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Vorlage - VI-F-08041-AW-01  

 
 
Betreff: Veränderte Klimabedingungen - Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:schriftliche Antwort zur Anfrage
Einreicher:Dezernat Umwelt, Ordnung, SportBezüglich:
VI-F-08041
Beratungsfolge:
Ratsversammlung

Sachverhalt

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Sachverhalt:

 

Städte sind in besonderem Maße von den unmittelbaren Folgen des Klimawandels in Form lokaler Temperaturerhöhungen und Extremwetterereignissen betroffen.

 

Die Ausprägung städtischer Wärmeinseln sowie die Zunahme von Sommer- und Hitzetagen mit folgenden Tropennächten im Jahresverlauf sind Vorboten der stetig fortschreitenden Erderwärmung mit ihren gesundheitlichen und lebensqualitativen Auswirkungen auf die Stadtbevölkerung.

 

Die Stadt Leipzig soll trotz zunehmender Wärmebelastung ein attraktiver Wohnort bleiben und möglichen Wanderungstendenzen in das geringer wärmebelastete ländliche Umland entgegenwirken.

 

Ziel ist es, auf die prognostizierten Veränderungen des Stadtklimas sowie des Wasserhaushalts mit einer klimagerechten Stadtplanung unter der Berücksichtigung gesunder Wohn- und Arbeitsverhältnisse zu reagieren.

 

Klimawandelangepasste Strategien müssen gleichermaßen in den Bereichen Mobilität, Gesundheit, Stadtentwicklung, Freiraum und Stadtgrün sowie Regenwassermanagement implementiert werden, um angemessen auf die sich ändernden klimatischen Rahmenbedingungen reagieren zu können. 

 

 

Zu 1. Ist die Sicherung von Trinkwasser für die Bevölkerung eine Pflichtaufgabe der Stadt? Welche Maßnahmen hat die Stadtverwaltung veranlasst, um in Leipzig die Trinkwasserversorgung in Qualität und Menge nachhaltig zu sichern?

 

Die Sicherung der Trinkwasserversorgung ist Hoheitsaufgabe der Stadt Leipzig. Zur Erfüllung der damit verbundenen Aufgaben sind die Leipziger Wasserwerke beauftragt.

 

Die Entwicklung von geeigneten Klimaanpassungsstrategien wird dabei intensiv mit den Gesellschaftern der Leipziger Wasserwerke und auch mit dem Aufsichtsrat diskutiert.

 

Konkret wurde dazu zum Beispiel in der Aufsichtsratssitzung am 12.09.2018 berichtet.

 

Bei den Anpassungsstrategien ist zu berücksichtigen, dass durch längere Trockenphasen verbunden mit hohen Temperaturen, der Grundwasserstand in den Gewinnungsgebieten sinkt und gleichzeitig der Wasserverbrauch verbunden mit hohen Spitzenabnahmen ansteigt.

 

Kurz zusammengefasst werden die folgenden Maßnahmen durch die Leipziger Wasserwerke erarbeitet und umgesetzt:

 

  • Umsetzung des Zukunftskonzeptes Trinkwasserversorgung 2030:  Im Programm sind Maßnahmen enthalten, die zu einer Erhöhung der Systemresilienz im Hinblick auf klimatische Veränderungen führen werden. Unter anderem sind im Zukunftskonzept die Errichtung eines neuen Wasserwerkes in Naunhof und das Schließen des Fernleitungsringes vorgesehen.

 

  • Weiterführung und Beschleunigung des Brunnenbauprogramms: Um die Gewinnungskapazität in den Wasserwerken dauerhaft sicherzustellen, wurden von 2014 bis 2018 insgesamt 94 Brunnen neu errichtet und damit alte, nicht mehr ergiebige, Brunnen ersetzt. Dieses Programm wird nach Auswertung des Rekordsommers in 2018 nun beschleunigt fortgeführt.

 

  • Berücksichtigung der erwarteten Extremwerte von Grundwasserständen bei der technischen Weiterentwicklung der Fassungsanlagen (z. B. Tiefe und Anordnung der Sammelbrunnen)

 

  • Enge Zusammenarbeit mit der Fernwasserversorgung Elbaue-Ostharz GmbH, von der ca. ein Viertel des Trinkwasserbedarfes für Leipzig abgedeckt wird. Mit der Vereinbarung einer höheren Vorhalteleistung für die kommenden Jahre wird sowohl dem Bevölkerungswachstum als den zu erwartenden klimatischen Einflussfaktoren Rechnung getragen. Insgesamt können die Leipziger Wasserwerke dadurch auf drei unabhängige Bezugsgebiete zurückgreifen (Fernwasserversorgung aus Elbaue, Wasserwerke Canitz und Thallwitz mit Uferfiltrat aus der Mulde und Wasserwerke in Naunhof). Das Gesamtsystem ist dadurch sehr robust.

 

  • Überprüfung und ggf. Weiterentwicklung der Klimaprognose- und Grundwasserneubildungsmodelle mit dem Ziel, die Auswirkungen von klimatischen Änderungen auf das Wasserdargebot noch besser abschätzen zu können um die Anpassungsstrategien dann daran auszurichten.

 

Das Thema der Veränderung der Wasserdargebote aufgrund des Klimawandels und der notwendigen Anpassungsstrategien ist auch Bestandteil der aktuell in der Bearbeitung befindlichen Grundsatzkonzeption Wasserversorgung 2030 des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL).

 

Die Leipziger Wasserwerke arbeiten hier im Fachbeirat mit.

 

 

 

Zu 2. Welche Maßnahmen der Stadtplanung wurden bereits ergriffen, um den Aufenthalt im Freien auch bei steigenden Temperaturen bzw. für gesundheitlich angegriffene Menschen, Kinder und Senioren so schonend wie möglich zu gestalten (z. B. Berücksichtigung des Schattenwurfs der Gebäude bei Bauplänen, Berücksichtigung des Sonnenstandes bei Glasfassaden, zusätzliche Grünflächen etc.)?

 

Die Stadtverwaltung Leipzig hat den Auftrag, die im INSEK festgelegten Ziele (Z 3) umzusetzen. Derzeit sind hierzu u. a. die Stadtklimaanalyse mit der Phase 2 sowie der Masterplan Grün Leipzig 2030 in Erarbeitung.

 

Mit diesen beiden Maßnahmen erfolgt im Moment eine umfassende „Bestandsaufnahme“ im Stadtraum.

 

Damit werden die Grundlagen geschaffen, um eine inhaltliche und räumliche Priorisierung im Stadtgebiet vorzunehmen und so die Lebensqualität in Leipzig zu erhalten und den veränderten Klimabedingungen und der damit verbundenen Überhitzung der Stadt Rechnung zu tragen.

Erst hieraus leiten sich die nächsten Schritte mit konkretem Flächenbezug ab, die durch integrierte Arbeitsweise und entsprechend den Zuständigkeiten genauer untersetzt werden können.

 

Das Thema Hitze in der Stadt findet hierin Berücksichtigung.

 

Im aktuellen Entwurf des Straßenbaumkonzeptes sind die Prioritätengebiete aus den relevanten städtischen Konzepten und Planungen dargestellt und mit städtischen Wärme-Hotspots überlagert.

 

Die Auswahl der Baumarten, die dem vorhandenen und prognostizierten Klimawandel mit Hitze- und Dürreperioden standhalten können, wird in Leipzig bereits praktiziert. Klimaresiliente Baumarten, wie Silber-Linde, Hopfenbuche, Zerr-Eiche u. a., werden in größeren Umfängen gepflanzt.

 

 

Zu 3. Welche Maßnahmen der Planungen bei den Verkehrsbetrieben wurden bereits ergriffen, um den Aufenthalt in Bahnen, Bussen und an Haltestellen auch bei steigenden Temperaturen bzw. für gesundheitlich angegriffene Menschen, Kinder und Senioren so schonend wie möglich zu gestalten?

 

In der Beauftragung von Bauplanungen in der Infrastruktur des ÖPNV und seiner Arbeitsplätze haben Aufenthaltsqualität und technische Standards hohe Bedeutung.

 

Mobilitätswunsch und Angebot, aber auch die Art des Angebots und die Begleitbedingungen sind mit ausschlaggebend für die Kundennutzung.

 

So dienen Haltestellenunterstände dem Wetterschutz und bieten eine Sitzmöglichkeit.

 

Bei der Grünpflege außerhalb des Gleisschotterbereiches, auf Grünflächen, zwischen Gebäuden und auf Wegen, werden gemäß Stadtratsbeschluss keine Pestizide mehr eingesetzt und eine ökologisch wertvolle Flächenbearbeitung steht zunehmend im Vordergrund
(z. B. insektenfreundlich).

 

Die Zunahme an Rasengleisen, die im mikroklimatischen Bereich Wirkung entfalten, ist Unternehmensstrategie und wird jährlich berichtet.

 

Rasengleise können wirtschaftlich begründet nur schrittweise und an geeigneten Strecken eingebaut werden, sollten vor allem dem Stadtzentrum und Stadtgebieten mit großem Versiegelungsgrad in Angrenzung zu Gute kommen, erzeugen aber auch fortwährend Pflegeaufwand.

In der Fahrzeugbeschaffung wird das Thema Klimaanlage seit Jahren beraten, denn zunehmend werden diese von Kunden erwartet, steigern aber auch erheblich den Energieverbrauch.

 

So wurden bei Ausschreibungen von Bussen und Bahnen in der Vergangenheit vor allem auf Lüftung und sinnvolle Fensteranordnung (kippbar) gesetzt und nur die Fahrerkabine aus Sicherheitsgründen klimatisiert.

 

Mit Einführung der Silberpfeile (Busse 2000) sowie des Straßenbahntyps XXL konnte der ansteigende Energieverbrauch durch erste Klimaanlagen im Fahrgastraum deutlich nachgewiesen werden.

 

Bei der Beschaffung der heutigen neuen Bahnen vom Typ XL, deren Fuhrpark weiter in Aufwuchs ist und auch zur Tatra-Ablösung dient, ist eine effiziente Klimaanlage und Lüftung ein wichtiges Thema.

 

Im Ergebnis sind die Bahnen mit einem System aus Lüftung, Heizung und Klimaanlage für Fahrgastraum und Fahrerkabine ausgestattet, welches differenziert sowohl auf die Außenbedingungen als auch den Besetzungsgrad des Fahrzeuges eingehen kann, um neben der Aufenthaltsqualität auch den Energieeinsatz möglichst effizient zu halten.

 

Die Bahnen sind zudem weiterhin auch mit Klappfenstern als Rückfallebene bei Ausfall des Systems ausgestattet (Öffnung mit Vierkant erst im Bedarfsfall).

 

Die Verkehrsbetriebe verfolgen das Ziel, die Innentemperatur nicht auf einen starren Sollwert zu bringen bzw. zu reduzieren, sondern energetisch sowohl sinnvoll zu heizen als auch zu kühlen.

 

Zudem ist bei Hitze eine zu stark abgesenkte Raumtemperatur ebenso nicht erwünscht. Neue Busse erhalten neben der Heizung weiterhin die Dachlüfter für ein bisher ausreichendes Entlüftungssystem.


Zu 4. Ist die Wiederinbetriebnahme von Brunnen zur Verbesserung des Stadtklimas geplant? Wenn ja, welche Brunnen sind das? Falls nein, warum nicht? Ist die zusätzliche Aufstellung von Brunnen zur Verbesserung des Stadtklimas geplant? Wenn ja, an welchen Standorten? Falls nein, warum nicht?

 

Die Sicherung und Entwicklung von Wasserflächen auch im innerstädtischen Bereich hat eine ausgleichende Wirkung auf die Lufttemperatur und das Mikroklima.

 

Die weitere Öffnung von Gewässern bleibt unter diesem Aspekt ein strategisches Ziel.

 

Darüber hinaus hat die Wiederinbetriebnahme von Brunnen nicht nur einen gestalterischen Anspruch, sondern ebenso einen wesentlichen Einfluss auf die Verbesserung des lokalen Stadtklimas.

 

Aktuell wird an der Planung für die Wiederherstellung des Brunnengartens im Richard-Wagner-Hain gearbeitet.

 

Durch die Leipziger Wasserwerke werden seit 2018 jährlich zwei neue Trinkbrunnen im öffentlichen Stadtraum aufgestellt und von April bis Oktober betrieben.

 

Die Standortauswahl erfolgt im Rahmen eines öffentlichen Abstimmungsprozesses.

 

 

 

Zu 5. Welche Maßnahmen in Bezug auf pflegearme, aber klimatisch nachteilige Außengestaltung (z.B. Schotter und Kies statt Pflanzen) ergreift die Stadt?

 

Auf die klimatisch möglichst vorteilhafte Freiflächengestaltung im Zusammenhang mit Planung und Errichtung von baulichen Anlagen wird durch die Stadtplanung im Planungs- und Genehmigungsprozess Einfluss genommen.

 

Hierzu dienen z.B. die umweltrelevanten Festsetzungen der Bebauungspläne zur Begrenzung der Flächenversiegelung und Erhaltung der Oberflächenversickerung, zur Begrünung von ebenerdigen und Gebäudeflächen, zur Nutzung von Albedoeffekten und zur Wasserrückhaltung und Bewirtschaftung von Oberflächenwasser.

 

Bei Bauvorhaben erfolgen eine entsprechende Beratungstätigkeit und ggf. Auflagen in der Baugenehmigung.

Bei der Aufstellung neuer Bebauungspläne wird zudem in vielen Fällen ein eigenes Klimagutachten erstellt.

 

Dies trifft insbesondere auf große Flächen in klimarelevanten Lagen, wie Belastungsgebiete oder Kaltluftschneisen zu.

 

Das Klimagutachten ist Grundlage zur Optimierung der vorliegenden Planung hinsichtlich stadtklimatischer Gesichtspunkte.

 

Der Aufenthaltsqualität im Freien sowie der Durchlüftungswirkung zur Reduzierung nächtlicher Wärmestaus wird dabei besondere Aufmerksamkeit zuteil.

 

Allerdings ist das Ergebnis einer Planung stets das Ergebnis einer Abwägung verschiedener Belange.

 

Darüber hinaus hat die Stadt zukünftig mit der Stadtklimamodellierung gezielte Aussagen für den Gebäude- und Grünflächenbestand.

 

Es sind dann geeignete Instrumente zu entwickeln, um Defizite konsensorientiert aufzulösen.

 

In Grünordnungskonzepten von Bebauungsplänen werden durch Festsetzungen oder Städtebauliche Verträge in aller Regel verbindlich Festlegungen zu folgenden stadtklimatisch relevanten Bereichen getroffen:

 

-         Anlage neuer Grünflächen und Straßenbaumpflanzungen

-         Begrünung der Grundstücke durch Baum und Strauchpflanzungen,

-         Begrünung von Gebäuden durch Dach- und Fassadenbegrünung,

-         Begrenzung der Versiegelung und Forderung von wasserdurchlässigen Belägen

 
 

Stammbaum:
VI-F-08041   Veränderte Klimabedingungen - Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung   01.15 Büro für Ratsangelegenheiten   Anfrage
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