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Vorlage - VI-A-02487  

 
 
Betreff: Errichtung eines Gedenksteins zur Mahnung an die NS-Kindereuthanasie in Leipzig
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Antrag
Einreicher:Behindertenbeirat
Beratungsfolge:
Jugendbeirat Anhörung
Ratsversammlung Verweisung in die Gremien
22.06.2016 
Ratsversammlung (offen)   
FA Kultur 1. Lesung
24.06.2016 
Fachausschuss Kultur      
FA Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule 1. Lesung
11.08.2016    Fachausschuss Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule      
Jugendparlament Anhörung
18.08.2016 
Jugendparlament vertagt   
31.08.2016 
Jugendparlament ungeändert beschlossen   
SBB Mitte Anhörung
08.09.2016 
Stadtbezirksbeirat Leipzig-Mitte geändert beschlossen   
FA Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule 2. Lesung
08.09.2016    Fachausschuss Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule      
FA Kultur 2. Lesung
16.09.2016    Fachausschuss Kultur      
Ratsversammlung Beschlussfassung
21.09.2016 
Ratsversammlung geändert beschlossen   

Beschlussvorschlag
Sachverhalt
Anlagen:
Mahnmalskizze 3
Mahnmal-Fläche Kopie (Angefordertes Dokument nicht im Bestand)
Denkmal (Angefordertes Dokument nicht im Bestand)

 

Beschlussvorschlag:

 

Die Stadt Leipzig errichtet unmittelbar vor dem Haupteingang des Universitätsneubaus – Neues Augusteum auf städtischem Grund in Blickrichtung Augustusplatz einen Gedenkstein zur Mahnung, Erinnerung und Auseinandersetzung mit der NS-Kindereuthanasie, die in Leipzig ihren Anfang nahm.


Sachverhalt:

 

 

Im Jahr 2005 bildete sich im Auftrag des Behindertenbeirates eine zeitweilige Arbeitsgruppe Euthanasieverbrechenzur Schaffung eines Mahnmales, um an den Beginn der Ermordung von behinderten Kindern in Leipzig, an der Mitarbeiter der Universität und der Stadtverwaltung direkt bzw. indirekt beteiligt waren, zu erinnern, mahnend der Opfer zu gedenken und sich mit diesem Thema in der Gegenwart auseinander zu setzen. In dieser Auseinandersetzung geht es insbesondere um das Menschenbild und die Unantastbarkeit der Würde des Menschen.

War es doch gerade der Versuch, dieses Töten als den Akt einer Gnaden- und Erlösungshandlung zu vermitteln, um so gesellschaftliche Akzeptanz zu erzielen.

Gleichzeitig wurden wirtschaftliche Aspekte mit der Begründung bemüht, dass die freiwerdenden Ressourcen anderen Menschen zu Gute kommen können, die einen Mehrwert für die Gesellschaft zu schaffen im Stande sind. Es wurde folglich zwischen unwertem und wertvollem Leben unterschieden. Die Freigabe zur Vernichtung lebensunwerten Lebens wurde schon 1920 von Hoche und Binding in einem in Leipzig gedruckten Buch gefordert. Bindung war viele Jahre Hochschullehrer als Straf- sowie Staatsrechtler und mehrere Jahre Rektor der Leipziger Universität. Die ihm 1909 von der Stadt Leipzig verliehene Ehrenbürgerwürde wurde erst 2010 wegen seiner grundlegenden Argumentation für die Vernichtung lebensunwertenLebens und deren Folgen aberkannt.

 

Wie leicht und wie schnell derartige Argumente auch in der Gegenwart verfangen können, ist aus unterschiedlichen Diskussionen bekannt. Wegen der Möglichkeiten der Pränataldiagnostik wird Eltern mit behinderten Kindern z.T. der Vorwurf gemacht, dass sie deren Dasein doch hätten verhindern können. Und in der Umkehrung verklagen Eltern von behinderten Kindern Ärzte auf Schadensersatz mit der Begründung, dass sie diese Behinderung doch hätten feststellen können und so eine Abtreibung möglich gewesen wäre. Behinderung also als Schadenskategorie.

Ständig gibt es Diskussionen um Kostenfaktoren in der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen. Eine Vielzahl von ethischen Fragen stellen sich und viele Bereiche der Gesellschaft sind berührt, medizinische, juristische, wirtschaftliche, philosophische und religiöse.

 

Die Arbeitsgruppe mit Vertretern des Behindertenbeirates, der Kirchen und weiterer gesellschaftlicher Gruppen war sich schnell darin einig, dass das Mahnmal in Form eines Gedenksteines im Zentrum der Stadt und der geistigen Bildung bzw. Ausbildung, dem Universitätsneubau errichtet werden soll.

 

Das Anliegen wurde 2007 über das Rektorat an die Universität Leipzig herangetragen und bewirkte einen langen Prozess der Diskussion, aber auch Irritation und Auseinandersetzung. Ideen mussten aufgegeben werden, da sich die Rahmenbedingungen änderten, aber es entwickelte sich über diesen langen Zeitraum ein klares Bekenntnis seitens der Vertreter der Universität, dieses Anliegen umsetzen zu wollen.

 

Über den Gedenkstein hinaus soll eine Dauerausstellung zum Thema Leipzig und die Euthanasieproblematikim Campus- Neubau der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät in der Jahnallee im Bauprozess mit entstehen. Dort ist beabsichtigt, dass die Studierenden sich mit der Problematik auseinandersetzen.

Es befindet sich dann in einer Achse zum Sächsischen Psychiatriemuseum. Im Erziehungscampus wird sich auch das Sächsische Weiterbildungszentrum für Lehrer befinden. Dadurch wird ein Personenkreis im Rahmen der Aus- und Weiterbildung erreicht, der der gewollten Multiplikatorenrolle bestens gerecht werden kann.

 

Der Gedenkstein bzw. das Mahnmal soll aber weiterhin im Zentrum der Stadt und vor dem Hauptgebäude der Universität aufgestellt werden und so in die Öffentlichkeit hinein Wirkung entfalten können und zugängig für jedermann sein. Eine Realisierung innerhalb des Universitätsgebäudes hätte insbesondere wegen der Schließzeiten (z.B. am Sonntag) nicht diese Wirkung entfalten können.

 

Der Standort neben dem Haupteingang des Neuen Augusteums ist diesbezüglich ideal. Die Vertreter der Universität sind mit dieser Lösung einverstanden, aber es obliegt der Entscheidung der Stadt, da sich der Gedenkstein auf städtischem Boden befinden würde.

 

Die Form der Gestaltung soll über die Stilisierung durch Bausteine sofort auf Kinder hinweisen. Der obere schräge Stein trägt die Aufschrift: Wider das Vergessen in Vergangenheit   Gegenwart   Zukunftmit einem darunter eingelassenen Metallschild mit dem Schriftzug: Leipzig 1939 ------ Beginn der Tötung behinderter Kinder ----- Genannt: Euthanasie

Der Text wird seitlich auch in Englisch und Braille- Schrift angebracht. Ein ebenfalls seitlich angebrachter QR- Code ermöglicht einen Online-Sofortzugang zu weiteren Informationen.

Anlagen:  
  Nr. Name    
Anlage 3 1 Mahnmalskizze 3 (87 KB)    
Anlage 5 2 Mahnmal-Fläche Kopie (Angefordertes Dokument nicht im Bestand)    
Anlage 6 3 Denkmal (Angefordertes Dokument nicht im Bestand)    
Stammbaum:
VI-A-02487   Errichtung eines Gedenksteins zur Mahnung an die NS-Kindereuthanasie in Leipzig   57 Beauftragte für Senioren und Menschen mit Behinderungen   Antrag
VI-A-02487-VSP-01   Errichtung eines Gedenksteins zur Mahnung an die NS-Kindereuthanasie in Leipzig   02.5 Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule   Verwaltungsstandpunkt