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Vorlage - VI-A-08161-VSP-01  

 
 
Betreff: Entwicklung eines Konzeptes zum Gedenken an die Opfer und Orte von Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Leipzig
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Verwaltungsstandpunkt
Einreicher:Dezernat KulturBezüglich:
VI-A-08161
Beratungsfolge:
DB OBM - Vorabstimmung Vorberatung
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
FA Kultur Vorberatung
15.05.2020    FA Kultur - Videokonferenz      
Ratsversammlung Beschlussfassung
20.05.2020 
Ratsversammlung, Kongreßhalle Leipzig, Pfaffendorfer Str. 31, 04105 Leipzig vertagt     
28.05.2020 
Ratsversammlung - Fortsetzung vom 20.05.2020, Kongreßhalle Leipzig, Pfaffendorfer Str. 31, 04105 Leipzig (offen)     

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt

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Rechtliche Konsequenzen

Der gemäß Ursprungsantrag gefasste Beschluss wäre

Rechtswidrig und/oder

Nachteilig für die Stadt Leipzig.

 

 

Zustimmung

Ablehnung

Zustimmung mit Ergänzung

Sachverhalt bereits berücksichtigt

Alternativvorschlag

Sachstandsbericht

 

 

Beschlussvorschlag:

 

  1. Die Realisierung einer Gedenktafel am Gebäudekomplex in der Kamenzer Straße 10/12, der als ehemaliges Zwangsarbeiter/-innen Lager der HASAG und größtes Frauenaußenlager des KZ Buchenwald von historischer Bedeutung ist, wird in das Haus- und Gedenktafelprogramm aufgenommen.
     
  2. Der Stadtrat nimmt zur Kenntnis, dass die Stadt Leipzig das Sächsische Landesamt für Denkmalpflege gebeten hat, zu prüfen, ob der Gebäudekomplex in der Kamenzer Straße 10/12 unter Denkmalschutz zu stellen ist.

 

  1. Das „Gedenken an die Opfer und Orte der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Leipzig“ wird im Konzept „Erinnerungskultur der Stadt Leipzig“ mit dem Ziel berücksichtigt, die Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeit zu befördern. Die „Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig“ und weitere Akteure werden einbezogen.  

 


Zusammenfassung:

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges: Antrag der Fraktion DIE LINKE

 

Aufgrund der besonderen historische Bedeutung des Gebäudekomplexes in der Kamenzer Straße 10/12 als ehemaliges Zwangsarbeiter/-innenlager der HASAG und größtes Frauenaußenlager des KZ Buchenwald setzt sich die Stadt Leipzig mit verschiedenen Maßnahmen für ein würdiges Gedenken ein.

 

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I. Eilbedürftigkeitsbegründung entfällt

II. Begründung Nichtöffentlichkeit  entfällt

III.  Strategische Ziele    entfällt

 

IV. Sachverhalt

1. Begründung

 

Das Areal in der Kamenzer Straße rund um den Gebäudekomplex Kamenzer Straße 10/12 sind von besonderer historischer Bedeutung für die Stadt Leipzig. Auf diesem Areal befand sich zwischen Juni 1944 und April 1945 mit über 5000 weiblichen Häftlingen das größte Frauenaußenlager des KZ Buchenwald. Betrieben wurde das Außenlager vom Leipziger Rüstungsbetrieb HASAG, auf dessen ehemaligen Firmengelände sich heute die Gedenkstätte für Zwangsarbeit befindet.

 

In den vergangenen sieben Jahrzehnten ist der Großteil der baulichen Spuren auf diesem Gelände, das einst ehemalige Fabrikgebäude und Barackenlager umfasste, verschwunden. Bei dem Gebäude in der Kamenzer Straße 12 handelt es sich um eines der wenigen übriggebliebenen historischen Gebäude auf dem Gelände. In diesem zweistöckigen Fabrikgebäude war der Großteil der KZ-Häftlinge untergebracht. Die HASAG funktionierte dazu das ehemalige Fabrikgebäude um, indem sie dies mit Trennwänden in 23 sogenannte Blöcke aufteilte. In jedem dieser „Blöcke“ wurden die weiblichen KZ-Häftlinge unterteilt nach Herkunft und Häftlingskategorie („Jüdinnen“, „politische Polinnen“ etc.) auf engstem Raum in mehrstöckigen Holzetagenbetten untergebracht.

 

In dem Gebäude befanden sich darüber hinaus im Keller Sanitäranlagen, Büros von Aufseherinnen und andere Lagereinrichtungen. In vielen Erinnerungsberichten ehemaliger Häftlinge wird das Gebäude und die sich in diesen gelegenen Räumlichkeiten (heutige Kamenzer Straße 12) geschildert. Im Arbeitsalltag der Gedenkstätte spielte und spielt der historische Ort mit dem erhaltenen Gebäude in der Kamenzer Straße 12 eine wichtige Rolle. In den vergangenen Jahren kamen immer wieder Überlebende (u.a. 2015 der am 23.03.1945 in diesem KZ-Außenlager geborene Simon Herling aus den USA) oder ihre Nachkommen zu Besuch nach Leipzig.

 

Das Gedenken an die Opfer von Zwangsarbeit im Nationalsozialismus ist aus stadthistorischer Sicht unbedingt geboten. Dabei spielen authentische Orte eine wichtige Rolle; neben der öffentlichkeitswirksamen Kennzeichnung durch Erinnerungstafeln ist dabei auch eine breitere konzeptionelle Einbettung einschließlich von Vermittlungskonzepten sinnvoll und angezeigt. Das betrifft auch das Objekt in der Riebeckstraße 63, wo bereits seit Jahren eine engagierte Geschichtsarbeit stattfindet.

 

Die Stadt Leipzig setzt sich deshalb für ein würdiges Gedenken an diesem Ort ein.

 

Dies soll durch folgende Maßnahmen ermöglicht werden:

 

  • Die Stadt Leipzig nimmt die Realisierung einer städtischen Gedenktafel für diesen Ort in ihr Haus- und Gedenktafelprogramm auf. Es soll damit eine würdige und dauerhafte Erinnerung ermöglicht werden. Bereits seit 2010 befindet sich im öffentlichen Raum vor der Kamenzer Straße 10 eine kleine Gedenktafel, die an die Geschichte des Ortes und Leid der Opfer erinnert. Die Tafel wurde von Vertreter/-innen des VVN Bund der Antifaschisten/-innen initiiert, sie wurde in den vergangenen Jahren immer wieder zerstört und in Privatinitiative erneuert.
     
  • Bis zum III. Quartal 2020 lässt die Stadt Leipzig durch das Landesamt für Denkmalschutz Sachsen prüfen, ob der Gebäudekomplex in der Kamenzer Straße 10/12 unter Denkmalschutz gestellt werden kann.
     
  • Das „Gedenken an die Opfer und Orte der Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Leipzig“ wird im Konzept „Erinnerungskultur der Stadt Leipzig“ mit dem Ziel berücksichtigt, die Aufarbeitung der Geschichte der Zwangsarbeit zu befördern. Die „Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig“ und weitere Akteure werden einbezogen.

 

 

2. Realisierungs- / Zeithorizont

 

Die Realisierung der Gedenktafel am Haus Kamenzer Straße 10/12 ist für 2020 geplant.

 

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Stammbaum:
VI-A-08161   Entwicklung eines Konzeptes zum Gedenken an die Opfer und Orte von Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Leipzig   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Antrag
VI-A-08161-VSP-01   Entwicklung eines Konzeptes zum Gedenken an die Opfer und Orte von Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Leipzig   41 Kulturamt   Verwaltungsstandpunkt
VI-A-08161-NF-02   Entwicklung eines Konzeptes zum Gedenken an die Opfer und Orte von Zwangsarbeit im Nationalsozialismus in Leipzig   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Neufassung