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Vorlage - VI-DS-03491  

 
 
Betreff: Unterstützung der Bertolt-Brecht-Gastprofessur am neugegründeten "Centre of Competence for Theatre" (CCT)
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Beschlussvorlage
Einreicher:Oberbürgermeister
Ziele:4. Hinweis: Finanzielle Auswirkungen
Beratungsfolge:
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
FA Kultur 1. Lesung
12.05.2017    Fachausschuss Kultur      
FA Finanzen 1. Lesung
15.05.2017    Fachausschuss Finanzen      
FA Kultur 2. Lesung
19.05.2017    Sondersitzung FA Kultur      
Ratsversammlung Beschlussfassung
21.06.2017 
Ratsversammlung vertagt   
23.08.2017 
Ratsversammlung ungeändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Finanzielle Auswirkungen
Anlage/n

Beschlussvorschlag:

 

1. Die Stadt Leipzig unterstützt den Erhalt des Instituts für Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig durch die  Schaffung und den Unterhalt einer Bertolt-Brecht-Gastprofessur am neugegründeten "Centre of Competence for Theatre" (CCT) am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Leipzig.

 

2. Die finanzielle Unterstützung der Gastprofessur wird in Höhe von 20.000 EUR für den Doppelhaushalt 2017/18  bestätigt. Die Deckung erfolgt aus den planmäßig veranschlagten Aufwendungen im Haushaltsjahr 2017 und 2018 im Budget 01_111_1ZW (Innenauftrag/100111110003/SK 43140000).

 

3. Es wird eine dauerhafte Unterstützung der Bertolt-Brecht-Gastprofessur angestrebt. Dies wird zunächst zur Kenntnis genommen. Über eine zusätzliche Bereitstellung ist im Rahmen der Haushaltsplanung 2019/20 zu entscheiden. Die Mittel sind dann entsprechend durch das Referat Wissenspolitik anzumelden.


Begründung für die Unterstützung der Gastprofessur am Centre of Competence for Theatre

 

1.

Infolge der Politik der Kürzung von Mittelzuweisungen durch das sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst sah sich das Rektorat der Universität Leipzig zu Beginn des Jahres 2014 gezwungen, dem Ministerium konkrete Stellenkürzungen und damit den Abbau ganzer Institute der Universität vorzuschlagen. Neben dem Institut für klassische Archäologie war davon vor allem das Institut für Theaterwissenschaft betroffen: Beiden Instituten drohte die mittelfristige Schließung.

 

Am 31. Januar 2014 bemerkte der Oberbürgermeister zu dieser Absicht in einem dpa-Interview: "Deswegen hat die Universität meine Solidarität, wenn sie versucht, diese Schließungspläne abzuwenden. Das kann sie nur, wenn in Dresden noch einmal grundsätzlich über die finanzielle Ausstattung der Hochschulen nachgedacht wird."

 

Der Leipziger Stadtrat reagierte auf diese Situation am 13. Februar 2014 mit einer "Resolution der Stadt Leipzig zum Erhalt des Wissenschaftsstandortes Leipzig". In diesem Appell heißt es u.a. : "Leipzig ist mit seiner reichhaltigen Kulturtradition und der über 600jährigen universitären Wissenschaftsgeschichte eine Stadt, welche seit Jahren wächst. Die enorme Vielfalt kultureller Angebote und die lebendige Kulturszene sind dabei ein wesentliches Aushängeschild der Stadt,

die immer mehr junge Familien sowie eine jährlich steigende Zahl von Gästen anzieht. Dabei liefert u.a. das Institut für Theaterwissenschaft eine grundlegend wichtige Basis für den Nachwuchs an kulturell gebildeten Kräften und das weit über Leipzig hinaus. Das Institut pflegt dabei sehr enge Kooperationen bspw. mit dem Theater der Jungen Welt und den Einrichtungen der Freien Szene. Viele Absolventinnen und Absolventen sind so heute in den Kulturbetrieben der Stadt und der Freien Szene tätig und leisten dort eine hervorragende Arbeit. In großer Sorge wenden sich die Stadträte der Stadt Leipzig an die Staatsregierung. Denn die Einsparung ganzer Universitätsinstitute nach einer Reihe harter Sparmaßnahmen mit Stellenabbau und Reduktion von Lehr- und Forschungskapazitäten ist der Höhepunkt einer Hochschulpolitik, die der Universität Leipzig genauso wie der Stadt Leipzig schadet. (...) Leipzigs Stadträte mahnen die Staatsregierung zur Besinnung. Steigende Studierendenzahlen können nicht mit sinkenden Personalausgaben und reduzierter Hochschulfinanzierung beantwortet werden."

 

Das gemeinsame Ziel bestand darin, eine Zukunft für die Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig zu garantieren.

 

2.

Die Verantwortlichen für Wissenschaft und Kultur im Rathaus verstehen diese Resolution als politisches Mandat und bemühen sich im Austausch mit allen Akteuren – der Leipziger Theaterwissenschaft, dem Rektorat der Universität Leipzig und dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst – um einen klugen Kompromiss.

Heute lässt sich sagen: Das Institut für Theaterwissenschaft wird weiterbestehen, ergänzt durch ein neues "Centre of Competence for Theatre" (CCT), das dem Institut angegliedert ist. Das CCT wurde am 27. Oktober 2016 im Schauspiel Leipzig durch die öffentliche Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung mit Theatern und Verbünden aus Sachsen und Deutschland offiziell gegründet. Die Universität hat damit ihre Kürzungspläne zurückgezogen und der Freistaat durch die Neuförderung von zwei Juniorprofessuren in der Theaterwissenschaft das CCT mitbefördert Die Stadt Leipzig soll diese Aktivitäten durch die Unterstützung einer "Bertolt-Brecht-Gastprofessur" am CCT unterstützen.

 

3.

Mit dem CCT entsteht ein neuer (inter)nationaler Fokus der Theaterwissenschaften in Leipzig. Das CCT wird die regionale, nationale und internationale Kooperation auf dem Gebiet des Theaters und der kulturellen Bildung verstärken. Es wird als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft Expertenkenntnisse auf allen Gebieten der Theater- und Kunstproduktion miteinander verbinden und öffentlich sichtbar machen.

 

Das CCT erweitert damit die universitäre Theaterwissenschaft vor allem durch seinen

Praxisbezug. Es kooperiert mit Theaterhäusern regional und überregional, fördert praxisorientierte Forschung und Lehre sowie die Vermittlung von Theorie und Praxis mit Partnern innerhalb und außerhalb der Universität. An erster Stelle gehören hierzu die künstlerischen Eigenbetriebe der

Stadt Leipzig und die Häuser der Freien Szene, wie Theater und Verbände in ganz Sachsen und deutschlandweit. Das CCT versteht sich als ein Ort der öffentlichen Wissensvermittlung und transkulturellen Bildung, der bewusst in die Gesellschaft hineinwirken will. Es bietet ein Forum für die öffentliche Diskussion theaterästhetischer, theaterpolitischer und kulturpolitischer Fragen, die sich mit den Herausforderungen von Gesellschaften im Wandel befassen. Zudem stellt das Zentrum durch sein weitreichendes, internationales Netzwerk eine wichtige Säule zukünftiger Ausbildung und

Arbeit dar.

 

4.

Um die Sichtbarkeit und öffentliche Resonanz des CCT zu erhöhen und die internationale

Expertise in Forschung, Lehre und öffentlicher Vermittlung in Leipzig vertieft zu verankern, wird

eine "Bertolt-Brecht-Gastprofessur" am CCT eingerichtet, deren Finanzierung durch die Stadt Leipzig erfolgt. Die Kosten betragen pro Semester 10.000,00 EUR, pro Jahr 20.000,00 EUR. Sie sind im Doppelhaushalt der Jahre 2017 und 2018 eingestellt. 

 

Die Professur hat das Ziel,

den Theorie-Praxis-Transfer zwischen den Leipziger Wissenschaften und den Künsten zu intensivieren,

den öffentlichen Diskurs mit der Stadtgesellschaft durch neue Veranstaltungsformate zu befördern,

Theater als ein unverzichtbares Forum einer demokratischen Öffentlichkeit zu stärken,

Leipzig als den Ort einer international avancierten Theatertheorie und -praxis noch deutlicher auf der Landkarte der Theaterwelt zu verankern.

 

5.

Die Professur wird einmal pro Semester vergeben. Berufen wird der Gastprofessor oder die Gastprofessorin durch eine von Stadt und Universität besetzte Kommission, bestehend aus der Beigeordneten für Kultur der Stadt Leipzig (Stellvertretung: Referatsleitung für Wissenspolitik), dem Direktorrat des CCT und der Geschäftsführung des CCT.

 

6.

Kandidieren um diese Berufung sollen (inter)national renommierte Theatermacherinnen, Intendanten, Regisseure und Autorinnen. Kriterien für die Auswahl sind ein ausgeprägtes künstlerisches Profil und das überregionale Renommee der sich bewerbenden Persönlichkeiten.

 

7.

Zum Namensgeber der Gastprofessur: Bertolt Brecht ist mit der Stadt Leipzig mehrfach

verbunden. Zwei Uraufführungen seiner Stücke, "Baal" und "Aufstieg und Fall der Stadt

Mahagonny", fanden in Leipzig statt. In den fünfziger Jahren haben Ernst Bloch und Hans Mayer inmitten der Doktrin des sozialistischen Realismus Brecht einem aufgeschlossenen Publikum bekannt gemacht und für die Verbreitung seiner Arbeiten und seiner Theaterästhetik gesorgt. Das Institut für Theaterwissenschaft ist seit Jahren für seine Brecht-Forschung, die auf die Entdeckung eines "anderen Brecht" zielt, international bekannt. Im Juni 2019 wird der Weltkongress der International Brecht Society (IBS), der dem Institut durch die Vizepräsidentschaft verbunden ist, in Leipzig am Centre of Competence for Theatre stattfinden.


 


 

 

Finanzielle Auswirkungen

 

x

nein

 

wenn ja,

Kostengünstigere Alternativen geprüft

 

nein

 

ja, Ergebnis siehe Anlage zur Begründung

Folgen bei Ablehnung

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Handelt es sich um eine Investition (damit aktivierungspflichtig)?

 

nein

 

ja, Erläuterung siehe Anlage zur Begründung

Im Haushalt wirksam

von

bis

Höhe in EUR

wo veranschlagt

Ergebnishaushalt

Erträge

 

 

 

 

 

Aufwendungen

ab 2017

 

20.000,00

pro Jahr

100111110003

Finanzhaushalt

Einzahlungen

 

 

 

 

 

Auszahlungen

ab 2017

 

20.000,00

pro Jahr

100111110003

Entstehen Folgekosten oder Einsparungen?

x

nein

 

wenn ja,

Folgekosten Einsparungen wirksam

von

bis

Höhe in EUR (jährlich)

wo veranschlagt

Zu Lasten anderer OE

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand

 

 

 

 

Nach Durchführung der Maßnahme zu erwarten

Ergeb. HH Erträge

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand (ohne Abschreibungen)

 

 

 

 

 

Ergeb. HH Aufwand aus jährl. Abschreibungen

 

 

 

 

Auswirkungen auf den Stellenplan

 

nein

 

wenn ja,

Beantragte Stellenerweiterung:

Vorgesehener Stellenabbau:

Beteiligung Personalrat

 

nein

 

ja,