeboten werden:

 

        spiel-, sport- und bewegungsorientierte Angebote,

        musisch-kulturelle Angebote,

        praktisch-technische Angebote,

        mathematisch-naturwissenschaftliche Angebote,

        Angebote im gesellschaftlich-sozialen Tätigkeitsbereich und

        Entspannungsangebote.

 

Die Auswertung der durchgeführten Ganztagsangebote an den 55 Schulträgerschulen im Schuljahr 2018/19 erfolgte zu den musisch-kulturellen, spiel-, sport- und bewegungsorientierten und mathematisch-naturwissenschaftlichen Angeboten.

Musisch-kulturelle Angebote sind mit 36 % die am häufigsten stattfindenden Kurse. Dazu zählen vor allem Angebote wie darstellendes Spiel, Theater, Chöre, Ensembles, Schulbands, kreatives Gestalten, Töpfern, Malen und Zeichnen und weitere. Es folgen die spiel-, sport- und bewegungsorientierten Angebote (24 %). Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Angebote sind deutlich unterrepräsentiert.

Für das Schuljahr 2019/20 liegen noch keine Daten vor.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung 5: Ganztagsangebote im Schuljahr 2018/19 (55 Schulen), dargestellt nach inhaltlichen Bereichen

 

 

2.6.3 Kooperation mit außerschulischen Partnern

Kooperation ist ein wesentliches Qualitätsmerkmal von Schulen mit GTA und Ausdruck eines umfassenden Bildungs- und Leistungsverständnisses, das die Ressourcen von Bildungspartnern und anderen Lernorten mit einbezieht, den Bedarfen entsprechend regelmäßig überprüft und anpasst. Zudem gibt es zwischen Grundschule und Hort eine Kooperationsvereinbarung, die jährlich zu aktualisieren ist.

Bei der Ermittlung des im Schuljahr 2018/19 im GTA tätigen Personals (Vergleichszahlen zu anderen Jahren liegen nicht vor) wurde festgestellt, dass 46 % aller Kurse, Angebote und Projekte von externen Partnern wie Vereinen, Institutionen (Kultur-, Sport-, Umwelt- und Jugendvereinen) und Gewerbetreibenden (Logopäden, Ergotherapeuten, Heilpraktikern, Künstlern) auf der Grundlage von Kooperationsverträgen durchgeführt werden. Viele der externen Partner sind seit mehreren Jahren im Ganztag tätig und gestalten die Angebote in vertrauensvoller und wertschätzender Zusammenarbeit mit den Schulen. Weitere 36 % aller Ganztagsangebote werden von Lehrer/-innen und Erzieher/-innen der jeweiligen Schule unterbreitet, 11 % von Studierenden und 7 % von Senior/-innen und ehemaligen Lehrer/-innen.

 

Abbildung 6: In GTA tätiges Personal im Schuljahr 2018/19

 

 

Vor allem die die Schulklubs betreuenden freien Träger der Jugendhilfe ermöglichen den Ausbau niedrigschwelliger Partizipationsangebote und beziehen Interessen und Bedarfe von Kindern und Jugendlichen gemäß integrierter Kinder- und Jugendhilfeplanung in die Schulklubarbeit ein. In beiden Schuljahren gab/gibt es an 16 Ober-, Förderschulen und Gymnasien mit GTA einen Schulklub.

 

2.7 Durchgeführte und geplante Maßnahmen

 

Seit Beginn der ganztägigen Schulentwicklung im Jahr 2005 begleitet der Schulträger in enger Kooperation mit anderen Bildungsinstitutionen und -partnern die Schulen bei der Verbesserung der Qualität der Ganztagsangebote, führt thematische Veranstaltungen, Fachtage, Workshops und Hospitationen durch.

Im Schuljahr 2018/19 wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

MINT-Fachtag am 13. November 2018

Am 13. November 2018 fand – vor dem Hintergrund der an den Schulen noch immer unterrepräsentierten Zahl der MINT-Angebote – ein MINT-Fachtag in enger Kooperation mit der Universität Leipzig, der VdI GaraGe gemeinnützige GmbH und dem Landesamt für Schule und Bildung, Standort Leipzig, statt. Er richtete sich an Pädagogen, Elternvertreter sowie Interessierte von allgemeinbildenden und weiterführenden Schulen mit und ohne Ganztagsangebote. Über 20 verschiedene Vereine und Akteure der MINT- und Umweltbildung sowie Schulen stellten praxisnah ihre MINT-Angebote und MINT-Projekte, die für Ganztagsangebote, Projekte und Kurse geeignet sind, vor. 80 Personen aus Schulen in öffentlicher und in freier Trägerschaft nahmen am Fachtag teil. Der 2016 gefasste Stadtratsbeschluss (VI-A-03526-VSP-01) zur Durchführung einer entsprechenden Veranstaltung wurde damit umgesetzt.

Forum Umwelt- und Klimaschutz am 5. Juni 2019

Eine weitere Veranstaltung für die Schulen zum Thema fand am 5. Juni 2019 im Leipziger KUBUS, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung statt. Das Forum zum „Umwelt- und Klimaschutz im Kontext ganztägiger Schulentwicklung“ beschäftigte sich unter anderem mit Fragen zu den Folgen des Klimawandels in Mitteleuropa, zur Luftverschmutzung, zur Bildung für nachhaltigen Entwicklung, zur Grünen Woche in der Schule u.v.m. Das Forum wurde von vielen wissenschaftlichen Institutionen, Akteuren und Vereinen der Umweltbildung der Stadt Leipzig, dem Landesamt für Schule und Bildung, Standort Leipzig sowie von Leipziger Schulen aktiv mitgestaltet. Ca. 90 Teilnehmer/-innen besuchten das Forum.

Leseförderprojekt „Heldengeschichten“

Das Leseförderprojekt „Heldengeschichten“, welches vor zwei Jahren gemeinsam mit der Uni Leipzig initiiert wurde und an zwei Leipziger Grundschulen stattfand, konnte inzwischen auf neun Grundschulen in Leipzig (Pablo-Neruda-Schule, Lessingschule, 120. Schule, 78. Schule, Geschwister-Scholl-Schule, Wilhelm-Busch-Schule, 9. Schule, Hans-Christian-Andersen-Schule, Ernst-Pinkert-Schule) erweitert werden. Ziel ist die Entwicklung fester Projektschulen, die nicht nur für ein Jahr am Projekt teilnehmen, sondern langfristig involviert sind, die Bausteine zur Leseförderung erproben und Ergebnisse im Sinne der empirischen Forschung ermöglichen. Der dazu in Produktion befindliche Projektfilm (Stop-Motion-Technik) soll nach Abschluss auch anderen Schulen zu Beginn des Schuljahres 2019/20 zugänglich gemacht werden.

 

Im Schuljahr 2019/20 wurden weitere unterstützende Maßnahmen zur Verbesserung der Qualität der Ganztagsangebote umgesetzt bzw. sind in Vorbereitung. Neben den am Schuljahresanfang traditionell stattfindenden Informationsveranstaltungen zum webbasierten Abrechnungs- und Buchhaltungsprogramm FABelF bzw. zu allgemeinen – den Ganztag betreffenden – Hinweisen (durchgeführt am 19., 20. und 27. August 2019), ist eine besonders vielversprechende Maßnahme das „START-Training – Wir schaffen Übergänge“.

START-Training Wir schaffen Übergänge

Das START-Training wurde von der Universität Leipzig und dem Zentrum für Lehrerbildung und Schulforschung ausgehend von Erfahrungen der Initiative „Schule mit Zukunft“ entwickelt. Es zielt darauf ab, Bildungsübergänge in den Klassenstufen 1 und 5 aktiv zu gestalten. Lehramtsstudierende unterstützen dabei Grund- und Oberschulen. Ihre Arbeit wird als Studienleistung anerkannt und/oder über GTA-Zuweisungen honoriert.

Die Studierenden arbeiten bis zu zehn Stunden wöchentlich individuell mit Schüler/-innen, die Schwierigkeiten beim Übergang von der Kita zur Grundschule bzw. Defizite in der Lesefähigkeit und Feinmotorik haben. Die Fünftklässler der Oberschulen werden durch individuelle Förderung beim Lernen unterstützt. Ziel ist die Verbesserung der Lernleistungen lernschwacher Schüler/-innen. Darüber hinaus sammeln die Studierenden Unterrichtserfahrungen und bekommen Einblicke in den gesamten Schulalltag.

35 Leipziger Schulen (23 Grundschulen, 11 Oberschulen und die Nachbarschaftsschule) sind seit Beginn des Schuljahres 2019/2020 in das Projekt involviert. Mit 51 Lehramtsstudierenden wurden entsprechende Honorarverträge (16 € pro Zeitstunde bzw. 12 € pro Unterrichtsstunde) durch den Schulträger abgeschlossen. Diese gelten vorerst vom 19.08.2019 bis zum 30.01.2020 und umfassen ein Honorarvolumen von ~ 103.000,00 € (bezogen auf 12 Grundschulen und 4 Oberschulen, die über den Schulträger die Zuweisung für GTA beantragt haben).

Seminarfachtag für Kita- und Schulfördervereine am 21.09.2019

Zur Stärkung der Rolle der Schulfördervereine im Ganztag, zu damit einhergehenden Rechten und Pflichten, Verantwortlichkeiten und Datenschutz, fand am 21.09.2019 in der Immanuel-Kant-Schule, Gymnasium der Stadt Leipzig, der Seminarfachtag für Kita- und Schulfördervereine 2019 statt. Der Sächsische Landesverband der Kita- und Schulfördervereine e.V. war Initiator dieser Veranstaltung in Kooperation mit dem Schulträger. 52 Vertreter/-innen von sächsischen Schulfördervereinen waren der Einladung gefolgt und setzen sich mit Fragen zu GTA und zum Vereins- und Steuerrecht auseinander. 51 % aller teilnehmenden Schulfördervereine kamen von Leipziger Schulen.

Fortführung Projekt “Heldengeschichten“ Veranstaltung am 28.11.2019

Das Projekt zur Leseförderung „Heldengeschichten“ wird auch 2019/20 fortgeführt. Eine Veranstaltung mit der Uni Leipzig, den Schulen, einem Wissenschaftsexperten für Kognition und Lesen der Uni Bochum und dem Klett-Kinderbuch-Verlag ist für o. g. Termin geplant. Neben der Uraufführung des Projektfilmes werden Ergebnisse aus den Projektbausteinen vorgestellt und diskutiert.

Veranstaltung „Gesunde Ernährung, nachhaltig leben im Kontext von Ganztagsangeboten“ rz 2020

Gesundheitsförderung und Präventionsarbeit, vor allem durch gesunde und ausgewogene Ernährung, sind immer wieder Inhalte von Ganztagsangeboten und Kursen. Dabei stehen Zutaten und Zubereitung von Speisen, jahreszeitliche Obst- und Gemüsesorten und Kräuter aus der Region und deren Bedeutung für die gesunde Ernährung im Mittelpunkt. Die Veranstaltung ist in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Schule und Bildung, Standort Leipzig und anderen Partnern für die 12. Kalenderwoche (16. - 20. März 2020) in Vorbereitung.


[1] Fachkonzept Kommunale Bildungslandschaft INSEK Leipzig 2030

[2] Qualitätsrahmen Ganztagsangebote des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus 2019

[3] INSEK 2030, S. 16

[4] Qualitätsrahmen Ganztagsangebote des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus 2019, S. 14

[5] Fachempfehlung „Ganztagsangebote an sächsischen Schulen“ des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus, 2019, S.10