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Vorlage - VI-DS-05551-NF-03  

 
 
Betreff: Eigentümerziele für den städtischen Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:Neufassung
Einreicher:Dezernat KulturBezüglich:
VI-DS-05551
Beratungsfolge:
BA Kulturstätten Vorberatung
Ratsversammlung Beschlussfassung
FA Finanzen Vorberatung
18.02.2019    FA Finanzen      

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Beschlussvorschlag:

 

  1. Die Ratsversammlung beschließt für den städtischen Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig gemäß Punkt 7 der Vorlage die folgenden Eigentümerziele: „Betriebsführung des Eigenbetriebes, Kulturelle Versorgung, Gesellschaftlicher Diskurs, Diversität und Kooperation“.
  2. Das strategische Unternehmenskonzept des Schauspiel Leipzig wird dem Stadtrat nach Beschlussfassung der Eigentümerziele vorgelegt.
  3. Die Eigentümerziele gelten grundsätzlich für unbestimmte Zeit. Eine Prüfung auf Evaluation wird fortlaufend durchgeführt. Eine Anpassung der Zielvorgaben bei sich ändernden Rahmenbedingungen ist jederzeit möglich. Hierüber entscheidet der Betriebsausschuss Kulturstätten. Im Betriebsausschuss Kulturstätten wird - auch bei sich nicht geänderten Rahmenbedingen – entschieden, ob die Eigentümerziele nach einem bestimmten Zeitraum (beispielsweise 5 Jahren) grundsätzlich evaluiert werden sollen.

 

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Finanzielle Auswirkungen

 

 

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

 

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

nein

 

wenn ja,

Beantragte Stellenerweiterung:

Vorgesehener Stellenabbau:

Beteiligung Personalrat

 

nein

 

ja,

 

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Sachverhalt:
 

1. Ziele der Vorlage

 

Mit dieser Vorlage werden gemäß des Leipziger Corporate Governance Kodex (Ratsbeschluss RBV-1843/13 vom 11.12.2013), der Eigenbetriebssatzung sowie der sich in Erarbeitung befindlichen Neufassung der Steuerungsvorlage zur Steuerung der Eigenbetriebe auch für die Eigenbetriebe Kultur (hier: Schauspiel Leipzig) Eigentümerziele definiert.
 

 

2. Grundsätzliches zu den Eigentümerzielen

 

Eigenbetriebe sind nach deutschem Kommunalrecht Organisationseinheiten einer Gemeinde, die keine eigene Rechtspersönlichkeit besitzen, jedoch in der Regel wirtschaftlich selbstständig sind. Sie können zu ihren Abnehmern (Benutzern) in öffentlich-rechtlichen oder privatrechtlichen Beziehungen stehen und damit Leistungsprofile im Rahmen des HGB und der Rechtsetzungshoheit (Satzungsrecht) der Kommunen aufweisen.

 

Die Stadt Leipzig hat zur Umsetzung ihrer Aufgaben die folgenden Eigenbetriebe gegründet:

- Eigenbetrieb Gewandhaus zu Leipzig

- Eigenbetrieb Oper Leipzig

- Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig

- Eigenbetrieb Theater der Jungen Welt Leipzig

- Eigenbetrieb Musikschule Leipzig "Johann-Sebastian-Bach"

- Städtischer Eigenbetrieb Behindertenhilfe

- Verbund Kommunaler Kinder- und Jugendhilfe

- Städtisches Klinikum St. Georg Leipzig

- Kommunaler Eigenbetrieb Engelsdorf.

 

Mit Gründung eines Eigenbetriebes legt die Trägerin Stadt Leipzig den Geschäftszweck und die zu erfüllenden öffentlichen Aufgaben für den Betrieb fest. Die Stadt Leipzig bekennt sich ausdrücklich zu ihren kommunalen Unternehmen bzw. Eigenbetrieben, stellt aber im Gegenzug auch hohe Ansprüche an deren Handeln. Sie erwartet, dass nicht nur der jeweilige Satzungszweck bestmöglich erfüllt wird, sondern darüber hinaus den strategischen Zielstellungen der Stadt Leipzig Rechnung getragen wird. Die Kommunalwirtschaft in Deutschland bewegt sich in einem dynamischen und nicht spannungsfreien Umfeld: Einerseits sind zunehmende Rechts- und Marktanforderungen an die Unternehmenspolitik analog zur Privatwirtschaft auch bei kommunalen Unternehmen zu beobachten. Andererseits sieht sich der Eigenbetrieb als kommunales Unternehmen auch (internen) Anforderungen aus Eigentümersicht gegenüber; beispielsweise wenn es um die Festlegung von Zuschüssen der Stadt Leipzig aus dem Ergebnis- und Finanzhaushalt geht. Gemäß der gültigen Betriebssatzungsatzung, dem Leipziger Corporate Governance Kodex sowie der Steuerungsvorlage zur Steuerung der Eigenbetriebe legt die Stadt Leipzig Eigentümerziele auch für ihre Eigenbetriebe fest. Eigentümerziele ordnen sich in eine Reihe von Tools zur Steuerung von Unternehmen ein. Das nachstehende Zielsystem verdeutlicht die Systematik der Beteiligungssteuerung durch Ziele, entsprechend der Logik „vom Allgemeinen zum Speziellen“.

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Während rein privatwirtschaftliche Unternehmen in erster Linie über Finanzziele gesteuert, d. h. an ihrem ökonomischen Erfolg gemessen werden, geht es bei kommunalen Unternehmen in der Regel um die Erfüllung von Sachzielen, da sie einem öffentlichen Zweck dienen. Aber auch wirtschaftliche und finanzielle Zielstellungen können Steuerungsmechanismen kommunaler Unternehmen darstellen. Streng genommen sind bereits die satzungsgemäßen Aufgaben als eigentümergeprägte Oberziele zu verstehen.
 

3. Kurzvorstellung des Eigenbetriebes Schauspiel Leipzig

 

Selbstverständnis Schauspiel Leipzig:
Das Schauspiel Leipzig versteht sich als Stadttheater für alle Leipzigerinnen und Leipziger und als Ort für eine ebenso vielfältige wie differenzierte inhaltliche und ästhetische Auseinandersetzung mit der Gegenwart und ihren Themen.

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Förderung der Gegenwartsdramatik, für die mit der „Diskothek“ eine eigene Spielstätte reserviert ist. Die „Residenz“ fungiert als Spielstätte und Schnittstelle zur Vernetzung mit frei arbeitenden Performance-Gruppen.

Vorreiter ist das Schauspiel Leipzig auch im Bereich der Inklusion: Als regelmäßiges Spielplanangebot gibt es Vorstellungen mit Live-Audiodeskription speziell für blinde und sehbeeinträchtigte Menschen. Auch Vorstellungen mit Gebärdensprache sowie Simultanübersetzungen werden angeboten.

 

Historie

Das im Jahr 1766 unter der Leitung Heinrich Gottfried Kochs eröffnete Comödienhaus an der Rannischen Bastei, dem heutigen Richard-Wagner-Platz, war das erste feste innerstädtische Theaterhaus Leipzigs.

Durch eine Initiative der Leipziger Bürger wurde das Theater, das phasenweise als Ableger der Dresdener Hofbühne fungierte, im Jahr 1817 umgebaut und als Theater der Stadt Leipzig (Altes Theater) neu eröffnet. Einen Höhepunkt der frühen Leipziger Theatergeschichte stellte die Uraufführung von Friedrich Schillers „Johanna von Orleans“ 1801 dar. Aufsehen erregte auch die Uraufführung von Bertolt Brechts Frühwerk „Baal“, das nach seiner Premiere vom Magistrat der Stadt verboten wurde.

Bis ins Jahr 1912 wurde das Alte Theater, das inzwischen der Stadt gehörte, an einen Unternehmer verpachtet und auf privatwirtschaftlicher Basis betrieben.

 

1902 eröffnete das Centraltheater an der Stelle des heutigen Schauspielhauses als privater Theaterbau seine Pforten und wurde ab 1906 überwiegend als Operettenbühne genutzt. Als 1912 die in städtischer Trägerschaft befindlichen Theater (Altes Theater sowie das an der Stelle des heutigen Opernhaus befindliche „Neue Theater“) unter eine städtische Generalintendanz gestellt wurden, mietete die Stadt die Operettenbühne des Centraltheaters als zusätzliche Einnahmequelle hinzu.

 

Nachdem im Zweiten Weltkrieg ein Großteil der Theaterstandorte in Leipzig zerstört wurden, begann die Suche der Leipziger Theater nach geeigneten Spielstätten, welche schließlich zu einer Anmietung des notdürftig wiederhergestellten Centraltheaters durch die Stadt Leipzig im Jahr 1945 führte. Das städtische Schauspiel eröffnete seine neue feste Bühne an der Ecke Bosestraße/Gottschedstraße am 19. Dezember 1945 mit Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Es folgten Inszenierungen von Brechts „Die Dreigroschenoper“, Lessings „Nathan der Weise“ und Gogols „Die Heirat“, allerdings war die Spielgenehmigung zunächst nur bis 1950 erteilt worden.

Nach der Gründung der DDR wurden, in der Spielzeit 1950/51, alle Leipziger Theater unter einer einheitlichen Generalintendanz zusammengefasst. In den Jahren 1954 bis 1957 wurde der Wiederaufbau des Schauspielhauses in drei Abschnitten ausgeführt. Hierzu zählten ein Neubauteil am Dittrichring, in dem u.a. die Kostümwerkstätten untergebracht wurden, das Bühnenhaus an der Bosestraße und der Zuschauertrakt zwischen Bosestraße und Gottschedstraße. Es entstand, entsprechend der vorherrschenden Strömung der DDR-Architektur der damaligen Zeit, ein neoklassizistisch anmutendes Bauwerk, das heute unter Denkmalschutz steht. Eingeweiht wurde die vergrößerte Spielfläche mit einer Inszenierung von Schillers „Wallenstein“ am 1. März 1957.

Nach der Auflösung des Verbundes der Leipziger Bühnen nach der politischen Wende 1989 plante das nun wieder eigenständige Schauspiel ein „Theater der Alternativen“, das unterschiedlichen Anschauungen Raum geben und sowohl für Experimentelles als auch für Bewährtes offen sein wollte.
 

Entwicklung der Spielstätten

Neben der Hauptbühne des Schauspiel Leipzig, die seit 2013 669 Zuschauer fasst, existieren innerhalb des Hauses und auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei weitere Spielstätten, die Raum für moderne Dramatik und performative Formate bieten. Die Hinterbühne (vormals Theater hinterm Eisernen) zeichnet sich durch die besondere Nähe zu den Darstellern aus. Die Spielstätte „Diskothek“, die im November 2017 mit Elfriede Jelineks „Wolken.Heim“ eröffnet wurde, ist in ihrer Programmatik, als Spielstätte ausschließlich der zeitgenössischen Dramatik verpflichtet zu sein und diese oft als Ur- oder Erstaufführungen zu zeigen, in dieser konzeptionellen Verdichtung und in ihrer Qualität einzigartig in der deutschsprachigen Theaterlandschaft.

Die Spielstätte „Residenz“ auf dem Areal der Baumwollspinnerei hat sich als gefragter Partner für freie Performance-Gruppen etabliert und ist damit einer der bundesweit beispielhaften Orte für die Zusammenarbeit zweier prägender Produktionsweisen, freier und institutioneller Theaterarbeit. Dabei entwickelt sich die Residenz zur Schnittstelle zwischen nicht nur Leipziger, sondern auch bundes- und europaweiter freier Szene und dem Schauspiel Leipzig.

Ein regelmäßiger Aufführungsort des Sommertheaters des Schauspiel Leipzig ist das Gohliser Schlösschen. Seit dem Jahr 2014 besteht darüber hinaus eine enge Kooperation mit dem Zoo Leipzig, in der bislang bereits die Produktionen „Das Dschungelbuch“, „Die 12 Monate“ sowie „Die Konferenz der Tiere“ realisiert wurden.
 

Veränderung des Besucheranspruchs

Gegenwärtig gehört Leipzig zu den wachsenden Städten in Deutschland, die im Fokus des Interesses vieler Menschen stehen. Infolgedessen nimmt unter anderem auch der Grad an Internationalität stetig zu. Eine breite und vielfältige Basis an Zuschauerinnen und Zuschauern in Entsprechung der differenzierten Facetten der Leipziger Bürgergesellschaft für das Haus zu interessieren, wird auch weiterhin das Selbstverständnis des Schauspiels sein. Die Leipziger werden durch das zuzugsbedingte Bevölkerungswachstum statistisch immer jünger (Durchschnittsalter: 42,8 Jahre), was sich auch an der Altersstruktur der Besucher des Schauspiel Leipzig widerspiegelt: das Durchschnittsalter beträgt aktuell 38,5 Jahre . Der „typische Besucher“ kommt nicht allein, sondern mit dem Partner oder mit Freunden. Daraus resultieren Anpassungen in der Strategie der Ansprache der Besucher (z. B. über soziale Medien) und die Auseinandersetzung mit dem Umstand, dass der Theaterbesuch in Konkurrenz mit vielen weiteren Freizeitgestaltungsmöglichkeiten wie Kinos, Festivals, Konzerten und Ausstellungsbesuchen steht. Hierauf muss sich das Schauspiel programmatisch, organisatorisch und durch den Ausbau passender Begleitangebote einstellen. Auch die Fortführung und Erweiterung inklusiver Formate, etwa im Bereich der Audiodeskription für sehbehinderte Besucher, werden auch künftig einen besonderen Stellenwert haben.

 

Darüber hinaus ist das Schauspiel aufgrund seiner auch überregionalen (bzw. internationalen) Ausrichtung von entscheidender touristischer Relevanz für die Stadt Leipzig.

 

4.  Betriebszweck und satzungsgemäße Aufgaben des Schauspiel


Dem Eigenbetrieb Schauspiel obliegen gemäß der am 25.02.2015 beschlossenen Betriebssatzung folgende Aufgaben:

-          § 2 Abs. 1: Zweck des Eigenbetriebes ist die Pflege und Förderung von Kunst und Kultur. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch den Betrieb und die Bewirtschaftung eines Theaters (Schauspielhaus und Nebenspielstätten).

-          § 2 Abs. 2: Aufgabe ist auch die optimale Nutzung eigener Spielstätten unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.

-          § 2 Abs. 3: Der Eigenbetrieb kann im Rahmen der Gesetze Leistungen für Dritte erbringen. Die Aufgaben gem. Satz 1 dienen der Mittelbeschaffung für die steuerbegünstigten Zwecke.

-          § 2 Abs. 4: Zur Erfüllung seiner Aufgaben kann sich der Eigenbetrieb Dritter bedienen und/oder mit Dritten zusammenarbeiten, z.B. im Rahmen von Kooperationen, Koproduktionen und Gastspielen.
 

5. Bereits beschlossene Ziele/Zielvorgaben seitens der Stadt


Strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen der Eigenbetriebe Kultur für den Zeitraum

2016 bis 2020 (Finanzziel):

Mit dem Beschluss des Stadtrates zur Vorlage DS-VI-01556-NF-02 vom 21.09.2016 wurde die Grundfinanzierung des Schauspiel für die Jahre 2016 bis 2020 gesichert. Im Gegenzug dessen verpflichtet sich das Schauspiel, mit den Zuweisungen der Stadt auszukommen und das Finanzziel einzuhalten. Da das Schauspiel Tarifsteigerungen nicht selbst erwirtschaften kann, wird die Basisfinanzierung in den nächsten vier Jahren auch durch den vollen Ausgleich der Tariferhöhungen durch die Stadt Leipzig gewährleistet. Der Beschluss sichert zudem die laufenden Instandhaltungen und ermöglicht dem Schauspiel, Anträge auf Finanzierung darüber hinausgehender Instandhaltungs- und Investitionsvorhaben zu stellen. Vom Schauspiel erwirtschaftete Jahresüberschüsse müssen nicht an den städtischen Haushalt abgeführt werden, damit ein Risikopuffer aufgebaut werden kann und weitergehende Instandhaltungsmaßnahmen durchgeführt werden können.

Kulturentwicklungsplan 2016-2020

Der vom Stadtrat in der Ratsversammlung vom 21. September 2016  zur Kenntnis genommene Kulturentwicklungsplan[1] 2016 bis 2020 misst dem Schauspiel eine besondere Stellung als Experimentierraum für die darstellenden Künste bei. Die enorme Bandbreite in der Definition von Schauspiel, die vom Klassiker bis zur Uraufführung eines Gegenwartstexts reicht, vom Literaturtheater bis hin zu experimentellen und nichtwortbasierten Theaterformen, wird weiterhin die Arbeit des Hauses bestimmen.

6. Die Rolle des Schauspiel beim zukünftigen INSEK Programm Leipzig 2030


Mit dem integrierten Stadtentwicklungskonzept Leipzig 2030 (INSEK) werden für die Herausforderungen einer wachsenden Stadt Ziele formuliert – sowohl fachliche Ziele im „Zielbild für Leipzig 2030“ als auch stadträumliche Schwerpunkte. Das INSEK baut hierbei auf vorhandene fachliche Planungen auf und vernetzt sie. Es bildet damit die ganzheitliche Entwicklungsstrategie für die Stadt Leipzig ab und verfolgt eine fachübergreifende und kooperative Stadtentwicklung. Strategische Oberziele wie „Leipzig setzt auf Lebensqualität“, „Leipzig besteht im Wettbewerb“, „Leipzig stärkt seine Internationalität“ und „Leipzig schafft soziale Stabilität“ werden durch das maßnahmenkonkrete Fachkonzept Kultur untersetzt. Hierbei ist die Musikschule Teil der Gesamtstrategie. Die unter Punkt 7 definierten Eigentümerziele leiten sich aus dem INSEK ab und werden durch die Musikschule als städtischer Eigenbetrieb erfüllt.
 

7. Eigentümerziele der Stadt für das Schauspiel Leipzig


Die Eigentümerziele für den Eigenbetrieb Schauspiel sind eingebettet in die Oberziele des fortgeschriebenen Stadtentwicklungskonzepts (INSEK), das Fachkonzept Kultur sowie die Gesamtstrategie der Stadt Leipzig.

Die unter Beteiligung der Betriebsleitung des Schauspiel erarbeiteten Eigentümerziele sind auf unbestimmte Zeit ausgerichtet, können jedoch zu gegebener Zeit evaluiert und im Falle notwendiger Veränderungen entsprechend angepasst werden. Hierüber entscheidet der Betriebsausschuss Kulturstätten. Der Betrieb des Schauspiel ist in Übereinstimmung mit den Eigentümerzielen zu führen. Die Eigentümerziele bilden die Grundlage für das von der Betriebsleitung vorzulegende strategische Unternehmenskonzept. Das strategische Unternehmenskonzept soll die in dieser Vorlage formulierten Eigentümerziele konkretisieren und die inhaltlich fachlichen Aufgaben des Eigenbetriebs darstellen. Die Eigentümerziele gewähren die grundrechtlich verankerte künstlerische Freiheit des Schauspiel in vollem Umfang entsprechend der Satzung des Eigenbetriebes. Bei der Programmgestaltung und der Verpflichtung von Künstlern und Gästen ist das Schauspiel frei.
 

Selbstverständnis des Schauspiel

Im Fokus der strategischen Zielrichtungen steht daher in erster Linie die künstlerische Entwicklung des Hauses als Ort, an dem und mit dem eine künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen stattfinden kann und muss. Daneben liegt ein weiteres Augenmerk auf der Kooperation mit der freien Szene und der Zusammenarbeit mit freien Künstlern. Diese Kooperationen sollen auch zukünftig weiter ausgebaut werden. Neben dem inhaltlichen Diskurs soll das Schauspiel auch die künstlerische Diversität aufrechterhalten und weiter ausbauen. Sowohl die Diversifikation bei den Spielorten, wie auch den Spielformaten fordert und fördert neue Ideen und ästhetische Empfindungen. Neben der Förderung der zeitgenössischen Dramatik bleibt das Schauspiel Leipzig auch weiterhin das etablierte und regional und überregional wahrgenommene Sprechtheater mit einer breiten gesellschaftlichen Verankerung in der Stadtgesellschaft.

Im Rahmen dieser strategischen Zielsetzung orientiert sich das Schauspiel daher an den folgenden Sachzielen.
 

Ziel 1: Betriebsführung des Eigenbetriebes

Aufgrund ihrer Größe, Komplexität und künstlerischen Spezifik wurden die Kulturbetriebe mit dem Ziel in die Rechtsform eines Eigenbetriebes überführt, so dass die Schaffung wirtschaftlich eigenständiger Entscheidungsstrukturen eine höhere Flexibilität und Effizienz ermöglicht, als innerhalb der Kernverwaltung der Stadt Leipzig möglich gewesen wäre.

Eine wirtschaftlich eigenständige Betriebsführung des Hauses trägt gleichfalls dazu bei, dass eine Optimierung der Erträge und Aufwendungen des Eigenbetriebes dahingehend erfolgen kann, dass die Erfüllung der satzungsgemäßen Aufgaben auf möglichst wirtschaftliche und effiziente Art und Weise umgesetzt wird. Die gezielte Optimierung der Eigenfinanzierungskraft (bspw. durch das Erschließen wirtschaftlicher Synergien, Drittmittelakquise etc.) stellt eine fortlaufende Aufgabe der Betriebsleitung des Eigenbetriebes dar.

Zur Umsetzung seiner satzungsgemäßen Aufgaben werden dem Eigenbetrieb Zuweisungen der Stadt Leipzig ausgereicht, über deren Höhe gesondert vom Stadtrat zu beschließen ist. Im Gegenzug verpflichtet sich der Eigenbetrieb, mit den vom Stadtrat beschlossenen städtischen Zuweisungen entsprechend der Finanzierungsvereinbarung auszukommen.


Ziel 2: Kulturelle Versorgung

Das Schauspiel Leipzig leistet einen wichtigen Beitrag zur kulturellen Versorgung der Einwohner der Stadt Leipzig und ihrer Gäste und trägt so zur kulturellen Attraktivität der Stadt und der Region bei.

Über folgende Kennzahlen soll der Erfolg von Ziel 2 gemessen werden:

- Anzahl Veranstaltungen

- Anzahl der Besucher

- Anzahl Eigenproduktionen

- Anzahl Besucher Eigenproduktionen.

Die Ergebnisse werden u.a. im Rahmen der Quartalsberichterstattung des Schauspiel vorgestellt.
 

Ziel 3: Gesellschaftlicher Diskurs

Das Schauspiel Leipzig schafft durch seine künstlerischen Schwerpunkte Raum für kritische Auseinandersetzungen mit gesellschaftlich relevanten Themen und wirkt in diesem Sinne identitätsstiftend für die Stadtgesellschaft.

Über folgende Kennzahlen soll der Erfolg von Ziel 3 gemessen werden:

- Anzahl Veranstaltungen mit diskursiven Formaten

- Anzahl Besucher dieser Veranstaltungen.

Ziel 4: Diversität

Das Schauspiel Leipzig bietet durch seine Diversität an künstlerischen Formaten und Spielstätten einem breiten Publikumsspektrum Raum zum gesellschaftlichen Diskurs und spiegelt dabei die demografische Entwicklung und Bandbreite der Stadt Leipzig wider.

Über folgende Kennzahlen soll der Erfolg von Ziel 4 gemessen werden:

- Anzahl Vorstellungen pro Spielstätte

- Anzahl Besucher pro Spielstätte.

Ziel 5: Kooperation

Das Schauspiel Leipzig ist gefragter Partner für künstlerische Kooperationen mit freien Gruppen und etablierten Partnern im nationalen und internationalen Rahmen.

Über folgende Kennzahlen soll der Erfolg von Ziel 5 gemessen werden:

- Anzahl Veranstaltungen mit Kooperationspartnern

- Anzahl Veranstaltungen mit freien Gruppen (lokal, überregional, international).

 

Die Kennzahlen werden jährlich im Rahmen des Reportings zum Schlüsselprodukt Schauspiel, im Rahmen der Quartalsberichterstattung sowie im Rahmen des Jahresabschlusses ausgewertet.

 


[1] Zukünftig wird die Kulturentwicklungsplanung der Stadt Leipzig im Fachkonzept Kultur aufgehen.

Stammbaum:
VI-DS-05551   Eigentümerziele für den städtischen Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig   02.4 Dezernat Kultur   Beschlussvorlage
VI-DS-05551-ÄA-01   Eigentümerziele für den städtischen Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig   Geschäftsstelle der CDU-Fraktion   Änderungsantrag
VI-DS-05551-ÄA-02   Eigentümerziele für den städtischen Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig   Geschäftsstelle der Fraktion Freibeuter   Änderungsantrag
VI-DS-05551-NF-03   Eigentümerziele für den städtischen Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig   02.4 Dezernat Kultur   Neufassung
VI-DS-05551-NF-04   Eigentümerziele für den städtischen Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig   02.4 Dezernat Kultur   Neufassung
VI-DS-05551-NF-04-ÄA-01   Eigentümerziele für den städtischen Eigenbetrieb Schauspiel Leipzig   Geschäftsstelle der CDU-Fraktion   Änderungsantrag