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Auszug - Erweiterungspläne des Flughafens Leipzig-Halle zu Gast: Vertreter der Geschäftsführung DHL und Flughafen Leipzig-Halle   

 
 
OR Lindenthal
TOP: Ö 6
Gremium: OR Lindenthal Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 09.04.2019 Status: öffentlich
Zeit: 19:00 - 22:15 Anlass: Sitzung
Raum: Tagungsort siehe Tagesordnung
Ort:
 
Wortprotokoll

Herr Jähn von der Geschäftsführung des Flughafens Leipzig/Halle stellte die Entwicklung des Flughafens in Zahlen vor. Während das Passagieraufkommen nur langsam steigt, soll das Frachtaufkommen weiterentwickelt werden. DHL ist mit 270 Zielen weltweit der größte Kunde. Auf und am Flughafen gibt es rund 10000 Beschäftigte. Da der Flughafen in Bundesinteresse ist, wird kontinuierlich weiterentwickelt. Er zeigte anhand einer Grafik die zu entwickelnden Gebiete, zu denen es aber teilweise noch keine konkreten Planungen gibt. In Kürze beginnen die Arbeiten für ein Container-Terminal, das schon 2019 seinen Betrieb nahe dem Frachtbahnhof aufnehmen soll. Außerdem wird binnen eines Jahres einen besonders geschützten Parkplatz für 55 Lkw mit sehr hochwertigen Waren geschaffen. Des Weiteren laufen auf dem Flughafen-Areal Planverfahren für verschiedene Gewerbeflächen. Weitere Vorhaben des Flughafens sind unter anderem der Bau eines Kleinflugzeug-Hangars zur Wartung von Privatfliegern sowie Chartermaschinen. Das Ziel dieser Informationsveranstaltung ist es, eine bessere Kommunikation gegenüber früheren Planungen mit den betroffenen Menschen zu erreichen.

Herr Otto von der Geschäftsführung DHL erklärte anhand von Grafiken das Portfolio des Unternehmens. Kerngeschäft von DHL ist der Nachtflug vorrangig nach Asien und Amerika mit Verteilerfunktion für ganz Europa. Die Taktung der Lieferketten ist der Grund, dass DHL nur fast nachts fliegen kann. Einige Waren haben spezielle Voraussetzungen und sind z.B. zeitkritisch oder temperaturstabil zu befördern. Zurzeit werden am Standort pro Nacht 350 000 Sendungen durch DHL umgeschlagen. Planungen gehen zukünftig von 850000 Sendungen aus. Abgedeckt soll dieses Aufkommen auch durch Flugzeuge mit höherer Tonnage. Dafür müssen auch technische Maßnahmen ergriffen werden, um die Kreuzung der Südbahn zur Nordbahn besser nutzen zu können, damit auf beiden Bahnen die volle Auslastung erreicht wird. DHL plant in diesem Jahr den Bau eines Flugsimulators zur Schulung der Piloten. Die Flugzeugflotte von DHL wird laufend modernisiert, so dass derzeit 3 Typen von leisen Maschinen im Einsatz sind.

 

Fragen der Anwesenden werden zugelassen. Herr Hoffmann erklärte, dass nur Fragen und keine Statements zugelassen werden.

 

 Dass sich an die im Planfeststellungsverfahren von 2004 gemachte Zusage zur gleichmäßigen Nutzung der Nord- und der Südbahn de facto niemand halte, kritisierten die beiden Stadt- und Ortschaftsräte Uwe Rothkegel und Andreas Geisler. „Uns Politiker lässt man im Regen stehen, wenn klare Absprachen einfach ignoriert werden“, wurde Herr Rothkegel deutlich.

 Herr Rothkegel:In welchen Rahmen soll die Erweiterung stattfinden?

Es ist ein Planänderungsverfahren in ca. 6 Monaten mit öffentlicher Auslegung vorgesehen. Zum jetzigen Zeitpunkt können noch keine Details vorgestellt werden.

 Frau Pätzold: sind die im Bebauungsplan 422 vorgesehene Gewerbebauten als Hochbau für Schutz gegen Bodenlärm vorgesehen?

Zum Bebauungsplan 422 gibt es noch keine konkrete Planungen.

 Herr Rabe: Wie kann die Nordbahn stärker eingebunden werden?

Um die Nordbahn zu erreichen, muss die Südbahn gekreuzt werden. Die technische Veränderung ist derzeit in der Planungsphase. Ist auch dadurch begründet, dass mehr Flugbetrieb in Zukunft erforderlich ist.

 Herr Rothkegel: Südabkurvung, Verteilung der Landebahnen und Modernisierung der Flugzeuge wurden im damaligen Planfeststellungsverfahren nicht berücksichtigt. Was gibt uns die Sichergehet, dass im jetzigen Prozess mehr Vertrauen zu den Bürgern zu bringen, damit nicht wieder leere Versprechungen gemacht werden?

Herr Jähn, der Flughafen geht diesmal stärker in den Dialog mit den Bürgern, dazu dient auch die heutige Veranstaltung.

Herr Otto, damals konnte die Entwicklung nicht vorausgesehen werden. Deshalb soll es jetzt besser funktionieren. Die Modernisierung der Flotte ist weit fortgeschritten. DHL verfügt jetzt über die modernste Flotte der Welt.

 Herr Rabe: Wer trägt die Kosten für die Erweiterung?

Der Flughafen finanziert die Mittel dafür vor und holt sie über die Betriebskosten wieder zurück.

 Herr Kuhnert Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative „Gegen Fluglärm“: kommt eine weitere Halle für die Triebwerksprobeläufe?

Mit der gegenwärtigen Anlage haben wir keine Kapazitätsprobleme, nur der Wind macht uns zu schaffen“, antwortete Herr Otto. Und versicherte: „Außerhalb der Halle wird es keine Triebwerksprobeläufe mehr geben“. Die Treibwerkshalle soll technisch aufgerüstet werde, um künftige Belange abdecken zu können.

 Herr Adrian: Was kann als aktiver Lärmschutz angeboten werden und wie können Pläne angepasst werden, wenn die Gegebenheiten von den Prognosen im Planfeststellungsverfahren abweichen?

Für Lärmschutz: Flottenmodernisierung, technologische Entwicklung (u.a. Anflugverhalten), stärkerer Dialog, da Lärm in unterschiedlicher Entfernung unterschiedlich aufgenommen wird. DHL nutzt nachts nicht mehr die kurze Südabkurvung

 Herr Hoffmann: Kommen die Flieger bei den neuen Anflugvarianten nicht mehr so nah an Breitenfeld heran?

Frage kann derzeit nicht beantwortet werden.

 Herr Schmidt forderte, künftig klar festzulegen, welche aktiven Lärmschutzmaßnahmen vorgenommen werden.

Herr Otto räumte hier Fehler in der Vergangenheit ein.

 Frau Kühne: Es sollten Emissionsmessungen und Bodenproben erfolgen?

Waldpflanzungen und ein Lärmschutzwall sollen nach zu erstellenden Gutachten in die Planung einfließen. Lindenthal hat leider keine öffentlichen Flächen für mehr Ausgleichsmaßnahmen. Bei unabhängigen Messungen wurden keine Überschreitungen von Grenzwerten für die Gesundheit der Bürger festgestellt. Feinstaub wird bei den Messungen nicht berücksichtigt.

 Herr Unbekannt: warum die im Jahr 2017 vom Bundestag einstimmig angenommene Petition zur Abschaffung der kurzen Südabkurvung beziehungsweise zur Tonnage-Begrenzung der Flugzeuge bis maximal 30 Tonnen nicht umgesetzt werde. Der Beschluss liege seit Langem im Bundesverkehrsministerium und harre seiner Realisierung.

Die Umsetzung muss noch vom Verkehrsministerium umgesetzt werden. Dafür müssen noch alle Beteiligten zustimmen, was noch nicht erfolgte.

 Herr Prause nannte die Aussagen des Flughafen- und des DHL-Chefs „sehr gewöhnungsbedürftig“. Wieso zahlt DHL seine Steuern in Bonn und nicht in Leipzig, wo gut 60. 000 Nordraum-Bewohner erheblich unter Fluglärm zu leiden hätten? Die Frage blieb unbeantwortet. Herr Otto entgegnete, dass, bestimmte Steuern, wie Gewerbesteuer und Lohnsteuer in der Region bleiben.

 Herr Kühne: ist daran gedacht, das für das steigende Aufkommen auch Fluglosten etc. ausgebildet werden?

Die Planungen für Personalerweiterungen sind bereits in Arbeit.

 Herr Brause: Bundestag hat der Petition der Abschaffung der Südabkurvung zugestimmt. Wann wird sie umgesetzt?

Der Zeitpunkt kann derzeit nicht konkretisiert werden.

 Frau Hauke: Wie oft wird Kerosin abgelassen?

Das Ablassen erfolgt nur bei Notfällen. 2018 wurde 2x und 2019 1x Kerosin über Sachsen abgelassen. Dies ist messtechnisch nicht zu erfassen, da sich das Aerosol über große Räume verteilt.

Ortsvorsteher Herr Hoffmann beendete die Anfragen. Die Bürger werden das weitere Verfahren intensiv beobachten. Lindenthal wird sich ganz genau die zukünftige Bebauung im südwestlichen Teil zum Schallschutz anschauen.