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Vorlage - VI-DS-05781-NF-01  

 
 
Betreff: Konzept zur Entwicklung eines gemeinwesenorientierten Stadtteilzentrums Dölitz, Lößnig und Dösen
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Neufassung
Einreicher:Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule
Beratungsfolge:
DB OBM - Vorabstimmung
07.02.2020    DB OBM - Vorabstimmung      
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
FA Finanzen Vorberatung
FA Soziales und Gesundheit Vorberatung
SBB Süd Anhörung
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
Ratsversammlung Beschlussfassung

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlagen:
DS-05781-NF-01_Anlage 1 und 2 _Konzept Dölitz, Lößnig und Dösen_19.12.2019

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Beschlussvorschlag:

 

  1. Das vorgelegte Konzept zur Entwicklung und Umsetzung für ein gemeinwesenorientiertes Stadtteilzentrum in Dölitz, Lößnig und Dösen wird beschlossen.

 

  1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, für die Umsetzung des Konzeptes eine geeignete Immobilie zu suchen.

 

 

Räumlicher Bezug:

 

Dölitz, Lößnig und Dösen.

 

Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges:

 

In der Ratsversammlung am 01.02.2017 wurde der Haushaltsantrag A 0100/17/18 (VI-HP-04326) zur Entwicklung eines gemeinwesenorientierten Stadtteilzentrums Dölitz, Lößnig und Dösen unter Berücksichtigung der Übernahme des ÄA 1 beschlossen. Die vorliegende Vorlage beinhaltet das Konzept und beschreibt die erforderlichen Maßnahmen zur Betreibung des Stadtteilzentrums.

 

 

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Finanzielle Auswirkungen

x

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

 

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Steuerrechtliche Prüfung

 

nein

 

wenn, ja

Unternehmerische Tätigkeit i.S.d. §§ 2 Abs. 1 und 2B UStG

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Punkt 4 des Sachverhalts

Umsatzsteuerpflicht der Leistung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Bei Verträgen: Umsatzsteuerklausel aufgenommen

 

ja

 

Nein, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Ja

 

Nein

Beantragte Stellenerweiterung:

   Vorgesehener Stellenabbau:

 

 

 


Hintergrund zum Beschlussvorschlag:

Welche strategischen Ziele werden mit der Maßnahme unterstützt?

 

 

2030 - Leipzig wächst nachhaltig!

Ziele und Handlungsschwerpunkte

 

Leipzig setzt auf Lebensqualität:

Balance zwischen Verdichtung und Freiraum

Qualität im öffentlichen Raum und in der Baukultu

Nachhaltige Mobilität

Vorsorgende Klima- und Energiestrategie

Erhalt und Verbesserung der Umweltqualität

Quartiersnahe Kultur-, Sport- und Freiraum­angebote

 

 

Akteure:

rgerstadt

Region

Stadtrat

Kommunalwirtschaft

Verwaltung

Leipzig besteht im Wettbewerb:

Positive Rahmen­bedingungen für qualifizierte Arbeitsplätze

Attraktives Umfeld für Innovation, Gründer und Fachkräfte

Vielfältige und stabile Wirtschaftskultur

Vorsorgendes Flächen- und Liegenschaftsmanagement

Leistungsfähige technische Infrastruktur

Vernetzung von Bildung, Forschung und Wirtschaft

 

Leipzig schafft soziale Stabilität:

Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt

Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung

Bezahlbares Wohnen

Zukunftsorientierte Kita- und Schulangebote

Lebenslanges Lernen

Sichere Stadt

 

 

 

Leipzig stärkt seine Internationalität:

Weltoffene Stadt

Vielfältige, lebendige Kultur- und Sportlandschaft

Interdisziplinäre Wissenschaft und exzellente Forschung

Attraktiver Tagungs- und Tourismusstandort

Imageprägende Großveranstaltungen

Globales Denken, lokal verantwortliches Handeln

 

Sonstige Ziele: >beim Ausfüllen bitte überschreiben: max. 60 Zeichen ohne Leerzeichen

 

trifft nicht zu

 

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Beschreibung des Abwägungsprozesses:

 

Nicht erforderlich.

 

 

I. Eilbedürftigkeitsbegründung

 

Nicht erforderlich.

 

II. Begründung Nichtöffentlichkeit

 

Nicht erforderlich.

 


III.  Strategische Ziele

 

Eines der vier zentralen strategischen Ziele des Zielbildes ist eine inklusive Stadtentwicklung, die Benachteiligungen abbaut, soziale Mischung unterstützt und Angebote im Quartier für alle Alters- und Einkommensgruppen bietet. Die zugeordneten Handlungsschwerpunkte Chancengerechtigkeit in der inklusiven Stadt und Gemeinschaftliche Quartiersentwicklung haben zum Ziel, Infrastruktur, öffentlichen Raum, Leistungen und Angebote bedarfsgerecht, für alle zugänglicher und inklusiver zu gestalten sowie Stadträume so zu entwickeln, dass Menschen verschiedener sozialer Gruppen und unterschiedlicher Prägung Leipzig als ihre gemeinsame Heimat erleben.

 

Das Integrierte Stadtentwicklungskonzept „Leipzig 2030“ (INSEK) stuft Lößnig aufgrund der skizzierten Problemlagen – neben weiteren Ortsteilen – als Aufmerksamkeitsgebiet ein. Den Handlungsansätzen des INSEK folgend, soll die sozioökonomische Entwicklung in Lößnig beobachtet und mit kleinteiligen präventiven Maßnahmen im Bereich Bildung und Soziales begleitet sowie eine Vernetzung der Akteure vor Ort umgesetzt werden. Ein weiterer Handlungsschwerpunkt ist die Unterstützung kultureller sowie Sport- und Bewegungsangeboten von Vereinen, Kirchen und Initiativen. Die Entwicklung eines Stadtteilzentrums kann hierbei als ein wichtiges Schlüsselprojekt gelten.

 

Es bleibt allerdings festzuhalten, dass im INSEK Angebote in Gebieten der integrierten Stadtentwicklung Priorität gegenüber Angeboten in Aufmerksamkeitsgebieten haben. Gebiete der integrierten Stadtentwicklung sind: Mockau, Schönefeld, Leipziger Osten, Paunsdorf und Grünau. Für Mockau und Lausen-Grünau sind fehlende Angebote der Kinder- und Jugendförderung als prioritären Handlungsbedarf in den Steckbriefen zu den fachübergreifenden Schwerpunktgebieten benannt.

 

Die Einrichtung eines Stadtteilzentrums in Lößnig darf nicht dazu führen, dass Angebote in den Gebieten der integrierten Stadtteilentwicklung mit weniger Mitteln gefördert werden, sondern muss zusätzlich zu der bestehenden Infrastruktur finanziert werden.

 

IV. Sachverhalt

 

1. Anlass

 

In der Ratsversammlung am 01.02.2017 wurde der Haushaltsantrag A 0100/17/18 unter Berücksichtigung der Übernahme des ÄA 1 beschlossen (VI-HP-04326). Das Stadtteilzentrum sollte durch das Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung betrieben werden. Der Betrieb durch das Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung ist nicht möglich, da es sich nicht um ein Fördergebiet des Programmes „Soziale Stadt“ handelt. Des Weiteren ist die räumliche Verortung des Stadtteilzentrums in der bestehenden Immobilie in der Johannes-R.-Becher-Straße offen.

 

2. Beschreibung der Maßnahme

 

Gegenstand der Vorlage ist die Bestätigung eines Konzeptes für ein Stadtteilzentrum, aus dem sich räumliche Bedarfe (Raumprogramm) für die Suche nach einer geeigneten Immobilie ableiten lassen. Im Folgenden sind das Konzept und Raumprogramm dargestellt.

 

Konzept für das Stadtteilzentrum Dölitz, Lößnig, Dösen

 

a) Ausgangslage

 

Historie und Bebauung

 

Der Stadtteil vollzog im Laufe seiner Geschichte einen fortlaufenden Wandel – von der Gründung durch sorbische Siedler um ca. 700 über die Eingemeindung zur Stadt Leipzig 1891 bis hin zur Eingliederung als Ortsteil im Jahre 1992. Die Erbauung des Rundlings 1929 und das Wohnungsbauprogramm der DDR in den 60er und 70er Jahren mit einem Neubaugebiet in Plattenbauweise prägten das Erscheinungsbild des Stadtteils nachhaltig. Die Renaturierung des ehemaligen Bruchfeldes des alten Braunkohleschachtes in den 80er Jahren ließ den Erholungspark Lößnig-Dölitz entstehen und führte zu einer Aufwertung Lößnigs als Wohngebiet. In den 90er Jahren fanden aufwendige Modernisierungs- und Sanierungsprogramme statt. In deren Zuge wurden auch die Neubaugebiete und Plattenbauten deutlich nach außen sichtbar verändert. Mit dem Moritzhof erhielt das Gebiet ein neues Einkaufs- und Dienstleistungszentrum. In unmittelbarer Nachbarschaft, eingebettet zwischen Plattenbauten und mit Nähe zur Lene-Voigt-Schule, zur Wilhelm-Ostwald-Schule sowie dem Freizeitzentrum „Paradise“ des Kindervereinigung Leipzig e.V. liegt das ehemals als Stadtteilbibliothek genutzte Objekt zentral in der Fußgängerzone.

 

Die Gebietsabgrenzung Lößnigs zu den benachbarten Stadt- und Ortsteilen Marienbrunn, Probstheida, Dölitz-Dösen und Connewitz im Planungsraum Mitte/Süd vollzieht sich durch städtebauliche wie natürliche Begrenzungen. Im Norden bildet sich diese durch die Probstheidaer Straße und setzt sich im Osten durch die Grenzen zwischen den Gemarkungen Connewitz und Probstheida sowie Lößnig und Probstheida fort. Die südliche Grenze bildet eine willkürlich gezogene Linie, die zum Teil am Südrand des Erholungsparks Lößnig-Dölitz verläuft, teilweise die Bebauung Gersterstraße durchschneidet und zum Teil entlang der Mühlpleiße führt. Die westliche Begrenzung bildet die Strecke der ehemals bayrischen Eisenbahn.

 

Bevölkerung

 

Lößnig stellt mit seinen 11.027 Einwohner/-innen 8,7 % der Gesamtbevölkerung des Planungsraums Mitte/Süd dar. Die Jugendquote lag 2018 mit einem Wert von 17,4 etwas unter dem städtischen Durchschnitt von 20,9, die Altenquote fiel mit 59,9 fast doppelt so hoch aus wie der Wert für die Gesamtstadt (30,9). Das Durchschnittsalter der Lößniger Bevölkerung lag mit einem Altersdurchschnitt von 49,1 Jahren ebenfalls deutlich über dem städtischen Durchschnitt von 42,4 Jahren. Die Zahl hochbetagter und damit häufig alleinlebender Einwohnerinnen und Einwohner nimmt zu. Im Gegensatz zu den meisten anderen Leipziger Ortsteilen zeigt Lößnig seit 2016 leichte Rückgänge bei der Einwohnerzahl.

 

Lebenslagen

 

Der Planungsraum Mitte/Süd hat insbesondere aus städtebaulicher und -planerischer Sicht eine exponierte Stellung, die sich auch auf die Jugendhilfeinfrastruktur auswirkt. Kaum vorhandener Wohnungsleerstand sowie stetig steigende Mieten begünstigen Verdrängungsprozesse und lassen die Bevölkerungsstruktur in den verschiedenen Ortsteilen immer homogener werden. Diese Prozesse haben zur Folge, dass sich Haushalte mit prekärer Einkommenssituation im Ortsteil Lößnig ballen.

Im Vergleich zum anderen Gebieten im Planungsraum leben in Lößnig eine hohe Anzahl an Personen in Bedarfsgemeinschaften und Regelleistungsberechtigte nach dem SGB II. Zudem wachsen viele Kinder und Jugendliche in prekären finanziellen Verhältnissen auf.

Die Anzahl der Fälle im Bereich Kindeswohlgefährdung ist steigend und mit dem vermehrten Einsatz sozialpädagogischer Familienhilfen verbunden. Die Fälle sind vor allem im Bereich der Risikogruppe 1 (Konsum illegaler Drogen) und der Risikogruppe 3 (psychische Krankheiten) angesiedelt. Der Konsum illegaler Drogen (Crystal Meth und Cannabis) sowie der steigende Alkoholkonsum bei Familien (verstärkt auch an öffentlichen Plätzen im Beisein von Kindern) sind zunehmend zu beobachten. Ebenfalls werden aus Lößnig zunehmende Fälle von drogenkonsumierenden Müttern gemeldet.

 

Bezieher/-innen von Leistungen nach dem SGB II unter 15 Jahren im Jahr 2017

In Lößnig
(absolut)

In Lößnig
(relativ)

Im Durchschnitt der Ortsteile
im Planungsraum Mitte/Süd (relativ)

317

28,4

10,9

Quelle: Bundesagentur für Arbeit / Amt für Jugend, Familie, Bildung 

 

Gesundheit, Bildung und Soziales

 

In Lößnig stechen die Ergebnisse der Schulaufnahmeuntersuchungen hervor: Im Untersuchungsjahr 2018 zeigten 36,6 % der untersuchten Lößniger Vorschulkinder sprachliche Auffälligkeiten und 13,8 % Auffälligkeiten im Verhalten. Die gymnasialen Bildungsempfehlungen waren 2018 mit 47,7 % im Vergleich zum gesamten Planungsraum Mitte/Süd mit allen Ortsteilen (65,1 %) unterdurchschnittlich.

 

Jungendominante Gruppen treffen sich in Lößnig an öffentlichen Plätzen, v. a. im Umfeld des Einkaufszentrums Moritzhof sowie auf den Vorplätzen der Schulen. Hier kam es in der Vergangenheit öfter zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen, teilweise auch Jugendgruppen. In diese Auseinandersetzungen involviert waren auch Jugendliche mit Migrationshintergrund, drogenkonsumierende sowie rechtsgerichtete Jugendliche.

 

Auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendförderung sind die Kindervereinigung Leipzig e. V. (Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit „Paradise“) und das Jugendhaus Leipzig e. V. (Mobile Jugendarbeit und Schulsozialarbeit an der Lene-Voigt-Schule) im Ortsteil aktiv. Insgesamt ist aber eine Unterversorgung an beratenden, unterstützenden und kulturellen Angeboten im Ortsteil zu verzeichnen. Die fehlenden Beratungs- und Informationsangebote sowie die Möglichkeiten der gemeinsamen Freizeitgestaltung für Familien verschärfen die skizzierten Problemlagen. Schuldenberatung und Beratungen zur Antragstellung bezüglich finanzieller Unterstützungen (Wohngeld, ALG II, etc.) gewinnen immer mehr an Bedeutung im Kontext der sozioökonomischen Stabilität von Familien.

 

 

b) Ziele des Stadtteilzentrums

 

Übergreifendes Ziel ist es, eine Angebots- und Beteiligungsstruktur im Stadtteilzentrum zu etablieren, die in den gesamten Stadtteil ausstrahlt und auf lange Sicht dessen Bewohnerschaft aktiviert und deren Bereitschaft für zivilgesellschaftliches Engagement stärkt. Ein weiteres Ziel ist es, den Bewohner/-innen von Lößnig die Rahmenbedingungen für Selbstorganisation bereitzustellen, um z. B. Feste/Stadtteilfeste, Kurse, Treffs usw. eigenaktiv veranstalten zu können. Gleichzeitig soll das Zentrum als zentrale Anlaufstelle fungieren, wenn es um konkrete Anliegen der Bürger/-innen zur gesellschaftlichen Teilhabe im Stadtteil geht. Erfolgreiche Mitgestaltung und Beteiligung funktioniert dann, wenn Bürger/-innen gehört werden und deren Beschlüsse in Beiräten und Arbeitskreisen reale Konsequenzen im Quartier haben und sie Selbstwirksamkeit erleben.

 

Beratung und Unterstützung vor Ort

 

Das Stadtteilzentrum soll den Bewohner/-innen als zentraler und lebensnaher Anlaufpunkt bei Fragen, Anliegen und Problemen dienen. Auf die Bedarfe vor Ort ausgerichtet, sollen Beratungs- und Unterstützungsangebote vorgehalten werden. Handlungsschwerpunkte werden hierbei in der Sozial- und Schuldenberatung, der Familienbildung, der Sucht- aber auch Gewalt- und Kriminalitätsprävention sowie für die Zielgruppe der Jugendlichen in der aufsuchenden mobilen Sozialarbeit gesehen.

Der integrierte Kontaktladen der Mobilen Jugendarbeit, ein Angebot nach § 13 SGB VIII, dient als Schnittstelle, um den Zugang zu den Jugendlichen herzustellen, Defiziten vorzubeugen und Netzwerkarbeit zu ermöglichen. Aktuell sind die Straßensozialarbeiter/-innen des Jugendhaus Leipzig e. V. tage- und stundenweise vor Ort, um mit den ansässigen Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und sie zu begleiten und zu unterstützen. Durch die Anbindung an das Stadtteilzentrum kann diese Arbeit ausgebaut werden.

Für Lößnig plant das Sozialamt auf der Grundlage des Teilfachplans offene Seniorenarbeit (vgl. VI-DS-06949) die Förderung eines offenen Seniorentreffs eines freien Trägers mit einer Öffnungszeit von 25 Wochenstunden an mindestens vier Tagen in der Woche und einem Flächenbedarf von max. 110 qm. Das Angebot, das sich gut in das geplante Stadtteilzentrum einbinden ließe, soll an mindestens 12,5 Wochenstunden einen offenen Bereich mit einem niedrigschwelligen Kontakt- und Treffangebot umfassen. Darüber hinaus sollen Kurse, Zirkel, Ausflüge und Veranstaltungen für Ältere angeboten werden. Der Seniorentreff informiert Ratsuchende sowie verweist und vermittelt aktiv und konsequent an die qualifizierte Seniorenberatung.

Niedrigschwellige adäquate Angebote mit einer Anlaufstelle im Stadtteilzentrum sind zwingend notwendig und wichtige Voraussetzung für eine gelingende Integration und Partizipation der Bewohner/-innen im Stadtteil.

 

Erweiterung der Angebotsvielfalt und Teilhabe

 

Das Ziel ist die Schaffung von Mitgestaltungsmöglichkeiten, welche Bewohner/-innen aktivieren und es ihnen ermöglichen, auf die Entwicklung in ihrem Stadtteil Einfluss zu nehmen. Im Bereich der Kinder- und Jugendförderung ist eine Angebotserweiterung durch lokale und stadtweite Akteure erforderlich.

Im Seniorentreff, der für den Standort Lößnig geplant ist, wird auch freiwilliges Engagement koordiniert. Dies umfasst die aktive Ansprache und Aktivierung von potentiellen Freiwilligen gemäß ihren Fähigkeiten und biografischen Erfahrungen. Ziel ist es, insbesondere älteren Menschen soziale Kontakte, Lernprozesse und Erfahrungen zu ermöglichen, sich selbst als wirksam und „gebraucht“ zu erleben. Freiwillige im offenen Seniorentreff sollen angeleitet, koordiniert und qualifiziert werden. Die Zielgruppe für freiwilliges Engagement sind Erwachsene jeden Alters. Die Seniorentreffs sollen aber insbesondere Älteren ein Betätigungsfeld ermöglichen.

 

Kooperation der Akteure

 

Das Stadtteilzentrum soll nicht als Mitbewerber, sondern als Partner der Einrichtung der offenen Kinder- und Jugendarbeit „Paradise“ aufgestellt werden. Angebote sollen inhaltlich abgestimmt und thematisch ergänzend wirken. Die verschiedenen Kompetenzen und Ressourcen der Akteure vor Ort sollen langfristig in Kooperationsprojekten und -verträgen zusammengeführt werden. Kindertagesstätten und Schulen spielen durch ihren direkten Elternkontakt und das Wissen um deren Lebenswelten eine wichtige Rolle als Mittler von Beratungs- und Hilfeangeboten und sind daher konsequenterweise mit einzubinden.

Im offenen Seniorentreff soll mindestens ein generationenverbindendes Angebot pro Monat gestaltet werden. Dazu zählen Angebote, die sich an mindestens zwei Generationen richten (z. B. gemeinsames Stricken oder Kochen der Nutzer/-innen mit jungen Eltern aus dem Umfeld). Das Stadtteilzentrum stellt einen Begegnungsort für alle Menschen dar – unabhängig von Alter oder Herkunft. Durch die Angebotsvielfalt und das Engagement von Vereinen, Initiativen, (Bildungs-)Anbietern in einem Haus können Jung und Alt miteinander und voneinander lernen.

 

Inklusion und Barrierefreiheit

 

Eine Nutzung des Stadtteilzentrums darf weder durch bauliche noch inhaltliche Aspekte eingeschränkt werden. Inklusion und Barrierefreiheit sind als Querschnittsaufgaben auf allen Ebenen zu berücksichtigen.

Die zu nutzenden Räumlichkeiten sollten – insbesondere für denen offenen Seniorentreff - barrierefrei gemäß DIN 18040-1 (Ausgabe 2010-10) sein. Sie sollten zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sein (d. h. zwischen Angebot und Haltestelle sollen maximal 300 Meter liegen). Sie sollten möglichst zentral gelegen sein, d. h. in Nachbarschaft zu Angeboten der Nahversorgung (z. B. Lebensmittelladen), altersrelevanten Dienstleistungen (z. B. Ärztehaus), Wohnbebauung und Naherholungsangeboten des Stadtgebietes (z. B. Wohngebietspark, Schwimmhalle) liegen und nicht durch räumliche Barrieren (z. B. Eisenbahnlinie, Gewerbegebiet) begrenzt sein. Sie sollten nach Möglichkeit eine gute potentielle Wahrnehmbarkeit im öffentlichen Raum (Fenster zur Straße im Souterrain, EG oder Hochparterre) haben.

 


c) Inhaltliche Schwerpunkte

 

Auf Grund der beschriebenen Problemlagen in Lößnig soll die inhaltliche Ausgestaltung des Stadtteilzentrums möglichst auf alle Bevölkerungsgruppen ausgerichtet sein. Auf Grund der beschriebenen demographischen Besonderheiten empfehlen sich Mehrgenerationen-angebote, vor allem für:

      Familien, alleinerziehende Mütter und Väter

      Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

      Ehrenamtliche

      Menschen mit Behinderung

      Seniorinnen und Senioren

      Menschen in sozialen Notlagen

      Fortbildungsträger aus dem Sozialbereich

      Gastnutzerinnen und -nutzer

 

Dies stellt einen hohen Anspruch an die Flexibilität des Nutzungskonzeptes. Dieses soll aktuelle Probleme und Bedarfe aufgreifen und gleichzeitig auf sich verändernde oder neue Nutzergruppen reagieren können. Um eine Bindung und Akzeptanz der Anwohner/-innen und potenziellen Nutzer/-innen an das Zentrum zu erreichen, ist es notwendig, diese an der Entwicklung des Raumkonzeptes zu beteiligen. Die Beteiligung wird sowohl über eine Bedarfsabfrage, also auch durch eine fortlaufend partizipative Ausgestaltung von generationsspezifischen und -übergreifenden Angeboten nach der Inbetriebnahme, gewährleistet.

 

Die Räumlichkeiten sind für verschiedene Kurse, Beratungen und Veranstaltungen nutzbar. Um eine möglichst große Vielfalt und flexible Nutzung zu erreichen, sollen thematisch offene Kurse angeboten werden. Beispielsweise könnten in einem offenen Kurs „Kultur vor Ort“ wöchentlich wechselnde Veranstaltungen wie Lesungen, Poetry Slams, Reiseberichte o. Ä. stattfinden.

Darüber hinaus ist die Vermietung einzelner Räume für private Zwecke denkbar.

 

Handlungsfelder

Angebote (Umsetzungsbeispiele)

Bildung fördern und Übergänge begleiten

  • Infoveranstaltungen für Eltern (Erziehungsberatung, themenspezifische Vorträge / Workshops)
  • schulische Nachhilfeangebote
  • Berufseinstiegsveranstaltungen

Beratung und Unterstützung vor Ort

  • Anlaufstelle der Mobilen Jugendarbeit für Jugendliche
  • Sozialberatung
  • Familienbildung
  • Schuldnerberatung
  • Migrationsberatung
  • aufsuchende mobile Sozialarbeit
  • Beratung werdender Eltern
  • Schwangerschaftsberatung
  • Präventionsangebote

Mitgestaltungsmöglichkeiten

  • Runder Tisch Lößnig
  • Beirat Stadtteilzentrum

Angebotserweiterung: Generationenspezifische und -übergreifende Angebote

  • Nachbarschaftshilfe
  • Nachbarschaftsfeste / Interkulturelle Feste
  • Vorlesenachmittage / -abende
  • offener Babytreff / Krabbelgruppe- Elternfrühstück
  • Spielkreise
  • Trauercafé
  • Angebote aus den Bereichen: darstellende, bildende Kunst und bildkünstlerisches Gestalten
  • Handarbeitsnachmittage (nähen, stricken, basteln)
  • Tauschring / Flohmärkte
  • geschlechterspezifische Angebote
  • thematisch wechselnde Angebote (Poetry Slams, Fotoausstellungen, Reisedokumentationen)
  • Stadtbezirksbeirat

 

Ein beispielhafter Belegungsplan befindet sich in Anlage 1.

 

Aus dieser Angebotsbreite folgt ein Raumprogramm, Anlage 2, das einen großen Saal für Versammlungen, Arbeitskreise, Feste, einen kleinen Saal für inhaltliche Angebote von Vereinen, eine Beratungsraum für die Beratung von Bürger/-innen sowie Büros für Träger und für die Straßensozialarbeit vorsieht.

 

 

3. Realisierungs- / Zeithorizont

 

Das Konzept sieht eine Vielfalt an Angeboten aus dem Bereich der Kinder- und Jugendförde-rung, der Förderung eines offenen Seniorentreffs sowie generationsverbindende Angebote an einem Begegnungsort für das Engagement von Vereinen, Initiativen und

(Bildungs-)Anbietern vor.

Das Betreiberkonzept mit Festlegung der Zuständigkeiten/Verantwortlichkeiten muss bis zur Erstellung eines Planungsbeschlusses vorliegen. Nach Bestätigung des Konzeptes mit dem Raumprogramm kann die Suche nach einer geeigneten Immobilie gesucht werden.

Die Suche nach einer geeigneten Immobilie kann nur auf der Grundlage des beigefügten Raumprogramms erfolgen ohne Berücksichtigung der späteren Trägerschaft.

 

Als mögliche Immobilie kommen auch die Räume in der Johannes-R.-Becher-Straße 22 in Frage. Gemäß der Bauzustandsanalyse eines beauftragten Ingenieurbüros ist es hier aber aufgrund der nicht mehr funktionsfähigen Dachentwässerung im Fassadenbereich zu groß-flächigen Schäden am und im Gebäude gekommen. Es sind Maßnahmen wie die Wiederher-stellung der Dachentwässerung, der Beseitigung von Nässeschäden und Instandsetzung der Fassade notwendig. Nach Begehung ist eine Nutzung durch andere Projekte erst nach Sanierung des Gebäudes umfänglich möglich.

Bei der Umsetzung des Stadtteilzentrums in der Johannes-R.-Becher-Straße 22 ist der Be-trieb der Zweigstelle des Leipziger Tanztheaters e.V. bis mindestens 2022 zwingend einzuplanen. Gleiches gilt für Sanierungsmaßnahmen am Gebäude.

 

 

4. Finanzielle Auswirkungen

 

Nein, erst bei Betrieb des Stadtteilzentrums durch einen freien Träger.

 

5. Auswirkungen auf den Stellenplan

 

Nein, erst bei Betrieb des Stadtteilzentrums durch einen Träger der freien Jugendhilfe.

 

6. Bürgerbeteiligung

 

bereits erfolgt    geplant    nicht nötig

 

Die Beteiligung der Bürger bei der Konzeptentwicklung erfolgte über die im Stadtteil aktiven Träger, die Ergebnisse sind in das Konzept eingeflossen. Bei Inbetriebnahme des Stadtteilzentrums ist eine weitere Beteiligung erforderlich.

 

7. Besonderheiten

 

Keine.

 

8. Folgen bei Nichtbeschluss

 

Der Haushaltsantrag A 0100/17/18 wird nicht umgesetzt.

 

Anlagen:

 

Anlage 1 – Muster Wochenplan Stadtteilzentrum

Anlage 2 – Raumprogramm