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Vorlage - VI-F-08103-AW-01  

 
 
Betreff: Perspektive des Radrennens "neuseen classics" in Leipzig
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:schriftliche Antwort zur Anfrage
Einreicher:Dezernat Umwelt, Ordnung, SportBezüglich:
VI-F-08103
Beratungsfolge:
Ratsversammlung mündliche/schriftliche Beantwortung

Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

 

 

 

I.                   Sachverhalt

 

Am Standort Alte Messe befinden sich seit fünf Jahren Start und Ziel der „neuseen classics“. Die Strecke führt in den Leipziger Südraum mit Störmthaler See und Markkleeberger See sowie den angrenzenden Ortschaften und hat sich in den letzten vier bis fünf Jahren bewährt. Durch den Fortschritt des Ausbaus der Autobahn in Richtung Chemnitz im Leipziger Süden wird die Streckenfindung zukünftig durchaus problematisch.

 

Für die Stadt Leipzig und die gesamte Region können neue Impulse gesetzt werden, wenn über eine neue Streckenplanung nachgedacht und diese letztendlich umgesetzt wird. Eine mögliche Neuerung könnte eine Einbeziehung der Innenstadt bei der Strecke sein. Mit Start und Ziel auf der Alten Messe könnte das gesamte Teilnehmerfeld stadteinwärts einen Teil des Rings befahren, die Innenstadt, den Marktplatz, um dann über die B 95 Richtung Leipziger Süden zu fahren. Bei der Durchführung der Stadtstrecke würde man den Renncharakter aushebeln, indem man das gesamte Feld kontrolliert als Konvoi durch die Stadt führt, so dass eine temporäre Sperrung im Zeitraum von 9 bis 9:30 Uhr notwendig wird. Man würde den Teilnehmern einen ganz besonderen Höhepunkt schaffen, und die Stadt Leipzig als Sportstadt und leuchtende Metropole schafft sich ein Alleinstellungsmerkmal.

 

Es gibt wenige Breitensportveranstaltungen in der Region, die touristisch so ein Potenzial haben wie die „neuseen classics“ und übergreifend die Städte Leipzig und Markkleeberg, den Landkreis Leipzig und durch die 300 km-Strecke auch große Teile Sachsen-Anhalts in der Metropolregion Mitteldeutschland miteinander verbindet. Durch den Wegfall diverser großer Radsport-Veranstaltungen (unter anderem zuletzt das Velothon Berlin) bietet sich für Leipzig die Chance, die größte Rad-Breiten-Sportveranstaltung Ost-Deutschlands zu entwickeln. Konzeptionell könnte überlegt werden, den Start- und Zielbereich komplett in die Stadt zu verlegen.

 

Ich bitte um Beantwortung folgender Fragen:

 

 

 

 

 

 

Frage 1.: Unterstützt die Stadtverwaltung eine Streckenführung durch die Leipziger Innenstadt?

Bereits im Jahr 2008 gab es durch die damaligen Verantwortlichen/Anmelder der „neuseen classic“ den Wunsch, eine ca. 50 km lange Radrennstrecke durch das Stadtgebiet von Leipzig mit Start und Ziel in der Innenstadt (Marktplatz, Augustusplatz, Hauptbahnhof) zu führen.

 

In einer ämterübergreifenden Beratung mit der Polizei, den Leipziger Verkehrsbetrieben, der Straßenverkehrsbehörde, der Branddirektion und dem Ordnungsamt/Veranstaltungsstelle wurde gemeinsam nach potentiellen Streckenverläufen und Start-/Zielbereichen gesucht. Das Hauptproblem waren hierbei die wenigen für ein Radrennen geeigneten Straßen, die eine entsprechende Breite, einen geeigneten Belag bzw. Straßenzustand und zwingend kein Gleisbett im Fahrbahnbereich aufweisen. Außerdem gibt es durch die das Stadtgebiet querenden Bahntrassen der DB nur wenige Ausfallstraßen, die ins Umland und wieder zurückführen.

 

Die angedachten Start-/Zielbereiche Augustusplatz, Marktplatz bzw. Hauptbahnhof erwiesen sich schon damals als zu klein bzw.  ungeeignet. Der gesamte Straßenbahnverkehr und z. T. der Busverkehr kämen zum Erliegen, der Beförderungsauftrag der Verkehrsbetriebe hätte nicht mehr erfüllt werden können.

 

Die Kosten für die komplette Streckensperrung einschließlich Gitterung würden eine nicht überschaubare Dimension annehmen.

 

In Folge wurde die Idee eines zentrumsnahen Radrennens durch die Veranstalter der „neuseen classic 2008“ als unrealistisch und auch als äußerst kostenintensiv verworfen.     

Die infrastrukturellen Bedingungen haben sich im Verlauf von 19 Jahren nicht wesentlich geändert. Auf Grund der mittlerweile stetig prosperierenden Stadt Leipzig haben sich die Bedingungen zur Durchführung einer derartigen Veranstaltung im Hinblick einer stetig steigenden Bevölkerungszahl einhergehend mit wesentlich mehr Individual- und öffentlichen Personennahverkehr eher verschlechtert.

 

Bereits jetzt sind, neben den traditionellen Veranstaltungen, sehr viele Breiten- und Trendsportveranstaltungen in innerstädtischen Bereichen etabliert.

 

 

 

 

 

Eine mögliche Streckenführung als Entwicklung durch die Leipziger Innenstadt (Option "neutraler Start") bedarf der detaillierten Konzeption durch den Veranstalter, muss durch die entsprechenden Stellen geprüft werden und muss im üblichen Kosten- und Finanzierungsplan der Veranstaltung darstellbar sein.

 

 

Frage 2.: Besteht nach Meinung der Stadtverwaltung die Möglichkeit, den Start und Zielbereich dieser Veranstaltung in die Leipziger Innenstadt zu verlegen?

 

Im Stadtgebiet von Leipzig dürfen nach § 29 Abs.  2 StVO erlaubnispflichtige Radrennveranstaltungen nur auf vollständig gesperrten Strecken durchgeführt werden. Zur Absicherung der Radrennstrecken, auf der die Teilnehmer teilweise mit mehr als 50 km/h unter Wettkampfbedingungen fahren, muss zum Schutz von Leib und Leben von Veranstaltungsteilnehmern und Unbeteiligten zwingend jeglicher anderer Verkehr ausgeschlossen werden, d. h. nicht nur den motorisierten Individual-, sondern auch Fußgänger- und Radverkehr. Zu erreichen ist dies nur durch eine komplette Gitterung der Strecken, gerade im Innenstadtbereich und den Kreuzungsbereichen, wo ein erhöhter Fußgänger- und Radverkehr stattfindet einhergehend mit einer Vielzahl von Ordnern des Veranstalters, um den Verkehrszeichen und Sperrungen personellen Nachdruck zu verleihen.

 

In der Regel lehnt die Polizeidirektion Leipzig die Einrichtung von Schleusen zur Querung der Rennstrecken ab bzw. geht damit sehr restriktiv um, so dass bei Rundkursen ganze Wohngebiete abgehängt werden würden.

 

Dies ist den Anliegern (Geschäfte, Firmen, Arztpraxen, Parkhäuser und Tiefgaragen, Kirchen, Tankstellen, Krankenhäuser, Hotels und Gaststätten usw.) bzw. Anwohner und Verkehrsteilnehmern schwer vermittelbar und führt zunehmend zu Schadenersatzansprüchen. Zusätzlich bedeutet dies große Einschränkungen für Rettungsfahrzeuge, Pflegedienste und andere soziale Dienste.

 

Die gesamte Radrennstrecke wird in der Regel mit Haltverboten (Vz. 283) gesichert, da der ruhende Verkehr eine Gefahrenquelle für die Rennfahrer darstellt.

 

 

 

 

Die Auswirkungen für die Bevölkerung der Stadt werden wegen der komplexeren Absperrungen viel drastischer sein als beim Marathon, der jedes Jahr Ende April stattfindet (hier beträgt die Strecke lediglich          21 km).

 

Eine derartige Veranstaltung stellt sehr hohe Anforderungen an den Veranstalter (Beschilderungs- und Absperrkosten, Ordneranzahl, Einverständnis von Anwohnern und Anliegern, Zusatzkosten für Ersatzverkehr ÖPNV). Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die Veranstaltung bereits in der aktuellen Streckenführung mit Start und Ziel auf dem Alten Messegelände für alle beteiligten Partner eine hohe Belastung darstellt.

 

Aus ordnungsrechtlicher Sicht kann die Verlagerung auf den Marktplatz nicht empfohlen werden, da schon unter normalen Bedingungen der öffentliche Raum in der Innenstadt mit wachsenden Nutzungskonflikten belastet ist. Insbesondere an den Wochenenden sollte die Innenstadt der kulturellen und touristischen Nutzung vorbehalten bleiben.

 

Aus Sicht der Stadtverwaltung hat sich der Start- und Ziel-Bereich auf der Alten Messe Leipzig aus nachfolgenden Gründen bislang gut bewährt:

 

- gut nutzbare, erreichbare und ausreichende Veranstaltungsflächen

 

- vielfältige Nutzung des Geländes und dadurch Belebung der Fläche

 

- gute Anbindung in die Region,

 

- Absperrmaßnahmen und Belastungen für Anwohner halten sich auf Grund der aktuellen Streckenführung im Rahmen (bereits hohe Belastung der Anwohner durch verschiedene Sportveranstaltungen wie Marathon, Halbmarathon, neuseen classics im bisherigen Rahmen, LVZ- Fahrradfest)

 

- günstige Möglichkeiten für An- und Abreise der Teilnehmer inkl. bestehender Parkmöglichkeiten

 

Unter Berücksichtigung dieser Darlegungen sollte die Veranstaltung „neuseen classics“ am bestehenden Start- und Zielbereich Alte Messe Leipzig verbleiben und unter Beteiligung der anliegenden Gemeinden regional weiterentwickelt werden.

 

 

 

 

Frage 3.: Welche Möglichkeit der ideellen und investiven Förderung zur Weiterentwicklung der „neuseen classics“ bestehen durch die Stadt Leipzig?

 

Die Stadt Leipzig fördert die Veranstaltung „neuseen classics“ auf Grundlage des Sportprogramms 2024 für die Stadt Leipzig im Rahmen der Sportförderrichtlinie mit einer Projektförderung i. H. v. 50.000 EUR.

 

Eine Förderung ist gemäß Sportprogramm 2024 vorbehaltlich der Planungen zum Doppelhaushalt 2021/2022 weiterhin eingeplant. Eine weitere Erhöhung der Projektförderung ist auf Grund des begrenzten Budgets und der nach Sportprogramm 2024 definierten Veranstaltungsvielfalt nicht möglich. Die Überlegungen zur weiteren Entwicklung müssen im Budget der Veranstaltung und mit der beschriebenen Förderkulisse darstellbar sein.

 

Eventuelle investive Förderungen sind aus Konzept- und Durchführungspraxis derzeit nicht vor- oder absehbar aus Sicht der Gebietskörperschaft Leipzig.

 

 

 

Stammbaum:
VI-F-08103   Perspektive des Radrennens "neuseen classics" in Leipzig   Geschäftsstelle der Fraktion DIE LINKE   Anfrage
VI-F-08103-AW-01   Perspektive des Radrennens "neuseen classics" in Leipzig   52 Amt für Sport   schriftliche Antwort zur Anfrage