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Vorlage - VII-F-01462-AW-01  

 
 
Betreff: Coronabedingte Auswirkungen auf die Kultureigenbetriebe der Stadt Leipzig
Anlass: Sonstiges
Status:öffentlich (Vorlage abgeschlossen)Vorlage-Art:schriftliche Antwort zur Anfrage
Einreicher:Dezernat KulturBezüglich:
VII-F-01462
Beratungsfolge:
Ratsversammlung

Sachverhalt

ALLRIS® Office Integration 3.9.2

Zu Frage 1.

 

Die Eigenbetriebe Kultur Gewandhaus, Oper, Theater der Jungen Welt und Schauspiel waren während des Lockdowns für den Publikumsverkehr und Veranstaltungsbetrieb vollständig geschlossen. Die Musikschule konnte ihren Musikschullehrbetrieb – zumindest anteilig – über Videokonferenzen durchführen. Allerdings konnten auch hier Formate wie Tanzunterricht oder das Projekt „Singt Euch ein!“ nicht stattfinden. Mit Ende des Lockdowns im Mai haben die Eigenbetriebe Kultur umfängliche Sicherheits- und Hygienekonzepte erarbeitet, die es zulassen, zumindest einen eingeschränkten Spielbetrieb durchführen zu können. Dieser gestaltet sich von Eigenbetrieb zu Eigenbetrieb unterschiedlich, auf Art und Umfang der Veranstaltung und künstlerischen Ausrichtung bezogen. Die Besucherkapazitäten in den Sälen der Eigenbetriebe sind stark eingeschränkt. Nur rund 15 % bis 20 % der ursprünglichen Besucherkapazität darf unter Einhaltung der Sicherheitskonzepte Veranstaltungen in den Eigenbetrieben Kultur besuchen. Zudem wird im Gewandhaus momentan der Große Saal saniert (geplantes Bauvorhaben), so dass lediglich der Mendelssohnsaal für den eingeschränkten Spielbetrieb momentan genutzt werden kann.

 

Zu Frage 2.

 

Für den weiteren Jahresverlauf 2020 (nach der Sommerpause) wird weiterhin von einem eingeschränkten Spielbetrieb unter Einhaltung der Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen in den Eigenbetrieben Kultur ausgegangen. Zudem wurde sich darüber verständigt, dass auch für das Jahr 2021 im Rahmen der Wirtschaftsplanung 2021 bis zum Ende der Spielzeit 2020/2021 (d.h. bis 31.07.2021) von einem eingeschränkten Spielbetrieb mit lediglich eingeschränkten Formaten bzw. unter Einhaltung der entsprechenden Sicherheits- und Hygienevorschriften ausgegangen wird. Ab 01.08.2021 werden die Eigenbetriebe Kultur Normalbetrieb in ihren Planwerken abbilden. Die Eigenbetriebe Kultur überarbeiten ihre Hygiene- und Sicherheitskonzepte fortlaufend und stehen in direkten Kontakt mit dem Gesundheitsamt, Ordnungsamt, arbeitsmedizinischen Dienst etc., so dass momentan noch nicht prognostiziert werden kann, ob es auch in Zukunft bei einer Besucherkapazität von 15 % bis 20 % in Veranstaltungssälen bleibt oder ob es möglich sein wird, Abstände zu reduzieren, bspw. Familien enger zusammenzusetzen usw., um damit die Besucherkapazitäten zu erhöhen. Es wird davon ausgegangen, dass sich diesbezüglich kurzfristig Änderungen ergeben können.


 

Zu Frage 3.

 

Beim Theater der Jungen Welt ist seit Schließung im März bis Ende Mai 2020 ein negativer Ergebniseffekt i. H. v. rd. 60 T€ auf das geplante Jahresergebnis gemäß Wirtschaftsplan 2020 entstanden. Es wird prognostiziert, dass dieser negative Effekt bis zum Ende der Spielzeit (bis Ende Juli 2020) auf 90 T€ ansteigen wird. Da bis auf die Musikschule die Eigenbetriebe Kultur für Juni bis Mitte Juli Kurzarbeitergeld beziehen, wird für das TdJW erwartet, dass hierdurch Einnahmen von bis zu 90 T€ generiert werden können, so dass der negative wirtschaftliche Coronaeffekte bis Spielzeitende in Summe mit großer Wahrscheinlichkeit dann ergebnisneutral abgebildet werden könnte. Die große Unsicherheit liegt in der 2. Jahreshälfte. Es sei noch nicht absehbar, wie sich die wirtschaftliche Entwicklung weiter gestaltet. Auch finden aktuell erneut Gespräche zur Fortführung der Kurzarbeitergeldregelung in den Kultureigenbetrieben für die 2. Jahreshälfte statt.

 

In der Musikschule hat sich von März bis Mai 2020 ein negativer Ergebniseffekt auf die Plangrößen gemäß Wirtschaftsplan 2020 von insgesamt rd. 143 TEUR eingestellt. Sollte ab September wieder der Unterrichtsbetrieb vollständig durchgeführt werden dürfen, rechnet die Musikschule dann mit einem negativen Ergebniseffekt 2020 i. H. v. rund 270 T€ auf das Jahresergebnis. Die finanziellen Auswirkungen eines bis Jahresende andauernden eingeschränkten pandemiebegründeten Unterrichtsbetriebes konnten noch nicht errechnet werden. Für 2021 kann noch keine wirtschaftlichen Prognose gegeben werden.

 

Im Gewandhaus hat sich mit Beginn des Lockdowns bis Ende Mai im ein negativer Saldo auf das Jahresergebnis gemäß Wirtschaftsplan 2020 in Höhe von rund 642 T€ eingestellt. Dieser Verlust konnte jedoch weitgehend durch die Absage von Klassik airleben im Juni kompensiert werden, da die hohen Aufwendungen für die Infrastruktur (insbesondere Bühne, Ton- und Videoausstattung) wegfielen. Das Kurzarbeitergeld werde den Personalaufwand grob geschätzt um rund 600 T€ entlasten.  Zumindest bis Jahresmitte 2020 verbleibt das Gewandhaus vom Jahresergebnis her auf Wirtschaftsplanniveau 2020. Die große Unsicherheit betrifft das 2. Halbjahr. Bei Fortsetzung des eingeschränkten Spielbetriebs unter Coronabedingungen würde sich auf Jahressicht ein hoher Jahresverlust ergeben, da – wie bereits unter 1. beschrieben - wegen der Abstandsregeln nur ein Viertel bis ein Fünftel der Plätze in den Verkauf gelangen könnten. Erst auf Basis der konkreten Ersatzspielpläne bis Jahresende, die sich momentan in Erarbeitung befinden, können seriöse Berechnung vorgelegt werden. Auch würde die Fortsetzung von Kurzarbeitergeld die wirtschaftliche Situation im Gewandhaus merklich entlasten. Für 2021 ist noch keine Prognose möglich.

 

In der Oper wird erwartet, dass sich das Jahresergebnis seit März bis Spielzeitende (bis 31.07.2020) coronabedingt im Vergleich zum Wirtschaftsplan 2020 um rund 2 Mio. € verschlechtern wird. Trotz Kurzarbeit im Juni/ Juli und damit verbundener Erstattungen durch die Agentur für Arbeit, wird sich dieses Defizit bis zur Jahreshälfte nicht vollumfänglich kompensieren; allerdings merklich verringern lassen. Auch in der Oper ist das 2. Halbjahr zum gegenwärtigen Zeitpunkt der größte Unsicherheitsfaktor. Zwar wird es auch nach der Sommerpause einen eingeschränkten Spielbetrieb geben, jedoch würde sich die Fortsetzung der Kurzarbeiterregelung in der Oper auf das Jahresergebnis 2020 merklich positiv auswirken. Die Betriebsleitung der Oper geht zum gegenwärtigen Zeitpunkt davon aus, dass es ggf. möglich sein könnte, unter Fortsetzung der Kurzarbeiterregelung nach der Sommerpause trotz eingeschränktem Spielbetriebes das Jahresergebnis des Wirtschaftsplanes 2020 - zumindest im Ansatz – zu erreichen und somit die wirtschaftlich negativen Effekte deutlich zu reduzieren. Für 2021 ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Prognose möglich.

 

Das Schauspiel konnte mit Beginn des Lockdowns bis Ende Mai seine Einnahmeausfällte nahezu vollständig durch entsprechende Einsparungen bei den Aufwendungen - betriebsbedingt systemspezifisch stärker als die anderen Eigenbetriebe Kultur - nahezu eigenständig ausgleichen.

Allerdings werden die Einnahmeverluste nach der Sommerpause durch Fortsetzung eines eingeschränkten Spielbetriebes nicht mehr durch zusätzliche Aufwandseinsparungen neutralisiert werden können, so dass das für die Monate Juni/Juli bezogene Kurzarbeitergeld hier wirtschaftlich stützt. Das Jahresergebnis 2020 bei Fortsetzung eines eingeschränkten Spielbetriebes bis Jahresende ist aus heutiger Sicht noch nicht absehbar. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das Schauspiel einen Jahresverlust erwirtschaften. Auch arbeitet das Schauspiel intensiv an der Ausweitung der Besucherkapazitäten und befindet sich hierzu fortlaufend im Austausch mit den hierfür zuständigen Behörden (Gesundheitsamt etc.). Für 2021 ist noch keine Prognose absehbar.

 

Zu Frage 4.

Für 2021 und 2022 werden die Zuschüsse an die Kultureigenbetriebe aus dem Jahr 2020 fortgeschrieben und eingefroren. D.h.: Die eigentlich für 2021 vorgesehene neue Finanzierungsvereinbarung (Vorlage: VI-DS-07810 – „strukturelle und finanzielle Rahmenbedingungen der Eigenbetriebe Kultur der Stadt Leipzig für den Zeitraum 2021 bis 2024“) wird für 2 Jahre ausgesetzt und würde nach heutigem Stand erst im Jahr 2023 in den Zuschüssen Berücksichtigung finden.

 

 

 

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Stammbaum:
VII-F-01462   Coronabedingte Auswirkungen auf die Kultureigenbetriebe der Stadt Leipzig   Geschäftsstelle der CDU-Fraktion   Anfrage
VII-F-01462-AW-01   Coronabedingte Auswirkungen auf die Kultureigenbetriebe der Stadt Leipzig   02.4 Dezernat Kultur   schriftliche Antwort zur Anfrage