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Vorlage - VII-A-00433-VSP-01  

 
 
Betreff: Fachkräfteoffensive für soziale Berufe in Leipzig
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Verwaltungsstandpunkt
Einreicher:Dezernat Allgemeine VerwaltungBezüglich:
VII-A-00433
Beratungsfolge:
Dienstberatung des Oberbürgermeisters
DB OBM - Vorabstimmung
FA Jugend und Schule Vorberatung
06.02.2020    FA Jugend und Schule      
05.03.2020    FA Jugend und Schule      
FA Soziales und Gesundheit Vorberatung
24.02.2020    FA Soziales und Gesundheit      
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
09.03.2020 
Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis genommen     
Ratsversammlung Beschlussfassung
25.03.2020 
AUSFALL - Ratsversammlung vertagt     
29.04.2020    Ratsversammlung      

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Rechtliche Konsequenzen

Der gemäß Ursprungsantrag gefasste Beschluss wäre

Rechtswidrig und/oder

Nachteilig für die Stadt Leipzig.

 

 

Zustimmung (zu BP 2)

Ablehnung

Zustimmung mit Ergänzung

Sachverhalt bereits berücksichtigt

Alternativvorschlag (zu BP 1)

Sachstandsbericht

 

 

Beschlussvorschlag:

 

  1. Die Stadt Leipzig erstellt auf Basis einer Personalbedarfsprognose für die kommenden zehn Jahre ein Positionspapier für die Staatsregierung, um die Probleme aufzuzeigen, die auf Ebene des Freistaates gelöst werden müssen. Das Positionspapier wird vorab mit den Freien Trägern abgestimmt. Das abgestimmte, gemeinsame Positionspapier der Stadt Leipzig mit den Freien Trägern wird der Staatsregierung übergeben.

 

  1. Die Stadt Leipzig entwickelt eine Kampagne zur Gewinnung von Fachkräften in den sozialen Berufen.

 

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Finanzielle Auswirkungen

x

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

 

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

x

nein

 

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

 

ja

 

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Ja

x

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:

 

 

 


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultu

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftskultur

Vorsorgendes Flächen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele:

 

trifft nicht zu

 

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I. Eilbedürftigkeitsbegründung

 

nicht relevant

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit

 

nicht relevant


 

III. Sachverhalt/Begründung

 

1 Zu Beschlusspunkt 1 (Alternativvorschlag)

 

Die Intention des Antrages ist aufgrund des bundesweiten Bedarfs an Fachkräften im Erzieherbereich zu begrüßen. Allerdings wird ein gemeinsames Konzept zur Fachkräftegewinnung mit den Freien Trägern im Stadtgebiet das landes- und bundesweite Fachkräfteproblem im sozialen Bereich nicht lösen. Die folgenden Problemlagen verdeutlichen, dass die Stadt Leipzig und die Freien Träger als Akteure nur einen sehr begrenzten Handlungsspielraum haben. Lösungen müssen zunächst an übergeordneter Stelle gefunden und umgesetzt werden.

 

geringe Attraktivität der Ausbildung aufgrund der langen Dauer der Ausbildung:

Aktuell müssen Schulabsolventinnen und Schulabsolventen i. d. R. zunächst eine einjährige (Abiturienten) bzw. zweijährige (Realschüler) unbezahlte, vollschulische Ausbildung zur Sozialassistentin/zum Sozialassistenten absolvieren, bevor sie anschließend die dreijährige, unbezahlte Erzieherausbildung beginnen können. Die lange Dauer der Ausbildung schreckt ab. Dies kann allein durch eine Änderung der Fachschulordnung durch den Freistaat Sachsen geändert werden.

 

geringe Attraktivität der Ausbildung aufgrund der fehlenden Vergütung:

Die fehlende Vergütung und die selbst zu tragenden Ausbildungskosten sind für Schüler/-innen ein wesentlicher Grund die Ausbildung im Erzieherbereich nicht aufzunehmen. Gemäß einer Studie der Prognos AG in Kooperation mit dem Institut für Demoskopie Allensbach vom Dezember 2018 wären bis 2030 insgesamt 50.000 Schüler mehr bereit die Ausbildung aufzunehmen, wenn eine Vergütung gezahlt würde. Auch der Landesjugendhilfeausschuss hat in seinen Empfehlungen vom 18. Dezember 2018 die Sächsischen Ministerien darauf aufmerksam gemacht, eine Ausbildungsvergütung einzuführen. Die bundesweite Jugend- und Familienministerkonferenz hat im Mai 2018 ebenso eine Ausbildungsvergütung gefordert. Auch der Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2019 kommt zur Erkenntnis, dass im Freistaat Sachsen Verbesserungen im Ausbildungssystem notwendig sind. Dies umfasst eine kostenfreie Ausbildung inkl. einer angemessenen Ausbildungsvergütung sowie einer Renten- und Sozialversicherungspflicht. Für diese Maßnahmen sind zusätzliche Finanzmittel erforderlich.

 

Die Stadt Leipzig wird gemeinsam mit den Freien Trägern keine finanzierbare Lösung finden, um zukünftig alle Schüler/-innen in der Erzieherausbildung im Stadtgebiet (ca. 1.600) vergüten zu können. Ein Ausbildungsplatz mit Vergütung nach Tarifvertrag kostet pro Jahr ca. 17.000 €.

 

Die Stadtverwaltung selbst kann pro Jahr aufgrund begrenzter Ressourcen und Ausbildungskapazitäten in den Einrichtungen "nur" 50 Auszubildende und 10 Studierende einstellen und vergüten (insgesamt über 3 Jahre: 180 Nachwuchskräfte). Darüber hinaus fördert das Amt für Jugend, Familie und Bildung weitere 50 Ausbildungsplätze bei den Freien Träger für die Ausbildungsjahre 2019/2020 sowie 2020/2021. Über zusätzliche Fördermaßnahmen ab dem Ausbildungsjahr 2021/2022 wird im Rahmen der Aufstellung und des Beschlusses des jeweiligen Doppelhaushaltes entschieden.

 

Eine Beteiligung des Freistaates Sachsen an den Ausbildungskosten ist unerlässlich, um einheitlich im gesamten Freistaat die Attraktivität der Ausbildung zu erhöhen. Ein Alleingang der Stadt Leipzig mit ihren Freien Trägern löst das sächsische Problem nicht. Es kann sogar vielmehr dazu führen, dass es noch stärkere Abwanderungsbewegungen zwischen den Regionen in Sachsen gibt. Im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung ist als Ziel formuliert (Seite 20), dass die Länder aus ihren Mitteln weitere Formen der berufsbegleitenden oder praxisintegrierten Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern fördern. Im Rahmen des Förderprogramms des Bundes (Bundesfachkräfteoffensive) erhält die Stadtverwaltung Leipzig aktuell eine finanzielle Unterstützung für die Ausbildungskosten für neun Auszubildende. Weitere Förderplätzen standen nicht zur Verfügung. Dieses Förderprogramm ist begrenzt für die Einstellungsjahre 2019 und 2020. Eine generelle politische Entscheidung zur Finanzierung der Ausbildungsvergütung ist unerlässlich. Im Koalitionsvertrag der evtl. künftigen Sächsischen Staatsregierung wird die Absicht formuliert, seitens der Staatsregierung zu prüfen, die Träger der Ausbildung beispielsweise bei der Vergütung außerhalb des Personalschlüssels zu unterstützen.

 

 

begrenzte Ausbildungskapazitäten in den Kindertageseinrichtungen:

Gemäß Fachschulordnung dürfen Auszubildende nur von vorab ausgebildeten Praxisanleiterinnen und Praxisanleitern betreut werden. Die zusätzliche Tätigkeit als Praxisanleiter/-in wird nicht im Personalschlüssel berücksichtigt. Ohne entsprechende Regelungen durch die Staatsregierung wird es kaum möglich sein, noch weitere Erzieher/-innen für die zusätzliche Tätigkeit als Praxisanleiter/-in zusätzlich zum Tagesgeschäft zu motivieren. Dass hier die Sächsische Staatsregierung handeln muss, wurde erkannt. Im Koalitionsvertrag der evtl. künftigen Sächsischen Staatsregierung wird die Absicht formuliert, die Arbeit der Praxisanleiter/-innen durch die Anrechnung von zwei Stunden pro Woche und Fachschüler/-in auf den Personalschlüssel zu unterstützen.

 

Im Rahmen des Förderprogramms des Bundes (Bundesfachkräfteoffensive) konnte die Stadtverwaltung Leipzig keine finanzielle Unterstützung für die Vergütung der Praxisanleitertätigkeit beantragen. Da die Stadtverwaltung bereits drei Wochenstunden für Praxisanleiter/-innen vor Beginn des Förderprogramms finanziert hat, war eine zusätzliche Förderung ausgeschlossen.

 

geringe Einmündung nach Ende der Ausbildung aufgrund fehlender Bindung:

Aktuell besteht im Freistaat Sachsen das Problem, dass ein nicht geringer Teil der Absolventen der schulischen Ausbildung kein Arbeitsverhältnis bei einem Träger im Freistaat Sachsen antritt. Die Fachkräfte wandern zum Teil aufgrund besserer Arbeitsbedingungen in andere Bundesländer ab. Aus diesem Grund hat die TU Dresden im Auftrag des Sächsischen Staatsministerium für Kultus im Frühjahr 2019 mit einer Verbleibstudie begonnen. Leider haben sich nur 12 % der Befragten an der ersten Umfrage beteiligt. Die Mehrheit der Teilnehmer/-innen (91,4 %) wünscht sich einen direkten Einstieg ins Berufsleben, 94 % der Teilnehmer/-innen wollen nach Abschluss der Ausbildung im Freistaat Sachsen bleiben. Fraglich ist, ob diese Arbeitsverträge bei Trägern im Freistaat Sachsen abgeschlossen worden. Die Verbleibstudie wird in Wellen fortgeführt, um Gründe zu finden, ob und warum nicht alle Absolventinnen und Absolventen eine Arbeitsstelle im Freistaat Sachsen antreten.

 

Ein Grund ist sicher der Personalschlüssel. Im Krippenbereich hat Sachsen den schlechtesten, im Kindergartenbereich den zweitschlechtesten Personalschlüssel im Ländervergleich. Hier können keine kommunalen Lösungsansätze umgesetzt werden, der Freistaat Sachsen ist für die Festlegung des Personalschlüssels zuständig. Gemäß aktuellem Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme beträgt der tatsächliche Personalschlüssel im Mittel in Sachsen in der Kindergrippe 1 : 6,5 (1 Fachkraft für 6,5 Kinder). Der Durchschnitt aller Bundesländer liegt bei 1 : 4,7. Sachsen hat den ungünstigsten Personalschlüssel in diesem Bereich.

 

In Kindergartengruppen beträgt der tatsächliche Personalschlüssel im Mittel in Sachsen 1 : 12,9. Der Durchschnitt aller Bundesländer liegt hier bei 1 : 9,5. Sachsen belegt hier vor Mecklenburg-Vorpommern den vorletzten Platz im Ländervergleich.

 

Ein anderer Grund ist die fehlende Vergütung verbunden mit dem fehlenden Ausbildungsvertrag mit einer Praxiseinrichtung analog dualer Ausbildungen. Es gilt dazu das oben gesagte. Dass ein duales Ausbildungsverhältnis mit Ausbildungsvertrag zu einer guten Bindung nach dem Ende der Ausbildung führen kann, beweist die Bindungsquote der Stadtverwaltung in den anderen Ausbildungsrichtungen. 71,8 % der Absolventinnen und Absolventen der dualen Ausbildungen seit 2010 arbeiten aktuell noch in der Stadtverwaltung.

 

bundesweite Problemlage:

Gemäß der o. g. Prognos-Studie fehlen 199.000 Fachkräfte bis 2030 im Erzieherbereich. Eine regionale Lösung ist daher kaum möglich. Es müssen landes- und bundesweite Initiativen gestartet werden. Dies haben auch die Länder erkannt. Die Jugend- und Familienministerkonferenz hat im Mai 2018 die Arbeitsgemeinschaft der obersten Landesjugend- und Familienbehörden beauftragt, Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften zu forcieren und umzusetzen. Die im Dezember 2018 gestartete Bundesfachkräfteoffensive ist ein erster richtiger Schritt.

 

zu den weiteren Punkten aus dem Beschlussvorschlag:

  • Einsatz für die Erhöhung der notwendigen Ausbildungskapazitäten an den Fachschulen und Fachhochschulen:
    Die Schulplätze sind in den vergangen Jahren bereits erhöht worden. Allein in der Stadt Leipzig sind nach Auskunft des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus ca. 1.600 Schüler (Schuljahr 2018/2019) in der Erzieherausbildung bei den Fachschulen im Stadtgebiet. Dazu kommen ca. 857 Schüler in der Ausbildung zum Sozialassistenten. Das Grundproblem ist die fehlende Bindung an die Träger aufgrund fehlender Vergütung und fehlender Ausbildungsverträge (siehe oben). Eine Erhöhung der Ausbildungsplätze an den Fachschulen sollte auch vor dem Hintergrund erfolgen, dass sich ein Großteil aller Fachkräfte in Kitas und Horten für Teilzeitarbeit entscheidet. Die Fördermittel des Bundes sind "nur" ein Tropfen auf den heißen Stein. Für ganz Sachsen konnten maximal 250 Ausbildungsplätze gefördert werden (siehe ansonsten oben zur Bundesfachkräfteoffensive).
     
  • Einsatz für die Erleichterung der Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen:
    Dieser Einsatz ist richtig und wichtig, die Anerkennungsregelungen werden allerdings vom Freistaat bzw. dem Bund vorgegeben. Im Freistaat Sachsen ist das Landesamt für Schule und Bildung für die Anerkennung zuständig.

 

Aufgrund der Änderung der Sächsischen Qualifikations- und Fortbildungsverordnung pädagogischer Fachkräfte (SächsQualiVO) wurden auch die Ausschreibungstexte seit dem 10. Dezember 2019 an die neue Rechtslage angepasst und der Bewerberkreis entsprechend erweitert. Zu den Auswirkungen und Erfahrungen und zu der Frage, inwieweit die Rechtsänderung zur Besserung der Bewerbersituation beiträgt, kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden.

 

  • Förderung der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in sozialen Berufen (z. B. durch Refinanzierung eines Jobtickets oder Bereitstellung von Kinderbetreuung/Kitaplätzen für Erzieher/-innen):
    Dieser Ansatz ist zu begrüßen.
     

 

Die Fachkraftoffensive sollte grundlegend strategisch angelegt werden und sich folgenden weiteren Themen stellen:

 

-  angemessene Anrechnung von Auszubildenden ab dem 3. Ausbildungsjahr auf den Personalschlüssel in Kitas und Horten

 

-  Einstellungen mit zeitlichem Vorlauf zum tatsächlichen Bedarf - dadurch:

      Sicherung des Leistungsangebotes

      Sicherung guter Arbeitsbedingungen mit Sogwirkung auf weitere Fachkräfte

 

-   Entwickeln von „Motivationsboni“ zur Vollzeitarbeit für Erzieher/-innen in Kitas

 

-  Markt der Möglichkeiten, um Mitarbeiterbetreuung zu intensivieren mit den dafür erforderlichen Ressourcen

 

Der hohe Fachkraftbedarf in sozialen Berufen in ganz Deutschland durch zunehmende

Pflegebedürftigkeit, den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz bis zum Schuleintritt und in Kürze auch für die Hortbetreuung, um nur einige Faktoren zu nennen, generiert auf dem

Fachkraftmarkt eine Konkurrenzsituation. Die Stadt Leipzig benötigt eine Strategie, im

deutschlandweiten Defizit weit über die städtischen Grenzen sowohl als Arbeitgeber als auch in der Verantwortung als öffentlicher Träger Fachkräfte nach Leipzig zu ziehen und langfristig zu binden.

 

Die vorgenannten Punkte machen indes deutlich, dass es der Stadt Leipzig gemeinsam mit den Freien Trägern nicht möglich sein wird, das von der Antragstellerin geforderte umfassende und wirksame Konzept allein zu erarbeiten. Die Problemlagen und Baustellen können auf kommunaler Ebene nicht gelöst werden. Es bedarf hier dringend der Einbeziehung der Staatsregierung.

 

2 Zu Beschlusspunkt 2

 

Als Trägerin der kommunalen Einrichtungen spürt die Stadt Leipzig bei der Besetzung freier Stellen deutlich den Fachkräftemangel im Bereich der sozialen Berufsbilder. Vor diesem Hintergrund erarbeitet die Arbeitsgruppe zur Sicherung und Gewinnung von Fachkräften in der Sozialen Arbeit verschiedenen Maßnahmen zur Mitarbeitergewinnung und -bindung.

 

Pädagogische Fachkräfte werden über verschiedene Online- und Print-Medien und auf mehreren Portalen (leipzig.de, Interamt, bund.de, Intranet, externe Stellenbörsen wie jobs-sozial.de, sozial.net, Kita-Bildungsserver.de und bildungsserver.de) und über Social Media Kanäle wie den Twitter-Account der Stadt Leipzig, Facebook, Instagram und XING veröffentlicht. Die Platzierung von Ausschreibungen über die Job-Portale Monster.de und Stepstone.de beabsichtigt auch eine überregionale Ansprache von Bewerberinnen und Bewerbern. Die Veröffentlichungen werden regelmäßig an die Bedarfe angepasst.

 

Die Stellen werden zudem in kommunalen Einrichtungen und an verschiedenen Ausbildungszentren analog und digital beworben. Über die Aushänge in Ausbildungseinrichtungen werden vordergründig Berufseinsteiger erreicht. Die Ansprache von Fachkräften in den Einrichtungen zielt darauf ab, diese Informationen weiter zu teilen und zu streuen.

 

Für die Gewinnung von Erzieherinnen und Erziehern ist im Personalamt, Abteilung Personalgewinnung ein Recruiting-Team im Einsatz. Der Bewerbungs- und Einstellungsprozess ist in Zusammenarbeit zwischen Personal- und Fachamt effizient gestaltet, um schnell auf die Bedarfe und eingehenden Bewerbungen zu reagieren. Durch den Bürgermeister für Allgemeine Verwaltung erfolgte im Jahr 2019 bereits eine Information zu den umfassenden Maßnahmen des Personalamtes.

 

Seit 2018 bietet die Stadt Leipzig eine eigene, nach TVAöD vergütete Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern an, um mittelfristig eigene Nachwuchskräfte zu entwickeln (siehe auch Ziffer 1).

 

Seit März 2019 werden für den Kinderkrippenbereich in kommunalen Kitas auch Assistenzkräfte eingestellt, die unter Anleitung der Fachkräfte eingesetzt werden dürfen.

 

Eine weitere Maßnahme zur Besetzung der offenen Stellen ist seit März 2019 die frühzeitige Bindung von Fachkräften bereits vor Abschluss der Erzieherausbildung.

 

Vor dem Hintergrund des weiter anhaltenden Personalbedarfs arbeitet das Personalamt zusammen mit der DFA und dem Personalrat an einem Personalmarketing-Konzept für den Erzieherbereich. Über Möglichkeiten und die damit verbundenen Herausforderungen Migrantinnen und Migranten für den Erzieherberuf zu gewinnen wird diskutiert; auch im Austausch mit freien Trägern, wie der IB Mitte gGmbH, die ein Projektkonzept zur Anwerbung und Betreuung europäischer Kita-Fachkräfte in Umsetzung bringen wollen.

 

Eine Imagekampagne, in der sich sowohl die Attraktivität, Chancen und Möglichkeiten der sozialen Berufsbilder als auch des Standortes Leipzig als Arbeitsort widerspiegelt, wird aus Sicht des Personalamtes im Rahmen einer Fachkräfteoffensive das Personalmarketing-konzept erfolgreich ergänzen und längerfristig dazu beitragen, geeignetes Personal zu finden und zu binden. Weiterhin können Schüler damit bereits in ihrer Berufsorientierungs- und Berufsfindungsphase angesprochen werden, um mittelfristig eine notwendige Nachwuchskräftegewinnung sicherzustellen. Für die Erarbeitung, Durch- und Fortführung einer solchen Kampagne sowie eines gesamtstädtischen Konzeptes in Zusammenarbeit mit den Gremien der freien Träger und dem städtischen Personalrat bedarf es entsprechender personeller und finanzieller Ressourcen.

 

Stammbaum:
VII-A-00433   Fachkräfteoffensive für soziale Berufe in Leipzig   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Antrag
VII-A-00433-VSP-01   Fachkräfteoffensive für soziale Berufe in Leipzig   11 Personalamt   Verwaltungsstandpunkt
VII-A-00433-NF-02   Fachkräfteoffensive für soziale Berufe in Leipzig   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Neufassung
VII-A-00433-NF-03   Fachkräfteoffensive für soziale Berufe in Leipzig   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Neufassung