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Vorlage - VI-A-06461-NF-02  

 
 
Betreff: Opfer der Hexenverfolgung gedenken
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Neufassung
Einreicher:Beirat für GleichstellungBezüglich:
VI-A-06461
Beratungsfolge:
Ratsversammlung 2. Lesung
13.03.2019 
Ratsversammlung geändert beschlossen     

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

 

 

 

 

Beschlussvorschlag:

 

Der Oberbürgermeiser wird beauftragt, in geeigneter Form durch einen Akt im Geiste der Erinnerung und Versöhnung, der in Leipzig der Hexerei angeklagten und ermordeten Menschen zu gedenken und einen Ort des Gedenkens im öffentlichen Raum zu schaffen. Die Stadt Leipzig verurteilt die Gewalt, die an diesen Frauen, Männern und Kindern begangen wurde. Sie gedenkt der Opfer, rehabilitiert sie öffentlich und gibt ihnen damit heute im Namen der Menschenrechte ihre Würde zurück.

 

 

 

 

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Sachverhalt:


1479 wurde eine Frau, genannt die Slezieryn, durch das Stadtgericht Leipzig verurteilt zu Staupe-Schlägen, Brennen durch die Wangen und anschließend der Stadt verwiesen. Die ihr vorgeworfene strafbare Handlung lautete: Zauberei. Ihr Prozess war der erste z.Z. bekannte Prozess zu Hexerei/Zauberei in Leipzig.

Im Rahmen des Reformationsjubiläums 2017 erarbeitete der "Arbeitskreis zur Aufarbeitung der Hexenverfolgung in Leipzig/Sachsen" eine Ausstellung zum Thema www.hexenprozesse-leipzig.de, denn zur Geschichte Leipzigs und der Region gehört auch die Geschichte des Unrechts jahrhundertelanger Hexenverfolgung (1450 bis 1750). Doch gibt es um diesen Teil der Stadtgeschichte bis heute nur wenig öffentliche Reflektion und wenig öffentliches Bewusstsein. Auch in der 2015/2016 veröffentlichten Leipziger Stadtgeschichte (Band 1 und 2) findet sich kein Kapitel zur Hexenverfolgung, als hätte es in Leipzig keinen Schöppenstuhl oder keine Juristische Fakultät der Universität Leipzig gegeben, die in zahlreichen Prozessen – auch überregional – Urteile in Hexerei-Prozessen sprachen.

In der Stadt Leipzig wurden in der Zeit von 1479 bis 1730 nach momentanem Wissensstand 35 Prozesse zu Hexerei durchgeführt. Dass sehr wahrscheinlich weit mehr Urteile gesprochen und vollstreckt wurden, begründet sich in dem Zustand der Quellenlage. Allein zum Leipziger Schöffenstuhl (Obergericht des Kurfürstentums und Königreichs Sachsen; 1574 - 1835) existierten ursprünglich 700-800 "Spruchkonzept-Bände". Diese in Buchform zusammengefassten Gerichtsurteile dokumentieren auch die für Zauberei- und Hexerei-Prozesse relevanten Urteiledoch es existieren nur noch 14 dieser Bände. Im Vergleich: Vom Wittenberger Schöffenstuhl sind für den Zeitraum von 1530-1700 noch 211 Spruchkonzept-Bände nutzbar. (Manfred Wilde, Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, 2003)

Aus heutiger Sicht sind die wegen Hexerei verurteilten Frauen und Männer im Sinne der Anklage für unschuldig zu erklären. Doch die Opfer der Hexerei-Prozesse sind nie rehabilitiert worden, sie gelten bis heute als "schuldig im Sinne der Anklage" - nach Lage des damals gültigen Rechtssystems. Auch wenn die Stadt Leipzig nicht Rechtsnachfolgerin der damals politisch und kirchlich Verantwortlichen ist, so besteht dennoch eine ethische Verpflichtung gegenüber den unschuldig verfolgten und hingerichteten Opfern der Hexenverfolgung während des 15. bis 18. Jahrhunderts.

Die Gründe der Hexenverfolgung waren vielfältig. Beteiligt an der Verfolgung waren kirchliche und weltliche Kräfte. Es traf jüngere und ältere, reiche und arme Menschen; Frauen, Männer und Kinder. Die Hexenverfolgung ermöglichte es, sich „unliebsamer Menschen zu entledigen“ bzw. diese durch Verfolgung und Machtausübung zu disziplinieren. 80% der Opfer waren Frauen – und die Folgen der Hexenverfolgung reichen bis ins heute. Das „Bild der Frau“ nach Beendigung der Hexenverfolgung war ein anderes als zuvor; ihre gesellschaftlichen, familiären, reproduktiven und beruflichen Rechte waren weitestgehend eingeschränkt bis verlorengegangen. Hier traten Veränderungen zum positiven erst seit Beginn der Frauenbewegung(en) ein.

Es ist wichtig, eine öffentliche Erklärung zu diesen Tatsachen abzugeben, da auch in der Gegenwart Feindseligkeiten und Vorurteile gegen Menschen zu ihrer gesellschaftlichen Ächtung und Ausgrenzung führen bzw. offene Diskriminierung und Diffamierung von Einzelnen oder Gruppen noch heute zu Gewalt und Verfolgung führen.

Die Stadt Leipzig hat mit solch einer Erklärung die Möglichkeit, ein symbolisches Zeichen gegen menschenverachtende Gewalt zu setzen.

 

In über 50 Kommunen Deutschlands hat sich der jeweilige (Stadt)Rat entschieden, die Opfer der Hexerei-prozesse zu rehabilitieren. Da dies juristisch nicht möglich ist, in moralisch-ethischer Form. Zu diesen Städten gehören u.a. Köln, Lutherstadt Wittenberg und Dortmund.

 

Ebenso gibt es Stellungnahmen der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) –u.a. 2016 durch Dr. Heinrich Bedford-Strohm. Und auch Papst Franziskus benannte im April 2016 erstmals dies jahrhundertelang begangene Unrecht.

 

Der Beirat für Gleichstellung fordert deshalb, den Opfern der durch die Hexenprozesse in Leipzig verfolgten und hingerichteten Frauen, Männer und Kinder ihre Würde zurückzugeben und einen Ort des Gedenkens im öffentlichen Raum zu schaffen.


 

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Finanzielle Auswirkungen

 

 

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

 

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

nein

 

wenn ja,

Beantragte Stellenerweiterung:

Vorgesehener Stellenabbau:

Beteiligung Personalrat

 

nein

 

ja,

 

 

 

Beschreibung des Abwägungsprozesses:

 

> beim Ausfüllen bitte überschreiben:

> Für den Fall, dass innerhalb der Verwaltung unterschiedliche fachliche Beurteilungen aufgetreten sind:

- Kurze und verständliche Benennung inhaltlicher Zielkonflikte (Worum ging es?)

- Auf dieser Basis bitte eine Begründung bezüglich der vorgelegten Entscheidung formulieren

max. 800 Zeichen ohne Leerzeichen

 

 

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Anlagen:

 

Orte des Gedenkens, Beispiele

 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage Orte des Gedenkens (501 KB)