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Vorlage - VI-F-05586-AW-01  

 
 
Betreff: Ökologisch verantwortungsvoller Umgang beim Bau von Kunstrasenplätzen
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:schriftliche Antwort zur Anfrage
Einreicher:Dezernat Umwelt, Ordnung, SportBezüglich:
VI-F-05586
Beratungsfolge:
Ratsversammlung mündliche Beantwortung

Sachverhalt
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

 

Sachverhalt:

 

Frage:

1. Mit welchen Materialien sind bereits bestehende, bzw. werden in Planung und Bau befindliche Kunstrasenplätze in Leipzig gebaut und wie schätzt die Stadt Leipzig dahingehend die Auswirkungen auf Umwelt und Mensch ein?

 

Derzeit befinden sich auf dem vom Amt für Sport verpachteten Anlagen                                14 Kunstrasenplätze. Die Errichtung weiterer Standorte ist geplant bzw. wurden hierfür bereits Förderbescheide erteilt. Nachdem nicht die Stadt sondern jeweils der Pächter der Anlage Bauherr war und ist, müssten zunächst weitere Informationen eingeholt werden, um Aussagen zu den konkreten Materialien treffen zu können. Erst im Anschluss kann auch eine Einschätzung erfolgen, was die Auswirkungen auf Umwelt und Mensch betrifft.

 

 

Frage:

2. Ist den Kommunalen Wasserwerken das Problem der Umweltauswirkungen von Kunstrasenplätzen bekannt und welche Maßnahmen wurden und werden hinsichtlich der Wasserbelastung und damit einhergehender technischer Voraussetzungen eingeleitet?

 

Über die Freisetzung von Mikroplastikpartikeln und PAK/Blei aus Kunstrasenplätzen sind in den letzten Jahren zahlreiche Veröffentlichungen und Untersuchungsberichte erschienen, die auch den möglichen Eintrag dieser Stoffe in den Wasserpfad beschreiben und diesen teilweise kritisch bewerten.

 

Im Bereich der Trinkwasserversorgung gelten für PAK-Verbindungen und Schwermetalle sehr strenge Grenzwerte. Bedingt durch den Schutz unserer Einzugsgebiete und die natürlichen Barrieren im Bereich der Trinkwassergewinnung sind diese für das Leipziger Trinkwasser jedoch nicht relevant. Die Konzentration der PAK liegen unter der analytischen Bestimmungsgrenze und damit weit unter den Grenzwerten der Trinkwasserverordnung (TrinkwV). Bei den Schwermetallen entsprechen die Nachweise den natürlich bedingten Hintergrundwerten.

 

 

 

 

 

Betrachtet man den Bereich der Abwasserreinigung dann ergibt sich folgendes Bild: Durch Niederschlagswasser, welches über Verkehrsflächen (Straßen, Parkplätze etc.) in die Kanalisation abgeleitet wird, gelangen dort befindliche Schadstoffe wie zum Beispiel auch PAK in das Abwasser. Allerdings ist durch die Eigenschaften der PAK die Eliminierung im Rahmen der Abwasserreinigung als sehr gut zu bewerten. Diese Partikel binden sowohl bei der Untergrundpassage sehr gut an Bodenstoffe als auch im Abwasserreinigungsprozess an Flocken, die im Aufbereitungsprozess in der Kläranlage entstehen und anschließend von gereinigten Abwasser abgetrennt werden.

 

Selbstverständlich sollte der Eintrag von kritischen Stoffen wie PAK oder Schwermetallen in die Umwelt so weit wie möglich an der Quelle vermieden werden.

 

 

Frage:

3. Welche Vorgaben bestehen für Leipziger Sportvereine beim Bau von Kunstrasenplätzen seitens der Stadt Leipzig und des Landes, die Investitionsfördermittel bereitstellen?

 

Innerhalb des Förderverfahrens nach unseren städtischen Sportförderrichtlinien gibt es   folgende Vorgaben:

 

„Die Einhaltung öffentlich-rechtlicher Vorschriften, insbesondere des Bauplanungs- und Bauordnungsrechts, ist durch die Antragssteller/innen sicherzustellen“

Punkt 8.2.2 Spezielle Zuwendungsvoraussetzungen, Abs. (5) Sportförderrichtlinie

 

„Es ist sicherzustellen, dass keine gesundheitsschädlichen Materialien eingebaut werden.“

Regelung im Zuwendungsbescheid (Nebenbestimmungen) bei investiven Maßnahmen zur Sanierung bzw. Errichtung von Kunststoffrasenplätzen

 

Die Stadtverwaltung hat im Vorfeld der Anfrage auch die Sächsische Aufbaubank angefragt. Diese teilt mit:

 

„Die Sächsische Aufbaubank - Förderbank - (SAB) befindet sich zu diesem Thema mit dem zuständigen Fachministerium (Staatsministerium für Inneres - SMI) noch im Abstimmungsprozess. Das SMI hat uns avisiert sich diesbezüglich kurzfristig zu äußern. Aktuell liegt der SAB noch keine Maßgabe vor, wie bei der zukünftigen Förderung der ggfs. schädlichen Stoffen verfahren werden soll. Aus diesem Grund können wir Ihnen gegenwärtig noch keine belastbare Aussage übermitteln. Sobald der Meinungsbildungsprozess abgeschlossen ist, werden wir Sie unverzüglich informieren.“ -Aussage Hr. Haidan SAB Sachsen vom 15.03.2018.

 

 

Frage:

4. Wie will die Stadt künftig hinsichtlich der bekannten negativen Auswirkungen bestimmter Baustoffe auf Umwelt und Gesundheit beim Bau von Kunstrasenplätzen steuernd auf die Vereine als Bauherren einwirken, um alternative und ökologische Bauweisen mit Korkgranulat zu favorisieren?

 

Mit den bereits bestehenden Vorgaben aus den städtischen Sportförderrichtlinien haben die Vereine bereits die Pflicht, keine gesundheitsschädlichen Materialien bei Sanierungen bzw. Neuerrichtungen von Kunstrasenplätzen zu verwenden. Weiterhin erfolgt im Zuge der erforderlichen Baugenehmigung für die Errichtung eines Kunstrasenplatzes die Einbindung des Amtes für Umweltschutz, um geltende gesetzliche Vorschriften einzuhalten.

 

 

 

 

 

Die Diskussion zu den Materialien wird u. a. auch in den Sportausschuss / Umweltausschuss des Deutschen Städtetages mit eingebracht. Mit Vorlage belastbarer Ergebnisse ist die kommunale Förderpraxis abzugleichen.

 

 

 

 

 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2