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Vorlage - VI-A-05033-VSP-01  

 
 
Betreff: Nutzbarmachung des Drogenpräventionsprojektes "Revolution Train" für Leipzig
Status:öffentlich (Vorlage freigegeben)Vorlage-Art:Verwaltungsstandpunkt
Einreicher:Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und SchuleBezüglich:
VI-A-05033
Beratungsfolge:
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
FA Umwelt und Ordnung Vorberatung
03.04.2018    FA Umwelt und Ordnung      
Jugendhilfeausschuss Vorberatung
26.02.2018 
Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis genommen   
FA Umwelt und Ordnung 2. Lesung
17.04.2018    FA Umwelt und Ordnung      
offen ohne festgelegten RV-Termin/ruhend

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

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Rechtliche Konsequenzen

Der gemäß Ursprungsantrag gefasste Beschluss wäre

Rechtswidrig und/oder

Nachteilig für die Stadt Leipzig.

 

 

Zustimmung

Ablehnung

Zustimmung mit Ergänzung

Ablehnung, da bereits Verwaltungshandeln

Alternativvorschlag

Sachstandsbericht

 

 

 

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Begründung:

 

Der Revolution Train ist ein grenzüberschreitende Präventionsprojekt, das in Tschechien entwickelt wurde. Das Projekt beruht wesentlich auf Abschreckung. Dieser Ansatz gilt in Deutschland seit den 90er Jahren als überholt und entspricht nicht den Qualitätsanforderungen in der Suchtprävention der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen.

 

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Abschreckungsszenarien bei jungen Menschen geringe bis keine suchtpräventiven Wirkungen zeigen. Jugendliche Risikogruppen werden mit diesem Ansatz aufgrund sogenannter Unverletzlichkeitskognitionen fast nie erreicht (vgl. Beelmann, A., Wirksame Strategien der Suchtprävention, Vortrag am Fachtag des Landesfachausschusses Suchtprävention Sachsen, 2015, Folie 15). Junge Menschen gehen also davon aus, dass sie - unabhängig von ihrem Verhalten - gesund sind und bleiben. Wenn überzeichnet dargestellte Folgewirkungen nicht mit den Alltagserfahrungen der Jugendlichen übereinstimmen, verlieren die präventiven Botschaften außerdem an Glaubwürdigkeit.

 

Der Revolution Train vernachlässigt zeitgemäße Ansätze der Suchtprävention wie z.B. Stärkung der Persönlichkeit, Kompetenztraining, Ressourcenaktivierung, Schadensminimierung, Förderung der Risikokompetenz, Unterbreiten von Hilfs- und Beratungsmöglichkeiten. Das Projekt löst weder eine nachhaltige Auseinandersetzung mit der Suchtproblematik, noch mit möglicher Unterstützung und Hilfe aus. Es liegt außerdem kein Konzept vor, welches auf der Grundlage einer Problembeschreibung basiert, Maßnahmen vorsieht und diese hinsichtlich einer Zielstellung überprüfbar macht. Auch eine Begleitung und Nachbereitung durch den Anbieter ist nicht bekannt.

 

Die Stadt Leipzig fördert verschiedene Suchtpräventionsprojekte, die Jugendliche an Schulen und in Jugendeinrichtungen langfristig begleiten. Die Projekte Drahtseil (Diakonischen Werk, Innere Mission Leipzig e. V.), free your mind (Leipziger Kinderschutzbund e. V.) und die Drug Scouts (SZL Suchtzentrum gGmbH) sind Beispiele für geeignete Suchtprävention. Weitere Träger der Jugendhilfe werden kontinuierlich zu Fragen der Suchtprävention und -hilfe geschult und in die Netzwerke eingebunden.

 

Unabhängig von der fachlichen Bewertung stehen die finanziellen Aufwendungen nicht im Verhältnis zum Angebot. Der Einsatz des Zuges für eine Woche ist mit 65.000,00 € zuzüglich des bereitzustellenden Fachpersonals zur Begleitung der Ausstellung anzusetzen. Für diese Summe könnte die Stadt Leipzig 1,5 VZÄ Sozialarbeiter/-in/Sozialpädagogin in der Präventionsarbeit einsetzen. Um das Wirksamkeitspotential zu erhöhen wäre darüber hinaus intensive Vor- und Nachbereitung durch Präventionsfachkräfte nötig.

 

Als Alternative stehen wesentlich weniger kostenintensive Angebote - z.B. die Jugendfilmtage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) - zur Verfügung. Die Stadt Leipzig steht in Kontakt mit der BZgA, damit die Jugendfilmtage noch im Jahr 2018 in Leipzig stattfinden können. Darüber hinaus ist geplant, weitere Projekte, wie die Wandelhalle des Zentrums für Drogenhilfe, zu stärken.

 

Die Stadt Leipzig hat sich in der Beurteilung des Projektes mit verschiedenen Institutionen und Einrichtungen abgestimmt und es besteht eine einheitliche Haltung hinsichtlich der kritischen Einschätzung. Als unzureichend bewertet wird das Projekt z.B. in einer gemeinsamen Einschätzung der Thüringer Landesstelle für Suchtfragen e.V., dem Präventionszentrum der Suchthilfe in Thüringen GmbH, und der Thüringer Fachstelle Suchtprävention des Fachverbandes Drogen- und Suchthilfe e.V. vom 17.10.2017. Außerdem hat sich die Fachstelle für Suchtprävention im Direktionsbezirk Chemnitz der Diakonie Stadtmission Chemnitz ablehnend gegenüber dem Projekt geäußert. Der Einsatz des Zuges wurde in Dresden und Chemnitz aus den benannten Gründen abgelehnt. Der Drogenbeirat der Stadt Leipzig hat den Antrag in seiner Sitzung vom 17.01.2018 intensiv diskutiert und mehrheitlich abgelehnt. Auf Grundlage einer umfassenden Einschätzung des Projektes durch das Landeskriminalamt hat das Sächsische Staatsministerium des Inneren festgelegt, das Projekt weder finanziell noch personell zu unterstützen.

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Finanzielle Auswirkungen

 

x

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

 

 

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

 

 

 

 

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

 

 

 

 

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

 

nein

 

wenn ja,

 

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

nein

 

wenn ja,

Beantragte Stellenerweiterung:

Vorgesehener Stellenabbau:

Beteiligung Personalrat

 

nein

 

ja,

 

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