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Vorlage - VI-A-07939-VSP-01  

 
 
Betreff: Masterplan Hochhäuser
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Verwaltungsstandpunkt
Einreicher:Dezernat Stadtentwicklung und BauBezüglich:
VI-A-07939
Beratungsfolge:
DB OBM - Vorabstimmung
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
FA Stadtentwicklung und Bau Vorberatung
27.08.2019    FA Stadtentwicklung und Bau      
Ratsversammlung Beschlussfassung
04.09.2019 
Ratsversammlung zur Kenntnis genommen     

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlagen:
1992-10_Protokoll HH-Kolloquium

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

Rechtliche Konsequenzen

Der gemäß Ursprungsantrag gefasste Beschluss wäre

Rechtswidrig und/oder

Nachteilig für die Stadt Leipzig.

 

 

Zustimmung

Ablehnung

Zustimmung mit Ergänzung

Sachverhalt bereits berücksichtigt

Alternativvorschlag

Sachstandsbericht

 

 

 

Beschlussvorschlag:

 

Der Stadtrat fühlt sich auch weiterhin an das Ergebnis des Hochhauskolloquiums

von 1992 gebunden. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, der Ratsversammlung die Errichtung von Hochhäusern nur an den Standorten vorzuschlagen, wo ein Gewinn für die Stadtgestalt und die Stadtkomposition erzielt wird. 

 

 

Anlass der Vorlage:

 

Rechtliche Vorschriften   Stadtratsbeschluss   Verwaltungshandeln

Sonstiges: Antrag

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

Finanzielle Auswirkungen

 

x

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

x

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

x

nein

 

wenn ja,

Beantragte Stellenerweiterung:

Vorgesehener Stellenabbau:

Beteiligung Personalrat

x

nein

 

ja,

 

Beschreibung des Abwägungsprozesses:

 

Entfällt.

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Sachverhalt:

 

Leipzig wird städtebaulich von seiner historisch gewachsenen, gründerzeitlich geprägten, kompakten und homogen erscheinenden Stadtstruktur mit einer sehr kleinen City und einem ausgedehnten Kranz an Vorstädten geprägt. Dies ist ein wesentliches Charakteristikum der Stadt. Die wenigen im 20. Jahrhundert an markanten Punkten der Stadt gebauten Hochhäuser wurden vor allem im Kontext dieses Stadtbildes konzipiert und stadtkompositorisch reflektiert. Dieses unverwechselbare Gesicht der Stadt Leipzig gilt es zu bewahren und behutsam weiterzuentwickeln.

 

Die Hochhäuser (90 bis 100 m: City-Hochhaus, Wintergartenhochhaus, Hotel Westin) konzentrieren sich als Landmarken auf die historische Innenstadt. Dazu unterstützen i.d.R. 50 m hohe Bauten stadtgestalterisch die polyzentrische Struktur der Stadt, die Weiterentwicklung der Hauptnetze des Verkehrs und setzen stadträumliche Akzente (Kroch- bzw. Europahaus, 16geschossige Wohnhochhäuser z.B. in der Straße des 18. Oktober, am Johannapark, am Alleecenter, Büchertürme der Deutschen Bücherei, Verwaltungszentrale des MDR u.a.).

 

„An weiteren Hochhäusern besteht in Leipzig … grundsätzlich kein Bedarf. … [Es] wäre stadtentwicklungspolitisch äußerst unklug, punktuell hohe Dichten zuzulassen, wo es an anderer Stelle große Areale gibt, die dringend entwickelt werden müssen, …*)

 

*) Lütke Daldrup, Engelbert: Leipzig. Vorstellung des Dezernenten für Planung und Bau. In: Stadtbauwelt 12/1996, Berlin, Seite 686-673

 

Diese Flächenpotentiale bestehen auch 20 Jahre nach Erscheinung des Artikels in der Stadtbauwelt noch (Eutritzscher Freiladebahnhof, Bayerischer Bahnhof, Hauptbahnhof Westseite z.B.); es herrscht grundsätzlich keine Flächenknappheit. Die Flächendichten, die sich im normalen Geschosswohnungsbau unter Ausschöpfung dieser Potentiale erzielen lassen, sind höher als durch eine Ansammlung von Hochhäusern.

 

Die Flächeneffizienz, gemessen am Verhältnis von nutzbarer Mietfläche zur Bruttogrundrissfläche pro Etage, ist bei Hochhäusern deutlich schlechter als bei normalhohen Gebäuden. Der Bau von Hochhäusern ist im Vergleich zur Regelbauweise mit Mehrkosten von bis zu 20% verbunden (z.B. durch Brandschutzvorschriften). Es entsteht ein höherer Aufwand für die vertikale Erschließung und Versorgung. Es ist aufgrund der Windverhältnisse kein außenliegender, effektiver Sonnenschutz möglich. Fassaden-, Lüftungs- und Raumkonditionierungskonzepte erfordern einen höheren Aufwand und eine deutlich teurere Bewirtschaftung/Unterhaltung. Das alles macht die Erstellung von mietpreisgebundenem Wohnungsbau in Hochhäusern nahezu unmöglich.

 

Des Weiteren besitzen zwischen Hochhäusern erhaltene Freiflächen aufgrund unwirtlicher Licht- und Windverhältnisse eine deutlich schlechtere Aufenthaltsqualität. So verschaffen Hochhäuser eher selten einen städtebaulichen Gewinn für ihr Umfeld.

 

Dennoch – „Jedes Prinzip lässt eine Ausnahme zu, …“ *): Hochhäuser besitzen einen starken Symbolcharakter und Imagekomponente; sie sind Ausdruck materieller und ideeller Qualitäten. Leipzig versteht sich als Großstadt und auch wenn aus Sicht der Flächennutzung aufgrund der hohen Potentiale Hochhäuser als Element der Verdichtung nicht unbedingt erforderlich sind, so ist dennoch der Einsatz von Höhendominanten ein städtebauliches Mittel, auf das nicht grundsätzlich verzichtet werden sollte. Sorgfältig eingeordnet können Hochhäuser städtebaulich bereichernd wirken, Stadt und Stadtstruktur markieren und neue Inhalte/Funktionen verkörpern.

 

Ziel ist es, Hochhäuser dort zu platzieren, wo ein Gewinn für die Stadtgestalt erzielt wird. Dazu ist kein Masterplan erforderlich, für den dem Stadtplanungsamt auch die personellen Ressourcen fehlen. Die relative "Unversehrtheit" der Stadtstruktur gestattet es, die Einordnung von Hochhäusern - überlegt nach differenzierten und ausgewogenen Maßstäben im Sinne der Stadtkomposition - im Einzelfall zu entscheiden. Über den erforderlichen architektonischen Wettbewerb und die im Regelfall erforderliche Bauleitplanung zur Herstellung der Genehmigungsfähigkeit von Hochhäusern ist die Beteiligung der Ratsversammlung und der Öffentlichkeit sichergestellt. Die vorhandenen personellen Ressourcen werden die notwendige Bauleitplanung absichern.

 

Dies ist im Bereich der „Hauptbahnhof-Westseite“ und der „Freiladebahnhofs Eutritzsch“ gegeben, wo 16Geschosser die Einmündung des neuen Stadtquartiers in die Berliner Straße bzw. den neu entstehenden Stadtplatz akzentuieren. Auch im neuen Stadtraum Bayerischer

Bahnhof werden höhere Gebäude wichtige Blickachsen markieren. Im Bereich des Dösner

Weges bildet ein 11geschossiges Wohnhochhaus (ca. 37 m) den nördlichen Auftakt des

Ensembles aus insgesamt 5 Geschosswohnungsbauten (Bauvorbescheid). Unstrittig ist die

Komplettierung der Markierung des Stadtzentrums im Weichbild der Stadt durch ein 90 bis

100 m hohes Gebäude am Goerdelerring/Randstädter Steinweg.

 

Höhenbetonungen in Relation zum Umfeld und dem stadträumlichen Bezug sind zudem denkbar an Stadteinfahrten, im Bereich des Tangentenvierecks, an der Lützner Straße, am Bayrischen Platz/Straße des 18. Oktober und bei der Fortschreibung des Neubauquartiers Paunsdorf.

 

 

Anlage:

 

Protokoll des Hochhauskolloquiums vom 09./10.1992

Stammbaum:
VI-A-07939   Masterplan Hochhäuser   Geschäftsstelle der Fraktion Freibeuter   Antrag
VI-A-07939-VSP-01   Masterplan Hochhäuser   61 Stadtplanungsamt   Verwaltungsstandpunkt
VI-A-07939-NF-02   Masterplan Hochhäuser   Geschäftsstelle der Fraktion Freibeuter   Neufassung