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Vorlage - VI-A-07963  

 
 
Betreff: Vermeidung von Lichtverschmutzung - Prüfung einer Lichtsatzung
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Gabelmann, Ute Elisabeth
Beratungsfolge:
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
17.04.2019 
Ratsversammlung (offen)   
FA Stadtentwicklung und Bau 1. Lesung
23.04.2019    FA Stadtentwicklung und Bau      
FA Umwelt und Ordnung 1. Lesung
30.04.2019    FA Umwelt und Ordnung      

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Beschlussvorschlag:

 

1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, im Interesse des Schutzes von Natur und ungestörtem Schlaf sowie des Nachthimmels, zur Reduzierung von Lichtemissionen die Einführung einer Lichtsatzung zu prüfen.

Ebenfalls soll geprüft werden, inwieweit die Stadt mit einer solchen Satzung die Vermeidung unnötiger Beleuchtung gegenüber Gewerbe und Privatpersonen durchsetzen kann.

 

2. Die Stadtverwaltung legt bis zum IV.Quartal 2019 einen eigenen Katalog vor, mit welchen Maßnahmen sie zur Reduzierung der Lichtemissionen beitragen wird.

 

2. Die Stadtverwaltung wird beauftragt mit der Erstellung von Informationsmaterial für Betreiber von Beleuchtungsanlagen und Bauherren, das die Grundzüge einer energiesparenden, effizienten und umweltschonenden Beleuchtung vermittelt.

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Sachverhalt:

 

Die Belastung von Mensch und Natur durch Beleuchtung wird zunehmend kritisch betrachtet. Umweltschäden wie das Einfangen von Nachtfaltern durch Leuchten, Vertreibung von Fledermäusen, Störung des Fischzuges und der Ernährung von Fischen und Ablenkung von Zugvögeln sind dokumentiert. Es gibt außerdem Belege dafür, dass

starke künstliche Beleuchtung das zirkadiane System des Menschen stört, die Ausschüttung von Melatonin verhindert und damit zu Schlafstörungen führt. Für Mensch und Natur sind Ruhepausen mit möglichst wenig Licht deshalb wichtig.

 

Ebenfalls ist es zunehmend in der Großstadt nicht mehr möglich, eine wissenschaftlich-astronomische Beobachtung des Nachthimmels oder von besonderen astronomischen Ereignissen durchzuführen.

 

Jedoch wird eine stetige Zunahme der nächtlichen Lichtemissionen festgestellt, weil effizientere und damit billigere Leuchtmittel zu einem Mehr vor allem an dekorativer Beleuchtung führen. Ein erheblicher Teil der Lichtverschmutzung rührt von privaten, vor allem gewerblichen Beleuchtungsanlagen her.

 

Beleuchtete Flächen im öffentlichen Raum wie Werbetafeln, Schaufenster und Ladenschilder können darüber hinaus eine blendende Wirkung haben. Sind sie heller als der Straßenraum, beeinträchtigen sie die Verkehrssicherheit, weil sie Blendung verursachen und das Nachtsehen einschränken.

 

In Tschechien und Frankreich wurden bereits Gesetze zur Reduzierung unnötiger Beleuchtung verabschiedet. "Unnötig" bezeichnet dabei Beleuchtung, die keine Funktion für Verkehrssicherheit, Arbeitssicherheit oder ähnliches hat, sondern vor allem werblichen und dekorativen Zwecken dient.

 

Als erste deutsche Stadt hat Fulda [2] in diesem Jahr eine Richtlinie zur Begrenzung der Lichtverschmutzung eingeführt. In der Einwohnerschaft fehlt es teilweise an den nötigen Kenntnissen über gute und zweckmäßige Beleuchtung und die Auswirkungen übermäßiger Beleuchtung. Informationsmaterial wäre deshalb für Betreiber von Beleuchtungseinrichtungen besonders im gewerblichen Bereich und Bauherren sinnvoll. So können sie sich bewusst für eine umweltschonende Beleuchtung entscheiden.

 

Die Satzung könnte Aussagen treffen zu:

- Verpflichtung privater Betreiber von Beleuchtungseinrichtungen, Beleuchtung über das notwendige Maß hinaus zu unterlassen

- Umgang mit Skybeamern, Uplights und Bodenstrahlern

- Umgang mit blinkender und bewegter Beleuchtung zu werblichen und dekorativen Zwecken in der Nachtschlafzeit

- möglicher Beschränkung der Leuchtdichte von beleuchteten Werbetafeln

- Umgang mit beleuchteten Firmenschildern, Werbetafeln und dekorativen Beleuchtungen in der Nachtzeit, falls in dieser Zeit vom Betreiber nicht gearbeitet wird bzw. Waren oder Dienstleistungen angeboten werden

- Reduzierung der Lichtintensität auf Firmenhöfen und Parkplätzen außerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit

- Umgang mit Beleuchtung von Waren in Schaufenstern

- Umgang mit Beleuchtung von natürlichen Gewässern in der Nachtzeit

- Festlegung von Ausnahmen im Rahmen von Veranstaltungen in ähnlicher Weise wie für die Überschreitung von Lärmgrenzwerten

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2
Stammbaum:
VI-A-07963   Vermeidung von Lichtverschmutzung - Prüfung einer Lichtsatzung   01.15 Büro für Ratsangelegenheiten   Antrag
VI-A-07963-VSP-01   Vermeidung von Lichtverschmutzung - Prüfung einer Lichtsatzung   61 Stadtplanungsamt   Verwaltungsstandpunkt