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Vorlage - VI-DS-01331-DS-02  

 
 
Betreff: Verkehrsunfallbericht und Bericht der Verkehrsunfallkommission der Stadt Leipzig 2016/2017
Status:öffentlich (Vorlage entschieden)Vorlage-Art:Informationsvorlage
Einreicher:Dezernat Stadtentwicklung und BauBezüglich:
VI-A-01331
Beratungsfolge:
Dienstberatung des Oberbürgermeisters Information zur Kenntnis
FA Stadtentwicklung und Bau Information zur Kenntnis
29.08.2017    Fachausschuss Stadtentwicklung und Bau      
FA Umwelt und Ordnung Information zur Kenntnis
05.09.2017    Fachausschuss Umwelt und Ordnung      
Ratsversammlung Information zur Kenntnis
07.09.2017 
Ratsversammlung zur Kenntnis genommen   
FA Umwelt und Ordnung Information zur Kenntnis
19.09.2017    Fachausschuss Umwelt und Ordnung      

Beschlussvorschlag
Finanzielle Auswirkungen
Sachverhalt
Anlagen:
Verkehrsbericht 2015 PD Leipzig_Allgemeiner Teil
Verkehrsbericht 2015 PD Leipzig_Auszug Leipzig
Verkehrsbericht 2016 PD Leipzig_Allgemeiner Teil
Verkehrsbericht 2016 PD Leipzig_Auszug Leipzig

Der Bericht wird zur Kenntnis genommen.


 

 


Sachverhalt:

 

1. Veranlassung

 

Entsprechend Beschluss des Stadtrates zum Antrag VI-A-01331 „Jährlicher Verkehrsunfallbericht der Stadt Leipzig“ wird der nachfolgende Bericht vorgelegt. Dementsprechend wird mit dieser Informationsvorlage auch der 3-Jahres-Arbeitsplan (2015 – 2017) der Verkehrsunfallkommission dem Stadtrat zur Kenntnis gegeben und über den Stand der Abarbeitung bzw. die Arbeit der Verkehrsunfallkommission für das Jahr 2015 und 2016 berichtet.

 

Der Verkehrsbericht der Polizei für das Jahr 2015 und für das Jahr 2016  wird dem Stadtrat als Anlage zur Kenntnis gegeben.

 

2. Grundlagen und Arbeitsweise der Verkehrsunfallkommission (VUK)

 

2.1 Rechtsgrundlagen

 

Entsprechend der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zu § 44 StVO sind zur Bekämpfung der Verkehrsunfälle Unfallkommissionen (VUK) einzurichten, deren Organisation, Zuständigkeiten und Aufgaben spezielle Ländererlasse regeln. Die inhaltliche Arbeitsweise der VUK ist geregelt im "Merkblatt zur Örtlichen Unfalluntersuchung in Unfallkommissionen (M Uko)". Dieses Merkblatt wurde per Erlass im Freistaat Sachsen zur Verwaltungsvorschrift erklärt. Das M Uko ist somit verbindlich.

 

Die VUK hat gemäß M Uko die Aufgabe, Unfallhäufungen (Unfallhäufungsstellen - UHS) zu erkennen, zu analysieren, Maßnahmen zu ihrer Beseitigung zu beschließen, die Umsetzung sicherzustellen und eine Wirkungskontrolle durchzuführen. Das Spektrum umfasst verkehrspolizeiliche, verkehrsregelnde und bauliche Maßnahmen.

 

Die dementsprechende personelle Zusammensetzung mit Vertretern der Polizei, der Straßenverkehrsbehörde (zugleich Leitung) und des Trägers der Straßenbaulast (in Leipzig auch die Abteilung Generelle Planung des VTA) soll die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen in jeweils eigener Zuständigkeit gewährleisten.

 

2.2 Feststellung von Unfallhäufungen

 

Die Polizei führt eine digitale, kartenbasierte Statistik über alle gemeldeten Verkehrsunfälle. Über eine spezielle Software werden Unfallhäufungen entsprechend der im M Uko festgelegten Grenzwerte erkannt. Innerstädtisch sind für Unfallhäufungsstellen überwiegend nur nachfolgende Grenzwerte relevant:

 

        5 Unfälle gleichen Typs innerhalb eines Jahres (Einjahreskarte - 1JK) oder

        5 Unfälle mit Personenschaden innerhalb von 3 Jahren (Dreijahreskarte – 3JK)

 

2.3 Maßnahmefindung

 

In der anschließenden Unfallanalyse wird das Unfallgeschehen vertieft untersucht, um unfallbegünstigende Faktoren herauszufinden. Die Analyse sollte für jede untersuchte UHS mit einem oder mehreren Vorschlägen von erfolgversprechenden Maßnahmen zur Entschärfung abschließen, wozu ein einvernehmlicher Beschluss gefasst werden sollte. Die Maßnahmen müssen geeignet, angemessen, durchsetzbar und zulässig sein.

 

Mittels einer Wirkungskontrolle über den Zeitraum eines Kalenderjahres nach Umsetzung der Maßnahmen wird geprüft, ob die Maßnahmen erfolgreich waren.

 

 

3. Ergebnis der Arbeit der VUK 2015

 

3.1 Arbeitsprogramm 2015 – 2017

 

Für die UHS des Zeitraums 2012 bis 2014 wurde ein Arbeitsprogramm beschlossen, das 64 UHS aus der 3JK und 4 UHS aus der 1JK umfasst. Es wird in den Jahren 2015 bis 2017 kontinuierlich bearbeitet. Der Schwerpunkt des Arbeitsprogramms liegt auf der 3JK, da hier die Personenschäden das Kriterium darstellen. Dabei beinhaltet das Arbeitsprogramm schwerpunktmäßig UHS mit hoher Anzahl Personenschäden vor allem der Typen "Einbiegen/Kreuzen" und "Abbiegen":

 

        Einbiegen/Kreuzen-Unfälle resultieren meist aus Missachtung der Vorfahrt (§ 8 StVO) -> oft schwere Personen- und Sachschäden
 

        Abbiegeunfälle resultieren aus Missachtung des Vorrangs des Längsverkehrs (§ 9 StVO) -> oft schwere Auswirkungen auf Fußgänger und Radfahrer und somit schwere Personenschäden, aber auch schwere Unfälle mit Straßenbahnen in Seiten- oder Mittellage
 

        Aus Kapazitätsgründen (sowohl bei der Polizei als auch des VTA) konnten UHS der Typen "Längsverkehr" (Auffahr- und Spurwechselunfälle), ruhender Verkehr (meist nicht schwerwiegend) und "sonstige" nur in das Arbeitsprogramm aufgenommen werden, wenn diese hinsichtlich der Anzahl Personenschäden oder Unfallanzahl herausragten. Die Unfalltypen "Fahrunfall" und Überschreiten-Unfall" treten sehr selten auf, werden aber dann ebenfalls in das Arbeitsprogramm übernommen.

         

3.2 Stand der Abarbeitung des Arbeitsprogramms 2015 – 2017

 

Im Jahr 2015 fanden 7 Besprechungen der VUK statt. Dabei wurden u. a. 12 Ortstermine zur Bewertung des Verhaltens der Verkehrsteilnehmer vor Ort vereinbart und anschließend durchgeführt. Im Jahr 2016 wurden 6 Besprechungen der VUK durchgeführt und es fanden 7 weitere Ortstermine statt.

 

Für 34 UHS ist eine Festlegung von konkreten Maßnahmen nicht möglich oder nicht sinnvoll, weil es z. B. keine ausreichende Anzahl gleichartiger Unfälle gab, die Verkehrssituation nicht repräsentativ war (z. B. infolge von Umleitungen) oder weil es sich um Massen-UHS mit mehr als 30 Unfällen handelt, für die lt. MUko nur noch umfangreiche bauliche Maßnahmen (Komplettumbau) infrage kommen. Die Bearbeitung dieser 34 UHS gilt damit als abgeschlossen.

 

Für die verbleibenden 30 UHS ergibt sich folgender Bearbeitungsstand:

 

        Beschluss verkehrsorganisatorischer Maßnahmen: 13

        davon noch nicht realisiert: 4

        davon realisiert: 9 (4 erfolgreich, 1 nicht erfolgreich, 4 noch keine Wirkungskontrolle)

        Beschluss LSA-Anpassungen: 11

        davon noch nicht realisiert: 8

        davon realisiert: 3 (noch keine Wirkungskontrolle)

        Beschluss straßenbaulicher Maßnahmen: 5

        noch keine Maßnahme beschlossen: 1

 

3.3 weitere UHS in Bearbeitung

 

Aus der Arbeit der vergangenen Jahre befinden sich noch ältere UHS in der Bearbeitung, für die beschlossene Maßnahmen noch nicht umgesetzt werden konnten oder bei denen die umgesetzten Maßnahmen nicht erfolgreich waren. Deren Bearbeitung wird kontinuierlich fortgesetzt. Waren Sie 2012 - 2014 erneut auffällig, wurden sie in das neue Arbeitsprogramm übernommen.

 

Um aktuelle Entwicklungen zu erkennen, wurden 2016 und 2017 zusätzlich die gleitenden 3JK und die 1JK für die Jahre 2013 2015 bzw. 2014 – 2016 elektronisch ausgewertet. Daraus wurden 40 UHS nach der 3JK und 13 UHS nach der 1JK ausgewählt, welche entsprechend der Bearbeitungskapazität unabhängig vom bestehenden Arbeitsprogramm zusätzlich nach Schwerpunkten untersucht und wenn möglich Maßnahmen beschlossen und umgesetzt werden.

 

4. spezielle und allgemeine Schwerpunkte des Unfallgeschehens (Auswahl)

 

4.1 Hauptbahnhof

 

Hier liegt eine komplexe Unfallsituation vor mit den Schwerpunkten:

 

        zwischen Fußgänger und Radfahrern im Bereich Osthalle (!) Auffahr- und Spurwechselunfälle auf der Richtungsfahrbahn West, vor allem im Bereich der Fußgängersignalanlagen
 

        Überschreiten-Unfälle im Bereich der Fußgängersignalanlagen (Rotläufer!)
 

        Hier sind nur bauliche Umgestaltungsmaßnahmen erfolgversprechend wie:
 

  • bauliche Trennung des Rad- vom Fußgängerverkehr
  • Reduzierung der Fahrstreifenanzahl
  • Verbesserung der Querungsbeziehungen

 

4.2 Martin-Luther-Ring/Karl-Tauchnitz-Straße/Harkortstraße

 

Schwerpunkte sind:
 

        Abbiegeunfälle zwischen den Rechtsabbiegern aus der Harkortstraße. mit querenden Fußgängern und Radfahrern
 

        Abbiegeunfälle der Linksabbieger mit dem Gegenverkehr
 

        Auffahrunfälle

 

Die gesicherte Führung der Abbieger ist möglich, ginge jedoch stark zu Lasten der Durchlassfähigkeit. Unkalkulierbare Rückstaus/Verkehrsverlagerungen wären die Folge mit der Gefahr, dass daraus neue UHS oder Umweltbelastungen resultieren, die möglicherweise für den Luftreinhalte- oder Lärmaktionsplan relevant wären. Prinzipiell sind die Probleme deshalb nur durch zusätzliche Fahrstreifen lösbar.

 

4.3 Streckenzug Friedrich-List-Platz bis Rackwitzer Straße

 

Schwerpunkte sind Auffahr- und Spurwechselvorgänge, die letztlich aus einer Überlastung des Streckenzuges resultieren.

 

 

 

 

4.4 Besonders unfallträchtige Situationen - für viele Einzelstandorte zutreffend

 

        größere LSA-Knotenpunkte mit hohem Auslastungsgrad -> Auffahr-, Spurwechsel und - bei nicht gesicherter Führung der Abbieger – Abbiegeunfälle unterschiedlichster Konstellation
 

        linksseitig fahrende Radfahrer an Einmündungen mit hohem Rechtsabbiegeranteil → Einbiegen/Kreuzen-Unfälle mit Radfahrern (meist schwere Personenschäden)
 

        Straßenbahn in Seitenlage -> teils schwere Abbiegeunfälle
 

        unübersichtliche Kreuzungen/Einmündungen (schlechte Sicht) -> Einbiegen/Kreuzen-Unfälle
 

        unsignalisierte Rechtsabbieger an Dreiecksinseln und/oder Vorfahrtregelung mit "Stoppzeichen" -> Auffahrunfälle

 

5. Gesamteinschätzung

 

Die VUK arbeitet ständig an einer Vielzahl von teils langjährig bestehenden UHS und versucht, diese mit "low cost"-Maßnahmen zu entschärfen, weil wirksame bauliche Umgestaltungen und der Neubau von LSA in Anbetracht der Finanzsituation des VTA bzw. der Stadt nur sehr langfristig umsetzbar sind.

 

Überschreiten-Unfälle (Fußgänger) treten so wenige auf, dass kaum UHS daraus resultieren (Rotläufer am Hauptbahnhof und im Bereich Jahnallee/Haltestelle Waldplatz/Arena als derzeit diesbezügliche UHS). Das heißt, die Querungssicherheit für Fußgänger ist in Leipzig grundsätzlich gegeben. Das bedeutet aber nicht, dass dem allgemeinen Wunsch entsprechend überall eine komfortable Querung mit kurzer Wartezeit möglich ist.

 

Unfälle mit Radfahrern der Typen „Einbiegen/Kreuzen“ und „Abbiegen“ stellen durchaus ein wachsendes Problem dar, da der Anteil des Radverkehrs steigt. Damit steigt die Anzahl der Unfälle mit Radfahrerbeteiligung und diese fallen besonders hinsichtlich der Personenschäden ins Gewicht. Dem entgegengewirkt werden kann nur mit benutzerfreundlichen und bedarfsgerechten Führungsformen des Radverkehrs im Sichtfeld des Kraftfahrzeugverkehrs, die regelwidriges Verhalten der Radfahrer möglichst erübrigen.

 

Demgegenüber stellen fehlende Radverkehrsanlagen in Bezug auf Konflikte zum Längsverkehr durch Kraftfahrzeuge keinen Schwerpunkt dar. Fehlende Radverkehrsanlagen sind deshalb nicht automatisch unfallträchtig in Bezug auf Unfälle mit Radfahrern.

 

 

Stammbaum:
VI-A-01331   Jährlicher Verkehrsunfallbericht der Stadt Leipzig   Geschäftsstelle der SPD-Fraktion   Antrag
VI-A-01331-VSP-001   Jährlicher Verkehrsunfallbericht der Stadt Leipzig   66 Verkehrs- und Tiefbauamt   Verwaltungsstandpunkt
VI-DS-01331-DS-02   Verkehrsunfallbericht und Bericht der Verkehrsunfallkommission der Stadt Leipzig 2016/2017   66 Verkehrs- und Tiefbauamt   Informationsvorlage