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Vorlage - VI-F-03439  

 
 
Betreff: Umsetzung des Ratsbeschlusses V-1988/14 "Luther-Melanchthon-Denkmal: Bürgerschaftliches Engagement ermöglichen"
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Anfrage
Einreicher:CDU-Fraktion
Beratungsfolge:
Ratsversammlung mündliche Beantwortung
17.11.2016 
Ratsversammlung (offen)   

Sachverhalt

Anfrage
 

Am 19.03.2014 fasste die Ratsversammlung den Grundsatzbeschluss zur Wiedererrichtung des vom NS-Regime zerstörten Luther-Melanchthon-Denkmals. Darin heißt es u.a.:

 

In diesem Sinne errichtet die Stadt ein Denkmal, finanziert durch den Verein, in geeigneter Form an einem geeigneten  innerstädtischen Standort.“

 

Es liegt auf der Hand, dass diese offene Formulierung Interpretationsspielräume eröffnet. Allen damals Beteiligten muss aber klar gewesen sein, dass für den Verein Luther-Melanchthon-Denkmal e.V. als Finanzier gemäß seines Satzungszwecks nur ein dem Original weitgehend entsprechender bzw. nahe kommender Wiederaufbau in Frage kommt.

Der Beschluss legt weiterhin fest, das durch die Stadtverwaltung die notwendigen städtebaulichen Planungen und Verfahren „einvernehmlich“ (!) mit dem Verein einzuleiten sind.

 

Im Beschlussumsetzungsbericht, Stand 11.01.2016, wird über die Sitzung des Sachverständigenforums „Kunst im öffentlichen Raum“ am 29.06.2015 berichtet, in der Möglichkeiten zur zeitgenössischen Umsetzung des Denkmals erörtert wurden. Dazu heißt es im Bericht: „Im Ergebnis der Befassung muss jedoch festgestellt werden, dass die Vereinsvertreter bisher keinerlei Kompromissbereitschaft zeigen.“

 

Diese Aussage ist für uns befremdlich: Inwiefern hat der Verein Kompromissbereitschaft vermissen lassen? Unserer Kenntnis nach ist der Verein durchaus zu Kompromissen bereit. Warum wird seitens der Kulturverwaltung Kompromissbereitschaft nur vom Verein eingefordert und nicht in gleicher Weise vom Sachverständigenforum ?

 

Im Übrigen weisen wir auf den beschlossenen Realisierungstermin hin: „bis Juni 2019“.  Seit dem Beschluss sind ca. 2 ½ Jahre vergangen, ohne greifbares Ergebnis.

 

Wir fragen an:

 

  1. Wie ist der Sachstand hinsichtlich der Findung eines Standortes für das Denkmal?

 

  1. Inwiefern hat der Verein in der Vergangenheit Kompromissbereitschaft vermissen lassen? In welcher konkreten Art und Weise hat  das Sachverständigenforum seine eigene Kompromissbereitschaft in dieser Frage unter Beweis gestellt?

 

  1. Ist die Kulturbürgermeisterin bereit, zeitnah zwischen Verein und Sachverständigenforum mit dem Ziel zu vermitteln, eine mit dem Vereinszweck vereinbare Kompromisslösung zu finden?

 

  1. Wenn ja: Wann? Wie wird die Einhaltung des beschlossenen Realisierungstermins (Juni 2019) gewährleistet?

 

  1. Wenn nein: Wie soll der Ratsbeschluss umgesetzt werden? Oder soll die Sache "ausgesessen" und der Beschluss gar nicht umgesetzt werden?

 

Zu den Gründen unserer Anfrage:

 

Der Wiederaufbau des von den Nazis zerstörten Luther-Melanchthon Denkmals stünde Leipzig gerade in diesen Zeiten gut zu Gesicht. Deshalb erinnern wir an die Umsetzung des Beschlusses vom 19.04.2014.

 

Sowohl wir als Initiator des Ratsbeschlusses als auch der Verein möchten eine Kompromisslösung. Eine "Eins zu Eins - Reproduktion" des vom NS-Regime zerstörten Denkmals ist nicht beabsichtigt. Allerdings erscheint uns unabdingbar, das neue Denkmal so zu gestalten, dass die ursprünglich von Johannes Schilling geschaffene und kunsthistorisch außerordentlich wertvolle Figurengruppe „Luther und Melanchthon im Dialog“ darin eindeutig wiederzuerkennen ist. Der ursprünglich vorhandene Denkmalsockel ist durchaus verzichtbar und sicher auch nicht mehr zeitgemäß. Vielmehr ist es wünschenswert, dass der Betrachter den beiden Reformatoren quasi auf Augenhöhe begegnen kann. Denkbar ist dabei auch eine Art Umrahmung der figürlichen Darstellung, in die z.B. Zitate der beiden Reformatoren integriert werden (vergleichbar dem Goerdelerdenkmal am Neuen Rathaus). Wünschenswert ist außerdem eine separate Informationstafel, die Geschichte und  damaliges Erscheinungsbild des Denkmals dokumentiert.