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Vorlage - VI-F-05586  

 
 
Betreff: Ökologisch verantwortungsvoller Umgang beim Bau von Kunstrasenplätzen
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:Anfrage
Einreicher:Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Beratungsfolge:
Ratsversammlung mündliche Beantwortung
21.03.2018 
Ratsversammlung zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Anlage/n

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Sachverhalt:
 

Immer mehr Kommunen und Vereine setzen auf Kunstrasenplätze, da diese ganzjährig bespielbar sind und wesentlich besser den deutlich gewachsenen Nutzungsanforderungen, insbesondere im Bereich Fußball, entsprechen. So sind Kunstrasenplätze im Schnitt 2.000 Stunden jährlich nutzbar, Naturrasenplätze hingegen nur bis maximal 800 Stunden. Auch Leipzig setzt aufgrund der mit dem Einwohnerwachstum einhergehenden deutlich gestiegenen Mitgliederzahlen in den Vereinen und dem damit erhöhten Nutzerdrucks auf die verfügbaren Plätze zunehmend auf den Ausbau von Kunstrasenplätzen und fördert entsprechende Investitionsmaßnahmen bei den Sportvereinen.

 

Die Anforderungen im Bereich Fußball erfordern im Gegensatz zu Hockeyplätzen verfüllte Kunstrasenplätze, die allerdings auch wesentlich pflegeintensiver sind. Das Kunstrasengranulat wird heutzutage in Form unterschiedlicher Materialien und in verschiedenen Formen und Farben angeboten. Bei der Neu- oder Nachverfüllung von Kunstrasenplätzen stehen vom vergleichsweise teuren EPDM- und TPE-Granulat bis hin zu dem günstigen, aber auch gesundheitlich nicht unumstrittenen SBR-Recyklat aus alten Gummireifen sowie dem im Gegensatz dazu natürlichen Kunstrasengranulat Kork unterschiedlichste Füllmaterialien zur Auswahl.

 

Zentrales Problem kunststoffbasierter Granulate sind die mit der Nutzung einhergehenden Einträge von Mikroplastik in das Grundwasser. Ursächlich für die Freisetzung von Mikroplastik aus Kunstrasenspielfeldern sind Füllungen mit RCL-(Recycling-)Granulat, welches zum Teil aus Altreifen gewonnen wird und neben sogenannten polyzyklischen, aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) auch weitere Gefahrenstoffe wie Schwermetalle freisetzt, welche  kontinuierlich ins Grundwasser gehen. PAK gilt außerdem als krebserregend.

Alternative und natürliche Verfüllungen mit Kork-Kokosfasern finden sich immer häufiger auf deutschen Sportplätzen. Gerade auch skandinavische Länder setzen zunehmend auf diese nachwachsenden Rohstoffe, ohne dass ein verstärkter Bewuchs mit Pflanzen feststellbar ist. Aufgrund seiner natürlichen Herkunft und dem Aufbau und der Struktur des Korks erhitzt es sich signifikant weniger als andere Granulate und erhöht dadurch vor allem im Sommer den Spielkomfort. Auch wenn aufgrund einer geringeren Lebenszeit des korkgefüllten Sportplatzes unter Umständen einmal neues Korkgranulat nachgestreut werden muss, um die ausgewogene Korngrößenverteilung des Materials sicherzustellen, lohnt sich dessen Einsatz dennoch. Ökologisch, weil es sich um einen nachwachsenden Rohstoff handelt, und wirtschaftlich, weil die Dichte des Korks sehr gering ist und das Material vergleichsweise günstig.

Zudem lässt sich das Material nach seiner Nutzungsdauer problemlos kompostieren, sodass die Kosten für Rückbau und Entsorgung niedriger sind, als bei herkömmlichen Kunstrasenplätzen auf Gummigranulatbasis.

 

Wir fragen dazu an:

 

  1. Mit welchen Materialien sind bereits bestehende, bzw. werden in Planung und Bau befindliche Kunstrasenplätze in Leipzig gebaut und wie schätzt die Stadt Leipzig dahingehend die Auswirkungen auf Umwelt und Mensch ein?
  2. Ist den Kommunalen Wasserwerken das Problem der Umweltauswirkungen von Kunstrasenplätzen bekannt und welche Maßnahmen wurden und werden hinsichtlich der Wasserbelastung und damit einhergehender technischer Voraussetzungen eingeleitet?
  3. Welche Vorgaben bestehen für Leipziger Sportvereine beim Bau von Kunstrasenplätzen seitens der Stadt und des Landes, die Investitionsfördermittel bereitstellen?
  4. Wie will die Stadt Leipzig künftig hinsichtlich der bekannten negativen Auswirkungen  bestimmter Baustoffe auf Umwelt und Gesundheit beim Bau von Kunstrasenplätzen steuernd auf die Vereine als Bauherren einwirken, um alternative und ökologische Bauweisen mit Korkgranulat zu favorisieren?


 

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

 

Anlagen:
 

 

Stammbaum:
VI-F-05586   Ökologisch verantwortungsvoller Umgang beim Bau von Kunstrasenplätzen   Geschäftsstelle der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen   Anfrage
VI-F-05586-AW-01   Ökologisch verantwortungsvoller Umgang beim Bau von Kunstrasenplätzen   52 Amt für Sport   schriftliche Antwort zur Anfrage