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Vorlage - VI-DS-03394  

 
 
Betreff: 100. Deutscher Katholikentag 25. - 29.05. 2016 in Leipzig: Auswertung / Fazit
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:Informationsvorlage
Einreicher:Dezernat Kultur
Beratungsfolge:
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Bestätigung
FA Finanzen Information zur Kenntnis
21.11.2016    Fachausschuss Finanzen      
12.12.2016    Sondersitzung FA Finanzen      
FA Kultur Information zur Kenntnis
25.11.2016    Fachausschuss Kultur      
Ratsversammlung Information zur Kenntnis
14.12.2016 
Ratsversammlung zur Kenntnis genommen   

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlagen:
100. Katholikentag - Anlagen

 

 

 

 

Der Stadtrat nimmt die Auswertung des 100. Katholikentages zur Kenntnis.

 


 


Sachverhalt:

100. Deutscher Katholikentag 25. - 29.05. 2016 in Leipzig

 

Auswertung / Fazit

 

Der 100. Katholikentag vom 25. bis zum 29. Mai 2016 wurde von den Veranstaltern als großer Erfolg gewertet. Auch von der Mehrheit der Bürger Leipzigs wird das Ereignis als imagefördernd und sowohl ideell als auch materiell gewinnbringend eingeschätzt. In seinem Betrag für den Dokumentationsband der Veranstalter schätzte Oberbürgermeister Burkhard Jung rückblickend ein:

"Der Mut des Zentralkomitees der deutschen Katholiken hat sich gelohnt. Sie hatten sich für den schwierigeren Weg entschieden, als sie zum 100. Deutschen Katholikentag nach Leipzig einluden. ln eine Stadt, die stark von der Reformation geprägt ist, in der gerade einmal vier Prozent der Menschen sich zur katholischen Konfession bekennen, in der rund drei Viertel der Bevölkerung keiner Kirche angehören. Ich habe diesen Katholikentag erlebt als ein sehr lebendiges Aufeinander zugehen, als ein Fest der ganz wörtlich zu verstehenden Begegnung."

 

Die Gesamtbesucherzahl des Ereignisses betrug 40.000. Davon waren 34.000 Dauerteilnehmende und insgesamt 6.000 Tagesgäste. Die von der Presse angestellten Vergleiche der absoluten Zahlen (etwa zu Regensburg 2014: 50.000 Teilnehmende) müssen relativiert werden. Die wichtigste Größe ist jene der Dauerteilnehmenden (entscheidend für Zahl der Gesamt-Besucher-Tage) - hier hat Leipzig ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis zu verzeichnen. Mit einer großen Zahl an Tagesbesucherinnen und -besuchern konnte aufgrund der Diaspora-Situation nicht gerechnet werden. Die Organisatoren hatten im Vorfeld keine Ziel-Werte genannt.

Allgemein gelobt wurde die entspannte, freundliche Atmosphäre in der Innenstadt. Das darf natürlich zunächst dem Charme der Gastgeberstadt angerechnet werden, doch gleichzeitig hat sich, von vielen Beteiligten und Stammgästen bis dato eher nur am Rande registriert, beim Katholikentag auch ein gewisser Wandel vollzogen:

Jahrzehntelang war das Ereignis insofern als Sammlungs-Plattform der katholischen Laien erlebbar, als von hier aus deren fordernde Fragen an die Würdenträger der Amtskirche gerichtet wurden. Auf Katholikentagen wurden heiße Eisen wie Zölibat, Frauendiakonat, Ökumene, sexueller Missbrauch durch Priester etc. thematisiert.

Inzwischen scheint eine Situation eingetreten, wo viele dieser Themenkreise bereits intensiv diskutiert werden, die Amtskirche sich zu den Problemen bekannt hat. Der amtierende Papst steht, in den Augen von vielen Gläubigen im Unterschied zu seinem Amtsvorgänger, weniger für den Unterschied zwischen Amtsträgern und Laien, sondern vielmehr für eine als Einheit erlebte Kirche aller Gläubigen.

Die Macher des Katholikentages haben diesen Trend gespürt und versucht, die richtigen Weichen zu stellen. Die Wahl von Leipzig als Gastgeberstadt versinnbildlicht das: Nicht mehr das Aufbegehren der Laien gegen die Kirchenhierarchie sollte Thema sein, sondern das Gemeinschaftsgefühl von Christen (durchaus auch anderer Konfessionen) in einer zunehmend säkularen Gesellschaft.
So haben die Teilnehmenden das offenbar auch empfunden. Daher ging von den Besuchern, sowohl bei den Veranstaltungen, als auch beim Flanieren durch die Innenstadt, eine freundliche Gelassenheit aus. Das Erlebnis einer genossenen Gemeinschaft: Dieses Gefühl gerade in der Diaspora sehr stark empfunden zu haben, äußerten viele Teilnehmende.
Was früher gelegentlich als Protestveranstaltung erlebt wurde, glich in Leipzig mehr einem lebendigen und harmonischem Familientreffen. Passend dazu waren die Gottesdienste und liturgisch basierten Großveranstaltungen (Eröffnung, Taize-Nacht etc.) bestens besucht, natürlich auch das Großkonzert mit den Wise Guys auf dem Augustusplatz.

Harmonie im Allgemeinen, Schulterschluss zwischen den Konfessionen im Besonderen: In Fragen der Ökumene scheint man hierzulande bereits zu einem weitgehenden Konsens vorgedrungen. Die im Rahmen des Katholikentages in Leipzig organisierte Leipziger Disputation, diesmal zwischen Reinhard Kardinal Marx und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm - den derzeit führenden Köpfen der katholischen und der evangelischen Konfession in Deutschland - in der bestens gefüllten Thomaskirche zeigte deutlich mehr Einigkeit als Dissens.

Die Leipziger (so sie sich als solche zu erkennen gaben) wurden von den Katholikentagsteilnehmenden als weltoffen, interessiert, gelegentlich skeptisch, aber immer freundlich geschildert: "Ich erlebe eine sehr weltoffene Stadt", hatte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, unmittelbar vor Beginn der Veranstaltung eingeschätzt. Die Menschen seien neugierig, "Lass die doch mal kommen", laute vielfach die Devise. Sein Resümee fiel dann ebenfalls entsprechend aus: "Wir sind hier außerordentlich offenen, toleranten und interessierten Mitbürgern begegnet", schätzte Sternberg ein.

Im Paradigmenwechsel der Gesamtveranstaltung trat auch hervor, was nicht mehr wie gewohnt funktionierte: Podien, die ohne wirkliche Brisanz vor allem von der politischen Prominenz auf der Bühne leben wollten, waren teilweise schwach besucht, bekannte Postulate zu bekannten Fragestellungen lockten die Teilnehmenden nicht mehr wie früher in die Sälen und Hallen. Themen aus der Alltagsphilosophie, der Lebens- und Glaubenshilfe fanden dagegen nach wie vor großen Zuspruch.

Doch auch politisch wurde es durchaus brisant: Katholikentagsteilnehmer stellten im großen Saal der Kongresshalle dem EU-Kommissar Günther Oettinger sehr scharfe Fragen zum geplanten Freihandelsabkommen TTIP - und reihten sich anschließend teilweise in die Demonstration der Organisation Attac gegen das Abkommen ein, die ausdrücklich nicht gegen den Katholikentag gerichtet war.
 

Zum politischen Dauerthema, auf Podien und am Rande kontrovers diskutiert, wurde die Haltung der Organisatoren gegenüber der Partei "Alternative für Deutschland". ZdK-Präsident Sternberg hatte die Entscheidung des Gremiums, Mitglieder oder Anhänger dieser Partei nicht auf ein Podium des Katholikentages einzuladen, im Verlauf der Veranstaltung mehrfach verteidigt, nicht erwünscht seien grundsätzlich "...alle, die nicht Ängste nehmen, sondern sie schüren, die Misstrauen säen und ganze Gruppen oder Religionen herabwürdigen". Diese Entscheidung und ihre Begründung wurden jedoch von nicht wenigen Gästen kritisch gesehen.

Insgesamt zogen Organisatoren, Beteiligte und Gäste fast durchweg positiv Bilanz. Das Ziel der Stadt, sich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern für einen späteren Besuch ohne den Anlass des Katholikentages zu empfehlen, ist vielen Bekundungen zufolge aufgegangen.

So schrieb der Vorsitzende des Diözesanrates im Bistum Dresden-Meißen, Dr. Nikolaus Legutke,  an den Oberbürgermeister: "Der Verlauf des Katholikentages hat alle unsere Erwartungen übertroffen und dies ist sowohl der Gastfreundschaft der Leipziger Bürger geschuldet als auch der Offenheit der Gäste zu verdanken. Beim Besuch der Stände auf der Kirchenmeile wurde mir überall versichert, so ein freundliches Interesse, so eine freundliche Aufnahme vom ersten Tag an hätten sie noch in keiner Stadt erlebt. Sehr oft hörte ich : `Ich bin das erste Mal in Leipzig, ich bin begeistert und werde wiederkommen...` oder ´...meinen Bekannten werde ich Leipzig empfehlen...´ oder in Abwandlung: ´...der Besuch Leipzigs ist eine Reise wert.`"

"Ihre Stadt...", so schilderte ein Pfarrer aus Wien in einem Dankschreiben an den Oberbürgermeister seine Empfindungen, "....ist nicht nur eine historische, sondern auch eine wunderschöne! Es ist bewegend, am Grab von J.S. Bach zu stehen. Es ist bewegend, in der Nikolaikirche zu beten, von der eine Revolution ausgegangen!"
Ein Paar aus Reit im Winkl schrieb an den Oberbürgermeister: "Wir möchten Ihnen hiermit danken, dass wir uns neben dem Flair des Katholikentages in ihrer Stadt sehr wohl gefühlt haben. Wunderschöne und unvergessliche Tage liegen hinter uns, wir durften sehr viel nette und entgegenkommende Menschen kennen lernen."

 

Im Dankschreiben des Generalsekretärs des Zentralkommitees der deutschen Katholiken an den Oberbürgermeister heißt es: "Der Leipziger Katholikentag wird allen, die dabei sein konnten, lange in bester Erinnerung bleiben. Dass Leipzig so gute Eindrücke hinterlassen hat, ist nicht zuletzt den Menschen dieser Stadt zu verdanken. Mein Dank gilt auch den ungezählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Ihrer Verwaltung, die im Laufe der zurückliegenden zwei Jahre immer wieder und immer intensiver mit dem Katholikentag befasst waren. Wir haben diese Zusammenarbeit als ausgesprochen konstruktiv und zielführend erlebt und ich würde mich sehr freuen, wenn dies auch umgekehrt der Fall war. Nicht zuletzt in den Tagen der Durchführung hat man reibungslos Hand in Hand kooperiert und dies hat auch zu der guten Atmosphäre beigetragen, die wir in Leipzig erleben durften.
Viele unserer Teilnehmenden werden nicht zu letzten Mal in Leipzig gewesen sein, weil es ihnen dort so gut gefallen hat. Ich hoffe, auch Sie behalten uns und den 100. Deutschen Katholikentag in guter Erinnerung."

Oberbürgermeister Burkhard Jung resümierte:
"Der Katholikentag hat Leipzig gutgetan und der Katholikentag hat von Leipzig profitiert. Es waren fünf herausragende Tage im Mai, und ein Treffen, das nicht nur wegen des 100. Jubiläums seinen festen Platz in der Historie der katholischen Laienbewegung in Deutschland haben wird."

Ein Berichterstatter einer großen katholischen Onlineplattform zog das kurze Fazit:
"Danke Leipzig! Es hat Spaß gemacht!"