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Vorlage - VI-A-04713  

 
 
Betreff: Zugang zur psychiatrischen Behandlung von Migrant/innen und Geflüchteten: Öffnung der SprInt-Mittel für die ärztliche Versorgung durch den Verbund gemeindenahe Psychiatrie
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Migrantenbeirat
Beratungsfolge:
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
20.09.2017 
Ratsversammlung zur Kenntnis genommen   
FA Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule 1. Lesung
28.09.2017    Fachausschuss Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule      
FA Allgemeine Verwaltung 1. Lesung
17.10.2017    Fachausschuss Allgemeine Verwaltung      
Beirat für Psychiatrie Vorberatung
Migrantenbeirat Vorberatung
25.01.2018 
Migrantenbeirat geändert beschlossen   
FA Allgemeine Verwaltung 2. Lesung
06.02.2018    Fachausschuss Allgemeine Verwaltung      
20.02.2018    Fachausschuss Allgemeine Verwaltung      
FA Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule 2. Lesung
15.02.2018    FA Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule      
Ratsversammlung Beschlussfassung
28.02.2018 
Ratsversammlung geändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlagen:
Anlage 1 - Sonnenberger Leitlinien

 

Beschlussvorschlag:

 

  1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, die Mittel für den Sprach- und Integrationsmittlerpool „SprInt“ für die fachärztliche Versorgung durch den Verbund gemeindenahe Psychiatrie des St. Georg Klinikums zugänglich zu machen.
     
  2. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, das entsprechende Budget des Referats für Migration und Integration bzw. des Gesundheitsamtes um 30.000 € aufzustocken.

 


 

Sachverhalt:

 

In den letzten Jahren ist ein Anstieg der Anzahl von psychischen Erkrankungen und Suiziden zu verzeichnen. Migrant/innen und Menschen mit Fluchtgeschichte haben ein erhöhtes Risiko, psychisch zu erkranken und weisen ein erhöhtes Suizidrisiko auf. Bei der letztgenannten Gruppe ist das Traumatisierungsrisiko besonders hoch: Im Rahmen der 2015 in Leipzig durchgeführten Regionalkonferenz über die psychiatrisch-psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen in Sachsen rechnete man mit 8.000 bis 10.000 Fällen von posttraumatischen Belastungsstörungen in Sachsen pro Jahr (vgl. 29.9.2015.pdf">www.mosaik-leipzig.de/wp-content/uploads/2015/12/Ergebnisprotokoll-Regionalkonferenz_29.9.2015.pdf).

 

Trotz des gegebenen Bedarfs ist der Zugang zu einer adäquaten psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung für diese Menschen nicht zuletzt durch sprachliche und kulturelle Verständigungsschwierigkeiten erschwert. Das gilt insbesondere für Menschen, die nicht mehr in den Gemeinschaftsunterkünften leben und demzufolge vom Zugriff auf das Budget für Sprach- und Integrationsmittlung des Sozialamtes ausgeschlossen sind. Das betrifft zum einen infolge des verstärkten Zuzugs der letzten Jahre gekommene Geflüchtete, aber auch länger in Leipzig lebende Migrant/innen, deren Sprachkenntnisse nicht für eine Verständigung im psychiatrischen Kontext ausreichen. Der geringe Anteil der niedergelassenen Fachärzte mit Sprachkompetenzen kann den Versorgungsbedarf nicht decken.

 

Während für die niedrigschwelligen Angebote des Sozialpsychiatrischen Dienstes des Verbundes gemeindenahe Psychiatrie in Leipzig ein Budget für den Einsatz von Sprach- und Integrationsmittler/innen vorgesehen ist, erstreckt sich dieser Einsatz nicht auf die ärztliche Versorgung durch diese Institution. Somit gibt es an der Schwelle zur ärztlichen Behandlung einen Schnitt, die Betroffenen haben u.a. keinen Zugang zur adäquaten medikamentösen Behandlung. Dabei gibt es derzeit ungefähr 50 Patient/innen, die eine entsprechende Behandlung benötigen, aber zum Teil offensichtlich wegen mangelnder Verständigung den Kontakt abgebrochen haben, so Herr Seyde, der Psychiatriekoordinator der Stadt Leipzig. Das psychosoziale Zentrum für Geflüchtete des Mosaik e.V. in Leipzig schätzt den Bedarf an dolmetscher/innengestützter psychiatrischer Versorgung als enorm hoch ein.

 

Die Öffnung sowie die entsprechende finanzielle Aufstockung der SprInt-Mittel für die ärztliche Versorgung durch den Verbund gemeindenahe Psychiatrie würde den Zugang zur adäquaten psychiatrischen Versorgung von Geflüchteten und Migrant/innen gewährleisten und der entsprechenden Forderung der s.g. Sonneberger Leitlinien (s. Anlage) gerecht werden. Durch den Abbau von Verständigungsschwierigkeiten wird außerdem zum einen die Anzahl wiederholter und zum Teil unnötiger Mehrfachuntersuchungen und damit verbundener Kosten reduziert, zum anderen senkt die Behandlungskontinuität das Chronifizierungsrisiko und wirkt als Suizidprävention.
 

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 1 1 Anlage 1 - Sonnenberger Leitlinien (43 KB)    
Stammbaum:
VI-A-04713   Zugang zur psychiatrischen Behandlung von Migrant/innen und Geflüchteten: Öffnung der SprInt-Mittel für die ärztliche Versorgung durch den Verbund gemeindenahe Psychiatrie   18 Referat für Migration und Integration   Antrag
VI-A-04713-VSP-01   Zugang zur psychiatrischen Behandlung von Migrant/innen und Geflüchteten: Öffnung der SprInt-Mittel für die ärztliche Versorgung durch den Verbund gemeindenahe Psychiatrie   18 Referat für Migration und Integration   Verwaltungsstandpunkt
VI-A-04713-ÄA-02   Zugang zur psychiatrischen Behandlung von Migrant/innen und Geflüchteten: Öffnung der SprInt-Mittel für die ärztliche Versorgung durch den Verbund gemeindenahe Psychiatrie   Geschäftsstelle der CDU-Fraktion   Änderungsantrag
VI-A-04713-ÄA-03   Zugang zur psychiatrischen Behandlung von Migrant/innen und Geflüchteten: Öffnung der SprInt-Mittel für die ärztliche Versorgung durch den Verbund gemeindenahe Psychiatrie   Geschäftsstelle der Fraktion Freibeuter   Änderungsantrag