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Vorlage - VII-A-00441  

 
 
Betreff: Ehrung von Georg Elser in Leipzig
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Fraktion DIE LINKE
Beratungsfolge:
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
30.10.2019 
Ratsversammlung (offen)     
FA Kultur 1. Lesung
08.11.2019    FA Kultur      
FA Kultur 2. Lesung
10.01.2020    FA Kultur      
Ratsversammlung Beschlussfassung
22.01.2020 
Ratsversammlung geändert beschlossen     

Beschlussvorschlag
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

 

  1. Die Stadt Leipzig würdigt die Person Georg Elsers mit einer Benennung (Straße, Platz, Brücke öffentlichem Platz).
  2. Es wird geprüft, ob die Gasthofbrücke nach Georg Elser benannt werden kann.

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sachverhalt:

 

Georg Elser (geboren 1903 – ermordet 1945) hat vor 80 Jahren als Einzelperson mit seiner Tat versucht, die unheilvolle Entwicklung des Dritten Reiches hin zu einem Eroberungskrieg durch ein Attentat auf die NS-Führung aufzuhalten. Er steht mithin dem Attentäter Claus Graf Schenk zu Stauffenberg und den Angehörigen des Widerstandes des 20. Juli 1944 nicht nur gleich. Früher als diese und viele andere erkannte Elser, wohin die Politik des nationalsozialistischen Regimes führt. In wochenlanger Arbeit bereitete er die Beseitigung der führenden Köpfe des Naziregimes durch ein Bombenattentat im für die NS-Bewegung traditionellen Münchener Bürgerbräukeller vor. Das Vorhaben am 8.11.1939 war derart geeignet, sein Ziel zu erreichen, dass nur der Zufall das Überleben Hitlers, den Elser als kriegstreibende Kraft erkannte, und anderer führender NS-Funktionäre sicherte. Bei ungestörtem Fortgang wäre das Regime seiner zentralen Gestalten beraubt gewesen und mithin zumindest in Nachfolgekrisen verwickelt worden. Diese hätten die Fortsetzung der Eroberungspläne des Zweiten Weltkriegs mindestens verzögert.
 

Elser hätte zum Zeitpunkt seiner Tat als Einzelperson kaum wirkungsvollere Möglichkeiten gehabt als diese. Das Regime war sechs Jahre nach der Machtübertragung und dem Ausbau seiner Herrschaft über Deutschland und die bereits annektierten Gebiete gefestigt. Sein Terrorapparat verhinderte jegliche organisierte Opposition. Alternativen wären innere Verweigerung oder konspirative Aktionen, die das Regime jedoch nicht zu erschüttern vermochten. Elser hatte ersteres seit langem geübt, er ließ sich nicht mitreißen, sondern stand dem Regime von Beginn an kritisch bis ablehnend gegenüber, es reichte ihm später jedoch nicht. Die politischen Zuordnungen Elsers, etwa die Tiefe seiner Überzeugungen in Richtung KPD, sind bis heute umstritten. Über die Motive der Tat geben hingegen die aufgefundenen Verhörprotokolle aufschlussreiche Auskunft.

Nach seiner Festnahme wurde Elser inhaftiert und schließlich kurz vor Kriegsende auf Geheiß der NS-Führung im KZ Dachau ermordet.

 

Elsers Person wurde lange Zeit zu Unrecht missachtet bis vergessen. Seine Tat hätte den Lauf der Weltgeschichte beeinflussen können. In letzter Zeit hat sich die Sichtweise auf ihn stark zugunsten seiner Person gewandelt, mehren sich Initiativen, seiner stärker zu gedenken, etwa auch in seinem Geburtsort, aber auch in Leipzig. Es wurden Filme über sein Leben gedreht und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt. Auch der Bundespräsident Steinmeier wird ihn anlässlich der Etablierung von Erinnerungsorten in seiner Heimatregion ehren. In Leipzig wird dieses Jahr eine symbolische Straßenumbenennung erfolgen. Es wurden Gedanken entwickelt, die weithin vom Namen her unbekannte Gasthofbrücke nach ihm zu benennen. Der Ort wäre gut gewählt, da nachweislich über die Angerbrücke die amerikanischen Truppen zur Befreiung Leipzigs anrückten.

 

Leipzig stände es gut zu Gesicht, wenn dieses Beispiel der Entschlossenheit eines einzelnen gegen ein übermächtiges Regime zum Anlass genommen würde, eine Benennung nach Georg Elser vorzunehmen. Zahlreich ist dies bei den Namen des 20. Juli und anderen Widerstandskämpfern geschehen. Da Elser für eine ganz eigene Gruppe des Widerstandes, die der Einzelpersonen steht, wäre die Erinnerung an seinen Namen – ausgehend vom 80. Jahrestag seiner Tat – ein wichtiges Zeichen, Erinnerung an den Widerstand gegen das NS-Regime breit aufzustellen, um jenen nie zu vergessen.

 

Stammbaum:
VII-A-00441   Ehrung von Georg Elser in Leipzig   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Antrag
VII-A-00441-VSP-01   Ehrung von Georg Elser in Leipzig   12 Amt für Statistik und Wahlen   Verwaltungsstandpunkt