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Vorlage - VI-F-03539-AW-01  

 
 
Betreff: Münzendiebstahl im Stadtgeschichtlichen Museum - Berichterstattung und öffentliche Aufklärung
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:schriftliche Antwort zur Anfrage
Einreicher:Dezernat KulturBezüglich:
VI-F-03539
Beratungsfolge:
Ratsversammlung schriftliche Beantwortung

Sachverhalt

Sachverhalt:
 

Frage 1:

Wie kam die Berichterstattung zustande? Hatten Herr Dr. Rodekamp oder andere Mitarbeiter des Stadtgeschichtlichen Museums Kontakt mit Medien bzw. kann die Stadtverwaltung dies zu 100 Prozent ausschließen?

 

Antwort:

Im Rahmen der offiziellen Pressekonferenz des Stadtgeschichtlichen Museums am 22.11.2016 im Vorfeld der am gleichen Abend zu eröffnenden Sonderausstellung hat eine BILD-Redakteurin Herrn Dr. Rodekamp in der besagten Angelegenheit angesprochen. Dieser hat es abgelehnt, sich zu den Fragen zu äußern und auf das laufende Verfahren verwiesen. Er hat in keiner Weise Auskünfte zur Sache erteilt und deutlich gemacht, dass Informationen allein von der Staatsanwaltschaft autorisiert werden können. Gegenüber diesen eindeutigen Tatsachen erweckt der Artikel der BILD-Zeitung den Eindruck als seien Informationen mitgeteilt worden. Dies ist nicht der Fall. Die abgedruckten Fotos stehen in keinem direkten Zusammenhang mit dem Sachverhalt.

Die Mitarbeiter/innen des Museums haben Anweisung erhalten, sich in der Sache nicht gegenüber Medien zu äußern.

 

 

 

 

 

 

 

Frage 2:

Sind alle Münzen, die entwendet wurden, wieder aufgetaucht? Wenn nein, in welchem Wert fehlen noch Münzen?

 

Antwort:

Derzeit geht das Stadtgeschichtliche Museum von einem Gesamtverlust von 576 Münzen aus. Gestohlene Münzen sind lediglich zu einem kleineren Teil wieder aufgetaucht. Dieser wurde durch die Polizei sichergestellt und durch Mitarbeiter des Stadtgeschichtlichen Museums eindeutig als Eigentum der Stadt Leipzig identifiziert. Mit der konkreten Wertermittlung wurde bereits im September begonnen. Sie wird von dem Gutachter, der das Stadtgeschichtliche Museum in dieser Angelegenheit unterstützt, voraussichtlich Ende Januar 2017 zum Abschluss gebracht werden können. Erst nach Abschluss dieser überaus komplexen Arbeit kann die konkrete Schadenshöhe benannt werden.

(Ein umfassender Bericht wird in einer nichtöffentlichen Sitzung des FA Kultur gegeben werden.)

 

Frage 3:

Gab und gibt es prozessuale Konsequenzen innerhalb des Stadtgeschichtlichen Museums, um solch einen Vorfall in der Zukunft zu verhindern?

 

Antwort:

Nach Feststellung des Diebstahls im August 2016 wurde die Depotschließanlage umgehend durch ein neues Schließsystem ausgetauscht. Alle Transponder zur Bedienung der EMA wurden eingezogen und durch eine neue Ausgabe an eine noch strenger begrenzte Anzahl ausgewählter Personen ersetzt. Die Sicherheitskriterien wurden durch die strikte Einführung des Vier-Augen-Prinzips beim Betreten der Depots nochmals verschärft.

 

Welche Vorkehrungen, um solch einem Vorfall vorzubeugen, gab es; wurden diese angewandt beziehungsweise wurden sie nach dem Vorfall nochmals verschärft?

 

Antwort:

Der 2004 fertiggestellte Neubau Böttchergäßchen 3 / Zentrales Depotgebäude ist mit Alarmsystemen, Einbruchmeldern, Bewegungsmeldern und Rauchmeldern ausgestattet. Es besteht darüber hinaus ein externes und internes Sicherheitsregime, in das alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingebunden sind. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden über die Festlegungen und Vorgaben informiert, geschult und haben dieses mit ihrer Unterschrift bestätigt. In den  regelmäßigen Dienstberatungen wird das Thema Sicherheit ebenfalls aufgerufen. 

 

Es versteht sich von selbst, dass Details des externen und internen Sicherheitsregimes des Stadtgeschichtlichen Museums u. a. aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden dürfen, sich also insofern einer Beantwortung in der Ratsversammlung entziehen.

 

 

Frage 4:

Wann wurde die letzte Inventur vor dem Bekanntwerden des Diebstahls (August 2016) des Münzbestandes durchgeführt?

 

Antwort:

Im Zuge der Umsetzung der Sächs. KomHVO-Doppik, § 34 Abs. 3, DA OBM Nr. 38/2011 erfolgte vom 1.3.2010 bis 31.8.2011 im Rahmen der von der Stadt Leipzig realisierten Einführung zum NKF eine Inventur ausgewählter Sammlungen; hier: Kunstgegenstände und Kulturdenkmäler. Die Arbeiten wurden seinerzeit durch sieben externe Mitarbeiter unterstützt.

Nach der umfassenden Inventur im Rahmen der Sächs. KomHVO-Doppik wurden ab 2011 über reguläre und museumsinterne Wege weitere Inventuren durchgeführt: Sammlung Autographe: im Zeitraum 2011 2016; Sammlung Gemälde: im Zeitraum 2015/2016; Sammlung Taschenuhren: im Zeitraum 2014/2015.

Weitere Einzelinventuren von Teilsammlungen wurden in den Jahren 2012 2015 im Rahmen von Ausstellungsvorbereitungen vorgenommen. Sammlung Grafik zur Völkerschlacht: im Zeitraum 2012/2013, Sammlung Plakate: im Zeitraum 2012/2013, Sammlung Bertha Wehnert-Beckmann: 2013/2014, Archäologische Sammlungen Max Näbe und Herbert Küas: im Zeitraum 2014/2015, Bibliothekssammlungen kontinuierlich seit 2011.

In der Summe betrachtet wurden im Berichtszeitraum 2012 2016 im SGM ordnungsgemäß und nachweisbar ca. 42.000 Objekte einer inventurmäßigen Erfassung unterzogen. Einschränkend ist dabei anzumerken, dass das Vier-Augen-Prinzip aus Kapazitätsgründen nicht durchgängig angewandt werden konnte.

 

Die hier in Rede stehende numismatische Sammlung des SGM wurde in den Jahren 2005 bis 2011 von dem zuständigen Kurator umfassend bearbeitet und in die GOS-Datenbank mit hochauflösenden Bilddateien eingestellt. Bei dieser Sammlung handelt sich um eine stille Sammlung, die zwar über das Internet recherchierbar ist, allerdings nur bei etwaigen Leihanfragen anderer Museen bewegt und überprüft wird.

 

Welche Bestimmungen existieren zur Inventarisierung?

 

Antwort:

Auf der Ebene des Landesgesetzgebers definieren die §§ 89 Abs. 3 SächsGemO sowie 34 und 35 KommHVO-Doppik gesetzliche Vorgaben zur Inventur.

 

Mit den Dienstanweisung des Oberbürgermeisters

 

          Nr. 24/2014 v. 28.10.2014 ('Inventurrichtlinie der Stadtverwaltung Leipzig'),

 

          Nr. 25/2014 vom 28.10.2014 (Inventarverwaltung des beweglichen Sachanlagevermögens

der Stadtverwaltung Leipzig),

 

          Nr. 26/2014 vom 28.10.2014 (Inventurrichtlinie der Stadtverwaltung Leipzig - Anlage A:

Inventur des beweglichen Sachanlage-vermögens der Stadtverwaltung Leipzig),

 

          Nr. 27/2014 vom 28.10.2014 (Inventurrichtlinie der Stadtverwaltung Leipzig - Anlage B:

Inventur des Vorratsvermögens der Stadtverwaltung Leipzig) und

 

          Nr. 38/2011 vom 20.12.2011 (Anlagenbuchhaltung Doppik)

 

werden hierzu weitere Vorgaben gemacht. 

 

Die zur Umsetzung notwendige Anlage F als Anweisungsgrundlage zur 'Inventur der Kunstgegenstände und Kulturdenkmäler der Stadtverwaltung Leipzig' steht aus. Das Dezernat Finanzen bzw. die für die Inventurleitung verantwortliche Stadtkämmerei erarbeitet zurzeit eine auf die jeweilige Einrichtung ausgerichtete Vorgabe. 

 

Wurde personeller Mehrbedarf für die Durchführung der Inventur angezeigt und wenn ja, wieso wurde diesem nicht entsprochen?

 

Antwort:

Seit 2007 hat das SGM wiederholt auf die existierende Personalknappheit im Bereich der Zentralen Sammlungsdokumentation aufmerksam gemacht und im Rahmen der Anmeldungen zum Haushalt den Stellenmehrbedarf formuliert.

 

 

Frage 5:

Wird es personelle beziehungsweise disziplinarische Konsequenzen aufgrund des Vorfalls gegben?

 

Antwort:

Tatverdächtiger ist ein ehemaliger Beschäftigter des Stadtgeschichtlichen Museums, dessen Beschäftigungsverhältnis durch Kündigung seitens der Stadt Leipzig beendet wurde. Weitere Angaben können derzeit aufgrund der nicht endgültig abgeschlossenen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Sache nicht gemacht werden.

 

Wird ein Ermittlungsverfahren gegen Dr. Rodekamp oder andere Mitarbeiter des Stadtgeschichtlichen Museums eingeleitet werden?

 

Antwort:

Es gibt gegenwärtig keinerlei Anhaltspunkte dafür, ein arbeits- bzw. disziplinarrechtliches Verfahren gegenüber Herrn Dr. Rodekamp in Erwägung zu ziehen.

 

 

Frage 6:

Wurde seit dem Vorfall eine vollständige Inventur der Bestände des Stadtgeschichtlichen Museums durchgeführt? Wenn nein, aus welchen Gründen? Wenn ja, wieviel Personal war und ist gebunden, um Fehlbestände zu ermitteln?

 

Antwort:

Seit Bekanntwerden des Diebstahls wurden umgehend umfassende Inventurarbeiten eingeleitet. Dabei ist als Ergebnis bis zum heutigen Tage festzuhalten, dass allein die numismatische Sammlung vom Diebstahl betroffen ist. Museumsintern wurden neun Inventur-Teams (2 Personen) gebildet, die an jedem Donnerstag und auch hier in Absprache mit der Kämmerei und dem Rechnungsprüfungsamt die Inventuren durchführen.

 

Seit August 2016 waren 20 Mitarbeiter an den Inventuren beteiligt. In den ersten sechs Wochen nach Bekanntwerden des Diebstahls wurde eine tägliche Inventur im Depot im IV. OG Haus Böttchergäßchen in dem die numismatische Sammlung untergebracht ist durchgeführt. Die Inventur ist inzwischen abgeschlossen und umfasst die Sammlungen Glas, Metall, Porzellan, Puppen, Uhren, Maße und Gewichte sowie Münzen und Medaillen. Im Magazin UG wurde die Inventur der Gemäldesammlung, Sammlung Holzplastik und Fotosammlung durchgeführt und abgeschlossen. Im Bibliotheksmagazin wurden die historischen Buch- und Schriftbestände dokumentiert und inventarisiert. In der aktuellen Bearbeitung befindet sich die Autographensammlung, die zu 40 % überprüft ist und die umfassende Grafiksammlung mit über 30.000 Einzelexemplaren. Die Inventurarbeiten werden kontinuierlich weitergeführt und aufgrund der großen Stückzahlen voraussichtlich Mitte kommenden Jahres abgeschlossen sein.

 

 

Frage 7:

Kann ausgeschlossen werden, dass es zu weiteren Diebstählen innerhalb der Bestände des Stadtgeschichtlichen Museums gekommen ist?

 

Antwort:

Eine konkrete Aussage kann erst nach Abschluss der Generalinventur erfolgen. Nach jetzigem Bearbeitungsstand verfügt das Museum über keinerlei Hinweise, dass weitere Sammlungen von Diebstahl betroffen sind. Es bleibt allerdings festzuhalten, dass Museumsarbeit grundsätzlich auf Vertrauen gegründet ist. Museumsmitarbeiter arbeiten mit den Objekten konkret, sie gehen damit um, behandeln sie konservatorisch, erschließen sie wissenschaftlich und präsentieren sie und ihre Forschungsergebnisse in Ausstellungen. Dies setzt stets einen verantwortungsvollen Umgang voraus. Solange Menschen involviert sind, können kriminelle Handlungen niemals mit 100%iger Sicherheit ausgeschlossen werden. Gegen kriminelle Energie aus dem eigenen Mitarbeiterkreis existiert kein umfassender Schutz trotz der im Stadtgeschichtlichen Museum bestehenden hohen Sicherheitsstandards.

Stammbaum:
VI-F-03539   Münzendiebstahl im Stadtgeschichtlichen Museum - Berichterstattung und öffentliche Aufklärung   Geschäftsstelle der CDU-Fraktion   Anfrage
VI-F-03539-AW-01   Münzendiebstahl im Stadtgeschichtlichen Museum - Berichterstattung und öffentliche Aufklärung   41 Kulturamt   schriftliche Antwort zur Anfrage